Probleme mit 'Fremden' besprechen -lang-

Hallo an alle,

mir fiel keine bessere Überschrift ein und ich hoffe ich bin hier richtig.

Ich habe zwei Fragen:

  1. was „triebt“ Menschen dazu vor „Fremden“ (keine Bekannten, keine Freunde - näheres gleich) einen regelrechten Seelenstrip mit intimsten Bekenntnissen und Geständnissen hinzulegen

  2. gibt es Menschen die (wie soll ichs sagen…) eine Art „Schild am Kopf kleben haben“ so a la „Der Therapeut ist da, beichten sie einfach unaufgefordert“? Also ist es möglich das es Menschen gibt denen man „spontan“ einfach alles erzählen will/mag/möchte, obwohl man diese Menschen vorher nie fragte ob sie das hören wollen und damit umgehen können?

Mir ist es schon früher oft passiert das mir Bekannte oder Freunde irgendwann ihren Kummer oder ihre „Geheimnisse“ sagten. Ist ja auch nichts schlimmes, ein Vertrauensbeweis für mich und ich habe mit sowas bei Freunden und Bekannten auch überhaupt kein Problem. Ich kann gut zuhören, ich kann gut beraten und auch trösten, ich mach das (fast)immer für Freunde und Bekannte (es gibt auch mal Lebenslagen da kann ichs einfach nicht, das muss auch drin sein bei einer Freundschaft).

Allerdings werbe ich damit nicht in jedem zweiten Satz wie „duuhuu, wenn du mal ein Problem hast, hier meine Nummer, ich hab immer ein offenes Ohr…“, oder ähnliches. Wenns passiert bin ich da und gut ist.

In letzter Zeit fiel mir auf das sich mir oft „Fremde“ anvertrauen. Als Fremde bezeichne ich Menschen die ich kenne weil man ein gemeinsames Interesse hat (VHS Kurs, Training, Verein, etc.). Ich neige nicht zu intimen Freundschaften, nur weil man mal einen Töpferkurs zusammen besuchte. Wenn es sich ergibt dann ists okay, aber für eine Freundschaft brauchts bei mir eben mehr, das muss sich erst aufbauen. Ebenso bezeichne ich nicht jeden, nur weil ich seinen Namen kenne und ihn einmal sah, als Bekannten.

Mir ist es nur in kurzer Zeit ein paar Mal passiert (jemand fuhr mich nach dem Kurs zur Bahn, man fuhr zusammen zu einem Workshop) das sich solche „Fremden“ (wie ich es bezeichne) mir im Auto, im Bahnabteil, auf dem Weg zum Kurs, in recht kurzer Zeit Beichten und Seelenstrips hinlegten, die mir unangenehm waren und wo ich mich frage - was soll das?

Unangenehm waren mir diese Beichten, weil ich mich irgendwie überfordert fühlte. Ich kenne diese Menschen weil ich 1 x in der Woche mit ihnen z.B. Spanisch lerne - das sind für mich nach wie vor Fremde.

Dann kamen da Geschichten heraus von (z.T. wirklich grauenvollen) Misshandlungen, Vergewaltigungen, Drogenkonsum und Abhängigkeiten, Partnerprobleme und Psychotherapien, die mich schlicht in der Situation (Bahnabteil? Hallo??? darüber rede ich nicht in der Bahn) überforderten.

Unangenehm war es mir auch, weil ich nicht wusste was man nun von mir erwartete. Allerdings war ich auch etwas zu feige den Sprachfluß zu unterbrechen und zu fragen „Was erwartest du von mir?“. Wollte man nur mal „plaudern“? Wollte man Feedback? Wollte man Hilfe? Ich weiss es bis heute nicht, deshalb eben meine Frage. Ist das Not? Wollen diese Leute Antworten oder nur jemanden zum zuhören? Einen völlig Fremden? Oder wollen sie schocken ("…wat hab ich fürne schlechte harte Kindheit, bewundere mich???") oder gar angeben? Werde ich da getestet oder ist es ein Hilferuf? Wie reagiere ich da richtig(er)?

