Problematik der Grenzwerte

Hallo,

in dem hier verlinkten Video wird die o.g. Problematik diskutiert, mit Kommentaren u.a. von Dr. Sawicki, wer setzt die Grenzwerte fest, was sagen die Statistiken aus? Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck usw.

http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/ge…

Macht man uns kränker als wir sind?
Wie denkt ihr darüber?

Gruß,
p+p

Hallo,

da ich etwas im Zeitdruck bin, habe ich das Video noch nicht gesehen, wollte aber doch schnell etwas anbringen.

Es ist sicher möglich, dass hier und da der Patient durch die Werte zu krank gemacht wird. Es gibt denke ich aber auf jeden dieser Fälle auch einen, in denen ein Patient wegen der oft breiten Werte und derer fast schon mechanischen Interpretation unbehandelt bleibt, obwohl es krank ist.

Ich habe mich z.B. ein wenig mit Schilddrüsenerkrankungen beschäftigt.

Da gibt es z.B. das Hormon TSH, für das die Obergrenze der Labore zwischen 2,5 und 4,5 schwankt. Es gibt mehr als genug Ärzte, die Patienten, die offensichtlich starke Beschwerden haben, wieder wegschicken, weil der Wert „in der Norm“ liegt, auch wenn das eigene Labor einen höheren Referenzwert als andere hat.
Oder das Schilddrüsenhormon Thyroxin. Für die freie Menge dieses Hormones ( fT4 ) ist eine nicht unübliche Spanne der Normalwerte z.B. 0,9 bis 1,8. D.h. es kann theoretisch sein, dass ein Mensch doppelt so viel von dem Hormon im Blut hat als ein anderer, und beide als gesund gelten !!

Fazit : Bei vielen Werten ( insbesondere natürlich dort wo die Spanne der „normalen“ Werte besonders groß ist ) sind die Normwerte eigentlich nur Richtwerte. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, dass der Arzt immer Werte und Befinden des Patienten gemeinsam im Blick hat. Letzteres ist natürlich sehr schwierig, wenn die Ärzteschaft fast ausschließlich aus den Patienten ignorierenden Weißkitteln besteht.

Grüßle

Eric

Hallo,

da ich etwas im Zeitdruck bin, habe ich das Video noch nicht
gesehen, wollte aber doch schnell etwas anbringen.

Das Video offenbart noch weitere Überlegungen, als die von dir angestellten.

Generell stimme ich dir zu. Jeder Organismus/Mensch ist etwas anders und reagiert anders. Zusätzlich ist bei deinem Beispiel - Schilddrüse auch wichtig, ob andere Werte hier zu hoch oder zu niedrig sind. Thyroxin hat ja viele Mitspieler, was in der konventionellen Medizin vielfach unbeachtet bleibt, es wird auch selten gefragt, was die wirkliche Ursache für eine Über- oder Unterfuntion bzw. für einen zu niedrigen oder zu hohen Thyroxinwert ist.

Ein Wert allein ist sehr selten sehr aussagefähig, da, wie du erwähnst, nur ein Richtwert - es ist lediglich ein Hinweis und erfordert dann eine genauere Untersuchung: was ist die Ursache? Nur verlassen sich Mediziner, ob aus Zeitmangel oder anderen Gründen zu häufig auf einen Richtwert, verschreiben ein Thyroxin senkendes oder erhöhendes Medikament, und das war’s dann. Damit wird das Symptom behandelt, die Ursache aber bleibt unerkannt und unbehandelt.

Gruß,
p+p

So, mittlerweile habe ich es auch geschafft, das Video anzuschauen.

Ist schon dramatisch. Der „Patient“ klagt nicht über Beschwerden, ist offensichtlich noch total fit und bekommt trotzdem ein Medikament verschrieben, dass dann auch noch Nebenwirkungen hat.

Medizin, wie sie ( auch ) nicht sein sollte.

Danke für den Link.

Grüßle

Hallo,

hier im Medizinbrett kann man auch schön verfolgen, wie die Menschen mit den weit publizierten Grenzwerten verunsichert werden. Die Fragen ob Grenzwerte zu Blutdruck, Cholesterin u.v.m. eine Krankheit bedeuten, werden immer häufiger.

Es würde sich lohnen die gängigen unter einer FAQ zu veröffentlichen, mit entsprechenden Anmerkungen, sich davon nicht verrückt machen zu lassen, mit Literaturhinweisen u.ä.m.

