Probleme mit 'Fuß'-Kommando

Hallo liebe Wissenden,

wir haben einen einen jungen Briard-Hund (1 Jahr und 4 Monate alt), der noch nicht immer so hört, wie er sollte. Den Anfängerkurs in der Hundeschule hat er absolviert, kennt auch die Grundkommandos, hört aber nicht so zuverlässig, wie wir uns das wünschen würden. Es wird jedoch täglich geübt und mit der Zeit sieht man auch Fortschritte.

Nur das Kommando „Fuß“ bereitet uns große Sorgen. In der Hundeschule wurde es sowohl mit Leckerlis ohne Leine als auch an der Leine geübt. Sobald keine Leckerlis da sind, zerrt er an der Leine wie wild und hört gar nicht. Wir ziehen ihn mit Kraft zurück und loben, wenn er wenigstens ein paar Schritte neben der Person läuft. Manchmal wird auch ein Kreis um sich herum eingebaut, damit der Hund da auch mitläuft und die Leine lockert. Vor zwei Tagen gab es einen ersten Lichtblick, als er ein kleines Stückchen wirklich von sich aus bei Fuß gelaufen ist, und es sieht jetzt auch so aus, als würde er das Kommando schon hören und irgendwie darauf reagieren (er zieht nicht mehr ganz so kräftig), aber vom gewünschen Resultat sind wir noch sehr weit entfernt.

Habt ihr Tipps für weitere Übungen, um dieses Kommando zu trainieren?

Auch für Tipps dafür, wie man den Gehorsam beim „Komm“-Kommando verbessern kann, sind sehr willkommen.

Viele Grüße

Anja

Hallo!

Also zu euren Problemem mit dem Fuß kann ich leider wenig sagen, wir sind da auch immernoch dran. Bei uns ist es so, dass unsere Hündin das Komando ohne Leine wesentlich besser ausführt als wenn die Leine dran ist. Manchmal klappt es ganz gut an der Leine, an anderen Tagen könnte ich die Krise kriegen :wink:. Wir versuchen an solchen Tagen so ranzugehen, dass wir sofort stehen bleiben, wenn sie zu weit läuft. Sie muss dann zurück an die Seite und absitzen…erst dann geht es weiter. Das bedeutet dann aber gerne mal, dass man kaum einen Schritt weit kommt und schon wieder stehen muss.
Ich muss aber zu unserer Beschämung sagen, dass wir da wohl einfach zu inkonzequent sind, weil es ja in dem Moment, wo es uns wirklich wichtig ist (wenn wir ohne Leine laufen) gut funktioniert.

Das „komm“-Komando war dafür recht leicht. Unsere ist komplett verfressen, also haben wir da die ersten Tage mit Leckerlie gearbeitet, und das hatte sie sehr schnell drauf. „Suri, komm!“ war das feste Komando in der Trainingszeit dazu (jetzt reicht ein Zungeschnalzen) und dann durfte sie sich ein Leckerlie abholen und wieder los. Wir haben da versucht so dran zu gehen, dass das „Komm“ nichts schlimmes ist…also zB nicht nur benutzen wenn man sie Anleinen muss etc, sondern gerne und häufiger mal zwischendurch und den Hund dann direkt weiter laufen lassen. Am Anfang wars dann so, dass sie bei 6-7 mal „Komm“ zwischendrin im Gassigang, dann eben 5-6 mal direkt wieder losrennen durfte und nur das eine mal kam sie an die Leine. Heute macht sie das so zuverlässig, sie kommt sogar, wenn andere Hunde im Spiel sind (das war früher ein Unding, sie musste unbedingt den anderen Hund begrüßen und war da wie eine irre… ich war fast überrascht, dass sie das so super macht mittlerweile, obwohl man ihr noch ansieht, dass sie eigentlich am liebsten sofort hinrennen würde).

Ich gehe auch mit dem Hund meiner Vermieter raus. das Tier ist einer dieser typischen „Dorf-Hof-Hunde“ und hat eigentlich keine standartmäßige Erziehung (Sitz, Platz, Fuss oder an der Leine gehen kennt bzw kannte sie nicht).
Wir gehen dann quer übers Feld ohne Leine. Bei uns gibt es extrem viele Rehe, daher hab ich ihr auch beigebracht auf Komando zu kommen und sich vor ihr abzusetzen (wobei sie die rehe eh nicht beachtet, aber mir ist wohler, wenn ich sie ranrufen kann). Strategie war eigentlich die gleiche wie bei unserem Hund, nur der Anreiz ein anderer. Futter nimmt sie so nicht von mir, aber es gibt für sie nichts schöneres, als wenn ich eine der rumliegenden Kartoffeln oder im Winter Schneebälle werfe etc. Wenn sie kommt und sich kurz setzt, wird die Kartoffel geworfen…das hat sie schnell gecheckt. Da sie wie gesagt fast bei null angefangen hat, habe ich da natürlich kleine Schritte belohnt, bis ich da war, wo ich hin wollte (zuerst, wenn sie in meine Richtung kam, dann wenn sie bis zu mir ran kam, dann wenn sie kurz den Po auf dem Boden hatte, dann wenn sie wirklich abgesessen hatte bis ich es wieder auflöste (natürlich am anfang sehr schnell, um ihr zuvor zu kommen) und nun nur noch, wenn sie sofort zu mir kommt und sich setzt und abwartet bis ich sie entweder anleine (für über die Straße) oder sie wieder loslaufen lasse). Ich war erstaunt, wie schnell sie das begriffen hatte…kaum eine Woche, da hat sie es zumindest halbwegs schon drauf gehabt…und das obwohl sie sonst keine Grundkenntnisse hat wie gesagt. Noch zwei mehr Wochen, und sie ist wirklich komplett zuverlässig dabei.
Wichtig empfand ich es auch, nicht xmal erfolglos das Komando zu brüllen. Ich rief einmal, vielleicht noch ein zweites Mal, dann ist die Chance verspielt.
Ich weiß ja nicht wie weit ihr mit dem „Komm“ seid. Wenn ihr noch sehr am Anfang steckt, kann man ein auf dich zubewegen auch meistens ganz gut provozieren, indem man sich gleichzeitig umdreht und ein stück weg geht. Viele Hund laufen dann ihrem Halter hinterher bzw also auf ihn zu…also genau der erste Ansatzpunkt, mit dem ich bei dem vermieterhund angesetzt habe.

Wie habt ihr es denn bisher probiert?

Lieben gruß
Aj

Verschiedenste Probleme
Hallo Anja

Es wird jedoch täglich geübt und mit
der Zeit sieht man auch Fortschritte.

Auch beim Hund gilt halt ‚Übung macht den Meister‘. Nur durch häufiges, freundlich und tiergerecht aufgebautes Üben werdet ihr dem Hund klar machen können, was ihr möchtet. Woher soll er denn sonst wissen, was ihr von ihm möchtet?

Nur das Kommando „Fuß“ bereitet uns große Sorgen.

So wie Du das ‚Problem‘ beschreibst, geht es um mehr als Fuss-laufen. Es geht ganz grundsätzlich um das Leinelaufen. Das Kommando ‚Fuss‘ und ‚anständig‘ leinelaufen an sich sind zwei unterschiedliche Dinge. Gebe ich dem Hund das Kommando ‚Fuss‘, erwarte ich, dass er seine Schulter exakt auf meiner Kniehöhe hat und arbeite darauf hin, dass es dann so: http://www.youtube.com/watch?v=EmLVTQ89qnI oder so: http://www.youtube.com/watch?v=phb-b36Kxis&feature=r… aussieht, falls ich es zur ‚Perfektion‘ bringen will. Man mag davon halten was man will, aber darum geht es, wenn wir von ‚Fuss‘ sprechen. Es ist in den Videos gut zu sehen, dass es hierbei nicht darum geht, dass der Hund sich locker, natürlich und frei bewegt. Leinelaufen ist etwas ganz anderes.

