Privatversichern? Ja/Nein

Hallo, vielleicht ungewöhnlich wenn gerade ich als Zahnarzt diese Frage stelle aber jetzt wo ich mich gerade privat versichern könnte stellen sich ein Paar Fragen:
-Die Beiträge steigen ja im Alter beträchtlich an, meine Chefin zahlt 800 Euro im Monat! Klar jetzt würde ich Geld sparen aber was ist wenn man im Alter die Summe nicht mehr aufbringen kann?
-Was ist wenn man privat versichert ist und dann kommt die Bürgerversicherung?

Wäre für Erfahrungsberichte dankbar, ob derjenige sich heute nochmals privat versichern würde!
Vielen Dank
Christian

Hallo Christian,

eigentlich nicht ungewöhnlich - auch Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte benötigen Hilfe bei der Auswahl Ihrer eigenen Versicherungen!

Zu Deinen Fragen - das Deine Chefin 800 Euro im Monat zahlt erscheint mir sehr hoch. Hier wäre zu prüfen, ob und was der Hintergrund ist. Als Info: Meine Eltern sind 70 und beide Privat versichert mit einem ähnlichen Beitrag.

Bei Deiner Chefin liegt die Annahme vor, dass Sie Krankengelder in beträchtlicher Höhe mitversichert hat. Im Ruhestand entfallen diese.

Was passiert wenn Du die PKV nicht mehr bezahlen kannst - Du fliegst raus, genau wie bei der GKV. Aber jetzt mal im Ernst - ist das nicht eine Frage der Altersversorgung, die ich mir aufbauen sollte?

Ich denke, dass Du mit Meinungen anderer nicht viel anfangen kannst, weil Du Positives und Negatives hören wirst. Was Du benötigst ist Beratung.

Ich würde mich immer wieder Privat versichern.

P.S.: Bürgerversicherung ist SiFi, aber in allen konzepten steht, dass PKV Mitglieder bei Einführung ein Wahlrecht haben.

Viele Grüße
Thorulf Mülller
Versicherungsmakler

2 Punkte sind und vor allem waren in der Vergangenheit für hohe Beiträge im Alter verantwortlich:

Der Beitrag einer PKV richtet sich nach dem Eintrittsalter. Mit jedem Jahr was man privat versichert ist greifen Rückstellungen zur Beitragsreduzierung. Diese Rückstellungen hat man verloren wenn man die PKV wechselt. Einige haben nun im Laufe der Jahre immer wieder gewechselt, keine Rückstellungen und zahlen aktuell einen hohen Beitrag.

Einige Versicherer schliessen ab und an Tarife. Das heisst, das spotbillige Tarife auf den Markt geworfen werden. Es strömen neue Kunden rein und irgendwann wird der Tarif geschlossen. Die Kunden in diesem Tarif werden älter und verursachen mehr KOsten. Neue Kunden kommen nicht nacht.

Seit 2000 ist die Problematik der Rückstellungen nicht mehr so erheblich, da der Gesetzgeber eine Pauschale von 10% eingeführt hat die der Kunde als Beitragsrückstellung von seiner KV automatisch leistet. Diese geht auch bei einem Wechsel nicht verloren. Trotzdem sind häufige Wechsel weiterhin kostenträchtig.
Wer sich also privat versichert sollte seine ENtscheidung langfristig treffen und im Notfall nur in den ersten 1-4 Jahren einmal wechseln wenn er absolut unzufrieden ist.

Hallo, vielleicht ungewöhnlich wenn gerade ich als Zahnarzt
diese Frage stelle aber jetzt wo ich mich gerade privat
versichern könnte stellen sich ein Paar Fragen:
-Die Beiträge steigen ja im Alter beträchtlich an, meine
Chefin zahlt 800 Euro im Monat! Klar jetzt würde ich Geld
sparen aber was ist wenn man im Alter die Summe nicht mehr
aufbringen kann?

Ja, ich habe im letzten und aktuellen Jahr zweimal ca. 10%-ige Preiserhöhungen (DKV) erlebt, so daß ich mit 65 auf einen monatlichen Beitrag von 2000 EUR kommen würde, wenn das mit den Preiserhöhungen so weiter geht. Und da sind die Beiträge der Kinder noch nicht einmal drin!

-Was ist wenn man privat versichert ist und dann kommt die
Bürgerversicherung?

Wäre für Erfahrungsberichte dankbar, ob derjenige sich heute
nochmals privat versichern würde!

Als ich mich damals versichert habe, dachte ich noch nicht daran, einmal Kinder zu haben. Mit Kindern wird eine PKV schon ziemlich teuer. Und wenn man es zynisch ausdrücken will: Bei der GKV gibt es genug politischen Druck, daß sich die Beiträge in einem bestimmten Rahmen bewegen (z. B. Leistungskürzungen, Verschuldung). Bei der PV bekommt man die Kosten des Gesundheitswesens hautnah - z. B. über die Beitragssteigerungen - mit.

