Problem: Tochter luchst Sohn ständig Sachen ab

Hallo,

mein Problem als Vater ist Folgendes:

Ich habe 2 (meist :smile: wirklich süße nette Kinder, Tochter ist 9 (4.Klasse) und Sohn ist 6 (1.Klasse).

In der letzten Zeit (ca. 1-2 Jahre) hat die Tochter irgendeine Art Minderwertigkeitskomplex dem Sohn gegenüber entwickelt: Sie fühlt sich immer benachteiligt, wenn er etwas bekommt, was sie nicht bekommt. Und (für mich) noch schlimmer: sie versucht dann, ihm alle möglichen Sachen abzuluchsen.

Als Beispiele:

  • Sohn bekommt von (noch jüngerer) Nachbarstochter Walkie-Talkie geschenkt. 1 Woche später finde ich es in der Schublade der Tochter - er hat es ihr „geschenkt“, weil er es eh nicht braucht und es so rauscht. Etwas hinterfragt, hätte er es aber doch gerne wieder zurück…
  • Sohn hat eine elektr. Planierraupe zu Weihnachten bekommen - Tochter organisiert hausinternen „Flohmarkt“, wo sie die Planierraupe geschenkt bekommt.
    usw.

Meine Tochter spielt mit den Sachen nicht. Ich habe den Eindruck, sie möchte sie nur besitzen.
Wir bemühen uns, die „Gaben“ möglichst gerecht zu verteilen, sie ist bestimmt nicht benachteiligt (bekommt das neue Fahrrad - er muss ihr altes nehmen, bekommt ein Buch für eine gute Note - er nicht …)
Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen, aber ich denke, das bringt keine neuen Erkenntnisse.
Evt. könnte sich die Tochter dem Sohn auch intellektuell unterlegen fühlen (was ihr aber sicher nicht bewusst ist), er ist „fitter“ als sie.
Wir kaufen bewusst nicht alles, was es auf dieser Welt gibt (keine Handys, keine Trampoline, keine DVDs) und wohnen im ländlichen intakten Umfeld. Andererseits halten wir die Kinder auch nicht zu kurz (Taschengeld, Fernsehen, etc. in Maßen)

Ich weiß nicht, wie ich (zusammen mit der Mutter) an die Sache rangehen soll. Ich befürchte, dass sich das im schlimmsten Fall irgendwann in Kleptomanie ausartet, wenn ich jetzt was falsch mache.

Reden mit ihr? Ihr versuchen, Alles bewusst machen?
Auf sich beruhen, legt sich von selbst?
Dagegen steuern, indem sie viel mehr bekommt? (kann doch nicht sein)
Listen führen?

Danke für alle Tipps!!!
Korbinian

Ergänzung!
Noch als Ergänzung:

Habe mit Sohn darüber gesprochen, wie das Zeugs zu ihr rübergewandert ist. Am Schluss hat er rausgerückt, dass er die Sachen (Raupe und Walkie-Talkie) gerne doch wieder hätte.
Ich hab mit ihm darüber geredet, dass ER die Sachen für sich geschenkt bekommen hatte und man solche Dinge eigentlich nicht sofort wieder weiterverschenkt (klar, eigentlich sollte er mit den Dingen, die ihm gehören, alles machen dürfen - aber er ist noch zu klein und lässt sich ausnutzen).

Er ging dann (ohne Auftrag von mir) zu ihr und hat die Sachen (mit meinem o.g. Argument) ohne Gezeter der Tochter wieder zurückbekommen.

So weit…

Korbinian

Hi!

Wie siehts denn in der restlichen Familie aus, ist da großer Kontakt?
Meine Eltern haben mich auch immer gut behandelt, aber als dann mein Cousin auf die Welt kam (4 Jahre jünger) wars ziemlich egal, jetzt hatte die Familie ja einen „Stammhalter“ und der war ja wichtiger als das Mädchen das nur hübsche Deko war und irgendwann verheiratet wird. In der Hinsicht war meine Familie sehr altmodisch, das gilt auch für viele andere Familien im Umkreis, dabei müssen die Eltern selbst nicht schuld sein, mein Onkel, sowie meine Eltern, haben beide Nachkommen gleich behandelt.

