Hallo Anja
Auch beim Hund gilt halt ‚Übung macht den Meister‘. Nur durch
häufiges, freundlich und tiergerecht aufgebautes Üben werdet
ihr dem Hund klar machen können, was ihr möchtet. Woher soll
er denn sonst wissen, was ihr von ihm möchtet?
Ich habe den Eindruck, er weiß schon noch, was wir von ihm
wollen, hat aber keine Lust, das auszuführen…
Da wäre ich mir nicht so sicher. ‚Lust‘ ist ein schwieriger Begriff in diesem Zusammenhang, da der Hund mit dem Befehl ‚Fuss‘ ja Leinenrucken und weiter Unangenehmes verbindet.
Ganz grundsätzlich: Jeder Hund ist ein Opportunist (wie glaube ich Jule schon treffend geschrieben hat). Das heisst, er tut immer nur gerade das, was sich für ihn am meisten lohnt und das, was ihm in dem Moment am angehmsten, schönsten und vielversprechendsten dünkt.
Das macht Sinn. Aber wenn ich ihn doch an der Leine führe und
seine Bewegungsfreiheit also einschränke, wie soll er dann
loslaufen können?
Diese Frage verstehe ich nicht genau. Du sollst ihn ja nicht an allzu kurzer Leine halten. Ganz im Gegenteil. Halte die Leine am äussersten Ende und gib ihm diese ganze Freiheit. Nur so wirst Du das, was ich vorgeschlagen habe, überhaupt umsetzen können. Erst später, wenn Dein Hund begriffen hat, dass die Leine nie auch nur ansatzweise straff sein darf, kannst Du die Leine kürzer halten.
Für den Menschen bedeutet das viel, viel Geduld und
Konsequenz. Konsequenz bedeutet hier, dass er JEDES MAL wenn
die Leine auch nur ansatzweise zu spannen beginnt,
stehenbleibt.
Dann würden wir keinen Schritt vorwärtskommen.
Jeder Trainingserfolg lebt und stirbt mit der Motivation des Trainers und des Trainierten. Wenn Du, die dieses Ziel erreichen möchtest, schon zweifelst, wird es tatsächlich nie funktionieren. Deine Motivation kann sich aber auf den Hund übertragen. Wenn Du umdenkst und beginnst, Leinelaufen zu einem Spiel und einem tollen Erlebnis für Euch beide zu machen und zusätzlich genug Geduld und Konsequenz aufbringst, wird es auch gelingen.
Man darf dem Hund auch ruhig helfen, indem man
ihn dazu animiert, ein oder zwei Schritte zurückzukommen.
Wodurch?
Worten (mit süsser, hoher, einladender Stimme „zurüüüück“, „looocker“, „eeeaaasy“ oder irgend so etwas), aufs Bein Klopfen, einige Schritte rückwärts gehen - probiers aus! Du sollst mit Deinem Hund interagieren - finde heraus, was funktioniert und was nicht.
Der Hund lernt die Kommandos eh auf Russisch, insofern ist der
Wortlaut anders, ich hab’s nur jetzt der Einfachheit halber
als das typischerweise verwendete deutsche Kommando hier
angegeben.
Die Sprache spielt keine Rolle. Wenn mein Hund das Wort ‚Fussball‘ mit einem negativen Erlebnis verknüpft hat, ist es umso schwieriger, eine Übung zu trainieren, die ich dann mit diesem Kommando abrufen möchte. Egal ob die Übung angenehm für den Hund ist oder nicht, mit dem Kommando wird er immer etwas Unangenehmes verbinden. Ein neues Kommando ist ein Neuanfang.
Ok, das macht Sinn. Wie gesagt, in der Hundeschule wurde das
halt so gemacht, dass das Leckerli ständig vor der Schnauze
gehalten wurde, aber ich habe den Eindruck, dass der Hund dann
keinen Zusammenhang sieht zwischen dem Laufen in einer
bestimmten Position und diesem Leckerli, weil er sich nur noch
auf das Fressen konzentriert.
Das ist eine völlig richtige Schlussfolgerung. So wird der Hund nie lernen, wo er zu gehen hat. Er konzentriert sich ja nur auf Deine Hand. Ist die weg, tut er halt, was er für richtig hält.
Der Schlüssel zum Leinelaufen führt über
das Interesse des Hundes - er soll Euch ansehen. Bestätigt ihn
immer dann (mit Leckerli, wenn ihr sowieso schon damit
arbeitet) wenn er Euch anschaut.
Welche anderen Bestätigungen kann man denn verwenden außer
Leckerli und Lob? Gibt es da weitere Möglichkeiten zur
Abwechslung?
Ja - aber jeder Hund ist verschieden. Je abwechslungsreicher die Belohnung, desto spannender das Training. Es liegt wieder an Dir herauszufinden, was Dein Hund als Belohnung empfindet. Probiers einfach aus. Streicheln (meistens angenehmer für den Menschen als der Hund), mit der Stimme loben, Leckerli, ein Balgspiel zwischen Hund und Mensch, ein Rennspiel zwischen Hund und Mensch, den Hund einfach laufen lassen, mit Bällchen spielen, usw. usf.
Als Belohnungsmöglichkeiten gibt es Leckerlis, Lob und
Spielen?
Als Belohnungsmöglichkeiten gibt es alles das, was Dein Hund (nicht Du!) als Belohnung empfindet.
Mit dem Spielzeug hab ich noch so ein bisschen meine
Probleme, denn er gibt das nicht gern ab.
Bällchen werfen ist nicht spielen mit dem Hund, sondern meist eine Apportierübung und schon gar keine Belohnung. Spielen wäre es, wenn Du mit ihm um den Ball ‚kämpfst‘. Dafür braucht es aber viel Feingefühl dafür, wo Deine und wo seine Grenzen dabei sind.
Also er gibt es mir
problemlos auf Kommando, wenn er eh schon da ist und ich die
Hand vor das Spielzeug halte (aber nicht ziehe oder so!). Wenn
er spielen will, legt er es mir vor die Füße. Aber das macht
er eben dann, wenn er es will.
Klar, ER spielt mit DIR, nicht Du mit ihm. Zückst Du nun aber einen zweiten Ball und zeigst ihm den, wird er denjenigen, den er hat, plötzlich eher uninteressant finden. Merke: das Gras ist (fast) immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Auch bei Hunden.
Empfindet er es als Belohnung,
wenn ich ihn heranrufe, ihm den Ball mit dem Befehl abnehme
und ihn dann werfe?
Das Werfen ja, das Heranrufen, das Bringen, das ‚Aus‘-Geben hingegen nicht. Das ist eine Gehorsamsübung.
Gruss,
S.