Probleme mit dem Alltagsfrust

Hallo zusammen,

bitte gebt mir mal einen Rat! Folgendes „Problem“ beschäftigt mich seit geraumer Zeit:
Eine Bekannte, die einige hundert Kilometer entfernt wohnt, ruft mich recht häufig an. Normalerweise freue ich mich über ihren Anruf und quatsche gerne eine Weile mit ihr. In letzter Zeit jedoch erscheint mir die Sache etwas seltsam:

Sie ruft oft zu den (ihr bekannt)ungünstigsen Zeiten an und schildert mir aufgeregt irgend einen Zwischenfall, beispielweise, dass jemand gerade am Telefon unfreundlich zu ihr war. Dann bricht sie das Gespräch urplötzlich ab, weil gerade irgendetwas anderes ihre Aufmerksamkeit fordert. Beispielsweise klopft dieser Mensch, der gerade so unfreundlich war, nun über die Telefonleitung an. Danach ruft sie mich wieder an, dasselbe wieder. Oder sie ruft einen ganzen Nachmittag lang immer wieder bei uns an, obwohl sie weiß, dass nur mein Sohn zu Hause ist und aufgrund von Abi- Vorbereitungen absolut keine Zeit hat.

Sie ist nach eigenen Angaben depressiv und war auch schon in Behandlung. Meine Frage jetzt: Ist es für einen depressiven Menschen so viel schwerer, mit Alltagsfrust umzugehen? Wie kann ich ihr schonend klarmachen, dass das so nicht geht? Welchen Rat kann ich ihr geben, damit sie wieder ins Gleichgewicht kommt?

Viele Grüße,

Annette

Hallo Annette,

bin kein Experte, aber…

Ist es für einen depressiven Menschen so viel schwerer, mit Alltagsfrust umzugehen?

Definitiv ja. Einem depressiven Menschen kann es schon zu viel sein morgens aufzustehen.

Welchen Rat kann ich ihr geben, damit sie wieder ins
Gleichgewicht kommt?

Ich fürchte, da wird kein wohlgemeinter Rat nach dem Motto „reiß dich mal zusammen“ oder „jetzt seh nicht alles so schwarz“ helfen.

Ist sie in Therapie, nimmt sie Medikamente?

Gute Nacht
Miriam

hi annette,

ich frage mich eher, wieso du dich nicht abgrenzen kannst und eine falsche rücksichtnahme übst.

denn das ist doch das eigentliche problem - menschen die über jeden kram sich mitteilen gibt zu hauf - dazu muss man nicht unbedingt depressiv sein.

ich meine hier gehts doch eher darum - du willst etwas nicht so wie sie es will - und sie lebt „es“ so aus, dass sie sichtbar keine rücksicht auf dich nimmt und du forderst das auch nicht ein.
wieso eigentlich nicht? du weisst doch sicher schon lange, ohne einfordern wird man ausgesaugt/ausgenommen wie ne weihnachtsgans sozusagen…

würde jeder machen - abgrenzen ist also wichtig - wieso du das hier nicht machst, das sehe ich pers. als die eigentliche frage und das eigentliche problem.

(sofern ichs richtig interpretiere)

LG
nina

Guten Morgen Nina und Miriam,

also das mit dem Abgrenzen ist so eine Sache. Ich habe es bisher zu wenig getan, da wir uns viele Jahre kennen und dieser Prozess irgendwie schleichend eingesetzt hat. Früher haben wir uns unterhalten und Spaß daran gehabt, jetzt wird es anstrengend. Medikamente nimmt sie nicht, in Therapie ist sie auch nicht mehr.

Bisher habe ich lediglich ab dem späten Abend das Telefon leise gestellt. Mich stört vor allem, dass sie oft mitten im Gespräch, mitten im Satz sogar, das Gespräch abbricht, etwa so: „Du, die Nachbarin, mit der ich gestern so einen Stress hatte, hat gerade hier geklingelt. Ich muss zur Tür. Tschüß.“ Aufgelegt.