Problem war dabei die Alters/Reife Diskrepanz, du schreibst ja, dein Sohn sei etwas fitter.
Ich bin sehr lange kindlich geblieben habe also gerne mit Spielsachen etc gespielt (was wohl daran lag, dass meine Mutter sie ständig wegwarf), habe dann aber ab einem gewissen Alter (ab 9/10) schwarze Samtpullover, Armbanduhren, Schals etc. bekommen wärend mein Cousin ferngesteuerte Autos, Burgen und ganze Konsolen aus der Verwandschaft abstaubte ( also alles was entfernter war als Eltern/Pate).
Geregelt hat sich das, das zum einen mit den Jahren (und damit Hirn) zum anderen, weil mein Cousin und ich sowieso irgendwann angefangen haben unsere Sachen zu tauschen. Also nicht auf ewig sondern der eine hat mal mit der Konsole gespielt und dafür das Hockey-Set vom anderen bekommen etc pp. oder man hat sich zusammen arrangiert.
Problematisch wurde das erst später wieder an der Altersgrenze 12/16, da konnte man nicht mehr so viel miteinander anfangen.

Lösungen habe ich da keine, da mein Cousin wegen Scheidung weggeziehen musste.

liebe Grüße,
Kate

Hi!

Wie siehts denn in der restlichen Familie aus, ist da großer
Kontakt?

Nun, es gibt einen Cousin, der nur ein halbes Jahr älter ist. Der wohnt aber weiter weg, Kontakte gibt ein paar Mal im Jahr (auch mehrtägig) und er ist hochbegabt (schon 6.Kl.) und bewegt sich trotz fast Altersgleichheit auf ganz anderem Niveau mit älterem Freundeskreis.
Aber damit hat es, glaub ich, weniger zu tun.

Eher sehe ich da die vielen Freunde und Freundinnen (alle eher gut betucht), die häufig leider einfach alles haben (z.B. genanntes Trampolin, Hunde „ach sind die süß“, Pool, …).

Wir wollen ihr aber schon aus Prinzip nicht alles kaufen (könnten es eh nicht), nur damit sie mit der Protzerei „mithalten“ kann.

Danke für Deine Erfahrungen!!
Grüße
Korbinian

Hallo Korbinian,

nun ich halte es für Geschwisterliche Eifersüchteleien. Meine beiden Jungs (8 und 12 Jahre) belegen mir dies immer wieder.

Nun ich versuche sicher immer alles irgendwie gleich zu verteilen dies gilt füe alles also auch Zuwendungen wie schmusen oder ähnliches. Doch ich würde lügen wenn ich behaupten würde mir gelingt dies immer. Dem ist nicht so und liegt in der Natur der Sache.

Erschwerend kommt bei dir natürlich noch hinzu das es ein Junge und ein Mädchen ist die ebenfalls naturgemäß nicht die gleichen Sachen bekommen wie bei zwei Jungs.

Bei uns gilt deshalb das wir versuchen sie zu animieren zu tauschen und/oder gemeinsam mit diesen umstrittenen Dingen zu spielen. Obwohl das die Besitzverhältnisse nicht ändert so ändert es doch etwas am Umgang mit solchen Eifersuchtsgefühlen.
Es gibt aber definitiv auch Spielzeug für beide, was ihnen also gemeinsam gehört.
So ein Walkie Talkie zum Beispiel wäre doch ideal in dieser Kategorie unterzubringen, zumal sie damit auch gemeinsam „blödeln“ können.

Ach und was das „Verwöhnen“ angeht, meine beiden bekommen Taschengeld und zu den jeweiligen Anlässen auch Geldgeschenke. Dieses Geld dürfen sie für das verwenden was sie sich wünschen, ganz ohne Veto der Erwachsenen !!! Ich greife nur beratend und bewußtmachend ein wenn ich etwas für zu teuer halte, wollen sie es dann immer noch kaufen ist es für mich und meinen Mann OK.

Klar argumentiern sie damit das der und der dies und das ja auch hat und ich kann diesen äusseren Druck auch nachvollziehen unter dem sie stehen. Doch ich habe auch nicht die Mittel um meinen Kindern alles zu kaufen was gerade „in“ ist. Darum warte ich mit solchen Dingen meist bis ich merke ob sich dieser Wunsch gefestigt hat, und dann und wann gibt es dann auch mal etwas aus der Kategorie „in“.
Man muss bei diesen Sachen leider auch immer bedenken das es sich ja meist um Prestigeobjekte handelt, und wenn man die nicht hat oder jedenfalls ein Teil davon dann ist man blöd und wird von den Gleichaltrigen schräg angesehen. Man wird leichter dadurch zum Aussenseiter auch wenn mir diese Oberflächlichkeit nicht schmeckt, man muss lernen damit umzugehen und somit gibt es denn hin und wieder mal so etwas - meist hat es dann auch den richtigen Stellenwert bei meinen Kindern und wird entsprechend behandelt.

