Privater Gesangsunterricht

Hallo zusammen,
ich hätte eine Frage.

Ich habe 10 Jahre Gesangsunterricht genommen. Nun ist ein Bekannter auf mich zugekommen und meinte, ob ich nicht auch Unterricht geben wollte.
Ich zögere ein bisschen, es gibt immerhin nicht umsonst ein Gesangspädagogoisches Studium.
Also meine Fragen:

  1. Darf ich ohne Ausbildung Unterrichten (Privat)
  2. Gibt es Rechtslagen die ich beachten müsste?
  3. Gibt es eine Alterseinschränkung (z.B. Kinder erst ab 16 Jahren)?

Ich freue mich über eure Antworten.
Liebe GRüße
Nalo

Nein!,
es gibt zum Glück und zum Unglück der Schüler keinerlei Beschränkungen. Niemand kann Dir verbieten, Deinen Erfahrungsschatz oder Dein Wissen an eine andere Person weiter zu geben. Das wäre ja so, als wenn Du einem sehr guten Kunstmaler verbieten würdest, sich Schüler zu nehemen und sein Wissen weiter zu geben. Wär ja auch der Gipfel, wenn man Kunst nicht vermitteln durfte und es käme einem Berufsverbot gleich. Deshalb ist es auch gut so, das sich der Staat nicht auch noch in künstlerische Belange einmischt.

Allerdings tummeln sich auf diesem Markt wirklich viele schwarze Schafe herum. Und stell Dir das Unterrichten nicht so einfach vor. Ich habe in meiner 15 Jährigen Berufslaufbahn etliche Schüler kennengelernt, die jahrelang völlig erfolglos zum Unterricht bei verschiedensten Lehrern gingen. Bis die Schüler was merkten, hatten sie schon wichtige Lebenszeit vertan. Klar, denn naturgemäss kommen ja die Schüler mit schlechtem Qualitätsbewusstsein zu ihrem Lehrer und können schlecht beurteilen, ob da einer wirklch was taugt. Und genau das macht es den weniger guten und auch den ganz schlechten Lehrern leicht.

Du solltest Dich vor Beginn unbedingt mit verschiedenen Schulungsansätzen beschäftigen und Dich (wirklich, wirklich, wirklich) mit der Stimmphysiologie beschäftigen. Durch falschen Unterricht und unpassende Übungen (und das kommt sehr häufig vor) werden viele Sängerstimmen schon zu Beginn ruiniert. Nicht zwingend dauerhaft aber auch das kommt vor.

Es gibt Tausende Sänger, die sich einbilden, sie könnten nebenher und bei einer schlechten Auftragslage als Sänger, noch ein paar Kröten dazu verdienen, wenn sie Anfänger unterrichten.

Die richtigen Fragen sollten hier eigentlich lauten:

  • Woher bekomme ich das Know How zum unterrichten?
  • Verfüge ich über die Erfahrung um an/mit anderen Stimmen zu arbeiten
  • Weiss ich genug über die menschliche Stimme und deren Aufbau

Ausserdem solltest Du Dich fragen, ob es nicht schon genügend hervorragende und qualifizierte Lehrer an Deiner statt und in Deiner Stadt gibt. Und auch, ob Du wirklich vergleichbaren Unterricht anbieten kannst. Siehst Du dort einen Bedarf den gerade Du decken kannst?

Über den Preis lässt sich das auch nicht regeln. Du kannst schlecht sagen:
„Ich koste zwar die Hälfte von dem was ein erfahrener Lehrer kostet, aber dafür verschwendest Du bei mir vielleicht deine ersten zwei Unetrrichtsjahre, weil ich selber noch lernen muss, wie man das Singen effektiv vermittelt!“

Aber einen Vorschlag hätte ich. Versuch Dich doch erst einmal als Coach und biete einigen Leuten an, ihnen beim singen lernen zu helfen. Wenn Du dann etwas Erfahrung gesammelt hast und bei Dir und den betreuten Anfängern der Eindruck echten Fortschrittes entsteht, kannst Du den nächsten Schritt wagen und Deinen Unterricht auch professionell anbieten.

