Ich fürchte dem Fall, den Du da modellierst, liegt eine GbR
zugrunde.
Es IST eine GbR!
Wie gesagt, möglichst bald eindeutige Verträge
machen.
Darauf wird sich der Partner wohl kaum jetzt noch einlassen, es sei denn, er hätte einen Vorteil davon.
uns beide ein vertraglich festgelegtes Gehalt gezahlt
Das kann eine Möglichkeit sein, wenn die Aufgaben und das Arbeitspensum gleichzeitig im Detail (!)festgeschrieben werden. Sonst gibt es früher oder später hierüber Krach.
Hier liegt wieder mal der klassische Fall vor, den ich nur zu gut
aus meiner Arbeit kenne:
auf vorherige Beratung durch einen Unternehmensberater wird „verzichtet“, denn man kennt sich ja so gut und mag sich und beide wollen das Gleiche und das Beste für das gemeinsame Unternehmen.
Auch über die geeignete Rechtsform wird erst gar nicht nachgedacht.
Blauäugig wird davon ausgegangen, dass beide arbeitsmäßig an einem
Strang ziehen und auch beide „gerecht“ das finanzielle teilen.
In 90 % aller gemeinschaftlichen Gründungen: Pustekuchen.
Und erst, wenn es schon dampft wird Ausschau nach Ratgebern gehalten.
Wie oft habe ich schon von Gründern gehört: „Wir teilen uns die Arbeit, also teilen wir auch den Gewinn“
Und wenn ich dann nachfragte, was denn „Arbeit“ bedeutet und ob nach
Stunden, nach Erfolg oder wonach sonst abgerechnet wird und ob
1 Std. Hof fegen gleich bedeutend ist wie 1 Std. Auftragsverhandlung
geführt oder ob Essen gehen mit einem Geschäftspartner und das gleich
dreimal in der Woche abends auch Arbeit ist.
Und was, wenn der eine 10 Minuten braucht für eine Arbeit und der andere dafür 3 Stunden.
Statt Antworten ein betretenes Schweigen.
Manchmal hörte ich dann: „Ja, wenn man erst so anfängt, das ist ja
Mißtrauen“.
Umgekehrt wirde ein Schuh daraus. Ohne zu klären, was jeder darunter versteht und zu glauben, der andere müsse doch genauso denken ist der beste Weg, die Zeitbombe einzuschalten. Es geht ums Geschäft - nicht um Liebe.
Vorschläge:
Den Partner zu einer GmbH übereden oder durch einen Fachmann (Unternehmensberater, Steuerberater) überreden lassen. Vorteile und finanzielle Gründe für die gmbH gibt es genügend.
Sollte das Geld dafür nicht vorhanden sein: mit der sogenannten
Mini-GmbH starten.
Dann können durch den entsprchenden Vertrag die Weichen neu gestellt werden.
Und/Oder:
Ebenfalls gleich viel entnehmen wie der Partner und -heimlich- sparen.
Wenn es zum Crash kommt (und der wurde schon, glaube ich, eingeleitet)
hast Du wenigstens eine Rücklage für die Gläubiger. Denn ihr haftet beide nach dem Musketierprinzip: „Einer für alle“ und das mit dem
gesamten privaten Vermögen - bis zur letzten Socke - und auch für Schulden, die der andere über das gemeinsame Geschäft macht. Gut, wenn dann noch irgenwo etwas im Sparstrumpf ist.
Was tust Du, wenn Dein Partner sich einen Ferrari als Dienstwagen
kauft und diesen über Kredit finanziert? Oder er kauft eine Eigentums-
wohnung über Kredit und tätigt diesen Kauf im „Firmeninteresse“?
Dritter Vorschlag: Möglicherweise kann das Unternehmen aufgeteilt werden in zwei Unternehmen (jeder für sich) und eine feste gemeinsame
Kooperation vereinbart werden.
Eine Frage an die Rechtsexperten: Wenn es keine Vereinbarungen
gibt, so stehen in einer GbR oder Personengesellschaft mit
zwei Beteiligten ja jedem Gesellschafter 50% des Gewinns zu.
Wenn nun einer mehr entnimmt, als sein Gewinnanteil beträgt,
könnte der wg. Veruntreuung belangt werden?
Ja und Nein. GbR heißt ja gemeinsam, also beiden gehört alles gemeinsam. Es sei denn, es wurde 50:50 vereinbart. Andererseits darf einr den anderen nicht vorsätzlich schädigen. Im einzelnen würden sich Rechtsanwälte über diese neuen Aufträge zur Klärung freuen.
Der Partner wird sich vermutlich immer rausreden. Denn der Gewinn wird am Jahresende ermittelt, die Entnahmen werden früher passieren.
Was, wenn er im Januar einen Riesenbatzen entnimmt und erklärt, man habe ja so gute Aussichten gehabt für den Rest des Jahres?
Was, wenn er die Entnahmen als betrieblich bedingt deklariert
(siehe Ferrari)
Der andere Partner hat zwar eine Forderung gegenüber seinem
(dann wahrscheinlich Ex-) Partner, aber wenn da dann nichts mehr zu holen ist?
Deshalb noch mals dringendst den Rat an alle, die gerade hier mitlesen und planen, sich mit Partnern selbstständig zu machen:
Laßt Euch beraten und schließt detaillierte (!!) Pläne mit genauen
Definitionen. Das zeugt von Unternehmerqualität. Von anderen Typen
besser die Finger lassen und weiterhin Freunde bleiben.
„Vertrag“ kommt von „vertragen“ und darüber kann man
am besten in guter Laune -also vorher- reden. Wenn die ersten grauen Wolken aufziehen wird’s schwieriger.
kasl