Aber ich glaub ichbin jetzt etwas vom Thema abgekommen… hoffe es gibt dir eine bessere Perspektive auf das Gefühlsleben deiner Kinder trotz des Abschweifens *grins*

Nordische Grüße
Andrea

Wie geht Ihr Eltern mit ihren Sachen um?
Hallo,
ein paar Fragen, die mir beim Lesen Deines Postings einfielen:

Bekommt Eure Tochter neben Fahrrad und Büchern auch Spielzeug (ich hab mit 9 noch viel gespielt)?

Mußte sie evtl. dem kleinen Bruder ihre Spielzeuge (von Rassel bis Bobbycar), die ihrem Alter nicht mehr entsprachen überlassen, obwohl es nach wie vor ihre waren/sind? Das Fahhrad, dass er jetzt hat, hat sie ja auch mal geschenkt bekommen. Ist also ihrs. Habt Ihr sie gefragt, ob der Bruder es haben kann? Oder habt Ihr es dem Bruder einfach gegeben (die Große bekam ja schließlich ein neues)?

Ich weiß nicht, ob hier der Schlüssel zur Lösung liegt, aber vielleicht?

beste Grüße
Claudia

Hallo,
ein paar Fragen, die mir beim Lesen Deines Postings einfielen:

Bekommt Eure Tochter neben Fahrrad und Büchern auch Spielzeug
(ich hab mit 9 noch viel gespielt)?

Ja, ich denke schon. Letzte Weihnachten hat sie Wunsch-Lego bekommen, auch Hefte mit Spielzeug drin hat sie öfters. Wünsche von ihr versuchen wir zu erfüllen.

Mußte sie evtl. dem kleinen Bruder ihre Spielzeuge (von Rassel
bis Bobbycar), die ihrem Alter nicht mehr entsprachen
überlassen, obwohl es nach wie vor ihre waren/sind?

Nun, das Kleinkinderspielzeug ist automatisch natürlich mal zu dem Sohn rübergewandert, aber es ist ja auch ein Altersunterschied von 3 Jahren. Kann natürlich sein, dass sie das als Verlust empfunden hatte.

Das Fahhrad, dass er jetzt hat, hat sie ja auch mal geschenkt
bekommen. Ist also ihrs. Habt Ihr sie gefragt, ob der Bruder
es haben kann? Oder habt Ihr es dem Bruder einfach gegeben
(die Große bekam ja schließlich ein neues)?

Das mit dem Fahrrad ist jetzt schon ein Jahr her, daher weiß ich es nicht mehr genau. Könnte aber schon sein, dass wir mit ihr darüber geredet haben in der Art: „Du bekommst ein neues Fahrrad und der Sohn darf dann Dein altes übernehmen“. Wobei wir schon immer darauf hingewiesen haben, dass sie das Neue bekommt und er das alte übernimmt.

Ich weiß nicht, ob hier der Schlüssel zur Lösung liegt, aber
vielleicht?

Ich verstehe, was Du sagen willst. Es klingt nicht unplausibel, so dass schon ein bißchen was dran sein könnte. Aber bei vielen Sachen haben wir sie auch gefragt, ob sie es noch braucht und ob er es haben kann.

beste Grüße
Claudia

Ebenso! Danke für die Antwort!
Korbinian

Hallo Andrea,

also irgendwie stimme ich mit dem Allen ganz gut überein und wir versuchen es ganz ähnlich.
Das mit dem Walkie-Talkie ist halt so gelaufen, dass es explizit der Sohn von der Nachbarstochter (mit der sie fast nie spielt, da der Altersunterschied zu groß ist) geschenkt bekommen hat. Hinterher kann man das nicht als Geschenk für beide ummünzen.

Aber eigentlich können die beiden schon auch oft zusammen mit ihrem Spielzeug (das jeweils einem gehört) spielen. Umso mehr wundert mich ja dann das Verhalten meiner Tochter…

Südländische Grüße!
(„Südische“ Grüße gibt es ja nicht :o)
Korbinian

Nun, das Kleinkinderspielzeug ist automatisch natürlich mal zu
dem Sohn rübergewandert, aber es ist ja auch ein
Altersunterschied von 3 Jahren. Kann natürlich sein, dass sie
das als Verlust empfunden hatte.