Leinelaufen bedeutet, dass der Hund sich im Gegensatz zum ‚Fuss‘ eben so locker und natürlich bewegen darf, wie es die Länge der Leine zulässt. Je kürzer die Leine, desto kleiner ist logischerweise der Bewegungsraum des Hundes. Die einzige Regel beim Leinelaufen ist: was auch immer geschieht, wie auch immer Hund und Mensch sich bewegen, die Leine darf niemals gespannt sein. Ist das stets der Fall, dann führt man einen leinenführigen Hund an der Leine. Das sieht dann, je nach Hund, etwa so aus: http://www.youtube.com/watch?v=8vr8-xu9Vd0. Der Hund stelzt nicht im Stechtrab neben dem stocksteifen Besitzer her, sondern beide bewegen sich natürlich (mehr oder weniger… auf die Schnelle habe ich nur ein Video gefunden, das ebenfalls eine Prüfungssituation darstellt.)

Der Trick beim Leinelaufen ist die Aufmerksamkeit. Ist der Hund interessiert daran, was sein Mensch so tut, blickt er automatisch immer mal wieder zum anderen Ende der Leine. Hat derjenige, der da hängt aber ein Spannungspotential von minus 3 in den Augen des Hundes, dann tut man besser daran, sich der Umwelt zu widmen. Der Hund muss also lernen, dass er nur mit mir ans Ziel kommt. Möchte er schnüffeln? Erst nachdem er den Blick zu mir gewandt hat. Möchte er hier- oder dorthin? Klar, aber erst soll er mich ansehen. Möchte er loslaufen? Ok, aber…

Für den Menschen bedeutet das viel, viel Geduld und Konsequenz. Konsequenz bedeutet hier, dass er JEDES MAL wenn die Leine auch nur ansatzweise zu spannen beginnt, stehenbleibt. Man darf dem Hund auch ruhig helfen, indem man ihn dazu animiert, ein oder zwei Schritte zurückzukommen. Ebenfalls hilft ein Warnzeichen, das man gibt, bevor man stehenbleibt. So hat der Hund Zeit sich zu korrigieren.

Zwei Punkte sind also zu beachten:

  1. Ich muss interessant für den Hund sein. Das geht über Spiel und Motivation (Spielzeug, Worte, Spiel, etc.) oder durch den Magen (Futter)

  2. Ich muss Geduld haben und Konsequent sein.

Natürlich gibt es auch Mittel und Methoden, die ich gerne als ‚unlauter‘ bezeichne. Ketten, Würger, Geschirre, etc., die ‚helfen‘ sollen, den Hund leinenführig zu machen sind zuhauf auf den Markt geworfen worden. Ich habe allerdings selten jemanden angetroffen, der dabei mit seinem Hund auf einen gemeinsamen Nenner gekommen wäre, so dass beide mit dem Resultat zufrieden gewesen wären. An Geduld und Konsequenz kommt keine Erziehung vorbei.

Ich würde mir auch einen anderen Befehl als ‚Fuss‘ suchen. Das englische ‚heel‘ zum Beispiel klingt nicht so militärisch und ist auch nicht so vorbelastet. Die meisten Hunde sinken in sich zusammen, wenn sie ‚Fuss‘ an die Ohren geschmissen bekommen - Deiner auch? Such Dir etwas Neues, fürs Leinelaufen zum Beispiel ‚Leine‘ oder ‚locker‘ oder meinetwegen ‚Kühlschrank‘ oder ‚Kleiderbügel‘. Dem Hund ists ja egal.

In der
Hundeschule wurde es sowohl mit Leckerlis ohne Leine als auch
an der Leine geübt. Sobald keine Leckerlis da sind, zerrt er
an der Leine wie wild und hört gar nicht.

Klar, sobald die Leckerlis weg sind, bist Du nicht mehr interessant. Einen Hund besticht man nicht mit Leckerlis, indem man sie ihm ständig vor die Schnauze hält, sondern zuerst wird die gewünschte Leistung erbracht und dann gibts (vielleicht) einen Keks.

Wir ziehen ihn mit
Kraft zurück und loben, wenn er wenigstens ein paar Schritte
neben der Person läuft.

Wunderbar. Ich bin sicher, die Halswirbelsäule Deines Hundes weiss das sehr zu schätzen - und Euer Geldbeutel dann auch, wenn die Operation ansteht. Wird das wirklich so in Eurer Hundeschule gelehrt? Der Schlüssel zum Leinelaufen führt über das Interesse des Hundes - er soll Euch ansehen. Bestätigt ihn immer dann (mit Leckerli, wenn ihr sowieso schon damit arbeitet) wenn er Euch anschaut. Zückt den Keks aber erst, WENN der Hund Euch anschaut, vorher ist Bestechung, nachher ist zu spät.

Auch für Tipps dafür, wie man den Gehorsam beim
„Komm“-Kommando verbessern kann, sind sehr willkommen.

‚Komm‘ ist die allerschwierigste Übung, aber auch die Basis jeder Hundeerziehung. Nochmal: Du musst interessant sein für Deinen Hund. Wenn Du interessanter bist, als alles andere um Dich herum, dann wird er kommen. Jederzeit. Es liegt an Dir, herauszufinden, was Dein Hund mag. Ach ja: bestechen funktioniert auch hier nicht. Spielzeug/Futter/Belohnung wird erst gezückt, wenn der Hund bei Dir ist. Nicht vorher, nicht nachher. Belohne nicht jedes Mal, wenn Dein Hund kommt, aber oft. Rufe ihn, wie Dir hier auch schon geraten wurde, öfters ‚grundlos‘ ab. Biete ihm etwas, er wartet nur darauf!

Gruss,

S.

Hallo Anja.

wir haben einen einen jungen Briard-Hund (1 Jahr und 4 Monate alt), der noch nicht immer so hört, wie er sollte.

In diesem Alter sollte der Hund grundlegende Dinge wie Leinenführigkeit und zuverlässiges Herkommen längst beherrschen. Beides lernt ein Hund sinnvollerweise in den ersten 6 Lebensmonaten. Jetzt pubertiert er bereits, und ihr müsst euch auf alle Fälle auf eine Menge Arbeit einstellen.

kennt auch die Grundkommandos, hört aber nicht so zuverlässig, wie wir uns das wünschen würden.

Wenn ein Hund Kommandos nicht zuverlässig befolgt, hat das immer etwas mit fehlender Konsequenz seitens des Hundeführers zu tun.

Es wird jedoch täglich geübt und mit der Zeit sieht man auch Fortschritte.

Das tägliche Üben ist gut, aber denkt dran, dass euch in diesem Alter jede kleine Nachlässigkeit um Wochen zurückwerfen kann.

Zum Leinenführigkeitstraining hat euch Semiramis schon gute Tipps gegeben.

Manchmal wird auch ein Kreis um sich herum eingebaut, damit der Hund da auch mitläuft und die Leine lockert.

Dieses Kreislaufen ist überflüssiger Unsinn. Der Hund soll lernen, neben euch zu laufen, nicht um euch rumzurennen. Ich kenne Hunde, die permanent um ihre Besitzer kreiseln, weil sie gelernt haben, dass das die Art ist, wie sie zu gehen haben. Es ist sinnvoller, dem Hund beizubringen, was er zu tun und was er zu lassen hat, als ihn erst jede Menge Umwege zu lehren.

Auch für Tipps dafür, wie man den Gehorsam beim „Komm“-Kommando verbessern kann, sind sehr willkommen.

Wenn ein Hund in diesem Alter nicht zuverlässig kommt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das jemals tut, ziemlich gering. Hunde neigen mit zunehmendem Alter immer mehr zur Verselbstständigung. Versaut wird das zuverlässige Kommen leider ziemlich oft in Hundeschulen, wo es üblich ist, dass Hunde miteinander spielen. Die Hunde lernen dabei primär eines: „Spaß ist da, wo meine Hundekumpels sind, mein Mensch ist nur Dekoration“. Es gibt sogar Trainer, die behaupten, man könne einen jungen Hund nicht aus dem Spiel abrufen. Ein guter Trainer sorgt dafür, dass bereits Welpen im Welpenkurs lernen, dass der Mensch wichtiger als jeder andere Hund ist.

