Probleme mit 'Fuß'-Kommando

Hallo Inge,

Diskussionen leben von kontroversen Meinungen, so nur her damit :smile:

Ich sage mal ganz provokant: Hunde sind wie Kinder.

Nein. Hunde sind sozial lebende Raubtiere. Und auch wenn sie nicht mehr darauf angewiesen sind, durch Jagen und Töten ihr Überleben zu sichern, trainieren sie diese Fähigkeit im Spiel, weil es so in ihren Genen steckt. Und was Hänschen lernt, kann Hans umso besser.

Ich sage übrigens gar nichts dagegen, dass Hunde miteinander spielen. Ich finde nur die Wertigkeiten falsch. In einer Zeit, in der es primär darauf ankommt, dass Hunde sich in unsere Gesellschaft einfügen, halte ich es für wenig sinnvoll, ihnen in der Zeit der Sozialisation (und um diesen Zeitraum geht es mir) freies Feld zum Üben ihrer Jagdfähigkeiten zu lassen (und sich dann später über einen begeistert jagenden Hund zu ärgern). Das Spiel zwischen Welpen dient eben nur zum Teil dem sozialen Miteinander. Und wenn ich mir anschaue, wie dieses „Miteinander“ in vielen Welpengruppen gestaltet wird, dann wundert mich nicht, warum es wesentlich mehr Hunde gibt, die im Erwachsenenalter Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen haben, als solche ohne.

Sie müssen als „Welpen“ Kontakte im Spiel aufbauen.

Und was lernen Kinder von Kindern? Sie lernen, sich durchzusetzen oder zu verlieren. Wenn Erwachsene nicht regulierend eingreifen, lernen die Starken, dass sie die Schwachen beliebig behandeln dürfen, und die Schwachen, dass sie alles einstecken müssen und dass die Menschheit schlecht ist (ich überzeichne ein wenig).

Mein Hund durfte in der Hundeschule immer vorher und hinterher mit den anderen Hunden spielen.

Das sieht in vielen Welpengruppen so aus (ich polemisiere ein wenig, bitte nicht persönlich nehmen): Der Welpe begibt sich in hochgradiger Spannung auf den Welpenplatz (was Hundebesitzer und leider auch Trainer gerne mal mit Begeisterung verwechseln). Er fängt bereits im Auto an zu fiepen und rumzuhopsen. Endlich angekommen, zerrt er an der Leine, um möglichst schnell zu den Artgenossen zu kommen und kann es kaum erwarten, endlich von der Leine zu dürfen. Besitzer immer brav hinterher. Leinenführigkeit? Doch nicht jetzt, wo der Kleine zu seinen Kumpels will!

Dann „Leinen los“ und die Bande fällt übereinander her. Dass das primär Spannungsabbau ist und kein „Spiel“ fällt dabei keinem auf, dummerweise auch nicht dem Trainer. Der wird später im Training sagen, dass Welpen sich nur über einen kurzen Zeitraum konzentrieren können. Diese Erkenntnis hindert ihn allerdings keinesfalls daran, die Bande vor der Arbeit mit ihrem Menschen mindestens 10 (meistens eher 20) Minuten lang toben zu lassen. Dass das für die Hunde ebenfalls Arbeit ist, übersieht er irgendwie. Meistens fällt ihm (hoffentlich!) auf, dass die Hunde völlig hinüber sind, wenn die ersten nur noch keifend und schreiend in einer Ecke hockten, bemüht, sich die anderen vom Hals zu halten.

Jetzt kommt die Arbeit mit dem Menschen. Mit völlig ausgepowerten Welpen, die ihre letzten Reserven mobilisieren müssen, um noch halbwegs Energie dafür aufzubringen. Nach einigen wenigen Übungen (wir erinnern uns: Welpen haben nur eine kurze Konzentrationsspanne) dürfen die Welpen wieder miteinander „spielen“.

Noch heute wechseln sich Spiel und Training/Gehorsam bei den täglichen Spaziergängen mit unseren Menschen- und Hundekumpels stetig ab wodurch nie Langeweile aufkommt.

Die Unterscheidung, was „Spiel“ und was „Arbeit“ ist, treffen aber wir Menschen. Vielleicht hilft es, sich ab und zu vor Augen zu halten, dass JEDE Aktion, die Hunde im Kontakt miteinander ausführen, der Abklärung von Beziehungen dient. Es geht immer und in jeder Sekunde um die Rangordnung - spielerisch meist, aber dennoch nicht weniger bedeutsam. Das ist Arbeit. Man erkennt das übrigens ganz gut, wenn Hunde länger miteinander toben: Die Zahl der Übergriffe und Aggressionen steigt mit der Zeitdauer und wenn man es übertreibt, kippt die Stimmung.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo Inge,

Ihn danach wochenlang nur an der Leine zu führen, wird keinen Sinn machen, da der Hund in drei Tagen nicht mehr weiss, warum er an der Leine gehen muss.

Ich glaube, hier missverstehst du mich. Ich spreche von der Schleppleine. Der Hund darf laufen (auch unmittelbar nach dem Heranholen wieder), die Schleppe dient immer nur der Absicherung, damit ich einem Komm-Kommando Unterstützung geben kann. Einen Hund anzuleinen, weil er nicht gekommen ist, halte ich für Unsinn, diese Logik versteht der Hund mit Sicherheit so, dass er künftig lieber gar nicht mehr kommt, weil er dann an die Strippe muss.

Freies Herumlaufen und Toben mit Artgenossen bedeutet für einen Hund Lebensqualität, Glück und Zufriedenheit und vor allem Ausgglichenheit.

