Lieber Don,
die ersten beiden Schritte hast du bereits halb getan:
Erster halber Schritt: du hast „gemerkt“, dass du jähzornig bist!
Zweiter halber Schritt: du „musst“ etwas ändern!
Der dritte Schritt ist nun - etwas zu ändern!
Ich habe aus gutem Grunde geschrieben, dass du die ersten Schritte nur „halb“ getan hast.
Hättest du sie „ganz“ getan, dann würdest du WIRKLICH einsehen, dass dein Verhalten (Jähzorn) falsch ist. Und dann hättest du dein „Problem“ anders geschildert.
Du möchtest aber im Moment deinen Jähzorn nur aus Angst „in den Griff“ kriegen.
Aus Angst, deine Frau könnte sich scheiden lassen („Da meine Frau mir inzwischen gesagt hat, daß sie mein Verhalten auf Dauer nicht mehr akzeptieren will…“).
Aus Angst, deine Kinder zu verlieren ("…mache ich mir nun doch Sorgen, wie es weitergehen soll.")
Im Moment rechtfertigst du aber noch dein Verhalten deinen Kindern gegenüber („speziell, wenn sie Dinge tun, von denen sie wissen, daß sie es nicht dürfen, oder Dinge nicht tun (oder falsch tun) die sie tun sollen und auch wissen wie es geht.“).
Damit entschuldigst du dein Verhalten. Irgendwann später siehst du dann ein, dass es nicht richtig war. - Etwas spät einsehen, ohne etwas zu ändern, hilft weder dir noch deinen Kindern. Einsehen UND etwas ändern ist der Weg.
Es geht nicht darum, deine Wut zu „kanalisieren“, wie du schreibst, sondern es geht darum, keine Wut mehr aufzubauen.
Wenn von deiner Zimmerdecke Wasser mitten auf den Boden tropft, was tust du? Legst du eine Drainage zu einer Zimmerecke, damit die Wasserlache nicht mitten im Raum bleibt? Legst du von der Stelle an der Decke, an der es tropft, eine Rohleitung bis zum Fenster und leitest dann das Wasser nach draußen? Ich glaube kaum. Du wirst sicherlich der Sache auf den Grund gehen, weil du vermutest, dass das Wasser ja irgendwo her kommen muss. Und wenn du das Leck gefunden hast, dann wirst du es schließen.
Warum dann die Wut kanalisieren? Warum nicht der Ursache auf den Grund gehen und das „Leck“ stopfen?
Ob du nun jähzornig auf der Arbeit bist oder jähzornig deinen Kindern gegenüber - ist einerlei. Der Grund ist immer derselbe!
Dein Wille ist zu stark! Es soll „alles“ so geschehen wie du es willst. Es soll „alles“ nach deiner Nase gehen. Was du für richtig hältst, so soll es gemacht werden. Wenn du etwas kannst, hast du wenig Verständnis für andere, die das nicht so können wie du.
Zudem fehlt es dir an Geduld! Es soll nach Möglichkeit „alles“ sofort geschehen.
Du kommst selten auf Idee, dass du vielleicht mit deiner Ansicht schief liegen könntest.
Erwachsene vergessen leider allzu oft, dass sie auch mal Kinder waren. Dadurch können sie sich nur schwer in Kinder hineinversetzen.
Stell dir vor, dein Chef ist ein ehemaliger Catcher. Ein Hüne von zwei Metern und 140 kg schwer. Und der brüllt und scheißt dich jedes Mal zusammen, wenn du etwas nicht so gemacht hast, wie ER es wollte. Tag für Tag erfährst du seine Wutausbrüche. Du spürst, wie Angst in dir hochsteigt. Angst von dem unbeherrschten Tyrannen geschlagen zu werden. Vielleicht tut er es nicht. Kannst du dir da sicher sein? Nein! Du möchtest am liebsten gar nicht mehr zur Arbeit gehen. Aber du musst! Du musst dich und deine Familie ernähren. Abends denkst du schon an den nächsten Tag. Du stellst dir wieder vor, wie du abermals angeschnauzt und niedergemacht wirst. Du hast schon abends Angst, am nächsten Tag wieder etwas nicht im Sinne deines Chefs zu machen. Aus dieser Angst heraus bist du am nächsten Tag nicht voll konzentriert - und machst wieder etwas falsch. - Der Kreis hat sich geschlossen. - Wie fühlst du dich dann? Du weißt ganz genau, dass du körperlich Null Chance gegen ihn hast. Was tust du? Wie willst du dich wehren? Wehren musst du dich, sonst gehst du daran zu Grunde. Du könntest kündigen. Hast du aber ein Haus, das du noch abbezahlen musst, und du „glaubst“ du findest so schnell keinen neuen Job, scheidet diese Möglichkeit aus.