Bis zum heutigen Zeitpunkt hat euer Hund vermutlich zig Mal die Erfahrung gemacht, dass er nicht kommen braucht, wenn ihr ruft. Wenn ihr eine Chance haben wollt, das zuminderst einigermaßen in den Griff zu kriegen, müsst ihr das Herkommen komplett neu aufbauen. Das geht nur über eine lange Leine, an der Monsieur postwendend eingeholt werden kann, wenn er den Ruf ignoriert.

Ich persönlich bin kein Freund von Animationstheater bei Spaziergängen. Mein Hund wird zwischendurch immer wieder mal bespielt, aber wenn ich einfach mal nur gehen möchte, hat er das auch zu tun. Das ist aber eine Frage von Prioritäten und persönlichen Vorlieben.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Jule

Manchmal wird auch ein Kreis um sich herum eingebaut, damit der Hund da auch mitläuft und die Leine lockert.

Dieses Kreislaufen ist überflüssiger Unsinn. Der Hund soll
lernen, neben euch zu laufen, nicht um euch rumzurennen.

Also ich meine damit, dass der Mensch einen Kreis um sich herum macht und der Hund das mitmacht und nicht, dass der Hund um den Menschen herumläuft.

Versaut wird das zuverlässige Kommen
leider ziemlich oft in Hundeschulen, wo es üblich ist, dass
Hunde miteinander spielen.

Ja, das stimmt, das wurde dort häufig gemacht.

Bis zum heutigen Zeitpunkt hat euer Hund vermutlich zig Mal
die Erfahrung gemacht, dass er nicht kommen braucht, wenn ihr
ruft.

Na ja, es ist nicht so, dass er gar nicht darauf hört. Normalerweise rennt er erst auf einen anderen Hund zu, aber wenn man ihn laut und streng zurückruft, dreht er kurz vor dem Hund um und rennt zurück. Aber das klappt eben noch nicht zu 100%, gestern ist er trotz Rufen zu dem anderen Hund gerannt, hat ihn beschnuppert und ist erst dann zurückgekehrt, und das soll ja eigentlich nicht so sein.

Wenn er außerdem noch irgendwo den Ball oder das Stöckchen sieht oder es im Maul hat, hört er viiiieeel schlechter als wenn es diese Ablenkung nicht gibt. Er soll ja auch nicht nur einfach zurückkommen, sondern sich vor das Herrchen setzen. Das tut er ohne Ablenkung gut bis sehr gut, aber mit Ablenkung… na ja, wir bestehen schon noch jedes Mal darauf, dass er letztlich das Kommando ausführt, aber besser wird das mit der Zeit unter Ablenkung nicht.

Wenn ihr eine Chance haben wollt, das zuminderst
einigermaßen in den Griff zu kriegen, müsst ihr das Herkommen
komplett neu aufbauen. Das geht nur über eine lange Leine, an
der Monsieur postwendend eingeholt werden kann, wenn er den
Ruf ignoriert.

Wie gesagt, komplett ignorieren tut er den Ruf ja nicht…

Grüße

Anja

Hallo Semiramis

Danke für deine ausführliche Antwort.

Auch beim Hund gilt halt ‚Übung macht den Meister‘. Nur durch
häufiges, freundlich und tiergerecht aufgebautes Üben werdet
ihr dem Hund klar machen können, was ihr möchtet. Woher soll
er denn sonst wissen, was ihr von ihm möchtet?

Ich habe den Eindruck, er weiß schon noch, was wir von ihm wollen, hat aber keine Lust, das auszuführen…

So wie Du das ‚Problem‘ beschreibst, geht es um mehr als
Fuss-laufen. Es geht ganz grundsätzlich um das Leinelaufen.

Ja, du hast Recht, in erster Linie geht es uns um die Leinenführigkeit, denn die würde den Alltag mit dem Hund viel einfacher machen.

Der Trick beim Leinelaufen ist die Aufmerksamkeit. Ist der
Hund interessiert daran, was sein Mensch so tut, blickt er
automatisch immer mal wieder zum anderen Ende der Leine. Hat
derjenige, der da hängt aber ein Spannungspotential von minus
3 in den Augen des Hundes, dann tut man besser daran, sich der
Umwelt zu widmen. Der Hund muss also lernen, dass er nur mit
mir ans Ziel kommt. Möchte er schnüffeln? Erst nachdem er den
Blick zu mir gewandt hat. Möchte er hier- oder dorthin? Klar,
aber erst soll er mich ansehen. Möchte er loslaufen? Ok,
aber…

Das macht Sinn. Aber wenn ich ihn doch an der Leine führe und seine Bewegungsfreiheit also einschränke, wie soll er dann loslaufen können?

Für den Menschen bedeutet das viel, viel Geduld und
Konsequenz. Konsequenz bedeutet hier, dass er JEDES MAL wenn
die Leine auch nur ansatzweise zu spannen beginnt,
stehenbleibt.

Dann würden wir keinen Schritt vorwärtskommen.

Man darf dem Hund auch ruhig helfen, indem man
ihn dazu animiert, ein oder zwei Schritte zurückzukommen.

Wodurch?

Ich würde mir auch einen anderen Befehl als ‚Fuss‘ suchen. Das
englische ‚heel‘ zum Beispiel klingt nicht so militärisch und
ist auch nicht so vorbelastet.

Der Hund lernt die Kommandos eh auf Russisch, insofern ist der Wortlaut anders, ich hab’s nur jetzt der Einfachheit halber als das typischerweise verwendete deutsche Kommando hier angegeben.

Die meisten Hunde sinken in
sich zusammen, wenn sie ‚Fuss‘ an die Ohren geschmissen
bekommen - Deiner auch?

Nein, das nicht, er hört nur einfach nicht darauf.

Klar, sobald die Leckerlis weg sind, bist Du nicht mehr
interessant. Einen Hund besticht man nicht mit Leckerlis,
indem man sie ihm ständig vor die Schnauze hält, sondern
zuerst wird die gewünschte Leistung erbracht und dann gibts
(vielleicht) einen Keks.

Ok, das macht Sinn. Wie gesagt, in der Hundeschule wurde das halt so gemacht, dass das Leckerli ständig vor der Schnauze gehalten wurde, aber ich habe den Eindruck, dass der Hund dann keinen Zusammenhang sieht zwischen dem Laufen in einer bestimmten Position und diesem Leckerli, weil er sich nur noch auf das Fressen konzentriert.

Wir ziehen ihn mit
Kraft zurück und loben, wenn er wenigstens ein paar Schritte
neben der Person läuft.

Wunderbar. Ich bin sicher, die Halswirbelsäule Deines Hundes
weiss das sehr zu schätzen - und Euer Geldbeutel dann auch,
wenn die Operation ansteht.

Ok, guter Hinweis, danke, das war uns nicht klar. Aber der Sarkasmus muss nicht sein.

Der Schlüssel zum Leinelaufen führt über
das Interesse des Hundes - er soll Euch ansehen. Bestätigt ihn
immer dann (mit Leckerli, wenn ihr sowieso schon damit
arbeitet) wenn er Euch anschaut.

Welche anderen Bestätigungen kann man denn verwenden außer Leckerli und Lob? Gibt es da weitere Möglichkeiten zur Abwechslung?

Zückt den Keks aber erst,
WENN der Hund Euch anschaut, vorher ist Bestechung, nachher
ist zu spät.

Ok.

Auch für Tipps dafür, wie man den Gehorsam beim
„Komm“-Kommando verbessern kann, sind sehr willkommen.

‚Komm‘ ist die allerschwierigste Übung, aber auch die Basis
jeder Hundeerziehung. Nochmal: Du musst interessant sein für
Deinen Hund. Wenn Du interessanter bist, als alles andere um
Dich herum, dann wird er kommen. Jederzeit. Es liegt an Dir,
herauszufinden, was Dein Hund mag. Ach ja: bestechen
funktioniert auch hier nicht. Spielzeug/Futter/Belohnung wird
erst gezückt, wenn der Hund bei Dir ist. Nicht vorher, nicht
nachher.