Wozu braucht er dann einen Menschen? Zum Füttern? Zur Nutzung der menschlichen Couch? Ich behaupte, dass ein Hund auch ohne regelmäßige Toberunden mit anderen Hunden zufrieden und ausgeglichen sein kann. Ich kenne eine Menge Hunde, die hervorragend sozialisiert sind, aber nicht im Traum daran denken, lieber mit anderen Hunden zu toben anstatt mit ihrem Menschen zu arbeiten. Keiner meiner eigenen Hunde käme z.B. auf die Idee zu einem Artgenossen zu rennen, wenn ich in eine andere Richtung gehe (es sei denn, es handelt sich um eine läufige Hündin :smile: ). Nichtsdestotrotz verlaufen Hundebegegnungen ganz stressfrei (ich habe derzeit 4 unkastrierte Rüden).

Entscheidend finde ich, dass Hunde lernen, mit anderen Hunden zu kommunizieren und natürlich gehören dazu auch verschiedenste Formen von sozialen Kontakten. Ich finde es nur falsch, Hunde dazu zu erziehen, dass sie alles um sich herum vergessen, sobald sie einen Artgenossen erblicken.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Inge,

Diskussionen leben von kontroversen Meinungen, so nur her
damit :smile:

Ich sage mal ganz provokant: Hunde sind wie Kinder.

Nein. Hunde sind sozial lebende Raubtiere. Und auch wenn sie
nicht mehr darauf angewiesen sind, durch Jagen und Töten ihr
Überleben zu sichern, trainieren sie diese Fähigkeit im Spiel,
weil es so in ihren Genen steckt. Und was Hänschen lernt, kann
Hans umso besser.

  • Und ich dachte immer, Kinder sind auch Raubtiere! (:
    Nein, mal Spaß beiseite: Jeder, der zwei Hunde miteinander über eine Wiese rennen gesehen hat, kann das Glück dieser Tiere sehen. Mein Hund darf dies jeden Tag - und jagd überhaupt nicht und lässt sich jederzeit abrufen. Vielleicht gerade weil er die Möglichkeit hat, sich auszupowern?

Und wenn ich mir anschaue, wie dieses
„Miteinander“ in vielen Welpengruppen gestaltet wird, dann
wundert mich nicht, warum es wesentlich mehr Hunde gibt, die
im Erwachsenenalter Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen
haben, als solche ohne.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr! Nämlich den Kontakt mit anderen Hunden! Wer als Welpe von anderen Hunden ferngehalten wird, wird sich als Jungspund nicht völlig unbelastet einem anderen Rüden nähern, sondern eher pöbeln. Mein Hund ist der freundlichste und unagressivste Hund, den man sich vorstellen kann (zu Rüden, Welpen, groß, klein, Hündin völlig egal). Kommando „vorbei“ wird der andere Hund ignoriert und stramm an ihm vorbeimarschiert. Er pöbelt nie und fängt nie Streit an. So falsch kann die Erziehung dann nicht gewesen sein.

Sie müssen als „Welpen“ Kontakte im Spiel aufbauen.

Und was lernen Kinder von Kindern? Sie lernen, sich
durchzusetzen oder zu verlieren. Wenn Erwachsene nicht
regulierend eingreifen, lernen die Starken, dass sie die
Schwachen beliebig behandeln dürfen, und die Schwachen, dass
sie alles einstecken müssen und dass die Menschheit schlecht
ist (ich überzeichne ein wenig).

Okay, dass würde dann bedeuten, dass Hunde u n d Kinder lieber keinen Kontakt zu anderen haben sollen, weil die schwachen sowieso nur unterdrückt werden? Soso…

Mein Hund durfte in der Hundeschule immer vorher und hinterher mit den anderen Hunden spielen.

Das sieht in vielen Welpengruppen so aus (ich polemisiere ein
wenig, bitte nicht persönlich nehmen): Der Welpe begibt sich
in hochgradiger Spannung auf den Welpenplatz (was
Hundebesitzer und leider auch Trainer gerne mal mit
Begeisterung verwechseln). Er fängt bereits im Auto an zu
fiepen und rumzuhopsen. Endlich angekommen, zerrt er an der
Leine, um möglichst schnell zu den Artgenossen zu kommen und
kann es kaum erwarten, endlich von der Leine zu dürfen.
Besitzer immer brav hinterher. Leinenführigkeit? Doch nicht
jetzt, wo der Kleine zu seinen Kumpels will!

Dann „Leinen los“ und die Bande fällt übereinander her. Dass
das primär Spannungsabbau ist und kein „Spiel“ fällt dabei
keinem auf, dummerweise auch nicht dem Trainer. Der wird
später im Training sagen, dass Welpen sich nur über einen
kurzen Zeitraum konzentrieren können. Diese Erkenntnis hindert
ihn allerdings keinesfalls daran, die Bande vor der Arbeit mit
ihrem Menschen mindestens 10 (meistens eher 20) Minuten lang
toben zu lassen. Dass das für die Hunde ebenfalls Arbeit ist,
übersieht er irgendwie. Meistens fällt ihm (hoffentlich!) auf,
dass die Hunde völlig hinüber sind, wenn die ersten nur noch
keifend und schreiend in einer Ecke hockten, bemüht, sich die
anderen vom Hals zu halten.

Jetzt kommt die Arbeit mit dem Menschen. Mit völlig
ausgepowerten Welpen, die ihre letzten Reserven mobilisieren
müssen, um noch halbwegs Energie dafür aufzubringen. Nach
einigen wenigen Übungen (wir erinnern uns: Welpen haben nur
eine kurze Konzentrationsspanne) dürfen die Welpen wieder
miteinander „spielen“.
Naja, wenn man eine schlechte Hundeschule hat, mag vieles zutreffen…

Noch heute wechseln sich Spiel und Training/Gehorsam bei den täglichen Spaziergängen mit unseren Menschen- und Hundekumpels stetig ab wodurch nie Langeweile aufkommt.