Du wirst Hass gegen deinen Chef aufbauen - um deine Wut und erlittene Schmach zu „kanalisieren“.
Was sollen deine Kinder tun? „Kündigen“ können sie nicht. Auch sie haben Angst vor dir. Sie wissen nicht, was du im nächsten Augenblick mit ihnen anstellen wirst. Auch sie müssen sich wehren! Sie haben auch nur eine Möglichkeit sich gegen dich zu wehren: Sie bauen Hass gegen dich auf. Das kann sich in ihrem Wortlaut oder in Gedanken abspielen. Du glaubst gar nicht, wie viele Kinder ihren Eltern den Tod wünschen. Meistens erfahren die Eltern es nicht, weil es in Gedanken geschieht. Sie haben keine andere Wahl! Würden sie es sagen, müssten sie eventuell mit Prügel rechnen. Darum „fressen“ sie es in sich hinein. Sind sie zart besaitet, fangen sie an zu weinen und werden immer ängstlicher, melancholischer und verfallen schließlich in eine Tristesse (Traurigkeit, trübe Stimmung). Sind sie nicht zartbesaitet und versuchen sich zu wehren, dann bauen sie Hass gegen ihren Aggressor auf und reagieren über bei schwächeren Klassenkameraden.
Natürlich weist du, das heutzutage eine gute Schulausbildung wichtiger ist denn je. Aber deine Kinder wissen es nicht!
Du kannst ihnen zig Mal deine Litanei runterpredigen - sie verstehen es noch nicht. Sie haben noch nicht das Bewusstsein dafür. Woher auch? Beschäftigen sich Kinder mit Statistiken über Arbeitslosigkeit? Wissen Kinder was es kostet, die Miete, den Strom und die Versicherungen zu bezahlen? Haben Kinder eine Vorstellung davon, wie viel es kostet eine vierköpfige Familie zu ernähren? Ganz zu schweigen, was es kostet alle zu bekleiden. Wissen sie was es kostet ein Auto zu unterhalten? Anschaffungskosten, Versicherung, Steuer, Sprit, Reparaturen? Sie wissen nur, dass sie mehr Taschengeld „brauchen“. Sie wissen nur was ihre Klassenkameraden mehr haben als sie. Sie können noch nicht „nach unten“ sehen. Sehen, das es auch Kinder gibt, die weniger haben als sie selbst. Das kommt, wenn überhaupt, erst viel viel später.
Denk an deine eigene Kindheit zurück!!! Versetze DICH in die Situation DEINER Kinder. Je mehr Verständnis du für deine Kinder aufbringst, desto liebevoller wirst du mit ihnen umgehen können. Hinzukommt, dass Kinder das Verhalten der Erwachsenen imitieren - insbesondere das Verhalten der Eltern! Du möchtest doch, dass sich deine Kinder später mal mit ihren Problemen an dich wenden, oder nicht? Willst du dann hören: „Der Alte ist doch verkalkt, der rafft doch nichts mehr!“?
