Private Pflege anbieten

Hallo,

ich spiele mit dem Gedanken, private Pflege anzubieten, da ich keine Lust mehr dazu habe, in Pflegefabriken tätig zu sein oder in Sozialstationen Stoppuhrpflege zu leisten.
Mein Gedanke geht so in die Richtung, 2 oder 3 alte Menschen in der Nähe zu versorgen, mit Einkauf etc. zu moderaten Preisen.
Ich bin examinierte Krankenschwester.
Müsste ich mich dabei zum Gewerbe oder so anmelden und bräuchte ich dann ein unbedingt ein Büro, oder könnte ich mit den Kunden einen einfachen Breuungsvertrag abschliessen, worin stehen würde, Was ich wann mache und was ich dafür bekomme?
Wie sieht es mit Steuer und Versicherung aus?

Da ich keine Ahnung habe, wäre es nett, wenn mich Jemand, der Ahnung von so Etwas hat, aufklären und mir Tips geben könnte.

Vielen Dank schon mal!

Gruß
Ute

Hallo Ute,

ich spiele mit dem Gedanken, private Pflege anzubieten, da ich
keine Lust mehr dazu habe, in Pflegefabriken tätig zu sein
oder in Sozialstationen Stoppuhrpflege zu leisten.

Was schon mal sehr löblich ist.

Mein Gedanke geht so in die Richtung, 2 oder 3 alte Menschen
in der Nähe zu versorgen, mit Einkauf etc. zu moderaten
Preisen.

Der letzte Satz hat einen eigenartigen Beigeschmack bei mir hervorgerufen: Du hast noch nie Deine Kosten als Selbstständige durchgerechnet (hab ich recht ?)

Mein wichtigster Rat: erst kalkulieren, dann Preise festlegen. 70% aller Pleite-Unternehmen gehen Zugrunde, weil falsch kalkuliert wurde !!! Nur wenige gehen „baden“, weil sie fachlich nicht kompetent sind.

Kleiner Ansatz: Alle anfallenden Kosten inkl. Fahrzeug, Versicherungen, Telefon, Steuerberater, Abgaben (IHK usw.), Weiterbildung, Miete (wenn geschäftlich erforderlich) und vor allem das eigene „Gehalt“ inkl. Lohnnebenkosten zusammenzählen und durch die jährlich verfügbaren Stunden (meiner Einschätzung nach ca. 1.800 Std. / Jahr) dividieren. Das ergibt den Stundensatz, der meiner Erfahrung nach bei nicht weniger als 20 Euro (absolutes Minimum !) liegen darf. Wenn Du Deine Fahrzeugkosten nicht zusätzlich abrechnen kannst (z.B. nach km), dann sind’s je nach gefahrenen km (in der Stadt weniger als auf dem Land) eher 23- 25 Euro / Stunde.

Wenn Du vorhast, weniger zu verlangen, dann machst Du das Ganze nicht sehr lange mit. Bei der Kalkulation habe ich übrigens ein monatliches Einkommen angenommen, das ca. 2.000 Euro Brutto bei einem Angestellten entspricht.

Ich bin examinierte Krankenschwester.

Damit dürfte es am fachlichen nicht mehr scheitern, insbesondere da ich davon ausgehe, dass Du die „kleinen Dinge des Lebens“ versorgen willst und nicht unbedingt vorhast, größere Operationen durchzuführen :smile:

Müsste ich mich dabei zum Gewerbe oder so anmelden

Da ich vermute, dass diese Dienstleistung nicht als freiberuflich gilt, gehe ich davon aus, dass Du es machen musst. Kostet ca. 15 - 30 Euro (je nach Stadt / Gemeinde) und ist auch relativ einfach. Vor allem dann, wenn Du Worte wie "medizinische Betreuung usw. nicht verwendest, sondern in Richtung allgemeine Dienstleistungen, Botengänge usw. argumentierst.