Die Unterscheidung, was „Spiel“ und was „Arbeit“ ist, treffen
aber wir Menschen. Vielleicht hilft es, sich ab und zu vor
Augen zu halten, dass JEDE Aktion, die Hunde im Kontakt
miteinander ausführen, der Abklärung von Beziehungen dient. Es
geht immer und in jeder Sekunde um die Rangordnung -
spielerisch meist, aber dennoch nicht weniger bedeutsam. Das
ist Arbeit. Man erkennt das übrigens ganz gut, wenn Hunde
länger miteinander toben: Die Zahl der Übergriffe und
Aggressionen steigt mit der Zeitdauer und wenn man es
übertreibt, kippt die Stimmung.

vielleicht. Aber ist das bei Kindern nicht genauso. Jeder Kontakt ist sozial wichtig. Aber irgendwann kippt jede Situation und die Gören fangen an zu streiten. Soll schon öfter vorgekommen sein. Auch hier ist das Beisammensein harte Arbeit in der Entwicklung, aber nun mal notwendig.

Schöne Grüße,
Jule

ebenso Inge2

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Hallo Inge,

Ihn danach wochenlang nur an der Leine zu führen, wird keinen Sinn machen, da der Hund in drei Tagen nicht mehr weiss, warum er an der Leine gehen muss.

Ich glaube, hier missverstehst du mich. Ich spreche von der
Schleppleine. Der Hund darf laufen (auch unmittelbar nach dem
Heranholen wieder), die Schleppe dient immer nur der
Absicherung, damit ich einem Komm-Kommando Unterstützung geben
kann. Einen Hund anzuleinen, weil er nicht gekommen ist, halte
ich für Unsinn, diese Logik versteht der Hund mit Sicherheit
so, dass er künftig lieber gar nicht mehr kommt, weil er dann
an die Strippe muss.

Da habe ich Dich tatsächlich falsch verstanden, glaube aber, dass die UP dies ursprünglich so meinte.

Freies Herumlaufen und Toben mit Artgenossen bedeutet für einen Hund Lebensqualität, Glück und Zufriedenheit und vor allem Ausgglichenheit.

Wozu braucht er dann einen Menschen? Zum Füttern? Zur Nutzung
der menschlichen Couch? Ich behaupte, dass ein Hund auch ohne
regelmäßige Toberunden mit anderen Hunden zufrieden und
ausgeglichen sein kann. Ich kenne eine Menge Hunde, die
hervorragend sozialisiert sind, aber nicht im Traum daran
denken, lieber mit anderen Hunden zu toben anstatt mit ihrem
Menschen zu arbeiten. Keiner meiner eigenen Hunde käme z.B.
auf die Idee zu einem Artgenossen zu rennen, wenn ich in eine
andere Richtung gehe (es sei denn, es handelt sich um eine
läufige Hündin :smile: ). Nichtsdestotrotz verlaufen
Hundebegegnungen ganz stressfrei (ich habe derzeit 4
unkastrierte Rüden).

Gute Frage :smile:! Ursprünglich sind die Hunde ja auch ganz gut ohne Menschen ausgekommen und auf die Couch darf mein Hund nicht. Also wozu eigentlich? Ich sehe mich als liebevoll leitende und führende „Besitzerin“ eines Hundes, die bemüht ist, ihrem Hund das Leben (auch durch konsequente Erziehung) angenehm zu machen. Ich bin dafür verantwortlich, dass mein Hund mir und anderen mit seinem Verhalten nicht auf den Zeiger geht.

Entscheidend finde ich, dass Hunde lernen, mit anderen Hunden
zu kommunizieren und natürlich gehören dazu auch
verschiedenste Formen von sozialen Kontakten. Ich finde es nur
falsch, Hunde dazu zu erziehen, dass sie alles um sich herum
vergessen, sobald sie einen Artgenossen erblicken.

da hast Du sicher recht, aber das liegt ja wieder nur an der Erziehung. Aber ich glaube, im großen und ganzen meinen wir schon das gleiche, oder?

Schöne Grüße,
Jule

ebenso, Inge2

Hallo Inge,

Jeder, der zwei Hunde miteinander über eine Wiese rennen gesehen hat, kann das Glück dieser Tiere sehen.

Das bestreite ich nicht. Hast du mal einen Hund hinter einem Reh herjagen sehen? Glücklicher kann ein Hund nicht sein. Trotzdem kann er ein glücklicher, ausgelasteter Hund werden, wenn er das nicht tut, obwohl es das ureigenste seiner Bedürfnisse ist.

Mein Hund darf dies jeden Tag - und jagd überhaupt nicht und lässt sich jederzeit abrufen.

Das ist klasse für dich und deinen Hund. Die Gründe dafür sind sicher ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Auch dem, dass du das Glück haben magst, keinen vierbeinigen Jäger zu haben. Ich behaupte aber mal, dass ein Großteil der Hundebesitzer das nicht von sich sagen kann. Die meisten Anfragen bezüglich hundlichen Problemverhaltens gehen in Richtung Jagen. Und viele der betroffenen Hunde toben gerne und ausgiebig mit anderen Hunden.

Wer als Welpe von anderen Hunden ferngehalten wird, wird sich als Jungspund nicht völlig unbelastet einem anderen Rüden nähern, sondern eher pöbeln.

Da gebe ich dir Recht. Ich plädiere trotzdem dafür, dass Welpen gutes Sozialverhalten von gut sozialiserten Althunden lernen. Ein aufmüpfiger Jack-Russel-Welpe z.B. wird in einer durchschnittlichen Welpengruppe kaum seinen Meister finden. Er wird Rambo bleiben, bis er irgendwann an einen gerät, der sich das nicht bieten lässt. Und dann wird das möglicherweise seine letzte Erfahrung mit Artgenossen gewesen sein. Ein Beispiel (wenn auch sicher nicht repräsentativ) ist mein Jagdterrier. Er kam als 8 Wochen alter Welpe in mein Rudel, das damals aus einer 10-jährigen Border-Collie-Hündin, einem 6-jährigen Briard-Rüden, einem 5-jährigen südrussischen Owtscharka-Rüden und einem 1-jährigen Großpudel-Rüden bestand.