Ein Plus für die PV sind sicherlich die Leistungen. Ein Freund mußte für seine Tochter eine PV abschließen. Jetzt hat sie eine schwere Krankheit und er hat mehr Möglichkeiten als wenn die Tochter noch in der GV wäre.

Vielen Dank
Christian

Gruß
Alb

Hallo Albert !

Den Beitrag in der PKV hochrechnen kann man so nicht, denn dann kann man auch anführen das die GKV vor 30 Jahren günstiger war.
In der Vergangenheitsbetrachtung war auch in der Beitragsentwicklung die PKV immer günstiger als die GKV.

Das die Beiträge durch weitere Schulden in Grenzen gehalten werden halte ich für sehr gewagt. Wenn kein Geld mehr da ist wird der Sack zugemacht. Leistungen werden gekürzt. Wenn das Deine sicherere Variante ist kannst Du auch in der Privaten auf billigere Tarife umstellen. Aber das kann ja wohl nicht langfristig das Ziel sein.

Wie es in Jahren mit den Krankenversicherungen aussehen wird kann keiner beantworten. Momentan orientieren sich ja einige Politiker an dem System Schweiz. Dort sind die Krankheitskosten noch viel mehr explodiert und das System gilt als gescheitert. Hauptsache man wohl ein anderes Konzept als die Konkurrenz denken sich wohl einige Politiker.

Tatsache ist aber: Selbst wenn irgendwann alles zusammengeworfen würde, was ich nicht glaube, hast Du bis zu diesem Zeitpunkt VOrteile gehabt und nachher schlimmsten Falls die gleichen Probleme wie alle :wink:.

Die Kinderplanung sollte man allerdings berücksichtigen. Ab 2 Kinder wirds eine Rechenfrage. Du solltest aber auch berücksichtigen das die Kinder irgendwann eigenes Geld verdienen und die PKV wieder günstiger wird, der Beitrag in der GKV aber bleibt.

Hallo Herr Eßmann,

Sie sagten:

Seit 2000 ist die Problematik der Rückstellungen nicht mehr so
erheblich, da der Gesetzgeber eine Pauschale von 10%
eingeführt hat die der Kunde als Beitragsrückstellung von
seiner KV automatisch leistet. Diese geht auch bei einem
Wechsel nicht verloren. Trotzdem sind häufige Wechsel
weiterhin kostenträchtig.
Wer sich also privat versichert sollte seine ENtscheidung
langfristig treffen und im Notfall nur in den ersten 1-4
Jahren einmal wechseln wenn er absolut unzufrieden ist.

Der größere Teil ist immer noch die Alterungsrückstellung und die e.u. RfB, die aus dem Überzins bedient wird (Direktgutschriften).

Der Vorsorgezuschlag in Höhe von 10% wird die Direktgutschriften ersetzen, die in steigendem Mass direkt der AR zugeführt werden. Das ist natürlich rechnerisch eine Besserstellung der privat Versicherten.

Das ich den Vorsorgezuschlag mitnehmen kann ist mir aber neu - das ist im Gespräch - aber nicht beschlossen. Das löst aber auch nicht das problem der Alterungsrückstellungen, die m.E. auch nicht portabel sein sollten, weil es ja kollektiv kalkuliert ist!

Viele Grüße
Thorulf Müller
Versicherungsmakler

Hallo Albert,
ich vermute, Du hast die M-Tarife. Nun, das sind natürlich leistungsstarke. Dass die teuerer sind, als die AD -Tarife ist klar.
soll aber nicht als Ausrede gelten.
Überlege Dir mal, ob Du nicht

  1. einen Selbstbehalt zulegen solltest. Sehr oft rechnet sich der!
    Du weißt ja, wie man das rechnet? Monatsbeitrag (den Betrag, den die Versicherung von Dir will) + 1/12 SB. Wenn das kräftig niedriger ist, als der bisherige Beitrag, machst Du ein Plus.
    Beispiel: ich müsste bei der DBV (dort bin ich versichert) ca. 700 Euro zahlen. Ich bin umgestiegen auf 1000 Euro SB und zahle nur noch 300 Euro. Rechne ich dazu 1/12 von 1000, also 84 Euro, dann komme ich auf fast 400 Euro. Das sind 300 Euro monatlich weniger. Da zahle ich gerne die ersten 1000 Euro selbst!
  2. Du kannst auch in einen Tarif der neuen Tochter der DKV (Züricher) wechseln.
    Lass Dir einen Vertreter der DKV antanzen und quetsche ihn aus.
    Du brauchst auch keine Angst vor dem Alter haben. Die Alterrückstellungen (2 sinds) reichen bei langer Zugehörigkeit aus, die Beitragsanpassungen ab dem 65. LJ zu nivellieren.
    Grüße
    Raimund