Ich habe immer zugehört, etwas Feedback gegeben indem ich eigentlich nur den letzten Satz wiederholte und keine Stellung bezog, bis auf die, die auf der Hand lagen.

Ich bin mir unsicher was jemand der mich eigentlich nicht kennt, von mir erwartet wenn er mir schreckliche Geschichten von Misshandlungen erzählt (die zurückliegen, wenn ich sowas als aktuelle Lage hören würde, wüsste ich was zu tun und raten ist!). Ich kann die Vergangenheit ja nicht ändern oder heilen. Auch sind da Ratschläge irgendwie unangebracht, oder?

Dann wollte ich fragen - kann es sein das ich sowas „anziehe“? Ist mir einfach nur aufgefallen das es mir so oft passierte in letzter Zeit. Gibt es Menschen die so ein „Therapie-Schild“ mit sich hertragen? Oder kann ich das auch beeinflussen?

Denn, bei aller Liebe und allem Verständniss, auch ich habe Gefühle und Stimmungen und es gab da einige Situationen bei diesen Beichten, da hatte ich weder Nerv noch Zeit noch Geduld mir das anzuhören. Ich fühlte mich überfordert und auch etwas missbraucht als seelischer Müllkipper.

Ganz ehrlich, bei einer Beichte hätte ich am liebsten gesagt: „Sei mir nicht böse, aber mein Maß an Vergewaltigungen und misshandelten Kindheitstraumen ist in diesem Monat mehr als voll, bitte nicht jetzt und hier und was soll das überhaupt, kennen wir uns denn wirklich so gut das ich mir das anhören muss?“ Aber - ich hörte aufrichtig betroffen zu, wollte nicht verletzten oder vor den Kopf stoßen (auch wenn ich ziemlich vor den Kopf gestoßen war, denn diese Beichte kam völlig überraschend und ohne Vorwarnung) und frage mich jetzt eben - wie reagiere ich da richtig um die anderen und mich besser aufzufangen und zu verstehen?

Danke wer bis hierhin durchhielt!

Freue mich auf Denkanstöße und Hinweise…

Gruß
Helena

PS - Ich habe kein Helfersyndrom und ich bin kein notorischer Gutmensch!!!

Hallo,

solche Situationen kenne ich auch; vermutlich sehen Leute
wie wir besonders Vertrauenwürdig aus. Oder besondern Tollpatschig.

Machen kannst du da nix: Augen zu und durch! Oft sind
es Menschen die halt keine Grenzen kennen, da kann man
i.d.R. nichts machen ohne denjenigen zu kränken. Reden lassen
und in Zukunft meiden.

Gruß,

Oliver

Ich habe zwei Fragen:

  1. was „triebt“ Menschen dazu vor „Fremden“ (keine Bekannten,
    keine Freunde - näheres gleich) einen regelrechten Seelenstrip
    mit intimsten Bekenntnissen und Geständnissen hinzulegen

Warum wohl, weil ein Fremder nicht vorbelastet ist und auch keine Konsequenzen drohen

  1. gibt es Menschen die (wie soll ichs sagen…) eine Art
    „Schild am Kopf kleben haben“ so a la „Der Therapeut ist da,
    beichten sie einfach unaufgefordert“? Also ist es möglich das
    es Menschen gibt denen man „spontan“ einfach alles erzählen
    will/mag/möchte, obwohl man diese Menschen vorher nie fragte
    ob sie das hören wollen und damit umgehen können?

Ja die gibt es. Es geht mir auch so, aber mir macht es nichts aus, weil ich mich distanzieren kann, ich helfe Menschen gerne. Zu distanzieren gehört auch nicht mit zu leiden.

PS - Ich habe kein Helfersyndrom und ich bin kein notorischer
Gutmensch!!!