Es gibt auch keine Altersbeschränkung bei Kindern. Du triffst mit den Eltern eine übereinkunft.

Wenn Du Dich „fit“ fühlst und wirklich über Deine Entscheidung nachgedacht hast, kannst Du jederzeit beginnen. Und wenn Du gut bist in dem was Du tust, wird sich das auch rumsprechen. Informiere Dich gut und sei bereit zu lernen wie man Unterrichtet. Denn zu Wissen wie man singt, reicht nicht aus! Bei weitem nicht!

Ach ja: „Heilungsversprechen“ im medizinischen (oder Therapeutischen) Sinne darfst Du natürlich auch nicht abgeben!!!

Wie Du siehst, geht es auch immer nicht ohne ein paar mahnende Worte. Man bekommt eben oft mehr Infos als man eigentlich wollte. Und ich erzähle Dir das auch alles nur, weil Du gefragt hast, ob man eine Ausbildung braucht. Und da stellt sich bei mir natürlich die Frage in zweierlei Hinsicht. Brauche ich eine „von Staats wegen“ und brauche ich eine um verantwortungsvoll junge/unerfahrene Sänger auszubilden. Aber ich hoffe ich konnte trotzdem etwas weiterhelfen.

Stehe auch weiterhin gerne mit meinem Wissen zur Verfügung. Fragen genügt… :wink:

Viel Erfolg
Guido Bernard

@Guido

vielen, vielen Dank für deine Antwort.
Das hat mir sehr geholfen.

Natürlich werde ich mich nicht jetzt sofort in den Unterricht stürzen, ich habe vielmehr das Große Glück dass ich hier im Ort eine Musikakademie habe die Kurse anbietet. Diese werde ich auch auskosten.
Nächste Woche fängt erstmal der Kurs „Stimme und Ihre Anatomie“ an.
Psychologisch will ich nichts machen, das traue ich mir auch gar nicht zu.

Ich möchte auch nicht zu den Schwarzen Schafen gehören, desswegen mache ich erst einmal diese Kurse mit und schaue dann ob ich überhaupt in der Lage bin anderen Menschen etwas beizubringen, denn dass will auch gelernt sein. :smile:

Liebe Grüße
Nalo

Hi Nalone,
das ist super. Damit zeigst Du schon, das Du willens und bereit bist, die Sache von der richtigen Seite anzupacken. Du hast Dein Herz am rechten Fleck.
Wenn Du Hilfe brauchst melde Dich bei mir.
Grüße
Bernard
www.AbenteuerSingen.de

Liebe Nalo,

leider habe ich keine Ahnung. Hab nur selbst Unterricht genommen und könnte noch nicht mal mehr meine Lehrerin fragen, da ich vor zwei Jahren aufgehört habe.

