Probleme mit Arbeitskollegin

Ich bin seit 1,5 Jahren in der Firma tätig. Der Chef war von Anfang an zufriden und hatte Vertrauen zu mir in den professionellen Fragen.

Vor einem halben Jahr hat er neue Mitarbeiterin angestellt, um mich zu unterstützen (davor war ich allein an dem Projekt beteiligt).

Die ist total unproffesionell, halt aber viel von sich und lässt sich nur ungerne was sagen. Wichtig zu bemerken, sie ist eine Schulfreundin von dem Chef, die waren „in einer Klicke“.

Vor 2,5 Monaten hat mir der Chef vorgeschlagen Teamleiter zu sein (mit Gehaltserhöhung). Sie hat es offensichtlich nicht akzeptiert und seitdem ist unser Verhältnis immer kälter geworden.

Vor kurzem hat mich der Chef darauf angesprochen, dass wir miteinander nicht klar kommen. Ich hab ihm dann berichtet, dass sie unsauber arbeitet, sich nichts sagen lässt und NIE zu mir kommt, um etwas zu besprechen. Und dass ich selber das schon mehrmals versucht hab, aber immer auf eine „Wand“ treffe.

Anstatt zu reagieren, hat er gesagt, dass ich nicht mehr Teamleiterin sein soll, weil es nicht klappt.

Jetzt bin ich total frustriert, vor allem dass Gehalt erheblich runter geht und nur wegen ihr… und Verhältnis wird ja sowieso nicht besser.

Chef sagt jetzt ich MUSS mit ihr kommunizieren, aber ich kann nicht mal in ihre Seite schauen.

Jetzt überlege ich nochmals mit dem Chef zu sprechen, aber befürchte noch schlimmere Folgen.

Wenn jemand für mich Ratschläge hat, wäre ich sehr dankbar.

Liebe Florence,
das ist leider ein sehr häufiges Problem. Theoretisch gibt es zwei gute Wege, obwohl es oft schwer ist, sich so klar zu entscheiden.
Der erste Weg wäre, sich zu sagen: Dem Chef ist seine neue Mitarbeiterin offensichtlich, aus welchem Grund auch immer, wichtiger als ich. Er hat sich als unbeeindruckbar durch faire Kommunikation erwiesen (ist doch so?). Je länger ich das also versuche, umso genervter wird er sein. Also werde ich mir durch diese Vorgänge nicht meinen Lebensstil versauen, und mir bleibt nur, mir eine bessere Umgebung zu suchen (natürlich, ohne zunächst den Chef einzuweihen, das bist du ihm nicht schuldig).
Der andere Weg wäre zu sagen, hier liegt ein Misstand vor, und ich mache mir zur Aufgabe, diesen Misstand mit allen Mitteln zu bekämpfen, wohl wissend, dass das sehr nervenaufreibenbd sein kann.
Stressforscher wissen, dass ein Mittelweg zwischen den beiden Wegen am kränksten macht. Auch wenn man sich oft eben doch eine Weile auf dem Mittelweg aufhält.
Bumi

Chef sagt jetzt ich MUSS mit ihr kommunizieren, aber ich kann
nicht mal in ihre Seite schauen.

Fangen wir damit gleich mal an dem Beispiel an: „in ihre Seite schauen“ ist keine Kommunikation!

Um dann direkt weiter zu machen: So, wie du die Sache hier schilderst, kann ich deinen Chef sehr gut verstehen und finde auch die Gehaltsrückstufung völlig gerechtfertigt.

Du hast vorher alleine an einem Projekt gearbeitet und warst offenbar fachlich gut, Chef war zufrieden. Dann hast du eine Mitarbeiterin als Unterstützung bekommen. Prima! Richtig netter Chef, der sich auch um die Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter kümmert.

Offenbar hat dein Chef dir auch zugetraut, dass du nicht nur deine fachliche Arbeit gut leisten kannst, sondern auch in der Lage bist, mit jemandem zusammenzuarbeiten. Er hat dich zum Teamleiter gemacht, also hat er dir auch zugetraut, zu führen.

(Anmerkung: Dass eine Gruppe von zwei Leuten, von denen einer der Leiter ist und der andere der Untergebene, TEAM genannt wird, ist eine dieser typischen Auswüchse der letzten Jahre. Zum Teufel mit der Teamarbeit…)

Nun führt es sich nicht von alleine. Einen (oder mehrere) Mitarbeiter zu führen, ist eine Aufgabe, die weit mehr umfasst, als bei jemandem mehr oder weniger ungefragt „in die Seite zu schauen“. Wenn du deine „Führungsaufgabe“ nur darin begreifst, zu kontrollieren, aber nicht anzuleiten, zu fordern, aber nicht zu geben, darauf zu warten, dass man mit dir bespricht, du besprichst umgekehrt aber nicht, dann ist das keine Führung!

