Hallo,
eigentlich freut sich jeder über eine kostenlose Arbeitskraft. Kann es sein, dass es im Vorfeld noch andere Probleme gab, die Du nicht genannt hast?
Wahrscheinlich bist Du aber einfach das Opfer der neuesten Sparwelle.
drei Wochen nach meiner letzten Diplomprüfung habe ich den
Eindruck bekloppt zu werden. Ich finde weder ein für mich
akzeptables Thema
Es gibt also Arbeiten. Dann liegt das aber an Dir, oder? Was ist denn für Dich akzeptabel?
noch einen Betreuer für eine Diplomarbeit.
Hauptproblem an unserer Fakultät ist, dass drei Professoren,
deren Fächer meine Schwerpunkte bilden, im Sommer pensioniert
wurden. Die Lehrveranstaltungen finden zwar wie gewohnt statt
(oder wie gewohnt auch nicht), aber in Sachen Diplomarbeit
sieht es sehr übel aus.
Betreut werden Diplomarbeiten bei uns i.d.R. durch die
Assistenten und Mitarbeiter der Profs.
Das ist völlig normal. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb die Pensionierung ein Problem ist. Üblicherweise kann ein Prof nach seiner Pensionierung noch etwa ein Jahr lang (oder länger) Prüfungen abnehmen (Ich weiss natürlich nicht, wie das an Deiner Uni geregelt ist).
Diese „Betreuer“ sind
entweder nicht sicher ob ihr Beschäftigungsverhältnis
verlängert wird
Soetwas ist im Moment ein echtes Problem. Mit den Einstellungsstopps an einigen deutschen Hochschulen kann es sein, dass etliche Assistenten kalt gefeuert (=Vertrag wird nicht verlängert) werden. Von einem entlassenen Betreuer hast Du auch nichts.
oder mit sovielen Diplomarbeiten belastet,
dass sie eine Betreuung weiterer Arbeiten ablehnen.
(Anmerkung: Vor ein paar Monaten kamen noch andere Aussagen)
Du hast leider einen äusserst ungünstigen Zeitpunkt (Jahresende, Haushaltssperre etc.) erwischt. Einige Assistenten werden vielleicht gefeuert und müssen zusehen, dass ihre Diss fertig wird. Klar das sich die Arbeit bei den „glücklichen“ häuft.
Zudem kommt noch hinzu, dass man die jeweils für
Diplomarbeiten Verantwortlichen nicht einmal in ihren
Sprechstunden antrifft.
Anrufen? E-mail?
Obwohl meine „Zornesader“ mittlerweile ordentlich schwillt,
vergiss Deine Zornesader ganz schnell wieder. Du suchst jemanden der sich für Dich einsetzt. So wirst Du niemanden finden. Wenn Du Dich mit jemanden streiten willst, musst Du Dich an „Dein“ Kultusministerium wenden. Die haben die finanzielle Situation zu verantworten.
bemühe ich mich um eine vernünftige Lösung des Problems.
Du suchst eine Diplomarbeit, das ist ein Prüfung, auf die Du Anspruch hast (Du hast keinen Anspruch auf ein bestimmtes Prüfungsthema). Das ist eine zwar im moment gewisse Herausforderung, aber insgesamt normal (jeder Deiner Kommilitonen muss da durch) und damit kein „Problem“.
Nach
durchforsten der Prüfungsordnung ergeben sich für mich aber
mehr Fragen denn je.
In der Prüfungsordnung steht:
Kann ein Kandidat keinen Betreuer benennen, sorgt der
Vorsitzende des Prüfungsausschusses auf Antrag des Kandidaten
dafür, dass er rechtzeitig ein Thema für eine Diplomarbeit und
einen Betreuer erhält.
So ist das an den meisten Unis geregelt.
Wie kann ich das verstehen? Muss ich jetzt jedes Thema
akzeptieren?
