Probleme mit 8jähriger Tochter

Hallo,
ich habe eine sprachbehinderte Tochter, diese wird schon seid mehreren Jahren logopädisch therapiert. Die Behandlung musste auch schon abgebrochen werden, da sie nicht mehr mitarbeitete. Jetzt fängt sie wieder an. Sie möchte keine Hausaufgaben mehr machen, möchte nicht mehr zum Logopäden, zum Ergotherapeuten. Sie sagt auch selbst, daß ihr alles zuviel ist. Aber da man sie fast nicht versteht (als Fremder, in der Familie verstehen wir fast alles) muss diese Behandlung sein. Sie bekommt 2x Logopädie in Frankreich und 2x in Deutschland und einmal Ergotherapie in Deutschland.
Kann mir jemand sagen, wie ich am besten darauf ragiere? Wir wissen uns keinen Rat mehr. Sie macht dann auch direkt zu und man kann nicht mehr mit ihr sprechen. Man kommt einfach nicht mehr an sie ran.

Liebe Grüße Peter

Hi Peter,

ich denke, dass gegen den Willen Deiner Tochter alles vergebliche Liebesmüh´ ist und vielleicht ist ihr das alles zuviel ?!

Ich würde versuchen, mit ihr einen Kompromiss auszuhandeln, in dem ihr für sie verbindlich vereinbart, was sie ernsthaft und aktiv mitmacht (ggf. Belohnung einschliessen, wenn sie durchhält).

…muss diese Behandlung sein. Sie bekommt 2x

Logopädie in Frankreich und 2x in Deutschland und einmal
Ergotherapie in Deutschland.
Kann mir jemand sagen, wie ich am besten darauf ragiere?

hi peter,

kann es sein, dass ihr zwischen frankreich und deutschland pendelt und eurer tochter auch sehr viel wechsel und unsicherheiten, sowie wenig beständigkeit zumutet? und dass therapie als „muss“ erscheint? wenn ja, dann dreht unbedingt da dran, sprachstörungen bedingen sich auch durch solche dinge! schafft sicherheiten für die tochter.

hallo,

mein Sohn hat auch eine Sprachentwicklungsverzögerung und bekommt 2 mal in der Woche Logotherapie.
Das ist laut Kinderärztin und Logapädin aber auch das Maximum - mehr sei zu anstrengend.
Verstehe ich das richtig, dass Deine Tochter Logotherapie auf Deutsch und auf Französisch bekommt? Uns hat man nämlich gesagt, dass man sich bei Sprachschwierigkeiten auf eine Sprache „einigen“ sollte - also auch in der Familie nur noch eine Sprache sprechen sollte.

5 mal Therapie pro Woche kommt mir auch sehr vor - vielleicht gibt es auch sowas wie ein zuviel an Therapie? „Logohausaufgaben“ hat meiner auch, die macht er aber nur wenn er Lust dazu hat. Das sieht so aus, dass ich mit ihm in der Früh, wenn seine Schwester in der Schule ist ein logoSpiel mache. Wenn er Lust hat ist gut - wenn nicht auch.
Unsere Logopädin betont immer, dass beim üben das „Lustprinzip“ an erster Stelle stehen sollte. Eltern sind nicht die Therapeuten des Kindes, hier sollte für das Kind auch eine Unterscheidung möglich sein.
Arbeitet Ihr zuhause mit dem Mittel der „Positiven Verstärkung“?
Also nicht korrigieren - „das war jetzt falsch“ - sondern durch nachsprechen des korrekten Wortes/Satzes? Das war bei meinem Sohn sehr hilfreich.
Bei Kritik hat er sich immer zurückgezogen und gar nichts mehr gesagt.

Viele Grüße
Sue

Motivation ohne Druck
Hi Peter

du erwähnst gar über den Hintergrund, weshalb sie in D und in F Therapeuten hat.

Alles hängt natürlich auch davon ab, welcher Art die Sprachstörung ist und vor allem, welche Ursachen diese wiederum hat.

Je nachdem ist daher wirklich die Vermutung naheliegend (wie es ja auch schon erwähnt wurde), daß sie total überfordert ist: Seit Jahren mit wöchentlich 5 Therapiesitzungen bei 3 Therapeuten in 2 Ländern, incl. doch wohl auch Hinundherreisen … und das, weil sie muß …

Mal abgesehen davon, daß Therapie gewiß notwendig erscheint: Wurde sie schon einmal von euch gefragt, ob sie selbst das auch will?

Sprachschwierigkeiten knabbern ganz enorm am Selbstwertgefühl - wenn nicht überhaupt, wie oft, in Selbstwertproblemen die Ursachen liegen. Bei einer derartigen Therapieüberlastung und das unter dem Druck, daß es „sein muß“, kann aber kaum noch Freiraum für eigene Motiviertheit vorhanden sein. Im Gegenteil besteht die Gefahr, daß hier das Bewußtsein völliger Unzulänglichkeit, Unfähigkeit fest eintrainiert wird. Das könnte jeden wirklichen Lernerfolg verhindern, zumal es ja schon seit Jahren von euch so praktiziert wird.

