Die Vernunft hat nichts zu melden
Liebe ExpertInnen,
wie ist es zu erklären, wenn sich manche Frauen immer wieder
und trotz besserem Wissen in Partnerschaften stürzen, die so
problembeladen sind, dass sie eigentlich von Vornherein schon
zum Scheitern verurteilt sind ?
Das liegt daran, dass die Entscheidungen, die ein Mensch trifft und
die Handlungen, die er durchfuehrt, nicht vom Bewusstsein, also dem
Ich, verursacht sind. Vielmehr liegen die Ursachen fuer
Entscheidungen und Handlungen groesstenteils im Unbewussten.
Daher kommt es auch, dass viele Menschen nicht von ihren Lastern
lassen koennen, die sie selbst verurteilen.
Die Frau, an die ich denke ist eine lebenserfahrene Person
über 60. Ihr ganzes Leben hat sie sich entweder in Männer
„verguckt“,die im Ausland gelebt haben und auch einen anderen
kulturellen Hintergrund hatten.
Auf diesen Typ Mann ist sie offensichtlich gepraegt. Was sie rational
zu diesen Praegungen sagt, faellt kaum ins Gewicht.
Wenn du sagst, sie sei lebenserfahren, dann meinst du vielleicht,
dass sie ueberdurchschnittlich viel erlebt habe. Wenn das so ist,
dann laesst dies auf ein abenteuerlustiges Wesen schliessen. Und
diese Natur fuehrt sie eben auch zu unsteten, exotischen Maennern.
Andere Männer wohnten zwar
nicht im Ausland, hatten aber einen schwierigen Charakter, so
dass alle diese Beziehungen zu Bruch gingen. Die jüngste Liebe
ist ein völlig mittelloser Ausländer, der nun nach kurzer
Bekanntschaft geheiratet wird und sich von seiner zukünftigen
Ehefrau zu 100 % finanziell versorgen lassen wird. Dies könnte
zum finanziellen Ruin der Frau führen.
Wie gesagt: Sie kann nur dann vernuenftig handeln, wenn ihr
Unbewusstes (Charakter, Praegungen etc.) dies auch will.
Frage mich nicht, warum sie so gepraegt ist. Das laesst sich nur
schwer rekonstruieren.
Die Betroffene
verschließt die Augen vor der Problematik, getreu des
„Kaisers“ Motto „Schaun mer mal“. Der kann sich das allerdings
eher leisten…
Eine weitere Bestaetigung dafuer, dass die Vernunft nicht viel zu
sagen hat. Wer vernuenftig entscheidet und handelt, der tut dies
genauso von unbewussten Vorgaengen determiniert wie der, der
unvernueftig handelt. Die nachtraegliche Interpretation ist nur eine
andere.
Ein kleines Beispiel:
Ein 18-jaehriger Bursche ist als risikofreudig und erlebnishungrig
bekannt. Am Freitag Abend kommen seine Kumpels mit dem Auto vorbei
und wollen ihn zu einer Spritztour abholen. Der Bursche lehnt das
fuer ihn verlockende Angebot ab, denn die Kumpels sind nicht mehr
nuechtern. Hat hier die Vernunft den Sieg davongetragen?
Nein. Der Bursche hatte Angst, d.h. eine Emotion hat die Entscheidung
gefaellt. In der nachtraeglichen Interpretation sieht es natuerlich
so aus, als haette die Vernunft gegen die Gefuehle (Vorfreude auf den
Ausflug) gesiegt.
Genaugenommen haette die Vernunft ihm sogar geraten, mitzufahren,
weil die Wahrscheinlichkeit fuer einen Unfall wohl nur so 1% ist.
So ist das mit Entscheidungen, Vernunft und dem, was ein Mensch so
tut. Irrationales Verhalten gehoert zum Menschen dazu.
Gruss, Tychi