Alleine schon die Tatsache, dass es dein Chef sein musste, der auf dich zukommt, um zu sagen, dass etwas nicht stimmt, spricht gegen deine Führungsqualitäten. Als Teamleiter hätte dir zuerst auffallen müssen, dass solch eine Missstimmung schädlich ist. Und zwar nicht vordergründig für dich, sondern für das Projekt und für den Chef. DU hättest derjenige sein müssen, der aktiv wird.

Zunächst konstruktiv mit der Kollegin. Konstruktiv heißt nicht, sie nur als nölende, unfähige Zicke zu sehen. Geh mal davon aus, dass dein Chef mehr Gründe hatte, diese Frau einzustellen, als nur den Umstand, dass beide in einer Clique waren. Sie wird also auch fachliche Qualitäten haben, die dein Chef sieht, du aber offenbar nicht. Das spricht nicht für dich.

Im zweiten Schritt, bei Misserfolg, es selbst zu lösen, hättest du es sein müssen, der auf den Chef zu geht und das Problem anzeigt, mit der Bitte, dass er hilft, es zu lösen. Das tut man aber auch nur sachorientiert und nicht, in dem man die andere ohne einen Anflug von Selbstkritik oder Lösungsansatz einseitig als „unsauber arbeitet, sich nichts sagen lässt und NIE zu mir kommt“ beschreibt. Das ist Kindergartenniveau! Wie gesagt, ich kann den Chef gut verstehen, wenn der auf dieser Basis die Gehaltserhöhung rückgängig macht. Du hast sie nicht verdient, weil du die Leistung, weswegen du sie bekommen hast, nicht erbringst.

Jetzt überlege ich nochmals mit dem Chef zu sprechen, aber
befürchte noch schlimmere Folgen.

Die schlimmeren Folgen werden dann kommen, wenn du nicht schleunigst deine Haltung änderst. Ohne Einsicht, dass du in den letzten Wochen richtig was verbockt hast, riskierst du möglicherweise, dass das auch nachhaltig zurück fällt auf das gute Bild, was dein Chef in Bezug auf deine fachlichen Qualifikationen hat(te?).

Tolle Antwort!!
* dafür!

LG Flaschenpost

Hallo,

Chef sagt jetzt ich MUSS mit ihr kommunizieren, aber ich kann
nicht mal in ihre Seite schauen.

Ich kenne den Ausdruck nicht, mir ist nicht klar, was er bedeuten soll. Inwieweit dieser dich zu einer derart konzentriert einseitigen Betrachtungsweise verleitet, kann ich daher nicht nachvollziehen. Meine (zusätzlichen) alternativen Möglichkeiten aufgrund des gesamten UP:

Aus zeitlichem Ablauf:

Ich bin seit 1,5 Jahren in der Firma tätig
Vor einem halben Jahr hat er neue Mitarbeiterin angestellt
Vor 2,5 Monaten hat mir der Chef vorgeschlagen Teamleiter zu sein

Jetzt Abbruch der Veranstaltung.
Es scheint durchaus nachvollziehbar, dass mit Einstellung der neuen Mitarbeiterin sich etwas grundsätzlich geändert hat. Zum Negativen. Dies hat den Chef nach einer gewissen Zeit veranlasst, eine Rangordnung zur Verbesserung der Situation einzurichten. Diese hat sich nicht als geeignet erwiesen. Florence hat ihre Begründung geliefert, die man ohne Anlass nicht zurückweisen sollte. Hast du einen Grund, dass du ihre Begründung ignorierst?

Eine neue/umgekehrte Rangordnung ist offensichtlich nicht eingerichtet. Es besteht wieder die nicht zufriedenstellende Situation wie vor etwa einem halben Jahr.

Hat der Chef keine Idee mehr? Alles falsch eingeschätzt? Will nur Geld sparen? Schlicht einen Fehler bei der Auswahl der neuen MA gemacht?

Team:
Du unterstellst, dass Florence keine Teamführungsqualitäten hat.
a) So etwas ist nicht angeboren und 2,5 Monate sind wenig Zeit, dies zu lernen (auch oder gerade bei einem 2-Personen-Team)
b) Weshalb ignorierst du erneut die Begründung von Florence einfach nur so?
Könnte es nicht tatsächlich sein, dass die Neue die Rangordnung nicht akzeptiert und sich querstellt?
c) Ein gutes Team kann nur bestehen, wenn alle Teammitglieder mitziehen und sich dem Team ein- und unterordnen. Gelegentlich können zwei Menschen einfach nicht miteinander, da kann man nichts daran ändern. Da sind beide „schuld“ daran.

Ich möchte deine Variante durchaus nicht in Abrede stellen, aber es gibt durchaus mehrere Möglichkeiten. In Unkenntnis der Motivationen/Beweggründe/Fähigkeiten der beiden anderen Beteiligten sowieso.

Deine Erwartungshaltung angesichts der Kenntnisse zum Sachverhalt sind sehr hoch, ich finde, sie sind ein wenig einseitig und überzogen.

Franz

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