Er war ein typischer kleiner Terrier und zeigte im Umgang mit anderen Hunden deutliche Kamikazeeigenschaften. Die Welpen, mit denen ich mit drei Mal traf, damit die Hunde Kontakt hatten, waren z.T. deutlich größer, aber ihm gegenüber völlig chancenlos. Sein bevorzugtes Verhalten war es, sich einen anderen Welpen auszugucken und diesen während des kompletten Spaziergangs zu terrorisieren (wenn man ihn ließ, was ich nicht tat. Der Terrier bekam bis zum Alter von 10 Monaten keinen Kontakt mit Welpen mehr).

Meine Althunde waren erstaunlich großzügig mit ihm, wobei er in seinem zarten Alter den Großpudel völlig dominierte. Bis zu dem Tag - der Terrier war 11 Wochen alt - als ich ihn zum wiederholten Mal mit zu meinen Ponys nahm, die unter der Obhut des Owtscharka standen. Der Terrier sauste über die Koppel und versuchte, einem Pony in die Beine zu kneifen, als der Südrusse wie eine Naturgewalt über ihn kam. Ich hörte den Kleinen erst knurren und dann schreien - gesehen habe ich ihn unter dem großen Hirtenhund nicht mehr. Dann verstummte das Geschrei, der Russe bewegte sich aber keinen Zentimeter weg. In dieser Position verharrten die beiden ca. 15 Minuten, während derer der Hirtenhund ab und zu leise knurrte. Dann hob er die Nase ein Stückchen nach oben, der Terrier versuchte zu fliehen und wurde unter lautem Gebrüll wieder gepackt und nach unten gedrückt, was erneutes Geschrei zur Folge hatte. Dieses endete aber diesmal sehr schnell.

Die ganze Geschichte dauerte etwa 45 Minuten, in denen der Russe immer mal wieder nachließ, aber sofort zufasste, wenn der Terrier Anzeichen von Bewegung zeigte. Am Ende stand er Hirtenhund zwei Meter von dem Welpen entfernt, der auf dem Rücken lag, ohne auch nur mit einem Ohr zu wackeln. Dann zog sich der Russe langsam zurück, aber erst als er sich von ihm abwandte, sprang der Terrier auf und raste zu mir. Er war völlig unverletzt, aber er hatte an diesem Tag drei Dinge gelernt: Nie wieder Ponys zu jagen, erkennen, dass es Stärkere als ihn gab und sich zu unterwerfen. Nur im Umgang mit Welpen und Junghunden hätte er die beiden letzten diese Dinge niemals rechtzeitig gelernt. Dafür wäre er vermutlich ein Hunde-Rambo mehr geworden. Er hat in den nunmehr vier Jahren seines Lebens niemals mehr einen großen Hund angestänkert und mobbt auch keine anderen Hunde. Deswegen: Das Toben im Kindergarten ist okay - aber nach meiner Überzeugung nur dosiert sinnvoll.

Okay, dass würde dann bedeuten, dass Hunde u n d Kinder lieber keinen Kontakt zu anderen haben sollen…

Nein. Das bedeutet, dass Erwachsene diesen Kontakt begleiten und unterstützen müssen. Wenn ein Welpentrainer Welpen sich selbst überlässt oder im falschen Moment eingreift, erreicht er alles, aber keine gute Sozialisation.

Naja, wenn man eine schlechte Hundeschule hat, mag vieles zutreffen…

Ich halte jede Wette, dass das in 80 Prozent aller Welpengruppen so ähnlich abläuft.

vielleicht. Aber ist das bei Kindern nicht genauso. Jeder Kontakt ist sozial wichtig. Aber irgendwann kippt jede Situation und die Gören fangen an zu streiten…Auch hier ist das Beisammensein harte Arbeit in der Entwicklung, aber nun mal notwendig.

Das kommt drauf an, was das Erziehungsziel ist. Menschenkinder werden ausschließlich auf Menschen sozialisiert. Hunde auf Hunde und Menschen. Und in einer Gesellschaft, in der es primär darauf ankommt, dass die Hunde in dieser zurecht kommen, erscheint mir persönlich die Sozialisation auf den Menschen als die Bedeutsamere.

Schöne Grüße,
Jule

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hallo auch nochmal von mir!

Also ich finde deine Ansichten zum teil auch logisch, aber nur wenn man das ganze einseitige betrachtet.
Es ist ja nun nicht so, dass die Hunde nun täglich mehrere Stunden miteinander spielen. In der Regel betrifft das mal ein bis zwei Tage die Woche für eine halbe Stunde bei solchen Welpenspielen. Und wie ich schon schrieb, es gibt da ja nicht nur schwarze Schafe. Bei uns wurden auch beim Welpenspiel kleine Übungen eingeflochten (kleine Aufmerksamkeitsübungen, bzw dass der Halter mal eben ein paar Schritte weg geht und seinen Welpen ruft.

Ich weiß nicht ob du generell gegen welpenspiel bist, es klingt ein bisschen so… da bleibe ich nach wie vor anderer Meinung. Wie bei der normalen hundeschule auch, muss mal sich halt da jemanden suchen, der das ganze vernünftig angeht.
Und ehrlich, eine Hundeschule, die Welpenspiele aus Prinzip ablehnt wäre für mich persönlich eher keine Alternative, ich finde das nicht gut. Kommt vielleicht auch drauf an, was man genau von seinem hund später mal erwartet…

Und was lernen Kinder von Kindern? Sie lernen, sich
durchzusetzen oder zu verlieren.

Naja, schon wirklich ein wenig übertrieben. Als ich noch Kind war, sind wir in großen Gruppen unterschiedlichen Alters durch die Gegend gezogen, haben zusammen gespielt und waren den ganzen tag draußen, ohne Eltern… ich denke, aus den meisten von uns ist trotzdem was geworden, obwohl in der Zeit keiner eingreifen konnte :wink:
Die Erziehung wurde da nicht wärend des Spiels selber gemacht, sondern am rande dessens (so wie die Übungen am rande der Welpenspiele eingeflochten werden, die Hunde dann aber trotzdem einfach mal ein paar minuten haben sich frei zu beschäftigen).

Lieben gruß
Aj

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Hallo Inge,

Aber ich glaube, im großen und ganzen meinen wir schon das gleiche, oder?

