Hallo Ute,
ich spiele mit dem Gedanken, private Pflege anzubieten, da ich
keine Lust mehr dazu habe, in Pflegefabriken tätig zu sein
oder in Sozialstationen Stoppuhrpflege zu leisten.
Was schon mal sehr löblich ist.
Mein Gedanke geht so in die Richtung, 2 oder 3 alte Menschen
in der Nähe zu versorgen, mit Einkauf etc. zu moderaten
Preisen.
Der letzte Satz hat einen eigenartigen Beigeschmack bei mir hervorgerufen: Du hast noch nie Deine Kosten als Selbstständige durchgerechnet (hab ich recht ?)
Mein wichtigster Rat: erst kalkulieren, dann Preise festlegen. 70% aller Pleite-Unternehmen gehen Zugrunde, weil falsch kalkuliert wurde !!! Nur wenige gehen „baden“, weil sie fachlich nicht kompetent sind.
Kleiner Ansatz: Alle anfallenden Kosten inkl. Fahrzeug, Versicherungen, Telefon, Steuerberater, Abgaben (IHK usw.), Weiterbildung, Miete (wenn geschäftlich erforderlich) und vor allem das eigene „Gehalt“ inkl. Lohnnebenkosten zusammenzählen und durch die jährlich verfügbaren Stunden (meiner Einschätzung nach ca. 1.800 Std. / Jahr) dividieren. Das ergibt den Stundensatz, der meiner Erfahrung nach bei nicht weniger als 20 Euro (absolutes Minimum !) liegen darf. Wenn Du Deine Fahrzeugkosten nicht zusätzlich abrechnen kannst (z.B. nach km), dann sind’s je nach gefahrenen km (in der Stadt weniger als auf dem Land) eher 23- 25 Euro / Stunde.
Wenn Du vorhast, weniger zu verlangen, dann machst Du das Ganze nicht sehr lange mit. Bei der Kalkulation habe ich übrigens ein monatliches Einkommen angenommen, das ca. 2.000 Euro Brutto bei einem Angestellten entspricht.
Ich bin examinierte Krankenschwester.
Damit dürfte es am fachlichen nicht mehr scheitern, insbesondere da ich davon ausgehe, dass Du die „kleinen Dinge des Lebens“ versorgen willst und nicht unbedingt vorhast, größere Operationen durchzuführen 
Müsste ich mich dabei zum Gewerbe oder so anmelden
Da ich vermute, dass diese Dienstleistung nicht als freiberuflich gilt, gehe ich davon aus, dass Du es machen musst. Kostet ca. 15 - 30 Euro (je nach Stadt / Gemeinde) und ist auch relativ einfach. Vor allem dann, wenn Du Worte wie "medizinische Betreuung usw. nicht verwendest, sondern in Richtung allgemeine Dienstleistungen, Botengänge usw. argumentierst.
Das Ganze läuft übrigens auf dem Gewerbeamt ab, das bei den meisten Gemeinden im Rathaus angesiedelt ist.
und bräuchte ich dann ein unbedingt ein Büro,
nein, selbstverständlich nicht, aber aufgrund der anfallenden Buchführungspflicht usw. würde ich mir einen Steuerberater suchen. Besser noch: mach unbedingt einen Existenzgründungs-Kurs mit (bieten VHS, IHK usw. an), insbesondere, weil diese Frage offenbart, dass Du bisher noch nie sowas gemacht hast (nicht negativ gemeint, vielmehr erkenne ich daher dringenden Handlungsbedarf).
oder könnte ich mit
den Kunden einen einfachen Breuungsvertrag abschliessen, worin
stehen würde, Was ich wann mache und was ich dafür bekomme?
einen solchen Vertrag würde ich sowieso noch schliessen, inkl. Leistungskatalog, entbindet Dich aber nicht von Gewerbeanmeldung, Finanzamt, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, IHK-„Zwangsbeitrag“ usw.
Thema Abrechnung: ich denke, dass viele Pflegebedürftige ein Anrecht auf Leistungen aus der Pflegeversicherung usw. haben. Daher solltest Du Dich unbedingt informieren, wie die Leute diese Gelder beantragen müssen, um Dich bezahlen zu können.
Wie sieht es mit Steuer und Versicherung aus?
Versicherung: Achtung !!! sobald Du selbstständig bist, will jeder Versicherungsmakler nur Dein Bestes=>Geld (Du wirst plötzlich feststellen, wie viele Versicherungsvertreter / -makler Euer Ort hat, denn die stehen alle vor Deiner Tür). Du brauchst unbedingt eine Krankenversicherung, eine Unfall / BU - Versicherung, eine (Berufs-)Haftpflichtversicherung und irgendwas für die Altersvorsorge. Und genau bei diesem letzten Punkt würde ich erstmal abwarten und mir nichts aufschwatzen lassen.
Steuer: sobald Du den Gewerbeschein hast, wird sich auch das Finanzamt bei Dir melden. Da das Ganze recht umfangreich werden kann (je nach jährlichem Umsatz usw.), würde ich mir hier einen Steuerberater nehmen.
Da ich keine Ahnung habe, wäre es nett, wenn mich Jemand, der
Ahnung von so Etwas hat, aufklären und mir Tips geben könnte.
Daher hier nochmal die kurze Zusammenfassung:
- die Idee finde ich super
- ich befürchte, dass sich das Ganze nicht rechnet, da den Stundensatz keiner zahlen will (Stundensatz nicht unter 20 - 25 Euro !!!)
- ich rate dringend zum Absolvieren eines Seminars / Kurses zum Thema
So, das war’s mal für’s Erste, bei weiteren Fragen: einfach lostippen.
Grüsse
Sven