Als ich das mal machte, in einer realen Situation, ich wurde von jemandem abgeholt, war sie recht sauer.

Danke für Eure Ratschläge und schönes Wochenende

viele Grüße,

Annette.

Hallo Anette du Nette

also das mit dem Abgrenzen ist so eine Sache. Ich habe es
bisher zu wenig getan,

dann wird es aber jetzt Zeit!

da wir uns viele Jahre kennen und
dieser Prozess irgendwie schleichend eingesetzt hat. Früher
haben wir uns unterhalten und Spaß daran gehabt, jetzt wird es
anstrengend.

Ich hatte so ne Fruendin, da wurde es ätzend, als ihr erstes Kind kam. Sie rief mich immer an mit der Frage „Wie gehts?“, konnte gar nicht warten, bis ich GUT sagen konnte und dann die Frage zu starten: "Weisst du, was die Mascha kaaaannnn? Das ist doch vieeeel zu früh für ihr Alter…

Bisher habe ich lediglich ab dem späten Abend das Telefon
leise gestellt.

Anrufbeantworeter anschliessen. Spruchende: …und wenn es wichtig war, rufe ich zu passender Zeit zurück…

Mich stört vor allem, dass sie oft mitten im
Gespräch, mitten im Satz sogar, das Gespräch abbricht, etwa
so: „Du, die Nachbarin, mit der ich gestern so einen Stress
hatte, hat gerade hier geklingelt. Ich muss zur Tür. Tschüß.“
Aufgelegt.

Als ich das mal machte, in einer realen Situation, ich wurde
von jemandem abgeholt, war sie recht sauer.

Ihr Probelem. Aber wenn DU weiterhin zwanghaft freundlich bleibst, macht die das so weiter…

Danke für Eure Ratschläge und schönes Wochenende

Dir auch!
und: Abgrenzung lernen ist ein harter Weg. Manchmal muss man da unfreundlich sein, obwohl man das eigentlich nicht will, sonst KAPIEREN die anderen nicht das es dir REICHT!!
LG! JO

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Schluß mit Frust
Hallo Joanna,

das kommt mir sehr bekannt vor, was Du da schreibst. Es fing auch damit an, dass sie auffallend viel über ihre Kinder sprach.

Gestern beispielsweise kam ich völlig gestresst von der Arbeit und vom Einkaufen. Mein Sohn kam mir schon im Flur mit dem Telefonhörer in der Hand entgegen und meinte, Notruf. Ich sagte, geht jetzt nicht, ich habe das Auto noch offen und die Einkäufe darin.

Mein Sohn räumte dann das Auto aus, während ich versuchte, ihr zuzuhören und ihr Problem zu erfassen. Es handelte sich um einen Kindergartenstreit zwischen ihrem Sohn und einem anderen Kind. Sie hatte sich eingemischt und von den Eltern des anderen Kindes etwas unerfreuliches zu hören bekommen. Dann sagte sie mitten im Gespräch, die Eltern dieses Kindes würden nun „anklopfen“, sie müsse sofort aufhören. Tschüß, aufgelegt.

Ihr habt ja recht, warum tue ich mir das an! Schluß damit, das hat keinen Zweck. Und Danke!

Viele Grüße,

Annette.

Ihr habt ja recht, warum tue ich mir das an! Schluß damit, das
hat keinen Zweck. Und Danke!

Und mach dir kein schlechtes Gewissen!!!
LG! Joanna

Hallo Annette,

Du schreibst mehrfach, dass sie das Gespräch beendet, „weil bei ihr jemand an der Tür ist“. Mir will scheinen, wenn sie sich bei Dir ausgequatscht hat, will sie nicht weiter mit Dir sprechen und „jemand an der Tür“ ist ein unschlagbares Argument.

Du bist ihre Klagemauer. Immder da - immer bereit zuzuhören. Sogar dann, wenn es Dir gar nicht passt.
Was ist sie eigentlich für Dich?

Viele Grüße
Maralena