Probelm im Umgang mit Toten

Ich habe seit geraumer Zeit ein problem. Ich bin seit 4 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr. Da wir ein ziemlich großes Gebiet haben (die ganze Gemeinde (7 Ortsteile) fällt unter uns, Autobahnabschnitte,ICE-Abschnitte und außerörtlich) haben wir jede menge zu tun…doch in letzter Zeit häufen sich Todesfälle bei Verkehrsunfällen etc. Da ich oft Gruppenführer bin bin ich immer direkt einer der ersten vor Ort…und muss mir die Bilder angucken. Doch langsam verkrafte ich das ganze nicht mehr so wie früher…Kinder die tot im Auto liegen, verbrannte Leichen…das ganze trifft mich heute wie ein schlag…

Kenn jemand von euch diese Situation ?! Kann mir jemand helfen ? Denn ich möchte nicht gerene aus der Feuerwehr austreten, da besonderst heutzutage jeder mann gebraucht wird…und es mir meißt auch große freude bereitet…

Gruß Peter

Hallo Peter,

Kenn jemand von euch diese Situation ?!

leider ja.

Kann mir jemand helfen

In unserer Stadt gibt es einen sog. Notfallseelsorger, das ist bei uns ein Geistlicher, der ein Zusatzausbildung hat. Mit ihm kann man entweder direkt nach dem Einsatz oder (meist) später, wenn das Erlebte sich etwas gesetzt hat, sprechen. Das hilft ungemein, da er mit solchen Situationen vertraut ist und Dir helfen kann, das Erlebte zu verarbeiten.

? Denn ich möchte nicht gerene aus der Feuerwehr austreten, da
besonderst heutzutage jeder mann gebraucht wird…und es mir
meißt auch große freude bereitet…

Das ist höchst lobenswert. Frag also nach, ob es eine solche Einrichtung gibt und wenn nicht, reg an einen solchen Berater an Bord zu holen. Das muß kein Priestet sein, in einer nachbargemeinde ist das ein Psychologe.
Nun weiß ich nicht, wo Du lebst, in NW ist es über die laufbahnverordnung der Feuerwehren geregelt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Technischer_Fachberater…
Im Wikiartikel wird zwar auf den Bereich Technik abgehoben, der Bereich Seelsorge wird aber analog gehandhabt.

Und noch was, laß Dich nicht damit necken, daß Du einen ‚Psychoonkel‘ brauchst. Einige, die bei uns recht spöttisch kamen, waren später höchst glücklich, das es den gab.
Denn Dein Erleben der Situation ist eher die Regel denn die Ausnahme.

Viel Glück und laß Dich nicht unterkriegen.

Gandalf

hi,

du hast kein problem mit toten, sondern reagierst angemessen auf schreckliche erlebnisse!

da dein einsatz bei der FREIWILLIGEN feuerwehr ist, überdenke, wie groß deine psychische belastbarkeit ist, die genauso beachtet werden MUSS wie deine körperliche belastbarkeit. beides ist individuell verschieden.

da dies immer noch zu wenig beachtung findet und bundeswehr, feuerwehr, polizei und co. von vorwiegend männern, die nicht schwächeln wollen, durchgeführt wird, rate ich dir, nach einem gespräch mit einem psychologen eine weiterbildung zu machen, die DICH befähigkt, dich um die traumatisierten helfer zu kümmern und dadurch der feuerwehr einen großen dienst zu erweisen.

du scheinst die sensilbilität und die praxiserfahrung zu haben.

als positive Erfahrung sehen
Hi,

auch von mir erstmal ein Lob fürs Mitmachen trotz Belastung, aber auch dafür, dass du dich um dich selbst sorgst!

Ich war (nur) zweimal dabei als Menschen bei Unfällen starben wobei ich beide Male die Gesichter nicht sehen konnte (/musste). Die Sachen haben mich danach schon beschäftigt…

bin bin ich immer direkt einer der ersten vor Ort…und muss
mir die Bilder angucken. Doch langsam verkrafte ich das ganze
nicht mehr so wie früher…Kinder die tot im Auto liegen,
verbrannte Leichen…das ganze trifft mich heute wie ein
schlag…

Ist das evtl. schon Thema bei euch in der Wehr oder du magst es zu einem machen? Vielleicht weiß dein Kommandant etwas darüber? Vielleicht weiß der auch, mit welchem Kameraden du dich austauschen kannst, wer es nicht an die große Glocke hängen wollte aber über einen Austausch froh wäre.

Denn ich möchte nicht gerene aus der Feuerwehr austreten, da
besonderst heutzutage jeder mann gebraucht wird…und es mir
meißt auch große freude bereitet…

Dann würde ich auf jeden Fall versuchen dabei zu bleiben. Sicher bedeutet es für dich hinterher auch eine persönliche Erfahrung, also Bereicherung dieses Problem bewältigt zu haben. Das der Tod Teil des Lebens ist bleibt vielen Menschen ja sonst leider verborgen.

VG,
J~

Teilnahme an Supervision
Hallo Peter,

zunächst einmal Respekt für den Job den du da machst. Ist nicht jedermanns Sache und viele Leute denken garnicht darüber nach, was Rettungspersonal so tagtäglich alles ertragen muss.

