Chef sagt jetzt ich MUSS mit ihr kommunizieren, aber ich kann
nicht mal in ihre Seite schauen.
Fangen wir damit gleich mal an dem Beispiel an: „in ihre Seite schauen“ ist keine Kommunikation!
Um dann direkt weiter zu machen: So, wie du die Sache hier schilderst, kann ich deinen Chef sehr gut verstehen und finde auch die Gehaltsrückstufung völlig gerechtfertigt.
Du hast vorher alleine an einem Projekt gearbeitet und warst offenbar fachlich gut, Chef war zufrieden. Dann hast du eine Mitarbeiterin als Unterstützung bekommen. Prima! Richtig netter Chef, der sich auch um die Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter kümmert.
Offenbar hat dein Chef dir auch zugetraut, dass du nicht nur deine fachliche Arbeit gut leisten kannst, sondern auch in der Lage bist, mit jemandem zusammenzuarbeiten. Er hat dich zum Teamleiter gemacht, also hat er dir auch zugetraut, zu führen.
(Anmerkung: Dass eine Gruppe von zwei Leuten, von denen einer der Leiter ist und der andere der Untergebene, TEAM genannt wird, ist eine dieser typischen Auswüchse der letzten Jahre. Zum Teufel mit der Teamarbeit…)
Nun führt es sich nicht von alleine. Einen (oder mehrere) Mitarbeiter zu führen, ist eine Aufgabe, die weit mehr umfasst, als bei jemandem mehr oder weniger ungefragt „in die Seite zu schauen“. Wenn du deine „Führungsaufgabe“ nur darin begreifst, zu kontrollieren, aber nicht anzuleiten, zu fordern, aber nicht zu geben, darauf zu warten, dass man mit dir bespricht, du besprichst umgekehrt aber nicht, dann ist das keine Führung!
Alleine schon die Tatsache, dass es dein Chef sein musste, der auf dich zukommt, um zu sagen, dass etwas nicht stimmt, spricht gegen deine Führungsqualitäten. Als Teamleiter hätte dir zuerst auffallen müssen, dass solch eine Missstimmung schädlich ist. Und zwar nicht vordergründig für dich, sondern für das Projekt und für den Chef. DU hättest derjenige sein müssen, der aktiv wird.
Zunächst konstruktiv mit der Kollegin. Konstruktiv heißt nicht, sie nur als nölende, unfähige Zicke zu sehen. Geh mal davon aus, dass dein Chef mehr Gründe hatte, diese Frau einzustellen, als nur den Umstand, dass beide in einer Clique waren. Sie wird also auch fachliche Qualitäten haben, die dein Chef sieht, du aber offenbar nicht. Das spricht nicht für dich.
Im zweiten Schritt, bei Misserfolg, es selbst zu lösen, hättest du es sein müssen, der auf den Chef zu geht und das Problem anzeigt, mit der Bitte, dass er hilft, es zu lösen. Das tut man aber auch nur sachorientiert und nicht, in dem man die andere ohne einen Anflug von Selbstkritik oder Lösungsansatz einseitig als „unsauber arbeitet, sich nichts sagen lässt und NIE zu mir kommt“ beschreibt. Das ist Kindergartenniveau! Wie gesagt, ich kann den Chef gut verstehen, wenn der auf dieser Basis die Gehaltserhöhung rückgängig macht. Du hast sie nicht verdient, weil du die Leistung, weswegen du sie bekommen hast, nicht erbringst.
Jetzt überlege ich nochmals mit dem Chef zu sprechen, aber
befürchte noch schlimmere Folgen.
Die schlimmeren Folgen werden dann kommen, wenn du nicht schleunigst deine Haltung änderst. Ohne Einsicht, dass du in den letzten Wochen richtig was verbockt hast, riskierst du möglicherweise, dass das auch nachhaltig zurück fällt auf das gute Bild, was dein Chef in Bezug auf deine fachlichen Qualifikationen hat(te?).