Problem mit kiffendem Sohn

Mein Sohn ist 19, hat mittlere reife gemacht, bewirbt sich aber nicht um Lehrstelle, hat für nichts Lust, ist vor einigen Monaten ausgezogen, hat jetzt wieder Job hingeschmissen, kann seine Miete nicht zahlen. Der Vermieter kommt nun auf mich zu, habe Elternbürgschaft unterschrieben. Ich möchte weder seine Faulheit unterstützen, seine Miete zaheln, aber ihn auch nicht mehr zuhause aufnehmen. Er kifft, zeigt keine eigene Inititiative, bin mit meinem Latein am Ende. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Was kann ich tun?

Hallo Renate,

als ich das gelesen habe, dachte ich zuerst, das genau ist es, wovor ich selbst angst habe, dass es einmal geschehen könnte. Ich ahne, dass es Dich sehr viel Kraft kosten wird, was jetzt auf Dich zukommt. Und allein dafür hast du mein volles Mitgefühl!

Zunächst einmal was die Miete betrifft: Elternbürgschaft bedeutet, dass Du wohl oder übel die ausstehende Miete bezahlen musst. Ob Dir das Leben/der Umgang Deines Sohnes nun passt oder nicht.

Ich möchte Dir raten, Dich an einen Hilfsverein zu wenden. Im Telefonbuch findest Du bestimmt jede Menge Angebote in Deiner Nähe. Auch wenn „kiffen“ körperlich nicht abhängig macht, so besteht doch offenbar eine große psychische Abhängigkeit. Das ist unter Umständen ein Teufelskreis, aus dem Dein Sohn allein nicht wieder herausfindet. Deshalb solltest Du Dich fragen, inwiefern Du bereit bist, über diese menschliche Schwäche von ihm, die ja auch einen Hilferuf bedeuten kann, hinwegzusehen, um langfristig für ihn da zu sein. Jedenfalls wird er in seiner momentanen Situation nicht viel geben können, eher nehmen. Doch hier gegeneinander aufzurechnen? Ich weiß nicht…

Was wäre denn daran so schlimm, wenn Dein Sohn wieder nach Hause käme??? Für sich selbst sorgen kann er ja offenbar irgendwie noch nicht (oder will es zumindest nicht tun). Vielleicht hat er plötzlich Panik vor dem Leben, das ihm nun bevorsteht und so völlig anders ist, als die lockere Schulzeit? Ich weiß, dass es mir damals als Teenager so ging. Das Schlimmste war die Vorstellung, jetzt ein ganzes Leben lang von früh bis spät für irgendwelche „Idioten“ (sorry) lächeln und rackern zu müssen und nie mehr Spaß zu haben. Da kann man schon mal austicken und sich verkriechen wollen und einfach alles verdrängen und so …

Was mir noch eingefallen ist: Wann kommt denn Dein Sohn zum Wehr- oder Zivildienst? Mein „kleiner Cousin“, der inzwischen 21 ist, kam nach dieser Erfahrung, der er sich ja schlecht entziehen konnte, zumindest ernsthafter und verantwortungsbewusster wieder. Manchmal braucht man Jemanden, der einen am Kragen packt und sagt: „So machst Du das jetzt, egal ob es Dir passt oder nicht!“

Alles Gute wünsche ich Dir, und berichte mal, wie das weitergelaufen ist.

Viele Grüße
Jana

P. S. Denk dran: Es ist immernoch DEIN SOHN!

Hallo Renate,

…kann ich Dir berichten. Mit ihrem Sohn war es das gleiche.
Drogen, Gymnasium abgebrochen, Lehre abgebrochen, zu Hause
ausgezogen, Miete nicht bezahlt, sie zahlte. Bis auch sie die
Nase voll hatte. Sie ist dann mit ihrer Tochter weggezogen, hat
noch einmal das Angebot an ihren Sohn gemacht mitzuziehen, da er
dann hier in LE einen Neuanfang machen könnte, was abgelehnt
wurde. Daraufhin hat sie keine Mietzahlungen etc. mehr getätigt und sich auch nimmer gemeldet,
was ihr anfangs sehr schwer ge-
fallen ist, aber auf lange Sicht das Beste für alle war. Ihre
Tür stand immer offen für den Sohn unter einer Bedingung bzw. zwei: keine Drogen in ihrem Haus
und nur besuchsweise.
Irgendwann hat der Junge (mittlerweile 22) sich berappelt, eine
Ausbildung angefangen und das Verhältnis zur Mutter sowie
Schwester stimmt wieder. Er steht sozusagen nun wirklich auf
eigenen Beinen.

Ansonsten wende Dich (was Elternbürgschaft betrifft) doch mal
an ein Kinderschutzzentrum in Deiner Umgebung. Das ist kosten-
lose Beratung und Hilfe in einem.

Viel Glück und das sich alles doch zum Guten wendet wünscht Euch
d.