Viel Erfolg trotzdem
Trilli

ich habe, genau wie du, keine pädagogische ausbildung gemacht. rechtlich gibt es natürlich keine beschränkungen, du mißbrauchst ja keinen titel (dr. prof. baron oder ähnliches). bei der versteuerung solltest du allerdings vorsichtig sein. da du ja keine einnahmen vor dem amt verschleiern willst, solltest du dich am beratungsschalter des zuständigen amtes (die müssen dir übrigens auch steuerkniffs verraten, wenn du sie direkt zu einem bestimmten thema befragst; das mur nebenbei) informieren. es gibt bei solchen unterrichten (keine vollzeit) ja auch einen schwer definierbaren aspekt der nachbarschaftshilfe (…) punkt.
du kannst ohne staatlich geprüfte ausbildung nicht an einer musikschule oder universität oder konservatorium unterrichten. crashkurse werden allerdings angeboten, die sowas innerhalb kürzester zeit doch ermöglichen. informationen gibt die dir nächstgelegene musikhochschule mit gesangspädagogischem zweig.
die angst, nicht genug zur ausbildung einer/s schüler/in beitragen zu können, wird immer bleiben… aber wenn du einfach nur auf das hörst, was die stimme der/s schülers/in dir sagt oder eben nicht sagt, dann fällt dir ganz von allein ein tipp ein, den du weitergeben kannst oder eine ermutigung, sich noch mehr dem vertonten atemstrom hinzugeben. ich mache dir gerne mut, es einfach mal mit einer/m bekannten auszuprobieren. du wirst überrascht sein, wie die zeit verfliegt, wenn man erstmal gemeinsam an einer richtig harten nuß von einem problem rum-doktort. da reichen 45 min. meistens gar nicht aus…
ich fange immer mit einem (unsportlichen) gymnastischen teil an, der -ohne sportlichen ehrgeiz zu wecken!- die muskulatur (vor allem um die schultern) dehnen und trotzdem lockern soll. dann atem- und zwerchfellübungen (mit sportlichen ehrgeiz :smile: ) und das einsingen, -summen (jetzt sind wir schon bei 15min.) dann technik, wo du die tricks von deiner/m lehrer/in mit deinen erfahrungen erweitert weitergeben kannst (die zeit rennt: 25min! bleiben nur noch 20min.); und schließlich literatur. zack! aus… und das jede woche einmal und du wirst irgendwann nicht mehr darauf verzichten wollen, zusammen mit dem gegenüber neue lösungen zu erkunden, die dir vielleicht selbst auch mal kopfzerbrechen bereitet haben, als du schülerin warst/seit du schülerin bist.
heiser=falsch, rückmeldungen einfordern, dann kann nichts schief gehen. ein rest angst bleibt natürlich trotzdem immer. einfach ins kalte wasser springen: kalt isses, aber nicht tief!

toi toi toi!

Halo Nalo,

entschuldige, daß ich mich jetzt erst auf deine Frage melde. Du kannst ohne offizielle Ausbildung unterrichten, der Begriff „Gesangslehrer“ oder ähnliches ist meines Wissens nicht geschützt.
Rechtslagen musst du eigentlich nicht beachten. Aber du solltest dich um eine Berufshaftpflicht kümmern, damit du abgesichert bist. Am Besten suchst du dir jemanden, der dir genau sagen kann, welche Art für versicherung du für das brauchst, was du machen willst.
Von einer Alterseinschänkung weiß ich nichts. Wenn du nicht-mündige Schüler hast solltest du aber einen Vertrag mit den Eltern machen. Ich persönlich unterrichte lieber Erwachsene, aber Jugendliche sind wegen der Castingshows und den Folgen natürlich eine spannende Zielgruppe.
Ich hoffe, daß ich dir weiterhelfen konnte. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden. [email protected]

Lieben Gruß,
Thomas

Hallo,
jeder Mensch darf in einem Fach, das er gut kennt, unterrichten. Das ist genauso wie bei Nachhilfeunterricht. Du kannst nichts falsch machen,nur musst Du sicherlich Deine Einkünfte versteuern, wenn Du über dem monatlichen Freibetrag liegst. Du solltest vorsichtig sein, Menschen zu unterrichten, die Stimmprobleme haben, denn das ist eine medizinische Sache und gehört in fachliche Behandlung. Alles andere ist möglich. WEnn Du davon leben willst, wäre es sicherlich ratsam, dann doch eine Ausbildung abzuschließen. Es gibt genug Angebote, wie man Gesanglehrer werden kann. Z. B. die Ausbildung bei Kathrin Sadolin. Nachdem ich selber viele Jahre Stimmausbildung erfahren habe und auch gebe, möchte ich nur davor warnen, sich zu überschätzen. Eigenes Training z. B. auch beim Tanzen bedeutet nicht, dass man auch im Unterrichten ein Profi ist.

Frage:
ich habe 10 Jahre Gesangsunterricht genommen. Nun ist ein. meine Fragen:

  1. Darf ich ohne Ausbildung Unterrichten (Privat)
  2. Gibt es Rechtslagen die ich beachten müsste?
  3. Gibt es eine Alterseinschränkung (z.B. Kinder erst ab 16
    Jahren)?