Hi Wolfgang
)
Vielen Dank erstmal für deine sehr ausführliche Antwort!
Dabei ist dieser Mangel
keineswegs auf diese Berufsgruppe
beschränkt, sondern besteht in etlichen
technischen Berufen.
Ich hatte dies bereits vermutet, konnte mir bisher darüber aber kein Urteil bilden, weil ich außerhalb der IT-Branche zu wenig Kenntnis besitze.
In meinem Betrieb werden spezielle
optoelektronische Geräte produziert. Der
Markt sieht gut für uns aus, sehr gut
sogar, der Arbeitsmarkt ist aber eine
Katastrophe.
Wem sagst du das, wenn wir ein paar Entwickler mehr hätten, würde unsere Firma förmlich explodieren. Wir haben versucht, IT-Experten über das Arbeitsamt zu finden. Aber für die ist jeder ein IT-Experte, der weiss, wo der Power-On-Knopf ist. Da kommen Leute, die Programmieren in einem VHS-Kurs gelernt haben, und bei uns in C++ Programme entwickeln wollen. Mit anderen Worten, beim Arbeitsamt dümpelt nur „Schrott“ rum.
… Ich bin
deshalb zur Überzeugung gekommen, daß ich
in meinem Betrieb ausbilden muß, wenn der
Mangel an Fachkräften nicht bald zur
gefährlichen Bremse werden soll.
Ganz meine Meinung. Nur ist der Mangel in der IT-Branche bereits so stark, dass daraus erhebliche Wachstumshemnisse resultieren. Deswegen denke ich auch, dass Rumjammern überhaupt nichts bringt, man muss als Unternehmen selbst aktiv werden!
Das
Risiko, daß aufwendig ausgebildete Leute
den Betrieb dann doch verlassen, muß eben
eingegangen werden.
Dieses Risiko ist für meinen Vorstand gerade das Haupthindernis bei der Ausbildung neuer IT-ler!
Wenn Azubi und Lehrbetrieb etwas
taugen, ist der Stift nach kurzer Zeit
durchaus einsetzbar - zunächst nur im
Rahmen bescheidener Anfänge, die ihn
langsam ans Sachgebiet heranführen.
In handwerklichen Berufen ist das sicher richtig. Aber wie sieht es in geistigen Berufen aus. Ich musste meinem Vorstand zustimmen, dass man einen IT-ler in den ersten beiden Lehrjahren nur sehr schwer sinnvoll in bestehende Projekte einbinden kann. Allein die mathematischen Kenntnisse sind dann noch zu lückenhaft!
Was ich mir
hier an Anfangstätigkeiten aus den
Fingern sauge, kannst Du sicherlich auf
Deinen Betrieb übertragen. Will sagen,
richtig angefangen steht den Kosten auch
eine Leistung gegenüber.
Es ist sehr schwierig, aber ich habe schon mit der Ausarbeitung eines Plans angefangen. Das Problem ist, dass es von der IHK nur sehr spärliche Informationen über die Anforderungen bei der Prüfung gibt. Auch scheint man sich dort nicht über die Lehrpläne einig zu sein. Es herrscht ein komplettes IHK-Chaos!
Letztlich aber kostet der Azubi Geld und
bindet Zeit. Einen Betrag von 180.000 DM
in den Raum zu stellen, halte ich aber
für zu kurz gesprungen, denn der Betrieb
erhält den maßgeschneiderten Mitarbeiter
mit genauer Kenntnis des ganzen
Unternehmens.
Das ist ein wichtiges Argument!
Und was bitte kostet ein
neuer Mann vom Arbeitsmarkt, bevor der
sich überhaupt an seinen Schreibtisch
gesetzt hat? Zeitungsinserat,
gewerblicher Arbeitsvermittler,
Head-Hunter, Einarbeitung. Und wenn er
sich dann als Pflaume herausstellt, das
Ganze von vorn.
Nun, in unsere Branche ist das einfach. Alles, was jetzt noch auf dem Arbeitsmarkt ist und nicht direkt von der Schule oder Uni kommt, ist uninteressant! Deswegen bin ich ja so dafür, dass meine Firma ausbildet!
Vielen Dank, nochmal 
cu Stefan.