Ok, wieder ein guter Punkt. Häufig wird das Leckerli nämlich vorher schon herausgeholt, weil das auch in der Hundeschule so gehandhabt wurde.

Belohne nicht jedes Mal, wenn Dein Hund kommt, aber
oft. Rufe ihn, wie Dir hier auch schon geraten wurde, öfters
‚grundlos‘ ab. Biete ihm etwas, er wartet nur darauf!

Als Belohnungsmöglichkeiten gibt es Leckerlis, Lob und Spielen? Mit dem Spielzeug hab ich noch so ein bisschen meine Probleme, denn er gibt das nicht gern ab. Also er gibt es mir problemlos auf Kommando, wenn er eh schon da ist und ich die Hand vor das Spielzeug halte (aber nicht ziehe oder so!). Wenn er spielen will, legt er es mir vor die Füße. Aber das macht er eben dann, wenn er es will. Empfindet er es als Belohnung, wenn ich ihn heranrufe, ihm den Ball mit dem Befehl abnehme und ihn dann werfe? Oder empfindet er es stattdessen als Strafe, weil ich ihm ja quasi den Ball wegnehme?

Grüße

Anja

Hallo atrox

Danke auch für deine Antwort.

Wir versuchen an solchen Tagen so ranzugehen,
dass wir sofort stehen bleiben, wenn sie zu weit läuft. Sie
muss dann zurück an die Seite und absitzen…erst dann geht es
weiter. Das bedeutet dann aber gerne mal, dass man kaum einen
Schritt weit kommt und schon wieder stehen muss.

Das ist halt in der Praxis nicht immer so umsetzbar, denn der Hund soll ja auch noch irgendwohin laufen und irgendwo dann auch spielen können, aber wenn wir nicht vorwärts kommen, dann stehen wir halt nur vor der Haustür rum…

Wir haben da versucht so
dran zu gehen, dass das „Komm“ nichts schlimmes ist…also zB
nicht nur benutzen wenn man sie Anleinen muss etc, sondern
gerne und häufiger mal zwischendurch und den Hund dann direkt
weiter laufen lassen. Am Anfang wars dann so, dass sie bei 6-7
mal „Komm“ zwischendrin im Gassigang, dann eben 5-6 mal direkt
wieder losrennen durfte und nur das eine mal kam sie an die
Leine.

Ok, guter Hinweis, vielleicht machen wir das draußen wirklich zu selten „ohne Grund“.

Wir gehen dann quer übers Feld ohne Leine. Bei uns gibt es

Wichtig empfand ich es auch, nicht xmal erfolglos das Komando
zu brüllen. Ich rief einmal, vielleicht noch ein zweites Mal,
dann ist die Chance verspielt.

Ist es dann aber nicht inkonsequent, nicht mehr auf der Ausführung zu beharren?

Ich weiß ja nicht wie weit ihr mit dem „Komm“ seid. Wenn ihr
noch sehr am Anfang steckt, kann man ein auf dich zubewegen
auch meistens ganz gut provozieren, indem man sich
gleichzeitig umdreht und ein stück weg geht. Viele Hund laufen
dann ihrem Halter hinterher bzw also auf ihn zu…also genau
der erste Ansatzpunkt, mit dem ich bei dem vermieterhund
angesetzt habe.

Er kennt das Kommando, und zu Hause führt er das super aus. Draußen ohne Ablenkung auch, aber dann muss der Ball bzw. der Stock in der Tüte sein. :smile: Bei anderen Hunden dreht er meist kurz davor wieder um und rennt zurück, aber das klappt an manchen Tagen besser und an anderen schlechter.

Wie habt ihr es denn bisher probiert?

Viel mit Leckerlis und immer darauf bestanden, dass er letztendlich wirklich vor dem Herrchen/Frauchen sitzt.

Viele Grüße

Anja

Hallo Anja,

Manchmal wird auch ein Kreis um sich herum eingebaut, damit der Hund da auch mitläuft und die Leine lockert.

Wir meinen schon das Gleiche. Das was du beschreibst, ist die Vorstufe. Irgendwann rennt der Hund von alleine rum - leinenführiger wird er dadurch nicht.

Na ja, es ist nicht so, dass er gar nicht darauf hört.Normalerweise rennt er erst auf einen anderen Hund zu, aber wenn man ihn laut und streng zurückruft, dreht er kurz vor dem Hund um und rennt zurück. Aber das klappt eben noch nicht zu 100%, gestern ist er trotz Rufen zu dem anderen Hund gerannt,hat ihn beschnuppert und ist erst dann zurückgekehrt

Deine Denkweise stimmt nicht: Es ist nicht so, dass der Hund im Moment nur noch nicht sofort kommt, das aber noch lernen wird. Im Augenblick ist es so, dass der Hund noch einigermaßen folgt, aber in Zukunft zunehmend langsamer kommen wird. Je öfter er merkt, dass nichts passiert, wenn er nur verzögert kommt, desto mehr wird er nach und nach ausprobieren, was da noch so an Spielraum ist. Wenn du nicht dagegen steuerst, wird er irgendwann gar nicht mehr kommen. Wie ich schon schrieb: Er ist in der Pubertät - und da testen sogar sehr gehorsame Hunde meist auf Teufel komm’ raus. Bei einem Briard wird diese Phase etwa bis zum 3.Lebensjahr anhalten.

Wenn er außerdem noch irgendwo den Ball oder das Stöckchen sieht oder es im Maul hat, hört er viiiieeel schlechter…

Das liegt daran, dass dein Hund das Spiel bestimmt. Er legt dir den Ball hin und wartet drauf, dass du reagierst. Logischerweise spielt er dann auch so lange weiter, wie er Lust dazu hat - egal, ob du ihn rufst. Das Ganze muss andersrum laufen: Du bestimmst, wann ein Spiel beginnt und wann es endet.

Er soll ja auch nicht nur einfach zurückkommen, sondern sich vor das Herrchen setzen.

Das Problem bei dieser Abfolge ist, dass der Hund erst gelobt wird, wenn er sitzt. Das Herankommen selbst wird vermutlich nicht nur nicht gelobt, sondern der Hund kriegt auch noch Stress, weil er sich nicht auf seinen Popo begeben hat. Mein Tipp wäre, auf das „Sitz“ zu verzichten und den Hund lieber fürs Kommen loben, das ist viel wichtiger. Das Sitzen ist eigentlich überflüssig. Falls du es mal für eine Prüfung brauchst, musst du es eh neu aufbauen, weil der Hund jetzt ohnehin nicht korrekt genug vorsitzen wird.

Wie gesagt, komplett ignorieren tut er den Ruf ja nicht…

Wie gesagt: Noch nicht :smile: . Ich traue mich aber wetten, dass das nur eine Frage der Zeit ist, wenn ihr nichts dagegen macht.

Schöne Grüße,
Jule, auch mit Briard (und Deutsch Kurzhaar und Jagdterrier und Südrussischem Owtscharka)

Hallo Anja

Auch beim Hund gilt halt ‚Übung macht den Meister‘. Nur durch
häufiges, freundlich und tiergerecht aufgebautes Üben werdet
ihr dem Hund klar machen können, was ihr möchtet. Woher soll
er denn sonst wissen, was ihr von ihm möchtet?

Ich habe den Eindruck, er weiß schon noch, was wir von ihm
wollen, hat aber keine Lust, das auszuführen…

Da wäre ich mir nicht so sicher. ‚Lust‘ ist ein schwieriger Begriff in diesem Zusammenhang, da der Hund mit dem Befehl ‚Fuss‘ ja Leinenrucken und weiter Unangenehmes verbindet.

Ganz grundsätzlich: Jeder Hund ist ein Opportunist (wie glaube ich Jule schon treffend geschrieben hat). Das heisst, er tut immer nur gerade das, was sich für ihn am meisten lohnt und das, was ihm in dem Moment am angehmsten, schönsten und vielversprechendsten dünkt.