Ich denke auch, dass wir nicht sehr weit voneinander entfernt sind :smile:

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Inge,

Jeder, der zwei Hunde miteinander über eine Wiese rennen gesehen hat, kann das Glück dieser Tiere sehen.

Das bestreite ich nicht. Hast du mal einen Hund hinter einem
Reh herjagen sehen? Glücklicher kann ein Hund nicht sein.
Trotzdem kann er ein glücklicher, ausgelasteter Hund werden,
wenn er das nicht tut, obwohl es das ureigenste seiner
Bedürfnisse ist.

Sicher, nur Rennen mit Kumpel ist erlaubt, das Jagen des Rehs nicht. Solange ein Hund das begriffen hat, ist doch alles OK. Ich sehe da nicht zwingend einen Zusammenhang zwischen auf der Wiese toben und Reh jagen.

Mein Hund darf dies jeden Tag - und jagd überhaupt nicht und lässt sich jederzeit abrufen.

Das ist klasse für dich und deinen Hund. Die Gründe dafür sind
sicher ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Auch dem, dass
du das Glück haben magst, keinen vierbeinigen Jäger zu haben.
Ich behaupte aber mal, dass ein Großteil der Hundebesitzer das
nicht von sich sagen kann. Die meisten Anfragen bezüglich
hundlichen Problemverhaltens gehen in Richtung Jagen. Und
viele der betroffenen Hunde toben gerne und ausgiebig mit
anderen Hunden.

Mein Parson-Foxterrier-Mix (Jagdhundrassen schlechthin) hat als Welpe auch allem hinterher gejagt, was sich bewegt hat. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sich anderweitig Bewegung, Spiel und Spaß zu verschaffen, akzeptieren sie sehr wohl ein „Nein“.

Ein aufmüpfiger Jack-Russel-Welpe z.B. wird in einer
durchschnittlichen Welpengruppe kaum seinen Meister finden. Er
wird Rambo bleiben, bis er irgendwann an einen gerät, der sich
das nicht bieten lässt. Und dann wird das möglicherweise seine
letzte Erfahrung mit Artgenossen gewesen sein.

Wie gesagt, ich habe einen Doppel-Terrier und dem (und mir) wurde in einer guten Hundeschule gezeigt, wie man einen Terrier in geordnete Bahnen lenkt.

Er war ein typischer kleiner Terrier und zeigte im Umgang mit
anderen Hunden deutliche Kamikazeeigenschaften.

Meiner auch, bis die Trainerin ihren großen, schwarzen, unkastrierten Schäferhund herausholte und er wie ein Donnerwetter über ihn kam (:

Bis zu
dem Tag - der Terrier war 11 Wochen alt - als ich ihn zum
wiederholten Mal mit zu meinen Ponys nahm, die unter der Obhut
des Owtscharka standen. Der Terrier sauste über die Koppel und
versuchte, einem Pony in die Beine zu kneifen, als der
Südrusse wie eine Naturgewalt über ihn kam. Ich hörte den
Kleinen erst knurren und dann schreien - gesehen habe ich ihn
unter dem großen Hirtenhund nicht mehr. Dann verstummte das
Geschrei, der Russe bewegte sich aber keinen Zentimeter weg.
In dieser Position verharrten die beiden ca. 15 Minuten,
während derer der Hirtenhund ab und zu leise knurrte. Dann hob
er die Nase ein Stückchen nach oben, der Terrier versuchte zu
fliehen und wurde unter lautem Gebrüll wieder gepackt und nach
unten gedrückt, was erneutes Geschrei zur Folge hatte. Dieses
endete aber diesmal sehr schnell.

Die ganze Geschichte dauerte etwa 45 Minuten, in denen der
Russe immer mal wieder nachließ, aber sofort zufasste, wenn
der Terrier Anzeichen von Bewegung zeigte. Am Ende stand er
Hirtenhund zwei Meter von dem Welpen entfernt, der auf dem
Rücken lag, ohne auch nur mit einem Ohr zu wackeln. Dann zog
sich der Russe langsam zurück, aber erst als er sich von ihm
abwandte, sprang der Terrier auf und raste zu mir. Er war
völlig unverletzt, aber er hatte an diesem Tag drei Dinge
gelernt: Nie wieder Ponys zu jagen, erkennen, dass es Stärkere
als ihn gab und sich zu unterwerfen.

Richtig geile Geschichte, danke dafür, habe sehr geschmunzelt!

Okay, dass würde dann bedeuten, dass Hunde u n d Kinder lieber keinen Kontakt zu anderen haben sollen…

Nein. Das bedeutet, dass Erwachsene diesen Kontakt begleiten
und unterstützen müssen. Wenn ein Welpentrainer Welpen sich
selbst überlässt oder im falschen Moment eingreift, erreicht
er alles, aber keine gute Sozialisation.

dann macht der Trainer einen schlechten Job. Er sollte die ganze Zeit die Tiere beobachten und den Besitzern Anmerkungen und Ratschläge zu dem Verhalten ihrer Welpen machen. Nur dann macht das Spielen einen Sinn.

Naja, wenn man eine schlechte Hundeschule hat, mag vieles zutreffen…

Ich halte jede Wette, dass das in 80 Prozent aller
Welpengruppen so ähnlich abläuft.

offensichtlich ist das wohl so, ja.

vielleicht. Aber ist das bei Kindern nicht genauso. Jeder Kontakt ist sozial wichtig. Aber irgendwann kippt jede Situation und die Gören fangen an zu streiten…Auch hier ist das Beisammensein harte Arbeit in der Entwicklung, aber nun mal notwendig.