Das Ganze läuft übrigens auf dem Gewerbeamt ab, das bei den meisten Gemeinden im Rathaus angesiedelt ist.

und bräuchte ich dann ein unbedingt ein Büro,

nein, selbstverständlich nicht, aber aufgrund der anfallenden Buchführungspflicht usw. würde ich mir einen Steuerberater suchen. Besser noch: mach unbedingt einen Existenzgründungs-Kurs mit (bieten VHS, IHK usw. an), insbesondere, weil diese Frage offenbart, dass Du bisher noch nie sowas gemacht hast (nicht negativ gemeint, vielmehr erkenne ich daher dringenden Handlungsbedarf).

oder könnte ich mit

den Kunden einen einfachen Breuungsvertrag abschliessen, worin
stehen würde, Was ich wann mache und was ich dafür bekomme?

einen solchen Vertrag würde ich sowieso noch schliessen, inkl. Leistungskatalog, entbindet Dich aber nicht von Gewerbeanmeldung, Finanzamt, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, IHK-„Zwangsbeitrag“ usw.

Thema Abrechnung: ich denke, dass viele Pflegebedürftige ein Anrecht auf Leistungen aus der Pflegeversicherung usw. haben. Daher solltest Du Dich unbedingt informieren, wie die Leute diese Gelder beantragen müssen, um Dich bezahlen zu können.

Wie sieht es mit Steuer und Versicherung aus?

Versicherung: Achtung !!! sobald Du selbstständig bist, will jeder Versicherungsmakler nur Dein Bestes=>Geld (Du wirst plötzlich feststellen, wie viele Versicherungsvertreter / -makler Euer Ort hat, denn die stehen alle vor Deiner Tür). Du brauchst unbedingt eine Krankenversicherung, eine Unfall / BU - Versicherung, eine (Berufs-)Haftpflichtversicherung und irgendwas für die Altersvorsorge. Und genau bei diesem letzten Punkt würde ich erstmal abwarten und mir nichts aufschwatzen lassen.

Steuer: sobald Du den Gewerbeschein hast, wird sich auch das Finanzamt bei Dir melden. Da das Ganze recht umfangreich werden kann (je nach jährlichem Umsatz usw.), würde ich mir hier einen Steuerberater nehmen.

Da ich keine Ahnung habe, wäre es nett, wenn mich Jemand, der
Ahnung von so Etwas hat, aufklären und mir Tips geben könnte.

Daher hier nochmal die kurze Zusammenfassung:

  • die Idee finde ich super
  • ich befürchte, dass sich das Ganze nicht rechnet, da den Stundensatz keiner zahlen will (Stundensatz nicht unter 20 - 25 Euro !!!)
  • ich rate dringend zum Absolvieren eines Seminars / Kurses zum Thema

So, das war’s mal für’s Erste, bei weiteren Fragen: einfach lostippen.

Grüsse

Sven

Hallo Sven,

zunächst mal vielen Dank für Deine nette, verständliche und prompte Antwort!

Ich überlege und tippe einfach:

Der von Dir errechnete Stundensatz ist schon abschreckend.
Hmmh, was wäre, wenn ich z.B. die Kunden in einer Strasse hätte und eigentlich gar kein Auto brauchen würde?

Wie hoch ist denn ein Monatsbeitrag bei der IHK?

Wie siehst Du denn meinetwegen eine Monatspauschale von 1000Euro für gute, menschliche, pflegerische Betreuung, unter dem Aspekt, dass sich in einem Heim/ Kurzzeitpflege, unter den derzeitigen Umständen, kaum Jemand um die Pflegebedürftigen kümmert?
Wieviel zahlt man in einem Heim?
Was wird geboten?
Wieviel ist Einem ein Verbleiben Daheim in der gewohnten Umgebung wert?

Das mit der Pflegeversicherung wird schon komplizierter, klar, ist eine Informationssache.

Gruß
Ute

Moin Ute,

wenn du mit Krankenkassen abrechnen willst brauchst du auf jeden Fall eine Kassenzulassung und muss u.U. mit den ensprechenden Pflegekassen einen Versorgungsvertrag schließen. Um so einen Versorgungsvertrag zu erhalten, musst du allerlei Bedingungen erfüllen.

