Motivation ohne Druck
Hi Peter
du erwähnst gar über den Hintergrund, weshalb sie in D und in F Therapeuten hat.
Alles hängt natürlich auch davon ab, welcher Art die Sprachstörung ist und vor allem, welche Ursachen diese wiederum hat.
Je nachdem ist daher wirklich die Vermutung naheliegend (wie es ja auch schon erwähnt wurde), daß sie total überfordert ist: Seit Jahren mit wöchentlich 5 Therapiesitzungen bei 3 Therapeuten in 2 Ländern, incl. doch wohl auch Hinundherreisen … und das, weil sie muß …
Mal abgesehen davon, daß Therapie gewiß notwendig erscheint: Wurde sie schon einmal von euch gefragt, ob sie selbst das auch will?
Sprachschwierigkeiten knabbern ganz enorm am Selbstwertgefühl - wenn nicht überhaupt, wie oft, in Selbstwertproblemen die Ursachen liegen. Bei einer derartigen Therapieüberlastung und das unter dem Druck, daß es „sein muß“, kann aber kaum noch Freiraum für eigene Motiviertheit vorhanden sein. Im Gegenteil besteht die Gefahr, daß hier das Bewußtsein völliger Unzulänglichkeit, Unfähigkeit fest eintrainiert wird. Das könnte jeden wirklichen Lernerfolg verhindern, zumal es ja schon seit Jahren von euch so praktiziert wird.
Es ist daher durchaus möglich, daß die momentanen Verweigerungen, wie auch schon die vorherigen Verweigerungsversuche, ein Signal sind, daß sie auf diesem Wege eine immerhin noch vorhandene Souveränität (und damit ein Bewußtsein von Selbstwert) retten (oder wiedergewinnen) will. In diesem Fall könntet ihr darin etwas Positives sehen - aber nur, wenn ihr eurer Tochter dafür Verständnis signalisiert.
Wichtig also wäre, daß ihr sie nicht unter Druck setzt, sondern sie befragt nach ihrer eigenen Motivation. Jeder Mensch hat von sich aus das Bedürfnis, verstanden zu werden, auch akustisch. Die Motiviertheit, das auch erreichen zu wollen, kann man nicht erzwingen. Aber wenn man es erzwingt, kann man damit eine Blockade bewirken. Eine Verweigerung ist oft eine Antwort auf äußeren Druck, der als angstauslösend erlebt wird. Und eintrainiertes Bewußtsein der Unzulänglichkeit löst Angst aus.
Eine eigene - also von „innen“ kommende - Motiviertheit kann das ggf. bewältigen. Aber dazu könnt ihr eure Tochter nicht zwingen , sondern nur positiv verstärken: Wenn es ihr inzwischen daran fehlen sollte (was wahrscheinlich der Fall sein dürfte), müßt ihr sie dazu verlocken.
Das aber dürfte schwer sein, wenn sie stattdessen an 5 Tagen in der Woche mit einem „ich kann etwas Lebenswichtiges nicht“ konfrontiert wird. Dieses:
Sie macht dann auch direkt zu … Man kommt einfach nicht mehr an sie ran
dürfte dann eine Art von Selbstschutz sein. Tut dem Kind das bitte nicht an, diesen Selbstschutz mit Gewalt zu durchbrechen.
Tauschen die 3 Therapeuten, die sie „behandeln“, eigentlich untereinander aus?
Gruß
Metapher