Bleib dumm und egoistisch oder nutze die Lektion die Dir das Leben gibt.

Hi Gerold,

PS - Ich habe kein Helfersyndrom und ich bin kein notorischer
Gutmensch!!!

Bleib dumm und egoistisch oder nutze die Lektion die Dir das
Leben gibt.

danke das keine meiner Fragen von dir wirklich beantwortet wurden und Respekt vor deiner scharfen Analyse. Ich hatte das nur dazugeschrieben, bevor mir hier Helfersyndrome und sonstiges angedichtet werden, die nicht da sind. Wieso ich im Umkehrschluß dann egoistisch und dumm sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz, aber vielleicht erklärst du mir das ja noch.

Und by the way - ich WILL JA die „Lektion nutzen“, sonst würde ich hier nicht fragen wie ich es einzuordnen habe und besser darauf reagieren kann. Ich dachte das schlichte „zuhören und abnicken“ ist nicht das, was derjenige der da redet wirklich braucht.

Gruß
Helena

Tut mir leid, wenn ich Klischees höre wie „notorischer Gutmensch“ und „Helfersyndrom“ dann kriege ich einen Hals, weil mich die derzeitige Gesellschaftsströmung des konequenten Egoismus einfach nur anwiedert.
Ich habe einigen Menschen geholfen und ihr Leben zum Positiven verändert. Auf der anderen Seite wenn ich wirklich tief in der Sch**** war ich niemals alleine und habe immer Hilfe erhalten. Diese Lebenserfahrung ist sehr wertvoll für mich.

Das Helfen bedeutet nicht, dass man für andere Menschen den Mülleimer oder den Kuli spielt. Man kann auch nicht das Leben anderer Menschen leben, aber ihnen doch zumindest einen Schubs geben damit sie auf den richtigen Weg gebracht werden oder auch mal den Nagel aus dem Brett vor dem Kopf ziehen :o).

Anteilnahme ist besser als nutzloses Mitleid.

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hallo helena,

andere kommen zu dir weil sie spüren - du hörst zu - oder weil sie spüren - sie fühlt mit - oder weil sie spüren - sie kennt das auch -
oder oder oder - sie merken es ja nicht bewusst, aber du strahlst etwas
aus (sender und empfänger) was es ihnen einfacher macht (endlich) mal ihre last loszuwerden.
vielfach gehts dabei gar nicht um den wunsch der konkreten hilfe - sondern um den abbau von frust - und irgendwie scheinst du hier ein
geeignetes objekt zu sein. - warum das bei dir so ist fragst du…
die möglichkeiten sind manigfaltig - schau mal in deine kindheit zurück - ob du da schon immer eine beratende oder zuhörende funktion hattest -
freiwillig oder aus „verpflichtung“ (tippe wenn auf letzters) oder es könnte auch andere usachen geben die meiner ansicht nach jeco hauch in der kindheit anzusiedeln sind.

und so steht es einem dann auf der stirn und jene die „sojemanden“ brauchen können erkennen den stempel - wobei ich das gar niht in gut oder nicht gut bewerte.
aber du selbst schreibst, du fühlst dich aus versch. gründen überfordert. da stellt sich für mich dann die frage, was hattest du einst davon - welchen gewinn - so dass du bis heute noch diesem muster (unabsichtlich) folgst. - was die anderen davon haben ist klar - von loswerden bis konkreten rat ist alles dabei und gerade wenn du eine fremde bist ists für viele einfacher - sieht man ja im internet -
denke das ist kaum erklärungsbedürftig.
ausserdem kann man bei fremden testen wie das geständis oder gesagte ankommt oder aber wenn man im grunde selbst nichts von sich aus ändern will, ists doch am einfachten wenn man den frust bei wem loswird der keine einsicht in das eigene leben hat z.b
bei leidvollen erfahrungen wie vergewaltigungen oder anderen dingen ist es die anonymität die dem menschen erst möglich macht darüber zu reden - du weisst ja sicher um die scham und die schuldgefühle und die angst vor ablehnung oder schuldzuweisung bei solchen dingen - diese angst macht doch vielen unmöglich mit nahestehenden menschen zu reden.