Es ist daher durchaus möglich, daß die momentanen Verweigerungen, wie auch schon die vorherigen Verweigerungsversuche, ein Signal sind, daß sie auf diesem Wege eine immerhin noch vorhandene Souveränität (und damit ein Bewußtsein von Selbstwert) retten (oder wiedergewinnen) will. In diesem Fall könntet ihr darin etwas Positives sehen - aber nur, wenn ihr eurer Tochter dafür Verständnis signalisiert.

Wichtig also wäre, daß ihr sie nicht unter Druck setzt, sondern sie befragt nach ihrer eigenen Motivation. Jeder Mensch hat von sich aus das Bedürfnis, verstanden zu werden, auch akustisch. Die Motiviertheit, das auch erreichen zu wollen, kann man nicht erzwingen. Aber wenn man es erzwingt, kann man damit eine Blockade bewirken. Eine Verweigerung ist oft eine Antwort auf äußeren Druck, der als angstauslösend erlebt wird. Und eintrainiertes Bewußtsein der Unzulänglichkeit löst Angst aus.

Eine eigene - also von „innen“ kommende - Motiviertheit kann das ggf. bewältigen. Aber dazu könnt ihr eure Tochter nicht zwingen , sondern nur positiv verstärken: Wenn es ihr inzwischen daran fehlen sollte (was wahrscheinlich der Fall sein dürfte), müßt ihr sie dazu verlocken.

Das aber dürfte schwer sein, wenn sie stattdessen an 5 Tagen in der Woche mit einem „ich kann etwas Lebenswichtiges nicht“ konfrontiert wird. Dieses:

Sie macht dann auch direkt zu … Man kommt einfach nicht mehr an sie ran

dürfte dann eine Art von Selbstschutz sein. Tut dem Kind das bitte nicht an, diesen Selbstschutz mit Gewalt zu durchbrechen.

Tauschen die 3 Therapeuten, die sie „behandeln“, eigentlich untereinander aus?

Gruß

Metapher

Hallo,

es ist so, daß meine Tochter früher 1 Stunde Logopädie auf D hatte und eine Ergotherapie. Das über mehrere Jahre bis sie nicht mehr mitarbeitete. Deshalb wurde unterbrochen.
Ergotherapie lief aber weiter. Dann haben wir von einem Sprachheilzentrum gehört, das speziell für schwer sprachgestörte Kinder ist. Wollten sie auch dorthin schicken. Wohlgemerkt, meine Tochter wollte dies auch immer, nichts gegen den willen meiner Tochter!!!
Dort bekommen wir aber die Zahlung verweigert, obwohl dies sowohl von mehreren Logopäden, Ärzten, sogar der Universitätsklinik empfohlen wurde. Deshalb sind wir auch jetzt beim RA.
Dann waren wir wieder auf der Suche nach einem geigneten Logopäden, bekamen aber mitlerweile von der Schulbehörde druck, dass wir uns ja nicht um unsere Tochter kümmern würden, denn sie lerne ja nicht sprechen und wir hätten auch keine Termine mit ihr. Haben bis dato allerdings immer alles außerhalb der Schulzeit „absolviert“(immer noch mit dem einverständnis unserer Tochter)!!!
Bekommen gedroht, daß alles vor Gericht kommen würde, da wir uns ja nicht kümmern würden. Das weiß allerdings meine Tochter nicht, denke aber sie ahnt, daß etwas im Busch ist. Denn sie ist ja nicht dumm!!

Deshalb auch die Logopädie, in D und F. Die in D macht Sprachübungen, die in F macht Leseübungen in F und eine Methode, die pas de deux heißt. Damit soll das Sprachzentrum und alles was damit zusammen hängt angeregt werden. Die logopädin macht dann Feinmotorik und Konzentrationsübungen. Alles ist soweit abgesprochen und immer alles mit dem Einverständnis unserer Tochter. Wenn man sie fragt, was sie will sagt sie auch sprechen können und in das Sprachheilzentrum, was bei ihr allerdings als Krankenhaus in dem man sprechen lernt bezeichnet wird.
Wir haben sogar mehrere Logopäden in F „ausprobiert“ bis wir die hatten, die unserer Tochter zusagt. Dies ist uns in F auch wieder negativ ausgelegt worden. Denn dadurch hat sich die Auszeit auf zwei Jahre verlängert, die eigentlich für ein Jahr geplant war.
Ich verstehe sie ja auch, daß sie oft und immer öfter zu macht. Aber sie sagt sie will endlich sprechen lernen. Deshalb weiß ich oft auch nicht wie ich reagieren soll.
Das Sprachheilzentrum können wir unserer Tochter leider nicht finanzieren, dénn das kostet pro Monat 980 Euro und das wahrscheinlich über ein dreivierteljahr. Also für einen normalverdiener unbezahlbar.
Sogar für meine Frau sind diese Termine eigentlich unzumutbar. Denn die anderen Kinder vor allem unser Baby von 8 monaten kommen alle zu kurz. Geschweige denn vom Haushalt. Aber unser Kinderarzt vertröstet uns immer auf einen Besuch im SPZ, der noch gar nicht feststeht. Deshalb halt hier meine Frage, denn wir wollen weder haben, daß uns das Kind ganz entgleitet noch, daß wir es von den Behörden weggenommen bekommen.
Gruß Peter