Und auch Respekt, dass du dich öffnest und das Problem ansprichst. Es gibt nicht wenige, die sowas als persönliches Versagen sehen und es jahrelang runterschlucken, bis der Burn-Out kommt.

Ich weiß nicht, wie das bei der Feuerwehr ist, manche Einrichtungen bieten die Teilnahme an Supervisionen an, wo genau das besprochen wird. Vielleicht hast du ja den ein oder anderen Kollegen, der ähnliche Probleme hat, diese jedoch nicht anspricht. In der Gruppe lernt man damit mit sich selbest und anderen damit klarzukommen. Manchmal reicht die Aussprache deiner Sorgen aus, um wenigstens ein paar Kilo Belastung zu entfernen, die auf dir liegen.

Erkundige dich bei Euch wie das mit der Teilnahme an einer Supervision aussschaut. Ansonsten solltet ihr eine Teamsitzung einführen, wo ihr solche Sache ansprechen könnt.

Grüsse, levi.

Da ich oft Gruppenführer
bin bin ich immer direkt einer der ersten vor Ort…und muss
mir die Bilder angucken. Doch langsam verkrafte ich das ganze
nicht mehr so wie früher…Kinder die tot im Auto liegen,
verbrannte Leichen…das ganze trifft mich heute wie ein
schlag…

Kenn jemand von euch diese Situation ?! Kann mir jemand helfen
? Denn ich möchte nicht gerene aus der Feuerwehr austreten, da
besonderst heutzutage jeder mann gebraucht wird…und es mir
meißt auch große freude bereitet…

Hi Peter!

Tollen Job machst du da! Respekt!

Dass du den Job bzw. das Hobby bei der Feuerwehr nicht aufgeben willst verstehe ich. Wenn es dich aber gar so belastet, solltest du doch auf dich hören…
Du schreibst, dass du durch deine Position bei der Wehr immer einer der ersten am Einsatzort bist. Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, eine andere Position einzunehmen (dass du zB eher für die „Aufräumarbeiten“ zuständig bist, und weniger für die ersten Maßnahmen am Unfallort?!)?
Du könntest somit weiterhin die Feuerwehr unterstützen, musst dich aber nicht mit so schrecklichen Bildern abquälen…!

netten Gruß und viel Spass noch bei der Feuerwehr!
Katharina

Hallo Katharina,

Du schreibst, dass du durch deine Position bei der Wehr immer
einer der ersten am Einsatzort bist. Wäre es vielleicht eine
Möglichkeit, eine andere Position einzunehmen (dass du zB eher
für die „Aufräumarbeiten“ zuständig bist, und weniger für die
ersten Maßnahmen am Unfallort?!)?
Du könntest somit weiterhin die Feuerwehr unterstützen, musst
dich aber nicht mit so schrecklichen Bildern abquälen…!

hm, Du hast wahrscheinlich keine Erfahrung mit der Feuerwehrarbeit, ich schon. Ich mache diese Arbeit seit nunmehr fast dreißig Jahren und es ist eine seltsame Mischung aus Altruismus, Nervenkitzel, Kameradschaft und mehr.
Es herrscht die eigentümliche Situation, daß man hofft, das nichts passiert und ist irgendwie doch ‚enttäuscht/frustriert‘ (das jetzt bitte nicht falsch verstehen) wenn nichts passiert. Immerhin opfert man einen nicht geringen Teil der Freizeit für Ausbildung und Übungen.

‚Nur‘ noch in der Putzkolonne zu arbeiten wäre für die meisten nicht akzeptabel (ür mich übrigens auch nicht).

Ein Aufarbeiten des Erlebten ist m.E. die weit bessere Lösung.

Gandalf

Hallo Katharina,

Hi!

hm, Du hast wahrscheinlich keine Erfahrung mit der
Feuerwehrarbeit, ich schon. Ich mache diese Arbeit seit
nunmehr fast dreißig Jahren und es ist eine seltsame Mischung
aus Altruismus, Nervenkitzel, Kameradschaft und mehr.

Ja, stimmt. Ich spreche da natürlich ohne jeglicher Erfahrung! War ja auch nur mein „Senf“ bzw. Vorschlag zu dieser Sache…

‚Nur‘ noch in der Putzkolonne zu arbeiten wäre für die meisten
nicht akzeptabel (ür mich übrigens auch nicht).

Das verstehe ich natürlich! Aber es müsste ja nicht ein Rückschritt auf die „Putzkolonne“ sein, sondern es würde bestimmt schon genügen, zumindest die Unfälle auf der Autobahn zu vermeiden…

Aber du hast Recht, ich kann da schlecht mitreden. Hab keine Ahnung, wie das bei der Feuerwehr läuft oder gemanaged wird… ?!

Hoffentlich bekommt der Fragensteller die Sache irgendwie in den Griff! Good Luck!

mfG
Katharina

Ich möchte ich bei allen Usern bedanken, die mir diese Tips gegeben haben…ich habe mich mit den Seelsorgern unserer Gemeinde in Kontakt gesetzt und war sehr überrascht was dies bringt. Ich werde wohl weiterhin in der Feuerwehr bleiben. Meine Position als Gruppenführer habe ich vorerst abgegeben.
Vielen Dank.

MfG Peter