ein therapieersatz biste dafür aber nicht - im gegenteil - und ich denke, das ist den menschen unbewusst zumindest klar - ich denke das thema kann manvernachlässigen - also warum hinter dem warum - das ist meiner ansicht nach sehr komplex und hat gleichzeitig nicht viel mit deinem „problem“ zu tun - nämlich was du tun kannst um nicht mehr jene signale derart auszustrahlen wie bisher sondern in einem rahmen der dich nicht überfordert und ein stück weit selbstbestimmter.

wie man das macht… äh … DAS weiss ich auch nicht - ich kann nur sagen ich habe es gelernt - bei mir war es einst um ein vielfaches extremer als bei dir laut deiner beschreibung.
abgrenzen lernen ist wohl nur eines der dinge die man hier lernen muss.
aber es ist noch viel mehr als das, nur ich kann selbst nicht sagen wie ich das angestellt habe - es ist eher ein nebenprodukt aus veränderungen wegen anderer bereiche die ich ändern wollte und konnte. - glaub ich zumindest.

sicher würde es nicht schaden zu ergründen welchen gewinn du davon hast - auch wenns einem schwer fällt es zuzugeben - sich gebraucht/geschätzt fühlen, vertrauensvoll, kompetent aus sicht der anderen - weiss ich was alles.

ich glaube, wenn man vermehrt diese oder andere gefühle aus anderen dingen zieht - ist man nicht mehr so ein magnet.
dabei meine ich nicht, das man eigentlich nicht mit selbstliebe oder selbstwert behaftet wäre - es langt wenn man darauf konditioniert wurde oder sich selbst konditioniert hat.

falls mir aber doch noch was konkretes einfällt, trage ich es nach.

aber wie du schon sagst - der schlüssel bist du selbst.

LG
nina

hallo gerold,

du leist ihr postin nicht neutral sondern ihrgendwie wie eine art betroffener - und ich finde du bist nicht nur ungerecht ihr gegenüber, du triffst die sache auch nicht wenn du nicht neutraler bist.

es geht hier doch nicht darum ob man gut oder schlecht ist, ob ein rat gut oder schlecht ist - da gibts nämlich keine pauschale antwort - das konnt doch auf den ratsuchenden an und deren motive - die wahrlich nicht immer so ehrbar sind wie du unterstellst und schon gar nicht immer darum gehen dass sich was verändert. auch ratsuchende haben rein egoistische motive und das ist ok - und auch sie wollen teilweise sich einfach nur auskotzen um dann NICHTS zu verändern - das ist eher die regel als die ausnahme.

des weiteren bin ich heute der ansicht, die meisten ratschläge bringen nichts - schon gar nicht wenn sie mehr als einmal bei der gleichen person erfolgen (müssen) - wieder aus selbigen grund - das die person gar nichts verändern will.

ich weiss nicht an was du dich erinnerst - was dich also wütend macht - nur mit dem hier und damit mit helena hat das ja wohl wenig zu tun.
undso lässt du doch an ihr etwas aus - was ihr gar nicht „gehört“ oder nicht?

was ausserdem wirkliche hilfe ist, erschliesst sich nicht immer auf den ersten blick. ich habe die erfahrung gemacht , echte hilfe sieht oft gänzlich anders aus als das was wir so unter hilfe verstehen.
und wenn ich sehe was du schreibst, würdest du dann evtl jene menschen als brutal bezeichnen - ich aber finde, es kann nicht nur um die form gehen und um den schein, um das subjektive gefühl zu helfen - ein guter mensch zu sein also*g - das was hilft ist meinstens für den betroffenen schmerzvoll. - aber nun bin ich doch ungewollt vom eigentlichen thema abgekommen… sorry.