Gruß,
p+p

Hallo p+p,

hier im Medizinbrett kann man auch schön verfolgen, wie die
Menschen mit den weit publizierten Grenzwerten verunsichert
werden. Die Fragen ob Grenzwerte zu Blutdruck, Cholesterin
u.v.m. eine Krankheit bedeuten, werden immer häufiger.

Es würde sich lohnen die gängigen unter einer FAQ zu
veröffentlichen, mit entsprechenden Anmerkungen, sich davon
nicht verrückt machen zu lassen, mit Literaturhinweisen u.ä.m.

der Vorschlag ist gut, aber hat seine Problematik:

Was sind die „gängigen“ Grenzwerte? Immer sind sie doch von den Referenzwerten des betr. Labors abhängig.
Und: Wer möchte die Verantwortung für eine FAQ übernehmen, in der generell geraten wird, den eigenen Befund nicht so ernst zu nehmen?

Die zunehmende Verunsicherung ist ein Phänomen, das gesellschaftsweit um sich greift. Das hier ist ein kleiner Ausschnitt davon.

Gruß
Montanus

Hallo Montanus,

Es würde sich lohnen die gängigen unter einer FAQ zu
veröffentlichen, mit entsprechenden Anmerkungen, sich davon
nicht verrückt machen zu lassen, mit Literaturhinweisen u.ä.m.

der Vorschlag ist gut, aber hat seine Problematik:
Was sind die „gängigen“ Grenzwerte? Immer sind sie doch von
den Referenzwerten des betr. Labors abhängig.

Man könnte die Werte z.B. dem Pschyrembel entnehmen oder einem anderen medizinischen Fachbuch, als Grundlage.
Zusätzlich darauf hinweisen, daß die Werte je nach Labor unterschiedlich sein können aufgrund unterschiedlicher Testmethoden, Testchemikalien usw.

Und: Wer möchte die Verantwortung für eine FAQ übernehmen, in
der generell geraten wird, den eigenen Befund nicht so ernst
zu nehmen?

Generell dürfte das sicher nicht so dastehen, sondern hervorheben, daß zu hohe/niedrige Werte IMMER im Zusammenhang mit den anderen Werten zu betrachten sind, daß ein einziger Ausreißer durchaus vorhanden sein kann, ohne daß man gleich schwer krank ist und, daß die Auswertung nur von einem Arzt vorgenommen werden kann und IMMER mit diesem besprochen werden muß.

Bei Cholesterin könnte man z.B. anmerken, daß je nach Meinung der Wert mal 150, 200 oder 250 sein soll, aber ohne die Relation zu HDL nichts aussagt. Dazu Literaturempfehlung…

Die zunehmende Verunsicherung ist ein Phänomen, das
gesellschaftsweit um sich greift. Das hier ist ein kleiner
Ausschnitt davon.

Kein Wunder, wenn man die Werbekampagnen für Medikamente verfolgt, die die Menschen verängstigen sollen, damit sie zu mehr Tabletten, Tropfen, Kapseln, Pillen greifen…

Gruß,
p+p

Hallo p+p,

kennst du vielleicht einen kompetenten User, das diese FAQ schreiben möchte?

Montanus

Hallo Montanus,

kennst du vielleicht einen kompetenten User, das diese FAQ
schreiben möchte?

Ich würde ganz gerne einen Entwurf mit Kommentaren dazu machen und mich dabei auf das Buch von Dr. Herbert Woschnagg und Dr. Wolfgang Exel „Mein Befund - Laboruntersuchungen verständlich gemacht“ ISBN 3-8000-3379-8 Buch anschauen stützen. Dieses Buch ist sehr übersichtlich und handlicher als der Pschyrembel.

Ob ich kompetent genug bin - dazu könnte ich dir eine e-mail schicken, damit du das beurteilen kannst.

Dieser Entwurf sollte aber unbedingt von Ärzten überprüft, ergänzt und weiter kommentiert werden, vielleicht von dir und Sharon?

Damit es etwas vernünftiges wird, bräuchte ich dafür allerdings etwas Zeit.

Herzliche Grüße,
p+p

Hallo p+p,

bitte wende ich dich mit deinem Plan an die Betreuer/innen der FAQ-Listen „Medizin“. Sie sind für die weitere Bearbeitung zuständig. Ihre Namen sind bei den Listen aufgeführt.

Montanus