Dieses „automatisch“ kann manchmal „problematisch“ werden.

Das mit dem Fahrrad ist jetzt schon ein Jahr her, daher weiß
ich es nicht mehr genau. Könnte aber schon sein, dass wir mit
ihr darüber geredet haben in der Art: „Du bekommst ein neues
Fahrrad und der Sohn darf dann Dein altes übernehmen“. Wobei
wir schon immer darauf hingewiesen haben, dass sie das Neue
bekommt und er das alte übernimmt.

Das ist im ersten Moment egal, das hört sich ja ziemlich endgültig an, da hättet ihr sie auch gar nicht fragen brauchen - Kinder wollen aber gefragt werden, meistens dreht mans sowieso so, wies passt :wink:

Ich verstehe, was Du sagen willst. Es klingt nicht
unplausibel, so dass schon ein bißchen was dran sein könnte.
Aber bei vielen Sachen haben wir sie auch gefragt, ob sie es
noch braucht und ob er es haben kann.

Es ist ja die Sache: natürlich *braucht* sie vieles nicht mehr, aber *will* sie es abgeben?
Die selbe Unterwürfigkeit, die ihr Bruder ihr gegenüber zeigt, wenn sie was fordert, wird sie wohl euch gegenüber zeigen.

liebe Grüße,
Kate

ausleihen üben
Hallo,

Nun, das Kleinkinderspielzeug ist automatisch natürlich mal zu
dem Sohn rübergewandert, aber es ist ja auch ein
Altersunterschied von 3 Jahren. Kann natürlich sein, dass sie
das als Verlust empfunden hatte.

Mit den nachfolgenden Geschwistern finde ich genau das schwierig - Spielzeug ist bereits vorhanden, wurde dem großen Geschwisterkind damals geschenkt.

Ich habe mit meinem großen Sohn folgendes erlebt:
Er ist 5 Jahre alt. Sein kleiner Bruder 11 Monate. Er kam einmal vom Kinderladen nach Hause und sah, dass ich seinem kleinen Bruder (damals etwa 4 Monate alt) eine Rassel gegeben hatte, die ihm gehört(e).
Er sagte: „Das ist aber meine Rassel“ (er hat seit Jahren nicht damit gespielt!), nahm sie und legte sie wieder in die Schublade, in der sie seit je lag.

Ich hatte die Rassel tatsächlich einfach genommen. Hatte vorausgesetzt, dass diese nun (und in Zukunft auch andere Sachen) an das Baby übergeht…

Seitdem frage ich nun aber immer, ob sein kleiner Bruder mit diesem und jenen spielen darf. Ich habe gemerkt, das tut meinem Großen gut. Er gibt die Spielsachen problemlos her, aber ich muß das Eigentum entsprechend würdigen - UND: es bleibt sein Eigentum, ist also nur geliehen.

Wobei
wir schon immer darauf hingewiesen haben, dass sie das Neue
bekommt und er das alte übernimmt.

Wir sind gerade beim Umsteigen auf ein größeres Fahrrad. Das jetzige hatte mein großer Sohn zum 4. Geburtstag bekommen. Gestern haben wir beschlossen, dass er ein neues bekommt. Da meinte er: „Dann hab ich ja zwei.“, ich sagte: „Wenn Du willst, kannst Du das eine ja verschenken - und zeigte auf seinen kleinen Bruder.“ Die Idee fand er gut. Wenn also der Kleine entsprechend alt sein wird, kann er, der Große, es ihm schenken, nicht wir Eltern (wir haben es ja schon mal verschenkt).

Ich weiß jetzt nicht, wie viel und was genau (außer den von Dir genannten Sachen) Eure Tochter ihrem kleinen Bruder abluchst. Aber ein Bewußtmachen der Eigentumsverhältnisse könnte vielleicht helfen.

Ich würde ihr auch erklären, dass der kleine Bruder die Tragweite von „Brauch ich nicht mehr“ und dem folgenden Herausgeben der Sachen vielleicht noch nicht versteht, sie als jemand, der schon viel mehr versteht, also entsprechend vorsichtig damit sein soll.

Und letztlich folgendes „einüben“: wenn ihr was gefällt, was der Bruder hat, dann kann sie es vielleicht einfach ausleihen. Im Gegenzug auch ihm etwas leihen…

Bis dann
Claudia