Das macht Sinn. Aber wenn ich ihn doch an der Leine führe und
seine Bewegungsfreiheit also einschränke, wie soll er dann
loslaufen können?

Diese Frage verstehe ich nicht genau. Du sollst ihn ja nicht an allzu kurzer Leine halten. Ganz im Gegenteil. Halte die Leine am äussersten Ende und gib ihm diese ganze Freiheit. Nur so wirst Du das, was ich vorgeschlagen habe, überhaupt umsetzen können. Erst später, wenn Dein Hund begriffen hat, dass die Leine nie auch nur ansatzweise straff sein darf, kannst Du die Leine kürzer halten.

Für den Menschen bedeutet das viel, viel Geduld und
Konsequenz. Konsequenz bedeutet hier, dass er JEDES MAL wenn
die Leine auch nur ansatzweise zu spannen beginnt,
stehenbleibt.

Dann würden wir keinen Schritt vorwärtskommen.

Jeder Trainingserfolg lebt und stirbt mit der Motivation des Trainers und des Trainierten. Wenn Du, die dieses Ziel erreichen möchtest, schon zweifelst, wird es tatsächlich nie funktionieren. Deine Motivation kann sich aber auf den Hund übertragen. Wenn Du umdenkst und beginnst, Leinelaufen zu einem Spiel und einem tollen Erlebnis für Euch beide zu machen und zusätzlich genug Geduld und Konsequenz aufbringst, wird es auch gelingen.

Man darf dem Hund auch ruhig helfen, indem man
ihn dazu animiert, ein oder zwei Schritte zurückzukommen.

Wodurch?

Worten (mit süsser, hoher, einladender Stimme „zurüüüück“, „looocker“, „eeeaaasy“ oder irgend so etwas), aufs Bein Klopfen, einige Schritte rückwärts gehen - probiers aus! Du sollst mit Deinem Hund interagieren - finde heraus, was funktioniert und was nicht.

Der Hund lernt die Kommandos eh auf Russisch, insofern ist der
Wortlaut anders, ich hab’s nur jetzt der Einfachheit halber
als das typischerweise verwendete deutsche Kommando hier
angegeben.

Die Sprache spielt keine Rolle. Wenn mein Hund das Wort ‚Fussball‘ mit einem negativen Erlebnis verknüpft hat, ist es umso schwieriger, eine Übung zu trainieren, die ich dann mit diesem Kommando abrufen möchte. Egal ob die Übung angenehm für den Hund ist oder nicht, mit dem Kommando wird er immer etwas Unangenehmes verbinden. Ein neues Kommando ist ein Neuanfang.

Ok, das macht Sinn. Wie gesagt, in der Hundeschule wurde das
halt so gemacht, dass das Leckerli ständig vor der Schnauze
gehalten wurde, aber ich habe den Eindruck, dass der Hund dann
keinen Zusammenhang sieht zwischen dem Laufen in einer
bestimmten Position und diesem Leckerli, weil er sich nur noch
auf das Fressen konzentriert.

Das ist eine völlig richtige Schlussfolgerung. So wird der Hund nie lernen, wo er zu gehen hat. Er konzentriert sich ja nur auf Deine Hand. Ist die weg, tut er halt, was er für richtig hält.

Der Schlüssel zum Leinelaufen führt über
das Interesse des Hundes - er soll Euch ansehen. Bestätigt ihn
immer dann (mit Leckerli, wenn ihr sowieso schon damit
arbeitet) wenn er Euch anschaut.

Welche anderen Bestätigungen kann man denn verwenden außer
Leckerli und Lob? Gibt es da weitere Möglichkeiten zur
Abwechslung?

Ja - aber jeder Hund ist verschieden. Je abwechslungsreicher die Belohnung, desto spannender das Training. Es liegt wieder an Dir herauszufinden, was Dein Hund als Belohnung empfindet. Probiers einfach aus. Streicheln (meistens angenehmer für den Menschen als der Hund), mit der Stimme loben, Leckerli, ein Balgspiel zwischen Hund und Mensch, ein Rennspiel zwischen Hund und Mensch, den Hund einfach laufen lassen, mit Bällchen spielen, usw. usf.

Als Belohnungsmöglichkeiten gibt es Leckerlis, Lob und
Spielen?

Als Belohnungsmöglichkeiten gibt es alles das, was Dein Hund (nicht Du!) als Belohnung empfindet.

Mit dem Spielzeug hab ich noch so ein bisschen meine
Probleme, denn er gibt das nicht gern ab.

Bällchen werfen ist nicht spielen mit dem Hund, sondern meist eine Apportierübung und schon gar keine Belohnung. Spielen wäre es, wenn Du mit ihm um den Ball ‚kämpfst‘. Dafür braucht es aber viel Feingefühl dafür, wo Deine und wo seine Grenzen dabei sind.

Also er gibt es mir
problemlos auf Kommando, wenn er eh schon da ist und ich die
Hand vor das Spielzeug halte (aber nicht ziehe oder so!). Wenn
er spielen will, legt er es mir vor die Füße. Aber das macht
er eben dann, wenn er es will.

Klar, ER spielt mit DIR, nicht Du mit ihm. Zückst Du nun aber einen zweiten Ball und zeigst ihm den, wird er denjenigen, den er hat, plötzlich eher uninteressant finden. Merke: das Gras ist (fast) immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Auch bei Hunden.

Empfindet er es als Belohnung,
wenn ich ihn heranrufe, ihm den Ball mit dem Befehl abnehme
und ihn dann werfe?

Das Werfen ja, das Heranrufen, das Bringen, das ‚Aus‘-Geben hingegen nicht. Das ist eine Gehorsamsübung.

Gruss,

S.

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Hallo Semiramis

Das macht Sinn. Aber wenn ich ihn doch an der Leine führe und
seine Bewegungsfreiheit also einschränke, wie soll er dann
loslaufen können?

Diese Frage verstehe ich nicht genau. Du sollst ihn ja nicht
an allzu kurzer Leine halten. Ganz im Gegenteil. Halte die
Leine am äussersten Ende und gib ihm diese ganze Freiheit. Nur
so wirst Du das, was ich vorgeschlagen habe, überhaupt
umsetzen können. Erst später, wenn Dein Hund begriffen hat,
dass die Leine nie auch nur ansatzweise straff sein darf,
kannst Du die Leine kürzer halten.

Ok, die Leine, die wir momentan verwenden, ist nicht sehr lang, vielleicht erschwert es das Ganze. Wir werden es mit einer längeren Leine versuchen, dann klappt das Üben hoffentlich besser.

Wenn Du umdenkst und beginnst, Leinelaufen zu
einem Spiel und einem tollen Erlebnis für Euch beide zu machen

Das ist gar nicht so einfach. :smile: Du hast schon Recht, das ist momentan eher ein Kampf als ein Spiel, das nimmt dem Hund sicher auch die Motivation. So habe ich das noch nicht gesehen.

Ein neues Kommando ist ein Neuanfang.

Ok, gute Idee.

Mit dem Spielzeug hab ich noch so ein bisschen meine
Probleme, denn er gibt das nicht gern ab.

Bällchen werfen ist nicht spielen mit dem Hund, sondern meist
eine Apportierübung und schon gar keine Belohnung.

Es macht ihm aber viel Spaß! Warum sollte das also keine Belohnung und kein Spiel sein?

Also er gibt es mir
problemlos auf Kommando, wenn er eh schon da ist und ich die
Hand vor das Spielzeug halte (aber nicht ziehe oder so!). Wenn
er spielen will, legt er es mir vor die Füße. Aber das macht
er eben dann, wenn er es will.

Klar, ER spielt mit DIR, nicht Du mit ihm. Zückst Du nun aber
einen zweiten Ball und zeigst ihm den, wird er denjenigen, den
er hat, plötzlich eher uninteressant finden. Merke: das Gras
ist (fast) immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Auch
bei Hunden.

Stimmt, danke.

Empfindet er es als Belohnung,
wenn ich ihn heranrufe, ihm den Ball mit dem Befehl abnehme
und ihn dann werfe?