In der Regel: ja. Vergiss nicht, dass die Diplomarbeit eine Prüfungsleistung ist.
Was heisst rechtzeitig (sofort/in ein paar
Monaten)?
Das ergibt sich aus den anderen Paragraphen der Prüfungsordnung. Es kann sein, dass Du beispielsweise x-Monate nach der Y-Prüfung zur Diplomarbeit angetreten sein musst. Näheres erfährst Du bei Deinem Prüfungsamt.
Weiter steht in der Prüfungsordnung, dass der Betreuer der
Fakultät angehören muss, in begründeten Ausnahmefällen jedoch
auch einer anderen Universität angehören darf.
Was ist denn ein begründeter Ausnahmefall?
Faustregel: Ausnahmeregelungen sind ziemlich harte Regelungen. Schliesslich will man nur extrem gelagerten Einzelfällen gerecht werden.
Die Tatsache, dass Du die Themen an Deiner Uni nicht akzeptabel findest, ist mit Sicherheit keine Ausnahme (Es wird vielen Deiner Kommilitonen so gehen).
Wenn aber Deine Vertiefungsrichtung an Deiner Uni durch Todesfälle/Pensionierungen plötzlich nicht mehr durch entsprechende Professuren vertreten ist, könntest Du eine Chance haben.
Aber: Weshalb sollte ein Prof einer anderen Uni sich Deiner annehmen?
Sie/Er ist in keiner Weise dazu verpflichtet. (Er/Sie wird nicht dafür bezahlt). Du brauchst eine gute Projektidee, oder ein Unternehmen, dass dafür zahlt.
Muss ich mich dazu
an einer anderen Uni immatrikulieren?
Normalerweise: Nein.
Wenn ja, geht das auch
während des Semesters? Hat jemand sowas schon mal (z.B. an der
Fernuni Hagen) gemacht?
Ich hoffe hier kann mir jemand Hinweise/Tips geben, wie ich
mit der Situation umzugehen habe. Insbesondere unter dem
Aspekt „Studiengebühren“ (für so einen Scheiß soll man auch
noch bezahlen?) habe ich es z.Z. sehr eilig fertig zu werden
und möchte keine weitere Zeit mehr verlieren.
Warum nimmst Du nicht einfach die nächst beste schnell zu bearbeitende Arbeit, ohne über „akzeptabel oder nicht“ nachzudenken? Es geht um eine Prüfungsleistung und nicht um einen Job für’s Leben.
Schnell geht es sicher nicht, wenn Du an eine andere Uni willst. Da wirst Du Dir erst recht die Füsse plattlaufen.
Kopf hoch, es sind schwere Zeiten. Du wirst es aber schaffen, da bin ich mir sicher.
Rossi
PS: Einige meiner Kommilitonen haben in jüngster Vergangenheit
08/15-Praxis-Themen (Kooperation des Lehrstuhl mit einem
Unternehmen) bekommen. Die Lehrstühle erhalten, wegen des
„erhöhten“ Betreuungsaufwandes *wegbrüll*, von den Unternehmen
einiges gezahlt, was die Betreuungswilligkeit sicherlich
erhöht.
Klar. Vom deutschen Staat/ von den Ländern kommt ja kaum noch Geld.
Das sind die Schattenseiten der aktuellen Sparwelle. Die Alternative wäre wohl weniger Assistenten zu beschäftigen.
Ausserdem: Warum sollte Die Uni nicht eine industrieübliche Vergütung verlangen, wenn eine Beratungsleistung erbracht wird? Das wäre ja sonst eine Verschwendung von Steuergeldern und zudem wahrscheinlich noch illegale Subvention.
Wie kommt man an sowas ran, wenn die Lehrstühle gerade nix in
dieser Hinsicht anzubieten haben? Gibt es da eine Plattform im
Internet, wo man gezielt suchen kann?
Hmm, in Deinem Fach kenne ich mich nicht aus, sorry.