Hallo,
habe oben schon ziemlich viel geschrieben, das sich eigentlich hauptsächlich auf deine Antwort bezieht.
Unsere Tochter hatte diese Sprachschwierigkeiten schon als Baby, sie hat nicht richtig gelallt und war auch schwer erweckbar. Ab einem gewissen alter dann stark aggressiv, da sie sich verbal nicht äußern konnte. Hat sogar auf meine Frau eingeschlagen und nicht nur einmal. Auch auf ihre Geschwister.
War aber bis zu dem Zeitpunkt bis sie in die Schule kam noch sehr selbstbewußt. Aber Kinder und Erwachsene können und sind grausam wenn jemand anders ist als die Gruppe. Da fing sie sich dann an zurück zu ziehen. In der Familie und bei wenigen Freunden blüht sie dann richtig auf. Wir sagen ihr auch immer wieder, wenn sie so niedergeschlagen ist, daß wir das schon alles packen. Wir bringen ihr auch bei, daß sie alles packen kann wenn sie nur will und daß wir sie auf jeden Fall lieb haben, egal was sie kann oder nicht kann. Daß wir sie halt so lieb haben wie sie ist und auf keinen fall wieder hergeben würden.
Ich denke zwar, daß dies auch schon viel ist. Wir sind aber trotzdem ziemlich ratlos, wenn sie wieder mal ausflippt und sich weinend zurückzieht. Dann kann sie auch stundenlang heulen ohne daß man in ihre Nähe kommen darf. Meine Frau meint sogar, daß sie dann richtig depressiv ist. Dann kommt sie wieder und will in den Arm genommen werden.
Meine Frau zwingt sie auch mitlerweile nicht mehr Hausaufgaben zu machen. Sie versucht zwar immer wieder sie dazu zu bewegen, aber wenn sie nicht will, dann will sie halt nicht. Dann lieber irgendwelche Übungen, die sie auch gerne macht und auch machen möchte. Doch dann ist immer die Angst, daß die Schulbehörde wieder das ganze negativ auslegt.
Die Schule möchte ja sogar, daß sie mit einem IQ von über 110 auf eine Lernbehindertenschule kommt! Was meine Frau aber noch verhindern konnte.
Grüße Peter

Hallo Peter,

so ist es sehr schwer, dir zu helfen. Ein paar ganz entscheidende Informationen fehlen nämlich.

Wo lebt deine Tochter ? (D oder F)
Wo ist sie krankenversichert ? (D oder F)
Wo geht sie zur Schule ? (D oder F)
Habt ihr sie in D mal bei einem Kinderzentrum vorgestellt ?
Hat sie Frühförderung (vor der Schule) bekommen ?
Hat sie einen Behindertenausweis ?
War sie je in einer Integrationsmaßnahme (Integrationskindergarten etc. ?)
Was für eine Schulform besucht sie zur Zeit und wer hat diese empfohlen ?
Wie sind ihre allgemeinen Leistungen in der Schule (IQ hin oder her) ?
Was sind die Ursachen für ihre Sprachstörung ?

Es wäre schön, wenn du diese Fragen kurz beantworten könntest.

Gruß
Marion

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Hallo Marion,
unsere Tochter lebt in Frankreich mit uns und weiteren drei Schwestern.
eine Frühförderung wurde abgelehnt, mit der Begründung, daß wir keinen Anspruch darauf hätten. Denn wir würden ja in Frankreich wohnen. Hier gibt es so etwas nicht.
Sie geht in Frankreich zur Schule in eine in Deutschland entsprechende Grundschule. Hat dort extreme Probleme mit dem Schreiben und Lesen. Ansonsten hat sie aber keine schwierigkeiten. Soll aber in eine Schule für Lernbehinderte mit einem IQ zwischen 110 und 116 wurden mehrere Tests gemacht.
Versichert sind wir in Deutschland, bezahlen auch da beide Eltern in Deutschland arbeiten Sozialabgaben in Deutschland. Haben aber auch gleichzeitig eine Versicherung in Frankreich. Wurde so von der Krankenkasse gewünscht. Bezahlen aber nur in D Beitrag und die Kosten übernehmen dann die Deutschen in Frankreich nach vorlage der Franzosen.
Heilpädagogischer Kindergarten usw. wurden auch abgelehnt. Das heißt jedesmal abegelehnt vom Träger wegen ungeklärter Kostenübernahme!!!
Termin im SPZ endlich am Mittwoch!!!
Gruß Peter

Hallo

Habe noch vergessen, Behindertenausweis ist beantragt, Verfahren läuft aber noch. Bekommen wird sie ihn, das ist sicher aber mit welchen Kennbuchstaben wissen wir noch nicht.

Gruß Peter