Das Werfen ja, das Heranrufen, das Bringen, das ‚Aus‘-Geben
hingegen nicht. Das ist eine Gehorsamsübung.

Was ich meine ist: kann ich mit dem Werfen das Kommen belohnen, wenn noch das „Aus“-Kommando dazwischengeschaltet ist? Eher nicht, oder? Dann eher stattdessen ein anderes Spiel einbauen oder ein zweites Spielzeug einsetzen?

Viele Grüße

Anja

Hallo Jule

Manchmal wird auch ein Kreis um sich herum eingebaut, damit der Hund da auch mitläuft und die Leine lockert.

Wir meinen schon das Gleiche. Das was du beschreibst, ist die
Vorstufe. Irgendwann rennt der Hund von alleine rum -
leinenführiger wird er dadurch nicht.

Ok, dass es dazu führen kann, war mir nicht klar. Das Umkreisen war wieder eine Empfehlung der Trainerin in der Hundeschule.

Deine Denkweise stimmt nicht: Es ist nicht so, dass der Hund
im Moment nur noch nicht sofort kommt, das aber noch lernen
wird. Im Augenblick ist es so, dass der Hund noch einigermaßen
folgt, aber in Zukunft zunehmend langsamer kommen wird. Je
öfter er merkt, dass nichts passiert, wenn er nur verzögert
kommt, desto mehr wird er nach und nach ausprobieren, was da
noch so an Spielraum ist. Wenn du nicht dagegen steuerst, wird
er irgendwann gar nicht mehr kommen. Wie ich schon schrieb: Er
ist in der Pubertät - und da testen sogar sehr gehorsame Hunde
meist auf Teufel komm’ raus. Bei einem Briard wird diese Phase
etwa bis zum 3.Lebensjahr anhalten.

Was machst du denn z.B., wenn dein Hund einmal nicht hört und nicht aufs Zurufen kommt? Nimmst du ihn ab da wieder wochenlang an die Leine, damit du ihn kontrollieren kannst oder welche Konsequenzen „blühen“ dem Hund in dem Moment, in dem er (unangeleint) nicht hört? Vor der Pubertät ist unser Hund nämlich aufs Zurufen immer zurückgekommen, aber jetzt funktioniert das halt nicht mehr so gut. Ist das Üben an der langen Leine die einzige Möglichkeit, sodass der Hund in den nächsten Wochen gar nicht mehr von der Leine darf?

Wenn er außerdem noch irgendwo den Ball oder das Stöckchen sieht oder es im Maul hat, hört er viiiieeel schlechter…

Das liegt daran, dass dein Hund das Spiel bestimmt. Er legt
dir den Ball hin und wartet drauf, dass du reagierst.
Logischerweise spielt er dann auch so lange weiter, wie er
Lust dazu hat - egal, ob du ihn rufst. Das Ganze muss
andersrum laufen: Du bestimmst, wann ein Spiel beginnt und
wann es endet.

Ja, das macht Sinn.

Er soll ja auch nicht nur einfach zurückkommen, sondern sich vor das Herrchen setzen.

Das Problem bei dieser Abfolge ist, dass der Hund erst gelobt
wird, wenn er sitzt. Das Herankommen selbst wird vermutlich
nicht nur nicht gelobt, sondern der Hund kriegt auch noch
Stress, weil er sich nicht auf seinen Popo begeben hat.

Stimmt, das Lob gibt es erst nach dem richtigen Hinsetzen.

Mein
Tipp wäre, auf das „Sitz“ zu verzichten und den Hund lieber
fürs Kommen loben, das ist viel wichtiger. Das Sitzen ist
eigentlich überflüssig. Falls du es mal für eine Prüfung
brauchst, musst du es eh neu aufbauen, weil der Hund jetzt
ohnehin nicht korrekt genug vorsitzen wird.

Nee, Prüfungen stehen uns keine bevor, es geht nur um praktische Aspekte. Die Idee, schon fürs Kommen zu loben, klingt gut.

Viele Grüße

Anja

Aus den bisherigen Antworten ist klar, dass wir einiges ändern müssen daran, wie wir die Spaziergänge mit dem Hund gestalten. Könnt ihr vielleicht einen guten Hundetrainer in (Ost-)Berlin empfehlen? Ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn sich ein Experte mit eigenen Augen anschauen würde, wie es jetzt läuft und uns ganz konkrete Tipps vor Ort geben könnte, was wir wie ändern sollten und wie wir weiterüben.

Hallo nochmal,

Das ist halt in der Praxis nicht immer so umsetzbar, denn der
Hund soll ja auch noch irgendwohin laufen und irgendwo dann
auch spielen können, aber wenn wir nicht vorwärts kommen, dann
stehen wir halt nur vor der Haustür rum…

Ja, aber wenn ihr das mal zwei Tage so durchgezogen habt, wird der Hund da auch keinen Bock mehr drauf haben. Hier ist halt wirklich die Konzequenz das Schlüsselwort… das heißt nicht, dass man Wochenlang nicht mehr voran kommt, sonder ich möchte Wetten, nach einem Wochenende ohne Ausnahme, klappt das schon viel besser… da müsste man dann als Halter sich natürlich mal die Zeit und Muse nehmen.

Ist es dann aber nicht inkonsequent, nicht mehr auf der
Ausführung zu beharren?

Man kann halt über verschiedene Wege zum Ziel kommen. Ein guter ist der Weg der Schleppleine. Dann könnt ihr in ranzitieren, wenn er nach dem ersten Ruf nicht kommt, euch quasi durchsetzen und konzequent sein.
Wir haben uns aber gegen die Schlepp entschieden (ich persönlich finde sie ziemlich unhandlich, und bei unserem letzten Hund haben wir es auch ohne gut mit unserer Variante hinbekommen, bevor wir was von einer Schlepp gehört haben… dieses Mittel heben wir uns auf, wenn es wirklich mal nötig werden sollte :wink:). Wir haben (wenn es denn sein musste) den Umstand ausgenutzt, dass die meisten Hunde Ignoranz als die größte Strafe empfinden. Wie gesagt, es wird einmal oder maximal zweimal gerufen, sonst wars das. Dann wird sich umgedreht und man geht weg. In der Regel kommt der Hund dann hinterher (dafür sollte klarerweise schon eine Gewisse Mensch-Hund-Bindung gegeben sein)… das wird wie selbstverständlich hingenommen (ich muss aber dazu sagen, dass bei uns die Grundlage existierte, dass wir unserem Hund Aufmerksamkeit uns gegenüber beigebracht haben beim Gassigehen, indem wir am Anfang immer mal spontane unangekündige Richtungswechsel beim gassigehen gemacht haben… also sie schaut auch, wo wir sind… damals wurde sie mündlich gelobt, wenn sie wieder zu uns kam) Ein paar Minuten später probiert man das „Komm“ wieder. Dann wurde dann eben je nach Stand des Hundes ein jeweiliger Fortschritt belohnt (wie gesagt, bei dem Hund von meinen Vermietern war das am Beginn schon, wenn sie nur ein paar Schritte auf mich zukam). Der Anspruch wird dann jeweils wie beschrieben gesteigert. Erstmal muss der Hund kapieren, dass „Komm“ was Gutes ist, das „Komm“ quasi erst mal für den Hund bedeutet „Hey, ich hab hier war tolles für dich“. Und wie jemand über mir richtigerweise betonte: nicht das Sitz belohnen (also kommen lassen und dann womöglich noch ewig den Hund zum sitzen bewegen und dann belohnen). Das Sitz kann man dann später noch ohne Probleme verknüpfen, wenn das Komm erst mal souverän klappt.

