Hallo,
erst einmal Danke für die Rückmeldung. Eigentlich hätte mich eher interessiert, wie der Schulalltag so aussieht. Denn ich wurde hier missverstanden und erhalte Rat, der in eine andere Richtung weist, wie das eigentliche Problem. Daher nehme ich noch einmal ausführlich Stellung. Aber vorsicht, sehr lang 
Hallo, Celine,
offensichtlich treffen da zwei Welten aufeinander:
In der einen gilt „Das haben wir schon immer so gemacht …“,
„Das haben wir noch nie gemacht …“, „Neuerungen bringen nur
Unruhe …“
Und in der Deinen: „Ich sage meine Meinung, kompromisslos und
schonungslos ehrlich.“ „Ich bin überzeugt davon, dass ich
recht habe.“
Und genauso eben ist es nicht! Mir ist es so etwas von bewusst, dass ich erst seit so kurzer Zeit an dieser Schule bin. Ich kleide alles, was ich tue und sage in Watte: könnte, würde, vielleicht
Vielleicht hätte ich ausführlicher schreiben müssen, aber vielleicht zeigt mir auch, dass mich die meisten hier missverstehen, dass ich schlicht im Bereich Schule eine Art habe, missverstanden zu werden. Mein Problem liegt nicht darin, dass mein Charakter der beschriebene ist, von dem ihr alle auszugehen scheint. Es geht wirklich um das Problem, dass mir eine einzelne Person in hoher Position unterstellt, dass ich so sei. Ich dies aber von niemand anderem bestätigt bekomme. Ganz im Gegenteil. Teamarbeit, Zuhören - das steht für mich an oberster Stelle. Ich habe kein Problem mich unterzuordnen. Nur das, was ich im Schuldienst in so kurzer Zeit erlebe, ist mir in ganzen 12 Jahren Wirtschaft nicht begegnet. Wie oft wurden meine Ideen als die Ideen anderer verkauft. Ich habe meinen Mund gehalten, denn jemand der gut und fleißig ist, wird auch irgendwann dafür belohnt. Ich war innerhalb kürzester Zeit die rechte Hand des Marketingleiters und ein Jahr später selbst leitende Angestellte. Und jeder Wirtschaftler wird mir bestätigen, wie wichtig es ist im Marketing und ÖA im Team und miteinander zu arbeiten, Befehle entgegen nehmen zu können und das umzusetzen, was der Firma dient. Es wäre falsch zu glauben, man könne da nach seiner eigenen Fasson zu leben. Diese Arbeitsweise ist mir also mehr als vertraut. Und wenn ich nicht umgezogen wäre, kein Kind bekommen hätte, wäre ich dort wohl auch glücklicher. Denn mein Problem ist wirklich dies, dass mir etwas unterstellt wird, was ich nicht bin. Je grauer ich mich mache, je bunter werde ich in den Augen dieses Mannes.
Das kann nur zu Schwierigkeiten führen und die Kraft, den Rest
der Welt von jetzt auf gleich nach seinem Bilde zu ändern, hat
kein Mensch.
Ich wiederhole mich: auch in der Wirtschaft kann man nicht kommen und wollen. Warum wird unterstellt, dass Wirtschaftler so seien. Zudem muss ich einmal sagen, dass man in Firmen weitaus größerer Kontrolle unterliegt als im Schuldienst. Jede Woche Sitzungen, jeden Monat mindestens einmal ein Milestone- oder Controllinggespräch. In der ganzen Zeit, in der ich im Schuldienst bin, hatte ich erst einen Besuch! Ich versuche kein Bild zu malen. Ich versuche mit meinen Kräften zu helfen, meine Kollegen zu unterstützen. Ist es jetzt verständlicher, warum es mich so frustriert, dass dieser Mann mich so bewertet? Natürlich könnte es mir egal sein, was dieser eine Mensch von mir sagt und denkt, denn die Rückmeldung Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, sollte mir wichtiger sein. Aber es lässt mich einfach nicht kalt, wenn ein Chef sich über mich aus wenigen Treffen eine Meinung bildet, die der Realität nicht entspricht. Ein Gespräch mit meinen direkten Vorgesetzten oder Kollegen würde dies ins richtige Licht setzen. Aber das Schlimme ist, dieser Mann geht ja nicht einmal direkt auf mich zu. Und derjenige, der es mir mitteilte, untersagte mir ein Gespräch. Was soll ich denn da tun? Für mich ähnelt dies einem Spiel, einem kleinen Kindergarten. Und das verblüfft mich schon, weil ich den Sinn nicht verstehe.
Du solltest vielleicht deine Strategie ändern. Du bist auch
nach drei Jahren viel kürzer „im Geschäft“ als andere.
Erfahrungen, die für die längst Selbstverständlichkeiten sind,
musst du erst machen. Auch die anderen hatten ihre Phase, in
der sie meinten, den Stein der Weisen gefunden zu haben und
haben sich die Hörner an der Rigidität des etablierten Systems
abgestoßen.