Hallo Thorulf,
…und selbst wenn eines Tages die beiden Altersrückstellungen mitgenommen werden dürfen (mal sehen, ob das wirklich kommt*), dann gibt es immer noch einen Hinderungsgrund zum Wechseln: das Alter!
Wenn der gute mit sagen wir mal 25 in die Private ging und nun meint, mit 50 möchte er wecheln, dann wird er baff erstaunt sein, wenn er sich den neuen Beitrag (mit dem neuen Eintrittsalter) ausrechnen lässt!
Grüße
Raimund
* darauf spekulieren die GKVs! So hat der Boss der TK vor einem Jahr gemeint, dass es nur fair wäre, dass einer, der in die kasse zurück geht (als AN) sämtliche Rückstellungen in die neue Kasse mitbringt.
Das würde ihm so passen: auf Kosten der Privaten sich zu sanieren!

Hallo Raimund,

solange die Züricher nicht auf die DKV verschmolzen ist, kann er nicht wechseln - nur mit Verlust der Alterungsrückstellungen. Das sind zwei Unternehmen. Auch wenn DKV Agenturen Zürich tarife verkaufen dürfen! Das dürfen Victoria Agenturen schon lange - mit DKV Produkten (TL und GV).

Es gibt auch nicht zwei, sondern eine AR - und die Alterungsrückstellungen „nivelieren“ auch keine Beitragsanpassungen. Das macht der Vorsorgezuschlag (10%) und die Direktgutschriften nach § 12 VAG!

Viele Grüße
Thorulf Müller
P.S.: Der Dich auf einem Seminar im nächsten Jahr erwartet. Eigentlich bist Du ja ein Guter - aber das Fachwissen in KV können wir noch „nivelieren“!

Hallo Raimund,

so gerne ich Dich auch gewonnen habe, hier im Forum.

Provoziere nicht meinen fachlichen Intellekt.

Also eine Alterungsrückstellung gibt es - eine, nicht zwei!

Und die ist nicht Portabel und wird es auch nicht - das ist Kollektivvermögen!

Und wenn Sie Portabel ist, dann erschreckt sich der 50 jährige nicht beim wechsel - dann erkennt er höchstens ob er bei einem aggresiv oder einem vorsichtig kalkulierenden Unternehmen war!

Aber im Ernst - wer will denn wechseln - der kranke, der merkt das die „Geiz ist Geil“ Entscheidung falsch ist - der will plötzlich Leistung. Der bringt aber keine AR mit, die ist doch schon verbraucht - und der Rest der soll vom kollektiv getragen werden! Und wen wollen die Gesellschaften - den Kerngesunden, der wüsste aber nicht warum! Oder es wird preiswerter - dann geht er vom vorsichtig zum aggreis kalkulierenden Versicherer - und wir haben einen neuen Sozialfall im Alter!

Viele Grüße
Thorulf Müller
Versicherungsmakler

Hallo Thorulf

lt.Auskunft der DKV ist ein Wechsel möglich!

Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

hast Du das schriftlich???

Ich meine rechtsverbindlich mit zwei Unterschriften des Vorstandes oder besser gesagt beider Vorstände?

Oder ist das nur eine Aussage eines „Mitarbeiters“?

Juristisch gesehen wäre damit die Portabilität gegeben! Es sind nämlich zwei Gesellschaften! Zwei eigenständige juristische Personen! Und dann würde ich mit Spannung auf die Klagen der Kunden warten, die der DKV komplett den Rücken kehren wollen. Ich wäre dann der Erste!

Viele Grüße
Thorulf Müller
Versicherungsmakler

P.S.: Der Vertrieb der Zürich Produkte ist für DKV-Mitarbeiter geöffnet!

Ich suche das E-Mail raus! o.w.T.
.

Hi Christian,

bevor ich mich privat versichert habe, hat man mir geraten, nicht nur auf das billigste Angebot zu schauen sondern auf die Nachhaltigkeit des Versicherers.

Ein günstiger Beitrag bringt Dir nichts, wenn die Erhöhungen aus dem Ruder laufen (die Geschichte mit dem schliessen von Tarifen wurde ja schon genannt).

Wer vor ein paar Jahren z.B. bei der Berlin-Kölnischen abgeschlossen hat, der hat unter Umständen sein blaues Wunder mit 30% oder gar 40%igen Erhöhungen erlebt.

Ich bin zwar erst seit 2Jahren privat versichert (Landeskrankenhilfe) aber in der Zeit hatte ich eine BeitragsSENKUNG von ca. 50Cent.

Vielleicht stosse ich hier im Forum auf Gegenwehr aber ich würde meine Entscheidung wieder zum grossen Teil von den Unternehmenskennzahlen abhängig machen. Infos hierzu findest Du z.B. unter www.pkv.net.

Gruss
Steffen