Die Sache ist halt, dass ein Hund anders denkt als du. Wenn du ihn 9 mal rufst und dich dann beim 10. mal endlich durchsetzen konntest, mag das für dich ein Teilerfolg sein, für den Hund bedeutet das nur: Ach, bei 9 von 10 Rufen passiert eh nichts schlimmes. Beim 10. mal passt es ihm vielleicht in den kram und er kommt tatsächlich. Dann weiß er einfach nur: Ich brauche nur kommen, wenn es mir auch gerade passt.
Wenn du ihn vielleicht noch bestrafst, wenn er dann endlich kommt, weiß er nicht, dass du das tust, weil er 9 mal nicht gekommen ist, sondern fragt sich, was er nun falsch gemacht hast. Wenn er aber nicht von selbst gekommen ist, sondern du ihn quasi holen musstest meint er vielleicht, er braucht eh nicht kommen, du kommst dann schon usw…
Also ungezählte Male Rufen, bis er endlich kommt ist kein Zeichen von Konzequenz in den Augen eines Hundes!
Die Konzequenz musst du ziehen, wenn er bei den ersten rufen nicht kommt… also entweder dann über schlepp, oder mal so wie wir versuchen… (gibt vielleicht auch noch andere wege).

Wichtig ist auch: Das Kommando eben erst mal ohne Ablenkung festigen, und dann das Ablenkungslevel langsam erhöhen (bevor unsere auch bei anderen Hunden kam, haben wir es mit dem Ball versucht…auf Ballwurfspiele war sie ganz heiß… das Ziel war dann, sie im Hinter-dem-Ball-herrennen abzurufen… müsst ihr euch mal überlegen, wie ihr für euren Hund dementsprechend das Ablenkungslevel schrittweise erhöhen könnt)

Lieben gruß, guten rutsch
eine Namensvetterin :wink:

Hi,

Versaut wird das zuverlässige Kommen
leider ziemlich oft in Hundeschulen, wo es üblich ist, dass
Hunde miteinander spielen. Die Hunde lernen dabei primär
eines: „Spaß ist da, wo meine Hundekumpels sind, mein Mensch
ist nur Dekoration“. Es gibt sogar Trainer, die behaupten, man
könne einen jungen Hund nicht aus dem Spiel abrufen. Ein guter
Trainer sorgt dafür, dass bereits Welpen im Welpenkurs lernen,
dass der Mensch wichtiger als jeder andere Hund ist.

Sehe ich anders…unsere jetzige Hindin waren auch in der Welpenschule und hat mit anderen Hunden gespielt, kommt aber trotzdem gut. Schwarze Schafe, die es übertreiben gibt es überall, aber persönlich finde ich das Welpenspiel gut und wichtig und würde jeden zukünftigen Hund wieder in die Welpenschule geben und ihn dort spielen lassen. Wenn der kleine den Menschen nicht ernst nimmt, liegt das nicht daran, dass er als Jungtier mit anderen Hunden spielen durfte.

Lieben gruß
Aj

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Hallo Anja,

Für den Menschen bedeutet das viel, viel Geduld und
Konsequenz. Konsequenz bedeutet hier, dass er JEDES MAL wenn
die Leine auch nur ansatzweise zu spannen beginnt,
stehenbleibt.

Dann würden wir keinen Schritt vorwärtskommen.

Dann ist das eben so. Wobei man doch vorwärts kommt, aber eine zeitlang nur langsam. Aber da musst du durch!

Wir haben eine „Gebrauchthündin“ aus dem Tierheim mit 9 übernommen. Sie war leidlich erzogen, aber wohl von einer älteren Dame - so dass durchaus deutlich Spielraum für eigenen Kopf war. Das heißt: Die Grundkommandos waren zwar bekannt, wenn „die Lust“ fehlte, wurden sie aber auch mal kurzfristig vergessen. Dazu gehörte verspätetes Kommen (= verspätet in Bewegung setzen bzw. unterwegs noch mal einen Abstecher machen) und eben auch das Zerren an der Leine.

Wir bekamen von verschiedenen Seiten zu hören, dass das bei einer erwachsenen Hundedame höchst schwierig sei. So schlimm war es nicht. Insgesamt haben wir etwa 3 Monate gebraucht. Eingebettet in eine Rahmenprogramm zu dem dann viel Gehorsamstraining in verschiedenen Varianten und u.a. auch gehörte, dass wir zuerst ins Haus sind und nicht sie (Madame Stolzfuß legte darauf nämlich zunächst gesteigerten Wert)

Zu deinem eigentlichen Wegeproblem aber: Ja. Wir sind konsequent jedes Mal stehen geblieben. Erst dann weiter gegangen, wenn sie wieder etwas zurück gekommen war, so dass keine Spannung auf der Leine war. Ohne Worte, ohne zurück ziehen. Und wirklich konsequent! Das heißt bei jedem Mal rausgehen. Das konnte auch bedeuten, dass wir kaum den ersten Schritt wieder gemacht hatten und sofort wieder stehen bleiben mussten. Es hat mit dieser Konsequenz nur wenige Tage gedauert (1 Woche vielleicht?) und wir konnten schon kurze Gänge ganz ohne Stehenbleiben machen.

Konsequenz heißt nun mal Konsequenz. Du musst dir mal bewusst machen: Weil ihr so halbherzig in den letzten Monaten wart, ist der Hund jetzt so, wie er ist. Wie viel Zeit habt ihr deshalb schon verbaselt. Es wäre effektiver gewesen, schon längst mal konsequent stehen zu bleiben :wink:

LG Petra

Hallo Anja,

Was machst du denn z.B., wenn dein Hund einmal nicht hört und nicht aufs Zurufen kommt? Nimmst du ihn ab da wieder wochenlang an die Leine, damit du ihn kontrollieren kannst

Ja. Jeder erfolgreiche Versuch des Hundes, ein Kommando zu unterlaufen, führt dazu, dass er es wieder tun wird. Es bringt ihm nur Vorteile, also wird es wiederholt. Wenn irgendwas in der Erziehung von Hunden Aussicht auf Erfolg hat, dann die Ausdauer des Hundebesitzers, (für ihn) maximale Konsequenz an den Tag zu legen. Hunde tun das umgekehrt ebenso und sind damit äußerst erfolgreich.

Ist das Üben an der langen Leine die einzige Möglichkeit, sodass der Hund in den nächsten Wochen gar nicht mehr von der Leine darf?

In meinen Augen ja. Andernfalls lernt der Hund jetzt systematisch, dass er eurem Ruf nicht folgen braucht. Und wenn er das einmal gelernt hat, vergisst er es nicht einfach wieder, wenn die Pubertät vorbei ist. Die Pubertät ist keine „Episode“ zwischen Welpendasein und erwachsenem Hund, die man nur aussitzen muss. Der Hund lernt - ebenso wie bisher - in jeder Sekunde seines Daseins dazu. Gleichzeitig festigt er Verhaltensweisen, die erfolgreich sind. Handelt es sich dabei um für den Menschen unerwünschte, ist es schwierig, sie nach der Pubertät wieder loszuwerden. Das hängt auch damit zusammen, dass bestimmte Dinge (wie z.B. das Jagdverhalten) der Reifung unterliegen und erst im Laufe der ersten Lebensjahre voll ausgeprägt werden.

Allerdings unterscheide ich „lange Leine“ und „Schleppleine“. Erstere habe ich in ständig in der Hand, was erziehungstechnisch meiner Meinung nach nur begrenzten Sinn macht, weil der Hund sich nicht frei bewegen kann. Sie ist eine Alternative für Hunde, die z.B. aufgrund ihres nicht zu kontrollierenden Jagdtriebs gar nicht von der Leine dürfen. Die Schleppleine schleift hinterher und ich habe die Chance, mich erst mal an das Ende ranzuarbeiten, bevor ich den Hund rufe. Kommt er nicht, hole ich ihn zügig und undramatisch ran. Ist er bei mir angekommen, wird er gelobt, als sei er völlig freiwillig gekommen. Übrigens gestalte ich das Heranrufen nicht als Entertainmentprogramm. Ich rufe einmal freundlich und setze, wenn der Hund nicht hört, die Leine ein. Während der Annäherung locke ich weder noch verfalle ich in Jubelrufe, weil der Hund sich in meine Richtung bewegt. Gelobt wird er erst, wenn er da ist, sonst erziehe ich ihn möglicherweise dazu, dass er 10 Schritte in meine Richtung rennt und dann wieder abdreht.