Das kommt drauf an, was das Erziehungsziel ist. Menschenkinder
werden ausschließlich auf Menschen sozialisiert. Hunde auf
Hunde und Menschen. Und in einer Gesellschaft, in der es
primär darauf ankommt, dass die Hunde in dieser zurecht
kommen, erscheint mir persönlich die Sozialisation auf den
Menschen als die Bedeutsamere.

ich denke ja, dass es möglich ist, mit seiner Erziehung beides zu erreichen. Über die einzelne Wertigkeit habe ich bislang nicht nachgedacht. Mach’ ich heut abend vorm Einschlafen *grins*

LG Inge

Hallo Anja,

schau dir doch mal „Hundewelten“ an. Ich kenne die Arbeit nicht direkt, viele Statements und Artikel auf der HP erscheinen mir aber durchaus kompetent.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo atrox,

Bei uns wurden auch beim Welpenspiel kleine Übungen eingeflochten (kleine Aufmerksamkeitsübungen,bzw dass der Halter mal eben ein paar Schritte weg geht und seinen Welpen ruft.

Genau das ist der Punkt: Ich würde das Ganze andersrum angehen: Im Mittelpunkt der Welpensozialisation sollten in meinen Augen die Übungen mit dem Menschen stehen. Und ab uns zu mal zwischendurch kann man auch die Welpen zusammenlassen. In den meisten Welpenkursen läuft es aber eher umgekehrt.

Kommt vielleicht auch drauf an, was man genau von seinem hund später mal erwartet…

Stimmt. Ich erwarte von meinem Hund, dass er beim Spazierengehen bei mir bleibt, ohne dass ich ständig den Affen machen muss. Ich erwarte, dass er mich fragt, bevor er zu anderen Hunden läuft. Ich erwarte, dass er sich jederzeit aus einer Hundegruppe abrufen lässt. Ich erwarte, dass er anderen Hunden gelassen begegnet und auf meine Aufforderung hin einfach weiter geht. Und ich erwarte, dass er mich auch beim Toben mit anderen Hunden im Blick behält und darauf achtet, dass ich nicht ohne ihn weggehe.

All das lässt sich bei den meisten Hunden ziemlich problemlos erreichen, wenn man Hunde nicht im Welpenalter darauf trimmt, dass das Erstrebenswerteste im Hundeleben die Toberei mit anderen Hunden ist, sondern dass der Mensch das Wichtigste ist.

Man sollte eines nicht außer Acht lassen: Hunde spielen - wie übrigens auch Kinder - niemals zweckfrei. Sie toben nicht nur einfach so mit Artgenossen durch die Gegend, auch wenn das für Menschen so aussehen mag. Spielen dient bei Hunden primär der Klärung von Beziehungen und dem Üben von Jagdverhalten.

Wenn ich davon ausgehe, dass die Mehrzahl der Hundebesitzer keinen jagenden Hund haben will, frage ich mich, warum sie alles dafür tun, dass der Hund bereits von Welpenbeinen an entsprechend dafür trainieren kann.

In diesem Zusammenhang wird gerne mal von „artgerechter Haltung“ gesprochen. Doch wie definieren wir diesen Begriff für einen Haushund? Die wenigsten Hunde dürfen heute dem nachgehen, was sie täten, wenn man sie ließe: Sie dürfen sich nicht beliebig paaren und sie dürfen nicht jagen. Seit vielen Generationen werden Hunde gezüchtet, die andere Aufgaben zu erfüllen haben. Bei den Hirten- und Hütehunden ist seit Jahrtausenden das Jagen zu kontrolliertem Treiben umfunktioniert worden. Da man nun aber davon ausgehen kann, dass das Verhalten eines Hundes zu 30 Prozent aus genetischen und zu 70 Prozent aus erzieherischen Eindflüssen entsteht, stellt sich mir erneut die Frage, warum ich einen Hund, der nicht jagen soll, zum Jagen erziehe.

Ich erziehe einen Hund ja auch auch nicht zum Beißen - und das obwohl Aggression zu den natürlichen Verhaltensweisen jedes Hundes gehört. Im Gegenteil: Von Welpenbeinen an lernen Hunde Beißhemmungen einzuüben und sich ein- bzw. unterzuordnen. Jagen hingegen üben wir hemmungslos: In Welpen- und anderen Hundegruppen, mit Bällchen und Stöckchen.

Wildlebende Hunde interessieren sich z.B. kaum für rudelfremde Artgenossen. Solange das Futter reicht, werden sie weitgehend ignoriert - außer vielleicht zu Paarungszeiten - sind die Ressourcen knapp, werden sie bekämpft. Die hierzulande so hochgejubelten Sozialkontakte zwischen rudelfremden Tieren entsprechen in keinster Weise ihrem ursprünglichen Leben.

Das können wir aber in unserer Gesellschaft nicht besonders gut leiden. Wir begegnen auf Schritt und Tritt anderen Hunden, also haben sich die Viecher gefälligst zu vertragen. Zeigen erwachsene Hunde Aggressionen gegen rudelfremde, gleichgeschlechtliche Tiere, werden sie mangelnder Sozialisation bezichtet, obwohl sie in Wahrheit nur normales Hundeverhalten zeigen. Normaler Hundekontakt - im eigentlichen Sinn - sieht keinesfalls vor, dass einander wildfremde Hunde in einer Gruppe durcheinanderrasen. Das ist eine in unserer Gesellschaft künstlich geschaffene Form des hundlichen Miteinanders.

Im Normalfall würden sich Hunde - da ja alle satt sind und ein warmes Plätzchen zum Schlafen haben - einfach nur begegnen, kurz abchecken oder aber weiträumig aus dem Weg gehen. Dazu, zu jedem anderen Hund hinzurennen, erziehen wir sie.

Schöne Grüße,
Jule

Huhu nochmal,

Genau das ist der Punkt: Ich würde das Ganze andersrum
angehen: Im Mittelpunkt der Welpensozialisation sollten in
meinen Augen die Übungen mit dem Menschen stehen. Und ab uns
zu mal zwischendurch kann man auch die Welpen zusammenlassen.
In den meisten Welpenkursen läuft es aber eher umgekehrt.