LG
nina

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Hi Gerold,

wenn du ein Problem mit Klischees hast, dann soll es deins bleiben bis du es löst, aber machs nicht zu meinem.

Wieso ich das schrieb habe ich erklärt. Denn man wird schnell „auseinanderanalysiert“ als notorischer Helfer, nur weil man schrieb „man ist immer für Freunde da“. Ich wollte damit nur zeigen das ich solche Situationen weder suche noch brauche um mich wichtig oder gut zu fühlen.

Ich habe einigen Menschen geholfen und ihr Leben zum Positiven
verändert. Auf der anderen Seite wenn ich wirklich tief in der
Sch**** war ich niemals alleine und habe immer Hilfe erhalten.
Diese Lebenserfahrung ist sehr wertvoll für mich.

Das habe ich auch schon gemacht, das habe ich ebenfalls schon erfahren, ich fand das klasse, ich fühle mich gut wenn ich wirklich helfen kann und ich finde die Erfahrung auch wertvoll. Aber darf ich trotzdem „kein nach Lebensbeichten Dritter süchtiger Mensch“ sein?

Das Helfen bedeutet nicht, dass man für andere Menschen den
Mülleimer oder den Kuli spielt.

Hmm. Ehrlich gesagt, bei einigen Beichten hatte ich durchaus das Gefühl es ist keine „echte“ Suche nach Auseinandersetzung, das man sowas wie Lob von mir erwartete für das Durchgemachte - ohne das Hilfe oder eine Ansicht gefragt war, um die noch andauernden Autoagressionen (sie schneidet sich) evtl. mal in den Griff zu bekommen. Ich denke nicht das jeder Mensch der was beichtet die gleichen „befreienden“ Gründe hat. Auch da kanns mal Ausreißer geben.

Man kann auch nicht das Leben
anderer Menschen leben, aber ihnen doch zumindest einen Schubs
geben damit sie auf den richtigen Weg gebracht werden oder
auch mal den Nagel aus dem Brett vor dem Kopf ziehen :o).

Um wieder ganz ehrlich zu sein, was soll ich schubsen und in welche Richtung, wenn man mir etwas beichtet als „es ist so, ich kanns nicht ändern, ich muss damit leben“ und über die eigenen Verletzungen mit einer Art Stolz berichtet. Da KANN ich nichts drauf antworten oder helfen (da bin ich schlicht überfordert, sorry!), ausser mal über eine Therapie nachzudenken - und auf diesen Hinweis kam dann ein müdes Handwinken und ein Bericht über die ganzen „bescheuerten Therapeuten“, die man so in seinem Leben erlebte. Ich glaube nicht das man da überhaupt was von mir hören wollte.

Anteilnahme ist besser als nutzloses Mitleid.

Abgegrenzte Anteilnahme, das muss ich wohl noch was lernen, ja. Aber bitte unterstelle mit kein „nutzloses“ oder falsches Mitleid. Wenn ich mir das so gelassen am Arsch vorbeisausen lassen könnte, würde ich hier nicht schreiben. Wie Nina auch schrieb, ich muss das abgrenzen lernen. Das ich jemals nutzloses Mitleid und „PattPatt-aufs-Köpfchen“ verteilt habe, finde ich ziemlich fies von dir als Unterstellung. Im übrigens schrieb ich auch „aufrichtige Anteilnahme“, nicht „gelangweilte“.

Gruß
Helena

Hi Nina,

aber du selbst schreibst, du fühlst dich aus versch. gründen
überfordert. da stellt sich für mich dann die frage, was
hattest du einst davon - welchen gewinn - so dass du bis heute
noch diesem muster (unabsichtlich) folgst.

okay, ich gestehe, ich war immer sowas wie ein Vertrauensmann. Allerdings habe ich das wirklich nie gesucht. Vielleicht wirke ich einfach ruhig, vertrauensvoll und „mütterlich“ - keine Ahnung. Aber - ich habe noch nie so viele z.T. grauenhafte Beichten von vergangenen Misshandlungen gehört, wie im letzten Jahr. Alles andere davor war dagegen normal und harmlos.