Auch hier wiederhole ich mich: ich bin mir dessen bewusst und habe kein Problem damit. Aber ich kann es auch nicht ändern, wenn fast ich immer diejenige bin, die man um Rat fragt, wenn Gäste kommen, ich die erste bin, mit der man spricht, ich die erste bin, die man fragt, ob sie hier und da eine Fortbildung geben kann. Ich kann mich förmlich verstecken und man findet mich. Ich dränge mich wahrlich nicht auf. Aufgaben werden an mich herangetragen, mein Direktor schlägt mich für Funktionsstellen und Projekte vor usw. Ich habe das Gefühl, dass in meiner Schule ein Durst besteht, zu wissen, wie es die Wirtschaft macht. Ich kann nicht verleugnen, dass ich 12 Jahre lang Projektmanagement betrieben habe, Marketingkonzepte entworfen habe, auf Sponsorensuche war, unwillkürlich im Rampenlicht stand. Und ich habe das Gefühl, dass sich alle auf mich stürzen, weil an die Schulen Anforderungen gestellt werden, die Fähigkeiten erfordern, die ich seit Jahren bereits eingesetzt habe. Aber ich bin nicht in die Schule gekommen mit einem: Hier bin ich! Sondern man hat mich beobachtet mit Argusaugen. Dann kam das erste Musicalprojekt, man fragte mich, ob ich hier mithelfen könnte und so kam alles ins Rollen. Steht ein Projekt an, heißt es: Frau Celine macht das. Steht ein Pädagogischer Tag an: Frau Celine macht das! Aber ich schreie nicht hier. Nur ist dies für mich einfach ein tolles und interessantes Feld. Und ich sage nicht nein, weil das, um was ich gebeten werde, mir Spaß macht. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich die Welt verändern will.
Das soll nicht heißen, dass du in jedem Fall falsch liegst,
und alle Bemühungen vergebens sind, nur, anstatt quer über den
Fluß zu schwimmen, solltest du eher nach Brücken suchen. Statt
dort, wo du mit dem Kopf durch die Wand gehen möchtest, einen
Durchbruch zu machen, solltest du die vielleicht weit offene
Tür direkt nebendran benutzen.
Wo entnimmst du meinem Text, dass ich mit dem Kopf durch die Wand will? Es erschreckt mich, weil ich mir dies genauso vorstelle, wie es im Schuldienst läuft: ein Mann in hoher Position sagt etwas über mich und ungeachtet dessen, ob es stimmt, wird es für bare Münze gehalten. Und es verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Natürlich sage ich meine Meinung, aber man sollte dies nicht missverstehen und glauben ich würde wie ein Elefant im Porzellanladen herumtrampeln. Im Gegenteil, dazu habe ich zu viel Gespür in den Jahren als Marketer entwickelt.
Versuche, den „Gegner“ nicht niederzumachen, sondern ihn zu
umarmen und zum Verbündeten zu konvertieren. Rede weniger
selbst, sondern höre mehr zu. Frage erfahrene Kollegen nach
ihrer Meinung zu deinen Ideen. Nutze die Erfahrungen anderer.
Da erzählst du mir nichts Neues. Und mein Problem liegt genau hierin. Gespräche mit betreffender Person waren bisher immer nur positiv. Ich hätte nie gedacht, dass derjenige so etwas von mir hält! Deswegen bin ich ja so schockiert und entrüstet! Wir haben Gespräche zur Zielformulierung geführt und Gespräche, um die Umsetzung zu überprüfen. Nie gab es etwas zu beanstanden. Umso unverständlicher für mich, dass es jetzt heßt: ich würde nur das tun, was ich will. Kann man denn da nicht verstehen, dass mich das zum Verzweifeln bringt? Nun, in meiner Firma lief auch nicht alles rosig. Aber man hat schnell verstanden, dass Ziele nur dann erreicht werden, wenn man persönliche und fachliche Ebene trennt. Ich gebe mir unendlich Mühe, opfere Zeit und Kraft, um alles so zu gestalten, wie es von mir gewünscht wird, erwarte keinen Dank, aber doch bitte eine richtige Beurteilung dessen, was ich tue. Da kann ich mich nur wiederholen: mein damaliger Chef hat meine Ideen oft als seine verkauft, aber ich wusste, dass er meine Arbeit schätzte und dies meine Probephase war. Aber hier wird nur genommen und gerafft, was man bekommt und der, der es geleistet hat, wird mit Füßen getreten, in dem etwas über ihn verbreitet wird, was nicht stimmt. Und genauso schnell, wie hier im Forum übernommen wird, dass ich so bin, genauso stelle ich mir dies vor, dass dies seine Kreise macht. Und meine Hoffnung oder gar mein Wunsch beispielsweise im Schuldienst auf höherer Ebene Projektmanagement zu betreiben und Fortbildungen zu geben, wird sich nie erfüllen können, weil etwas im Raum steht.
Wie dir hier auch von anderen schon bescheinigt wurde: Dein
Problem ist kein Schulspezifisches. Es ist Teil des
Lernprozesses und des Hineinfindens in die Gesellschaft.
Oder, wie mir ein alter Kapitän mal über einem Bier sagte: „Es
gibt nen guten Spruch auf Erden: Du musst noch sehr viel
ruhiger werden!“ Denn ich war damals auch so einer, der jeden
Tag die Welt neu erfinden wollte - erst später kam ich darauf,
dass es die längst gab und dass sie, wenn auch knirschend,
sich schon eine ganze Weile drehte - zwar nicht um mich, aber
immerhin, tamen movetur!
Und da liegt noch ein Problem: von sich auf andere schließen. Ich bin kein Jungspunt mehr und habe meine Erfahrungen gemacht. So unterschiedlich ist die Wirtschaft in Bezug auf Gehorsam und Freiheit nämlich nicht. Aber auf Engagement wird anders reagiert.
Nochmals: ich maße mir nicht an, eine Schule nach kurzer Zugehörigkeit zu verändern. Denn zu Veränderung gehören ein Prozess der Vorbereitung, des Begleitens und vor allem ein Team. Wenn du mir diese Empfehlung als Studienabgänger geben würdest, kann ich das dankbar annehmen. Aber du sprichst hier mit jemanden, der Berufserfahrung hat, seine grundlegenden Lehrjahre hinter sich hat und sehr wohl weiß, wie er sich zu benehmen hat. Aber anscheinend weiß das besagter Mann nicht. Und das bekümmert micht
weil ich das Gefühl habe, dass ich nichts dagegen tun kann.
Viele Grüße von Celine