Ok, also bist du aber nicht generell gegen Welpenschulen inklusive Welpenspiel? (sorry, habs immer noch nicht so klar rauslesen dürfen). Sollte das der Fall sein…ok, ich denke über Ausführung lässt sich streiten. Wir haben bisher keine negativen Erfahrungen damit gemacht, aber sehr wohl hatten wir Probleme mit mangelnder Sozialisation mit unserem ersten Hund. Das war uns jetzt das wichtigste, diese Fehler nicht zu wiederholen. Mit der zweiten Hündin waren wir auch in der Welpenschule. Da sie eher ängstlichen Gemüts war, mag ich gar nicht auszumalen, wie sie geworden wäre, wenn wir das nicht gemacht hätten. Die Hunde, die sie als Welpe kennengelernt hatte, hat sie bis zu ihrem plötzlichen Tod geliebt, bei fremden Hunde kam es auf spontane Sympatie an (ist ja legitim) bis es mal einen sehr aggressiven Zwischenfall gab, als sie schon älter war. Danach wurde sie zum gelegentlichen Angstschnapper, und war bei fremden Hunden, die sie erst in höherem Alter kennengelernt hat doch eher skeptisch.
gehört hat sie wie eine eins… das war Wahnsinn, zumal wir eben bei unserer ersten Hündin so viel falsch gemacht habe, und wir da eben anderes kannten. Wenn das mit der Unsicherheit ab und an nicht gewesen wäre, wäre sie Erziehungstechnisch ein absoluter Traumhund gewesen.

Stimmt. Ich erwarte von meinem Hund, dass er beim
Spazierengehen bei mir bleibt, ohne dass ich ständig den Affen
machen muss.

Ist bei uns kein Problem. Da das für uns auch wichtig war, haben wir eben diese Übungen mit plötzlichen Richtungswechsel ohne Ankündigung gemacht. Nach keiner Woche konnte man das komplett abhaken.

Ich erwarte, dass er mich fragt, bevor er zu
anderen Hunden läuft.

Wenn unser Hund andere Hunde sieht, bleibt sie stehen und guckt das Tier an(manchmal bemerke ich die anderen Hunde erst durch ihr Verhalten, wenn wir zB um eine Kurve biegen oder so). Wenn sie dann zu mir rufe oder auf die Entfernung absitzen lasse, klappt das gut. Wenn ich gar nicht dergleichen tue, schaut sie mich erst an und „pirscht“ sich erst an den anderen an, wenn ich entsprechend sage „Na geh“. Ich gebe aber zu, dass man ihr schon ansieht, dass sie sehr gerne zu dem Hund hin würde, sie mag andere Hunde und spielt gerne. Aber ich seh daran allein kein Problem. Wenn ich sie dann anleine und vorbei gehe oder mit ihr vorher (unangeleint)abbiege etc macht sie da kein Problem drauß und vergisst den anderen Hund sehr schnell. Sobald er hinter uns liegt (und wenn es nur zwei Meter sind) verschwendet sie keinen Gedanken mehr an ihn. Unangeleint würde sie sicher einen kurzen Kontakt (ein kurzer Schnüffler, und wenn ich nicht dergleichen tue stehen zu bleiben geht sie auch weiter) mit dem Hund machen, wenn ich sie nichtdur etwas werf- oder fressbares ablenke (daran sieht man schon, könnte man sicherlich schnell erarbeiten, wenn wir das wollten), das gebe ich zu… das ist für mich aber vollkommen ok. Ich weiß das, an der Leine kann ich sie locker dran vorbei führen und Punkt. Das wäre so ein Punkt, den ich von meinem Hund nicht verlange, weil ichs nicht zwingend erforderlich ist, gerade wenn das andere alles gut klappt wie oben beschrieben.

Ich erwarte, dass er sich jederzeit aus
einer Hundegruppe abrufen lässt.

Das macht sie absolut problemlos. Auch wärend des Spiels kommt sie immer wiede rzwischendurch von selbst zu uns, bevor sie wieder loslegt.

Ich erwarte, dass er anderen
Hunden gelassen begegnet und auf meine Aufforderung hin
einfach weiter geht.

Das ist wohl der Punkt, wo wir uns unterscheiden in unseren Anforderungen. Es reicht mir, wenn sie sich ranrufen lässt, an der lockeren Leine am Hund vorbeigehen kann wenn ich das will. „Gelassen“ im Sinne von uninteressiert muss sie nicht sein. Im Gegenteil, ich finde es schöner, wenn sie mit anderen Hund was anfangen kann. Unser erster Hund wollte mit anderen Hunden nur im absoluten Ausnahmefall überhaupt irgendwas zu tun haben…sie war weder aggressiv noch interessiert. Ich fand das immer schade.

Und ich erwarte, dass er mich auch beim
Toben mit anderen Hunden im Blick behält und darauf achtet,
dass ich nicht ohne ihn weggehe.

Siehe oben. Sie kommt auch wärend des Spiels immer absichern. Wenn ich mich wortlos umdrehe und gehe kommt sie mit.

All das lässt sich bei den meisten Hunden ziemlich problemlos
erreichen, wenn man Hunde nicht im Welpenalter darauf trimmt,
dass das Erstrebenswerteste im Hundeleben die Toberei mit
anderen Hunden ist, sondern dass der Mensch das Wichtigste
ist.

Das meiste war bei unserem Hund wie gesagt auch problemlos zu erreichen, obwohl sie wie eine Wilde in Welpenspielgruppen gespielt hat. Ich bleibe dabei, das bisschen Welpenschule ist dabei nicht das Problem, wenn der Halter sich sonst einfach in einem vernünftigen Maß mit seinem Welpen beschäftigt und nicht nur auf die halbe Stunde in der Welpenschule baut bei der Erziehung. Das das nicht klappt ist ja klar.

Sie toben nicht nur
einfach so mit Artgenossen durch die Gegend, auch wenn das für
Menschen so aussehen mag. Spielen dient bei Hunden primär der
Klärung von Beziehungen und dem Üben von Jagdverhalten.

Und ich finde es erstrebenswert, dass ein hund in der LAge ist, mit anderen Hunden die Lage zu klären.

