Problem mit Ehe, Krankheit oder/und Fehlgeburt?
Hallo!
Innerhalb dieser depressionalen Phasen ziehe ich mich völlig in mich selbst zurück.
dann wird sie immer aggressiv „Was habe ich denn jetzt schon wieder getan?“
Das passt so klassisch auf die „vier Seiten einer Nachricht“ von Schulz von Thun („Miteinander reden“, Band 1).
Sie versteht etwas anderes, als Du eigentlich mit Deinem Verhalten ausdrückst. Deinen erklärenden Worten traut sie nicht.
Das deutet darauf hin, daß Ihr schon seit einiger Zeit ungünstig miteinander umgeht. (Daher der Vorwurf der Lüge, weiter unten im Pfad). So etwas ist gar nicht selten, sondern weit verbreitet, führt leider zu Mißverständnissen und Konflikten.
Variante 1:
Alles ist nur ein Mißverständnis. Wenn Ihr lernt, ‚besser‘ miteinander umzugehen (u.U. mit Hilfe von Paarberatung lernen), klärt sich alles.
Aber man kann auch anders deuten:
Variante 2
Eure Beziehung war längst auf absteigendem Ast, nun ist ein konkreter Anlaß gegeben, sich zu trennen. (Daher der Vorschlag, diesen Schritt in Erwägung zu ziehen, weiter unten in diesem Pfad)
Variante 3
Sie fühlt sich mit Deiner Krankheit überfordert. Zwar gibt es viele Leute mit Depression, aber im konkreten Fall ist es doch ungewohnt und für einen in dieser Hinsicht Unerfahrenen schwer zu verstehen und auseinanderzuhalten, welches Verhalten nun aus der Krankheit resultiert und welches aus der Persönlichkeit. Es kann auch einfach unheimlich sein und beängstigend, vor der ungewissen Entwicklung zu stehen und vor der Tatsache, daß Dein Verhalten plötzlich durch unbekannte Vorgänge gesteuert wird, und sich vom Gewohnten unterscheidet.
Dann sollte ihr Verständnis vermittelt werden. Zum Beispiel durch Literatur zum Thema oder auch ein aufklärendes Gespräch mit den Behandelnden. Bei Psychotherapie sollte ohnehin die ganze Familie (!), also auch die Tochter (!), einbezogen werden.
Aber auch offene Worte von Deiner Seite werden nötig sein. Da bestärke ich Dich. Du kannst ja ohne Weiteres darüber nachdenken, auf welche Weise Du etwas ausdrückst, damit es nicht unnötig in falsche Kehlen gelangt (kan man nicht immer verhindern), aber im Kern muß es offen sein. (siehe auch Erfahrungsbericht weiter unten im Pfad).
Sie warf mir dann vor nicht der Mensch zu sein, den sie geheiratet hätte.
Tja. Ist das eine Aufforderung, gefälligst wieder der zu werden?
Kannst es ja versprechen, wenn Sie auch wieder jünger wird.
Nein, das ist nicht ganz ernst gemeint, aber mir fällt ein zusätzlicher Sachverhalt ein, der evtl. sehr bedeutsam ist!
Variante 4
Die Fehlgeburt. Meist ein sehr schweres Trauma. Für Euch beide gleichermaßen? Hat sie es evtl. nicht ausreichend verdaut? Daraus kann alles mögliche resultieren, Wut auf sich selbst, das Gefühl, versagt zu haben, das Bestreben drüberwegzukommen, indem Dir indirekt die Schuld gegeben wird…
Spekulationen führen hier zu weit. Vielleicht braucht an dieser stelle Deine Partnerin noch Hilfe und es liegt nahe, daß Ihr gemeinsam Eure Probleme angeht. Dabei muß auch die Position der Tochter berücksichtigt werden. Haben sich alle auf den Nachwuchs gefreut? Oder hatte sie Sorge durch ein Baby an den Rand gedrängt zu werden?
Mein Fazit darum: Echte psychologische Betreuung und Analyse (nicht Psychoanalyse) Eurer Situation. Manche Psychiater können das ebenfalls, andere weniger, sie stützen sich vor allem auf Medikamentengabe (deren Nutzen ich in Deiner Situation nicht in Zweifel ziehe).
Das Forum wäre hier überfordert.
Tschuess und alles Gute, Sven.