Ich denke da an die 4-jährige Tochter eines Kollegen. Soll sie ihr Zimmer „aufräumen“ sagt sie: „Ich habe keine Zeit!“. Was glaubst du, woher hat sie wohl diese Redewendung? Aus dem Kindergarten? Sie hört es sehr oft von ihrem Vater, wenn er nicht von ihr gestört werden will. Bin ich mal zu Besuch bei ihm, holt sie all ihre Spiele raus, die sie neu bekommen hat, zeigt mir ihre „Küche“. Sie zeigt mir, wie sie dann ihrem Stoffhasen das Abendbrot zubereitet, ihn füttert und er dann mit ihr schlafen geht. Dabei benutzt sie dieselben Redewendungen die sie von Mama und Papa täglich um die Ohren geklatscht kriegt. „Iss alles auf, sonst bekommst du keinen Nachtisch!“. „Iss alles auf damit du groß und stark wirst!“. „Das ist gesund!“ usw.
Erwachsene vergessen allzu oft, das Kinder eigenständige Lebewesen sind - und kein Eigentum. Sie haben Gefühle wie du und ich. Ihr Selbstwertgefühl ist zerbrechlich wie Flügel eines Schmetterlings. Einmal angefasst, taugen sie nicht mehr viel zum fliegen.
Wie kannst du was ändern?
In der Silbe „jäh“ liegt vom Ursprung her „Eile, Ungestüm“. Im „Zorn“ liegen die Verben „bitter, grausam, spalten, zerren“.
Damit weißt du ungefähr was das Gefühl „Jähzorn“ ausdrückt.
Es nützt auch nichts, wenn du deine Wut irgendwo im Wald rausbrüllst oder auf einen Baumstamm eindrischst. Oder sonst wo draufhaust. Egal ob es Gegenstände sind oder Lebewesen. Das einzige, was du mit dieser Methode erreichst, ist, das deine Hormone für DIESEN Moment „neutralisiert“ werden! Du „verspürst“ deine Wut für diesen Augenblick nicht mehr! Das Problem ist aber dadurch nicht gelöst. Bei der nächsten ähnlichen Gelegenheit „platzt dir wieder der Kragen!“ Wenn es anders wäre, dann würdest du deine Kinder nur einmal anbrüllen. Eine weitere „beliebte“ Methode ist die Vermeidungstechnik. Aber was willst du im Laufe deines Lebens alles meiden, um nicht mehr wütend zu werden? Damit büßt du deine Lebensqualität ein.
„…speziell, wenn sie Dinge tun, von denen sie wissen, daß sie es nicht dürfen, oder Dinge nicht tun (oder falsch tun) die sie tun sollen und auch wissen wie es geht…“
Fährst du Auto? Wenn ja, hältst du dich IMMER an die Verkehrsvorschriften? Holst du dir immer schön einen Parkschein? Fährst du immer in geschlossenen Ortschaften 50 oder 30 km/h? Hältst du immer an einem Stopschild? Du weißt es - und hältst du dich immer daran? Wenn du dich nicht daran hältst, sollte dich dann ein Polizist anbrüllen und zusammenscheißen?
Wenn du jähzornig deinen Kindern gegenüber wirst, liegt es NICHT daran, dass sie etwas tun, was sie nicht dürfen. Es liegt auch NICHT daran, dass du ihnen schon zig mal etwas gesagt hast, wie sie etwas machen sollen.
Da es dein Gefühl (Jähzorn) ist - liegt es ausschließlich an dir. Du kannst dich auch nicht damit herausreden, dass es DEINE Reaktion auf das Verhalten DEINER Kinder ist. Das ist ein Irrtum! Leider ein sehr verbreiteter Irrtum!
Stell dir vor, du spielst mit jemandem „Mensch ärgere dich nicht“. Er würfelt eine 6, setzt sein Püppchen aber 7 Felder weiter. Dir fällt es auf und du machst ihn darauf aufmerksam und sagst: „Nee, du hast eine 6 gehabt!“. Er entschuldigt sich und korrigiert seinen Zug. Nach ein paar weiteren Würfen, setzt dein Spielpartner sein Püppchen ein Feld zu wenig weiter. Du sagst: „Du hast eine 5 gehabt, aber nur 4 Felder gesetzt!“ Er murmelt etwas vor sich hin und setzt seine Spielfigur ein Feld weiter und du würfelst. Nach ein paar weiteren Würfen setzt er wieder seine Figur auf ein falsches Feld. Nun ist dein Geduldsfaden schon sehr mürbe geworden. Das Falschsetzen wiederholt sich aber. Dann platzt es aus dir heraus: „Mensch, hör’ endlich auf zu fudeln!“
Nun hast du sein Verhalten bewertet!