In diesem Zusammenhang wird gerne mal von „artgerechter
Haltung“ gesprochen. Doch wie definieren wir diesen Begriff
für einen Haushund? Die wenigsten Hunde dürfen heute dem
nachgehen, was sie täten, wenn man sie ließe: Sie dürfen sich
nicht beliebig paaren und sie dürfen nicht jagen. Seit vielen
Generationen werden Hunde gezüchtet, die andere Aufgaben zu
erfüllen haben. Bei den Hirten- und Hütehunden ist seit
Jahrtausenden das Jagen zu kontrolliertem Treiben
umfunktioniert worden.

Stimmt. Mans sollte bei der Haustierhaltung in einem vernünftigen Maße dessen Wurzeln berücksichtigen, aber auch, dass sich seither einiges getan hat in dessen Entwicklung bzw die haltung in Menschenhand nun mal nicht Natur ist. da sind wir uns wohl einig.

Du schreibst nun:

Da man nun aber davon ausgehen kann,
dass das Verhalten eines Hundes zu 30 Prozent aus genetischen
und zu 70 Prozent aus erzieherischen Eindflüssen entsteht,
stellt sich mir erneut die Frage, warum ich einen Hund, der
nicht jagen soll, zum Jagen erziehe.

Und argumentierst weiter unten:

Wildlebende Hunde interessieren sich z.B. kaum für rudelfremde
Artgenossen. Solange das Futter reicht, werden sie weitgehend
ignoriert - außer vielleicht zu Paarungszeiten - sind die
Ressourcen knapp, werden sie bekämpft. Die hierzulande so
hochgejubelten Sozialkontakte zwischen rudelfremden Tieren
entsprechen in keinster Weise ihrem ursprünglichen Leben.

Wie du schon festgestellt hast: ein Hund ist kein Wolf. Ein Familienund lebt nicht mal in freier Natur (oder sonstwo am Straßenrand in südlichen Ländern) und muss sich selbst mit Nahrung versorgen, hat also ein sehr entspanntes, fast schon zu entspanntest (aka langweiliges) Leben. Und in vielen Fällen lebt ein Hund nicht mal mit artgleichen Artgenossen in einem „Rudel“.
Ich finde gerade wenn man die Problematik mit den Sozialkontakten betrachtet ist der Verweis auf wilde Wurzeln nicht besonders tragend aus eben jenen Gründen. Ich bin der Meinung, ein Mensch kann für ein Tier NIE ein gleichwertiger Kontakt wie ein anderes Tier gleicher Art sein. Von daher finde ich es legitim, dass einem Hund über die Rudelgrenzen hinaus diese Sozialkontakte ermöglicht werden. Ich merke selbst, dass ich meinen Hund nicht auf der gleichen Ebene auspowern (positiv gemeint, nicht sinnloses abhetzen meine ich hier) kann wie es ein anderer Hund kann. Dazu müssen sie nicht mal miteinander richtig spielen. Heute liegen wir unser Runde mit einem älteren Hundesemster, welches keinen Lust mehr auf rumgejage hatte…trotzdem kommen wir ganz anders daheim an, als wenn wir allein gehen müssen. Andere Hunde sind einfach auch ein geistiger und emotionaler Anreiz für den Hund, kurz eine Abwechslung, selbst wenn im eigenen rudel auch vierbeinige Artgenossen leben. Für einen Einzelhund allemal.

Das können wir aber in unserer Gesellschaft nicht besonders
gut leiden. Wir begegnen auf Schritt und Tritt anderen Hunden,
also haben sich die Viecher gefälligst zu vertragen.

Es erleichtert zumindest einiges, und bietet wie gesagt auch Möglichkeiten. Ich sehe daran nichts verwerfliches, zumal Hunde ja in ihrem grundsätzlichen Verhaltensreportoir offensichtlich die friedliche Interaktion zur Verfügung haben. Für viele Hunde stellt es kein Problem dar anderen Hunden in einem Rahmen zu begegnen, der zumindest nicht vor Aggression strotzt, warum sollte man das nicht fördern? Es ist sicherlich ursprünglich auch nicht vorgesehen gewesen, dass Hund Schafe hüten oder den Menschen als Rudelführer ansehen.

Normaler Hundekontakt - im eigentlichen
Sinn - sieht keinesfalls vor, dass einander wildfremde Hunde
in einer Gruppe durcheinanderrasen. Das ist eine in unserer
Gesellschaft künstlich geschaffene Form des hundlichen
Miteinanders.

Ja. Aber wie gesagt, ich sehe da nichts schlimmes dran. Die Hunde leben ja auch in einer für sie künstlichen Umgebung und Rudelform. Ziel kann es doch nicht sein, in diesem plötzlich ursprüngliche Verhaltensweisen auf Teufel komm raus zu erhalten, weil es einem plötzlich in den Sinn kommt (als nächstes schicken alle ihre Hunde ihr futter wieder selbst jagen…ach nee, das jagen ist ja wieder nicht erwünscht sagst du?), obwohl es aus der künstlichen Umgebung heraus für den hund selbst gar nicht wirklich sinnvoll ist.

Im Normalfall würden sich Hunde - da ja alle satt sind und ein
warmes Plätzchen zum Schlafen haben - einfach nur begegnen,
kurz abchecken oder aber weiträumig aus dem Weg gehen. Dazu,
zu jedem anderen Hund hinzurennen, erziehen wir sie.

Also da ist der Punkt, wo wir uns einfach uneins sind, und wohl dann auch nicht einig werden. Ich sehe kein problem darin, wenn Hunde miteinander spielen. Wie mein Hund zeigt, heißt das nicht gleich, dass der Hund unerzogen ist, Artgenossen vor seinen Menschen stellt oder ähnliches. Es gibt doch nicht nur Schwarz oder Weis sondern eine ganze menge sinnvoller Mittelwege. Und auf denen sind gute Welpenschulen keine Stolpersteine meines erachtens nach (mal spezielle charaktere ausgenommen)

Gruß
Aj

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