Problem

Hallo…

Also, meine Frau wünscht die Scheidung und wird in einiger Zeit aus dem gemeinsamen Haus ausziehen. Das steht schon leider fest.
Dadurch stellt sich für mich jedoch ein Problem welches mir Angst macht. Sie wird in der nähe bleiben, da meine Tochter ja nun zur Schule muß und sie nicht möchte, daß sie die Schule wechselt.
Aus diversen Gründen die ich hier nicht erläutern möchte ist es für mich nicht möglich dort wegzuziehen was ich aufgrund des Kontaktes zu meiner Tochter auch gar nicht möchte.
Wenn ich allerdings nur daran denke, daß ich irgendwann meine Frau mit einem anderen auf der Strasse sehen könnte, kochte eine unglaubliche Wut in mir auf. Wenn ich offen und ehrlich sein soll, wäre ich von emotionalen Zustand her sogar in der Lage auf ihn loszugehen - ohne Rücksicht auf eventuelle gesundheitliche Folgen für ihn oder rechtliche Konsequenzen für mich.
Da ich mich zur Zeit in psychotherapeutischer Behandlung befinde wollte ich fragen, ob man in die Richtung nicht irgendwie arbeiten kann. Ich habe selbst vor kurzem mir grossen Erschrecken erst festgestellt, daß diese Emotionen so intensiv sind und wozu ich in der entsprechenden Siutation fähig wäre. Daher habe ich das meiner Psychologin gegenüber noch nicht angesprochen.
Allerdings will ich mich ja nun auch nicht in einen stationären Aufenthalt katapultieren - ich muß offen zugeben, daß ich in der entsprechenden Situation eine Gefahr für andere - bzw. für eben ihn - darstellen würde.

Danke für Antworten
Schneemensch

Hallo Schneemensch,

um es mal auf einen Nenner zu bringen:
Wie gehe ich mit Ärger, Groll, Wut, Aggression um??
Wo kann ich es lernen?
Das sind Deine Fragen.

Natürlich kannst Du in diese Richtung arbeiten und Du kannst natürlich auch erlernen damit umzugehen. Deine Offenheit und Ehrlichkeit sind gute Voraussetzungen dafür!

Die Erste Voraussetzung aus meiner ganz persönlichen Sicht wäre allerdings, wenn Du die Bedrohung und Gefahr NICHT für andere siehst, sondern für DICH. Dir geht es absolut nicht gut damit und Du musst täglich damit leben. Das kann eine Qual sein. Schön, dass Du Dich um Deine Mitmenschen sorgst, die es ja abbekommen könnten, dennoch die Person, die am Meisten darunter zu leiden hat, bist Du und Du bist derjenige, der eventuelle Konsequenzen zu tragen hätte. Eine könnte beispielsweise sein, dass Dir der Umgang mit Deiner Tochter verboten wird…Aber lassen wir die Spekulationen.

Meines Wissens gibt es überall Psychotherapeuten, die mit Patienten, die Deine Problematik haben, arbeiten- Einzeln, oder in Gruppen. Habe auch schon von Selbsthilfegruppen gehört, die sich damit beschäftigen.
Zu einem Psychotherapeuten solltest Du Vertrauen haben. Das wäre eine weitere Voraussetzung für eine gute Arbeit. Die scheint mir ja nicht gegeben zu sein, da Du das Problem nicht ansprichst.??
Du hast Angst vor einem Stationären Aufenthalt?
Niemand kann Dir das vorschreiben. Du hast zu entscheiden, was Du tun möchtest.
Die Bereitschaft etwas tun zu wollen, ist gegeben und das ist zunächst mal das Wichtigste und verdient großen Respekt.
Adressen von Therapeuten, die in dieser Richtung arbeiten, erfährst Du sicherlich bei der Krankenkasse, vielleicht kann auch Deine jetzige Psychologin helfen, oder Dich weitervermitteln.
Von mir: Alles Gute und Viel Erfolg!!

Frank

Hallo,
so ungewöhnlich scheint mir Deine (potentielle) Reaktion nicht zu sein. Die Frage ist, wie Du Aggressionsschübe dieser Art kontrollieren lernst. Das leichteste wäre sicher, sie durch örtliche Trennung generell zu vermeiden. Ich würde diese Option trotz Deines momentanen Unwillens nochmal überdenken.
Ansonsten ist Deine Psychologin (btw steht die in irgendeiner Beziehung zu einer in www präsenten Person - nur so ein Einfall …) die richtige Ansprechpartnerin, sofern sie von Dir freiwillig gewählt wurde.

Gruss
Enno

Hallo Schneemensch,

Wenn ich allerdings nur daran denke,… kochte
eine unglaubliche Wut in mir auf.

Laß deine Wut erstmal zu, ohne sie vorab zu verurteilen.
Versuche aus der Schleife „ohGott ich bin so wütend -ohGott ich darf nicht wütend sein“ herauszukommen. Du blockst nur damit und deine Wut wird immer wieder ihr „Recht“ gehört zu werden durchsetzen.
So entstehen Sprialen mit extrem destruktiver Eigendynamik.

Die Situation ist ja noch nicht gegeben, daher kannst du alle Gedanken auch gefahrlos (noch!) zu Ende denken.

Spüre deiner Wut nach und frage dich worauf du KONKRET wütend bist. Auf dich („verpasste“ Chancen?) deine Frau (Neid, weil es dir nicht so gut geht?), den Anderen (hat er irgendwas mit deinen/eueren Problemen zu tun? oder ist er austauschbar?).

Durch diese „objektive“ (objektiv nur aus DEINER Perspektive) Betrachtung dieser Wut wirst du ihr erstmal ihre „Namenlosigkeit“ nehmen. Und das Gefühl, deinen Emotionen ohnmächtig ausgeliefert zu sein wird weniger werden.

Beantworte dir selbst EHRLICH die Frage, was die Wut mit dir macht.
Die Antworten können sehr vielfätig ausfallen, von Angst über Depression bis zur Befriedigung. Nimm das an, was immer dabei für dich herauskommt und dränge es nicht weg, falls es vordergründig nicht ins „ich-bin-ein-guter-Mensch-Schema“ zu passen scheint. Schau dir auch deine „Abgründe“ gelassen an.
Je exakter du das "Wesen"deiner Wut kennenlernst, desto größer sind deine Chancen sie nach und nach zu „wandeln“.

Wut setzt ziemich viel Energie frei, da aber niemand ein unbegrenzetes Energiereservoir hat zieht sie die Energie aus anderen Bereichen ab, die somit blockiert werden. Daher ist es wichtig, solche Gefühle (behutsam) zu transformieren.

Kommst du zu dem Schluss, dass du deine Wut brauchst und vorerst behalten willst - als Ventil um nicht „überzulaufen“ - versuche geziehlt diese Energien in Bewegung oder Geräusch (oder was dir geeignet erscheint und wenig „Schaden“ anrichtet) umzusetzen.

In irgendeiner Form müssen die Emotionen angenommen und gelebt werden, um nicht auf körperlicher Ebene (Immunsystem, Wirbelsäule, Muskulatur etc.) erneut um Aufmerksamkeit zu „schreien“.

LG
Heidi