Mag sein das ich „meinem Muster“ folge. Aber - ich muss ja von mir ausgehen:

  1. ich würde solche Erlebnisse selbst nur „professionellen Helfern“ beichten, niemals einem Fremden (evtl. sehr guten Freunden)
  2. gehe ich davon aus daß, wenn jemand solche Beichten macht, er reden will und ich ihn nicht einfach stoppen kann und das ein Zeichen von serh großem Vertrauen ist
  3. gehe ich davon aus daß der Mensch der mir beichtet Hilfe will (die ich z.T. nicht geben KANN - weil mir die Ausbildung fehlt)
  4. ich unsicher bin was da wirklich abläuft

Ums kurz zu machen - ich werde mit solchen Beichten i.d.R. einfach konfrontiert und frage mich nur „was kann ich jetzt nur tun“. Ich „habe“ nix davon, ich hatte nie was davon Vertrauensmann zu sein, es hat mir nichts gegeben was ich jetzt nicht mehr brauche/habe/finde/will.

Ich habe das Gefühl jemand setzt mir einen Berg Rechnungen vor die Nase und fordert mich auf davon eine 1A Bilanz zu machen, und ich haber keine Ahnung von Buchhaltung.

  • was die anderen
    davon haben ist klar - von loswerden bis konkreten rat ist
    alles dabei und gerade wenn du eine fremde bist ists für viele
    einfacher - sieht man ja im internet -
    denke das ist kaum erklärungsbedürftig.
    ausserdem kann man bei fremden testen wie das geständis oder
    gesagte ankommt oder aber wenn man im grunde selbst nichts von
    sich aus ändern will, ists doch am einfachten wenn man den
    frust bei wem loswird der keine einsicht in das eigene leben
    hat z.b

Mag sein das ich jetzt völlig naiv klinge - Nee, näh? Nicht wirklich, oder?

Ich käme nie auf die Idee einen relativ fremden Menschen mal zu beichten das ich was schlimmes erlebt habe das mich bis heute verfolgt.

Aber danke für den Hinweis. wäre ich wirklich nie drauf gekommen…

bei leidvollen erfahrungen wie vergewaltigungen oder anderen
dingen ist es die anonymität die dem menschen erst möglich
macht darüber zu reden - du weisst ja sicher um die scham und
die schuldgefühle und die angst vor ablehnung oder
schuldzuweisung bei solchen dingen - diese angst macht doch
vielen unmöglich mit nahestehenden menschen zu reden.

Ja, aber da geh ich doch zu einem Profi, oder denke ich unnormal?
Aber gut, danke für den Hinweis, ist sicher richtig, hab ich nie dran gedacht.

ein therapieersatz biste dafür aber nicht - im gegenteil - und
ich denke, das ist den menschen unbewusst zumindest klar - ich
denke das thema kann manvernachlässigen - also warum hinter
dem warum - das ist meiner ansicht nach sehr komplex und hat
gleichzeitig nicht viel mit deinem „problem“ zu tun - nämlich
was du tun kannst um nicht mehr jene signale derart
auszustrahlen wie bisher sondern in einem rahmen der dich
nicht überfordert und ein stück weit selbstbestimmter.

Schaun mer mal, ich arbeite daran.

sicher würde es nicht schaden zu ergründen welchen gewinn du
davon hast - auch wenns einem schwer fällt es zuzugeben - sich
gebraucht/geschätzt fühlen, vertrauensvoll, kompetent aus
sicht der anderen - weiss ich was alles.