Hallo Renate,
vielleicht kann euch das Arbeitsamt helfen ?
Es gibt dort zum Teil ganz tolle Angebote für junge Leute, die beruflich nicht richtig in Schwung kommen, JobCoaching-Kurse, Berufsfindungskurse u.ä.
Da wird z.T. sogar eine Beihilfe von bis zu 400 € im Monat bezahlt !
So ein Kurs kann einen Jugendlichen schon aus seiner Lethargie reissen, in der er sich in der Regel ja selbst nicht wirklich wohl fühlt.
Man muss nur (notfalls auch hartnäckig) nachfragen, denn die Kurse sind recht teuer, die will das AA natürlich nur für Leute bezahlen, die auch echt was an ihrer Situation ändern wollen !

Viel Glück !

Heidi

Na ja, hab ich auch durchgemacht, aber ich war selbst der „Kiffer“. Solange es sich nur um THC handelt und im Rahmen bleibt, ist das sicher nicht das Problem.
Ist wohl eher eine Frage der Motivation.

martin

Problem mit dösigem Sohn
Zunächst: Wer bürgt, ist selber schuld. Steht in der Bürgschaft was davon drin, daß Du den Mietvertrag kündigen kannst und nicht nur Dein Sohn, der Mieter ist? Wahrscheinlich nicht. Also heißt es Zahlemann und Söhne und zwar solange, bis Dein Sohn von sich aus den Vertrag kündigt.

Weiterhin: Was genau ist jetzt das Problem? Daß er kifft oder daß er sich hängen läßt und keinen Job hat/sucht? Ersteres ist nicht wirklich ein Problem, wenn er es nicht übertreibt. Was zweiteres angeht: Er hat immerhin mittlere Reife und ist insofern nicht so chancenlos, wie viele andere, die sich hängenlassen.

Welchen weg Du in dieser Hinsicht einschlagen solltest, kann ich Dir nicht sagen. Das mußt Du aus der Erfahrung heraus entscheiden, die Du aus den letzten 19 Jahren mit ihm gewonnen hast. [1] Aber ich meine, daß Du versuchen solltest, ihn für etwas zu begeistern, in dem er dann eine Ausbildung macht o.ä.

Einen Knopf dafür gibt es eigentlich bei jedem Menschen, man muß ihn nur finden.

Gruß
Christian

[1]
Irgendeine Beratungsstelle würde ich an Deiner Stelle aber noch nicht einschalten, jedenfalls nicht mit Deinem Sohn zusammen. Wenn er eh schon zu nichts Bock hat, dann erst recht nicht dazu, sich von „so einem Psychoheini vollabern zu lassen“.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Vielen dank für eure Antworten. Hat mir verschiedene Denkansätze gebracht. ER muß keinen Zivildienst leisten, wurde ausgemustert. Und ihm fehlt nun die Motivation, etwas anderes zu tun. Er ist sich für jede Arbeit zu schade, lebt auf Elterns Kosten, und die Situation eskaliert immer mehr in Lügen und Betrügen. Angeblich arbeitet er irgendwo, und es stellt sich dann raus, das das alles gelogen ist. Bei jedem ernsten Gespräch verspricht er mir alles, was immer ich auch hören will, aber halten tut er nix davon. Ist eine sehr bittere Erfahrung für mich. Vielen Dank nochmal für eure Antworten.

Hallo Renate,

das Problem ist nicht das Kiffen, das Problem ist die gesamte Persönlichkeit deines Sohnes. Wir haben einen ähnlichen Fall in der Familie. Einen 30jährigen Mann, der sich seit über einem Jahrzehnt durch soziale Hängematte schmarotzt.

Die Situation ist besch… Normalerweise besteht die einzige Möglichkeit, dass er vielleicht noch die Kurve kriegt, ihn fallen zu lassen, d.h. keinerlei materielle Unterstützung mehr zu geben.
Es muss weh tun. Warum sollte er sich anstrengen, solange seine Versorgung gesichert ist.

Er könnte aber seine Wohnung verlieren. Und dann stellt sich die Frage, ob du die Kraft hast ihn auf der Straße zu lassen. Die Miete könnte in Notfall durch das Sozialamt erfolgen. Hier wäre noch abzuklären inwieweit das Sozialamt an dich geht.
Auf jeden Fall ist dies besser als ein Bürgschaft („Wer bürgt wird erwürgt“).

Wenn du deinem Sohn wirklich noch eine Chance geben willst streich ihm das Geld, ALLES! Wenn er wirklich hungert kannst du ihm Lebensmittel geben. Lass dich nicht erpressen, lass dich nicht durch sein flehen erweichen.

Gruß
Carlos

P.S. Halte deine Geldbörse versteckt.

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hallo!

Bei „Kiffern“ ist es immer schwer, sie zu was zu motivieren, und oftmals leider auch gefährlich, denn sie fühlen sich dann eingeschränkt!
Ich denke mal, dass du leider nichts machen kannst!
Da muß er selber wieder rauskommen!
Da wird es keinen anderen Weg geben!
Sorry
grüßle und viel Kraft!
Pia