Soweit ich weiss werden die Preise für die einzelnen Leistungen durch die Kassen ebenfalls festgelegt.
Also wende dich mal an die örtlichen Kranken- und Pflegekassen.

Gruss
M.

Hallo M.,

wenn du mit Krankenkassen abrechnen willst brauchst du auf
jeden Fall eine Kassenzulassung und muss u.U. mit den
ensprechenden Pflegekassen einen Versorgungsvertrag schließen.
Um so einen Versorgungsvertrag zu erhalten, musst du allerlei
Bedingungen erfüllen.

Das ist ein Problem:
Hauptlink:http://www.hk24.de/produktmarken/produktmarken.htm?n…
drunter:-Starthilfe und Unternehmensförderung
drunter:-Unternehmensgründung
drunter:-Branchenspezifische Informationen
Ziel erreicht:stuck_out_tongue:flegeeinrichtung,Gründung

Soweit ich weiss werden die Preise für die einzelnen
Leistungen durch die Kassen ebenfalls festgelegt.
Also wende dich mal an die örtlichen Kranken- und
Pflegekassen.

Das werde ich machen.

Vielen Dank für Deine Ratschläge!

Gruß
Ute

Hallo Ute,

Der von Dir errechnete Stundensatz ist schon abschreckend.
Hmmh, was wäre, wenn ich z.B. die Kunden in einer Strasse
hätte und eigentlich gar kein Auto brauchen würde?

besser: der von mir geschätzte Stundensatz. Rechnen kannst Du den richtigen Satz nur selbst, da ich viele (fachlich bedingte) Kosten gar nicht kenne.

Zum Thema Auto: wenn Du nicht oft das Auto brauchst, dann „leihst“ Du es Dir selbst (von Privat zu geschäftlich) für 0,30 Euro / km aus. Es fallen dann betrieblich nur diese Kosten an (Du wirst das Auto ja sowieso schon haben). Da Du aber Einkaufsdienste, Fahrdienst usw. machen wirst (gehört meines Erachtens als Dienstleistung für ältere Menschen dazu), wird es ohne Auto nicht gehen => es fallen kosten an.

Wie hoch ist denn ein Monatsbeitrag bei der IHK?

Nicht so hoch, aber trotzdem ärgerlich. Die Handwerkskammer verlangt z.Zt. 95 Euro jährlich bei einer Freundin von mir (Raumausstatterin), die IHK wird da ähnlich liegen.

Wie siehst Du denn meinetwegen eine Monatspauschale von
1000Euro für gute, menschliche, pflegerische Betreuung, unter
dem Aspekt, dass sich in einem Heim/ Kurzzeitpflege, unter den
derzeitigen Umständen, kaum Jemand um die Pflegebedürftigen
kümmert?

Für den Kunden:

  1. wird es von den Kosten im Heim abhängen
  2. wenn Du teurer als ein vgl.-bares Heim bist, dann ist die Frage, wieviel der Kunde bereit ist (oder auch finanziell in der Lage ist) für die häusliche Pflege mehr zu bezahlen.

Für Dich:
Wenn der mtl. Aufwand für Dich bei max. 40 - 50 Stunden (also 80 - 100 Minuten tgl.) liegt, dann klappt’s, wenn’s mehr ist, legst Du drauf.

Nach überschlägiger Überlegung müsstest Du 4 Kunden permanent betreuen.

Wieviel zahlt man in einem Heim?

Meine Oma meinte mal bis zu 5.000 DM, hängt aber stark von der Pflegestufe ab.

Was wird geboten?

Je nach Altersheim vom fürstlichen Lebensabend bis hin zur „Verwahrung“ (stillhalten durch Medikamente)

Wieviel ist Einem ein Verbleiben Daheim in der gewohnten
Umgebung wert?

Je nach finanziellem Polster. Die staatliche Seite wird sagen: „gar nichts“. Der Kunde muss also selbst für den „Luxus“ aufkommen und damit sinkt die Zahl der potentiellen Kunden enorm (Villenviertel vielleicht noch).

Grüsse

Sven