Ganz ganz ehrlich, wenn mich Freunde ins Vertrauen ziehen, auch Bekannte mich etwas fragen, meine Hilfe brauchen, fühle ich mich geehrt und bin da, aber fühle mich nicht wichtig, geliebt und besonders. Ich habe dann eher das Gefühl das ich geben kann, was eine echte Freundschaft ausmacht.

Wenn mich Fremde ins Vertrauen ziehen habe ich meißt nur diesen einen Satz im Kopf - „ich KANN dir nicht helfen, es tut mir so leid was passierte aber ich bin kein Psychologe, du verlangst von mir Hilfe die ich nicht geben kann (nicht weil ich ein egoistisches Miststück bin, sondern weil ich nie Psychologie studierte)“.

Das meine ich mit Überforderung! Es übersteigt mein Wissen! Ich kann „nur“ Trost und Vertständniss geben, ein wenig Tips und Hilfen, bin aber kein Profi!

Danke für deinen Beitrag!

Gruß
Helena

Hallo,
ich glaube, es gibt tatsächlich Menschen, die auf Probleme anderer Menschen anziehend wirken.
Ich weiß auch nicht genau, warum solche Menschen ihre Geschichte völlig Fremden erzählen, ich kann nur vermuten, dass sie keine so engen Freunde haben, denen sie das erzählen möchten. Ich würde sowas auch nicht einfach irgendjemandem erzählen. Vielleicht wirkst Du auf diese Leute nett und freundlich und strahlst ein gewisses Selbstbewusstsein aus und deswegen suchen sie Deine Nähe und schieben, quasi als Vertrauensvorschuss, mal eben so’ne Story hinterher? Keine Ahnung, nur Vermutungen.

Ach ja, etwas schlimmer machen kannst Du eigentlich nicht durch zuhören. Wenn den Leuten das wirklich passiert ist, was sie erzählen, dann kann das „einfach nur erzählen“ auch schon Bewältigungshilfe sein. Viele Omas und Opas erzählen ja auch ewig von traumatischen Begebenheiten „damals im Krieg“. Auch das ist ein Teil der Bewältigung (Seitdem ich das weiß, hab’ ich viel mehr Geduld mit meiner Oma:smile:)

Mein Tipp für Dich ist auch: Abgrenzung.
Sorge zuerst mal für Dich selber, bevor Du für fremde Menschen sorgst.
Vielleicht kannst Du einen vorsichtigen Satz formulieren, der in die Richtung geht: „Was genau erwartest Du von mir? Ich kann Dir zuhören, aber mehr kann ich nicht tun.“ Und wenn dieser jemand nur jemanden zum zuhören möchte, musst Du entscheiden, ob das in dem Moment okay für Dich ist, oder nicht.
Im eigentlichen Sinne helfen kannst Du den Menschen auch nicht mal eben so in der U-Bahn. Ich auch nicht, und ich hab’ Psychologie studiert. Das ist auch nicht Dein oder Mein Job. Mir passiert sowas auch von Zeit zu Zeit und ich hab’ auch lange gebraucht, um diesen oben genannten Satz sagen zu können und den Leuten im Zweifel einfach einen Tipp zu geben, wohin sie sich wenden können, wenn sie wirklich Hilfe brauchen. Zuerst fühlt man sich schlecht, aber meine Erfahrung ist, das mein Gegenüber gut mit dieser Ehrlichkeit umgehen kann. Und im Endeffekt ist doch keinem geholfen, wenn der andere sich Hilfe erhofft, die Du nicht geben kannst oder willst, Du zuhörst, obwohl Du nicht wirklich willst und Dir die ganze Zeit Gedanken machst und hinterher vielleicht auch noch Vorwürfe.

Puuh, das war lang. Ich hoffe, das hilft Dir ein bißchen.
Liebe Grüße, Elisabeth.

hi helena,
wegen der länge der antwort und auch der inhalte selbst habe ich dir die antwort gemailt.

LG
nina