Natürlich sind Hunde nicht blöd und wissen, wann sie eine Schleppe dranhaben und wann nicht. Dennoch ist sie für mich ein guter Kompromiss, um zu verhindern, dass sich unerwünschte Verhaltensweisen einschleifen und festigen.

Ich weiß auch, dass viele Hundebesitzer sich schwer damit tun, ihren Hund nicht völlig frei toben zu lassen. Aber: Das Glück eines Hundelebens besteht nicht aus unkontrolliertem Herumtoben mit Artgenossen. Dies führt nach meiner Erfahrung auf Dauer ohnehin zu mehr Problemen als es löst.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo atrox,

aber persönlich finde ich das Welpenspiel gut und wichtig und würde jeden zukünftigen Hund wieder in die Welpenschule geben und ihn dort spielen lassen.

Natürlich brauchen Welpen Kontakte mit Artgenossen, um richtig sozialisiert zu werden. Die Frage, die ich mir stelle ist: Was lernt ein Welpe im Spiel mit anderen Welpen bzw. was lernt er nicht?

Er lernt

  • sämtliche Grundsequenzen des Jagens wie Hetzen, Belauern, Angreifen und Packen und übt diese zu perfektionieren
  • wenn andere Hunde da sind, ist der Mensch unwichtig
  • demzufolge hohe Erwartungsspannung aufzubauen, sobald er Artgenossen erblickt. Diese äußert sich später in schlichtem Ungehorsam oder auch in Leinenaggression.

In einer besonders schlecht geführten Welpengruppe lernt er zudem

  • dass er sich gegen unerwünschte Angriffe durch Keifen, Fauchen und Abschnappen wehren muss
  • dass mehrere Hunde, die auf ihn zulaufen, genau dieses Verhalten auslösen
  • dass der dreistete/ stärkste/ immer mit seinem Verhalten Erfolg hat
  • dass schwächere Welpen beliebig umgerannt, angesprungen und gekniffen werden können.
  • dass er alle Entscheidungen selbst treffen muss, weil sein Mensch ihn alleine lässt.

Er lernt nicht

  • dass sein Bindungspartner der Mensch ist, der unter allen Umständen die wichtigste Rolle in seinem Leben spielt
  • sich korrekt zu unterwerfen. Das lernen Welpen NUR von souveränen Althunden, die darauf bestehen, dass der Welpe sich nicht nur mal eben auf den Rücken schmeißt, sondern da gefälligst solange liegen bleibt, bis er vom Stärkeren die Erlaubnis zum Aufstehen erhält. Später wundern sich dann die Hundebesitzer, dass ihr Hund gebissen wurde, obwohl er sich scheinbar (aber in Wahrheit eben nur welpenhaft angedeutet) unterworfen hatte.
  • frühzeitig Ersatzbeschäftigungen kennen, die das Hetzverhalten nicht unterstützen

Das Ganze wird in Junghundegruppen dann potenziert und perfektioniert. Hier kommt es dann in der Regel zu den ersten heftigeren Auseinandersetzungen, was einen Teil der Hundebesitzer in Angst und Schrecken versetzt (und dazu führt, dass sie künftig panisch jeden Sozialkontakt vermeiden). Der andere Teil (dessen Hund immer Sieger ist) freut sich, wie gut sein Hund das alleine regelt. Dass hier grade ein Macho seine Kerben in den Colt ritzt, übersehen sie. Wenn dieser Hund irgendwann an einen geraten sollte, der ihm überlegen ist, hat er möglicherweise schlechte Karten.

Wieder ein anderer (dessen Hund immer der Verlierer ist) hat ein ungutes Gefühl im Magen, glaubt aber den anderen, die behaupten, das würden die Hunde schon unter sich lösen. Er lebt dann mit einem Hund, der panisch alles abschnappt, was sich ihm auf Schnüffeldistanz nähert.

Deshalb vertrete ich die Auffassung, dass Welpen gutes Sozialverhalten von erfahrenen souveränen Althunden lernen sollten. Sie kriegen dabei alles mit, was sie für den Kontakt zu Artgenossen brauchen. Wenn sie in der Sozialisierungsphase gleichzeitig lernen, dass ihr Mensch das Wichtigste ist, werden sie auch im Spiel mit anderen Hunden (das durchaus ab und zu stattfinden kann und soll) auch kontrollierbar bleiben.

Schöne Grüße,
Jule

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Danke!
Hallo,

danke für diesen Beitrag. Ich finde Deine Sichtweise hochinteressant, allerdings werde ich eine Weile darüber nachdenken bevor ich mir dazu eine abschließende Meinung gebildet habe.

Grundsätzlich finde ich das Deine Aussagen hinsichtlich der Welpenstunden Hand und Fuß haben, ich kann die Logik dahinter gut nachvollziehen. Ich habe es allerdings noch nie aus dieser Richtung betrachtet. Daher Danke und * für diese Denkanregung.

Gruß vom

Dicken MD.

Liebe Jule,

Du weisst, ich schätze Deine Antworten/Artikel wirklich sehr. Und das lange bevor ich wusste, dass Du Hundtrainerin bist. Aber hier bin ich völlig anderer Meinung als Du!

Ich sage mal ganz provokant: Hunde sind wie Kinder. Sie müssen als „Welpen“ Kontakte im Spiel aufbauen. Sie schmeissen mal mit Sand und greinen sich ein wenig an. Sie nehmen sich den Lolli weg und gnappsen in den Schwanz. Und sie werden beim Spiel durch die Spielkameraden und die Eltern/Besitzer nebenbei erzogen.
Sind sie älter, gehen sie zur Schule. Dort balgen sie noch vor der Schule oder in den Pausen ein wenig auf dem Schulhof - oder spielen friedlich zusammmen bis es klingelt. Dann beginnt der Unterricht. Die Junghunde, ähm Kinder, sind mehr oder weniger konzentriert bei der Sache. Doch meist sind sie aufmerksam und lernen. Nach der „Arbeit“ gehts vielleicht noch mit Kumpels auf den Fußballplatz, bevor Frauchen beim späten Spaziergang noch ein wenig Leinenführigkeit übt.
Spielen und Toben, Lernen und Kontakt mit Gleichaltrigen bei Hunden und Kindern eng miteinder verbunden. Niemand würde Kindern verbieten, in den Arbeitspausen miteinander zu spielen und soziale Kontakte zu pflegen, warum sollte man dies bei Hunden tun.
Warum sollten miteinander tobende Hunde das Hetzen und viele andere Unarten lernen???
Mein Hund durfte in der Hundeschule immer vorher und hinterher mit den anderen Hunden spielen. Die Hundeschule war einfach klasse und mein Hund hat eine gute Welpen- und Junghunderziehung genossen.
Noch heute wechseln sich Spiel und Training/Gehorsam bei den täglichen Spaziergängen mit unseren Menschen- und Hundekumpels stetig ab wodurch nie Langeweile aufkommt.

Gruß Inge2

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Hallo Jule!

auch hier bin ich nicht Deiner Meinung! Wenn ein Hund nicht hört, wird ein höchstens 2 mal gerufen. Dann gehe ich hin und schnappe ihn mir und er kommt an die Leine - maximal für die Dauer dieses Ausflugs. Ihn danach wochenlang nur an der Leine zu führen, wird keinen Sinn machen, da der Hund in drei Tagen nicht mehr weiss, warum er an der Leine gehen muss. Er wird dies nicht mehr mit dem Ungehorsam vor drei Tagen in Verbindung bringen!

Freies Herumlaufen und Toben mit Artgenossen bedeutet für einen Hund Lebensqualität, Glück und Zufriedenheit und vor allem Ausgglichenheit. Oder möchtest Du Dein Leben lang an der Hand eines anderen Wesens, welches schleicht wie eine Schnecke und sich null für Sachen interessiert, die nun mal Dein Lebensinhalt sind und Dich immer weiterzieht, wenns am interessantesten ist? Mir tun die Hunde leid, deren Besitzer es versäumt haben, sie zu erziehen und die ihr Leben an der Leine (Flexileine) fristen müssen.

Gruß Inge2

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