Was sagt es aus, wenn du von jemandem behauptest, „er fudelt“?
Es sagt aus, dass du GLAUBST, dass der andere VORSÄTZLICH falsch spielt! Du UNTERSTELLST ihm, dass er weiß, dass er z. B. eine 6 gewürfelt hat und trotzdem 5 oder 7 Augen gesetzt hat, weil es für ihn günstiger ist.
Dein Spielpartner kann aber unkonzentriert sein, weil ihn vielleicht persönliche Probleme quälen. Vielleicht hat er gar keine richtige Lust auf das Spiel oder überhaupt keine Lust zu spielen. Er möchte dir viel lieber von seinen Sorgen und Nöten erzählen. Vielleicht kann er nicht sechs Felder visuell abschätzen. Vielleicht verzählt er sich und weiß gar nicht, dass er falsch gesetzt hat. Entschuldigungen lassen sich genug finden.
Jetzt sage bitte nicht: „Ich merke doch ob jemand fudelt oder nicht!“ Darum geht es nicht. Dann spielst du eben mit jemandem, mit dem du noch nie gespielt hast.
Es geht darum wie DU das Verhalten bewertest!
Wenn du von jemandem sagst, dass er „fudelt“, dann UNTERSTELLST du ihm einen Vorsatz, eine Absicht - ohne es genau zu wissen! Es ist von dir anfänglich nur eine reine Vermutung - sonst nichts!
Nun kommt es auf dich an, ob du WILLST, dass dein Partner falsch spielt oder nicht. WILLST du es nicht, dann ärgerst du dich jedes Mal, wenn er sein Püppchen falsch setzt. Je stärker du NICHT WILLST, dass er fudelt - desto mehr ärgerst du dich. Das kann bis zu Handgreiflichkeiten gehen.
Jetzt stell dir vor, dass du deinen Kindern „Mensch ärgere dich nicht“ beibringen möchtest. Sie können es noch nicht. Sie sollen es erst lernen. Auch sie setzen ihre Püppchen falsch. Weil sie vielleicht noch nicht richtig zählen können. Unterstellst du ihnen, dass sie fudeln? Bestimmt nicht!. Selbst wenn sie das Spiel schon beherrschen, und VORSÄTZLICH ihre Figuren mehr oder weniger Augen setzen als sie gewürfelt haben, weil sie dich dann „rausschmeißen“ können, musst du innerlich doch nur schmunzeln und freust dich vielleicht sogar über deine „pfiffigen“ Kinder. Du nimmst es ihnen nicht übel.
In beiden Beispielen haben deine Spielpartner ihre Figuren falsch gesetzt.
Im ersten Beispiel hast du behauptet er „fudelt“. Da WOLLTEST du NICHT betrogen werden.
Im zweiten Beispiel haben deine Partner auch „gefudelt“ und dich „betrogen“ - aber da machte es dir nichts aus! Dir war es egal! Es hat dich vielleicht sogar amüsiert.
Daran siehst du, dass deine Emotion „Ärger“ nur davon abhängig ist, was du WILLST oder was du nicht WILLST!
Hättest du im ersten Beispiel deinem Partner NICHT unterstellt, dass er fudelt, sondern eine Erklärung für sein Verhalten gesucht, dann hätte er noch 10 Mal falsch setzen können - und du hättest dich nicht geärgert! - Du hättest dann irgendwann gesagt: „Ich glaube es ist besser, wenn wir aufhören zu spielen. Mir scheint, du bist heute nicht richtig bei der Sache!“
Genau dasselbe ist es bei deinem Jähzorn.
Du UNTERSTELLST deinen Kindern z. B.:
„Du bist nur zu faul!“
„Das kapierst du nie!“
„Ich habe es dir schon tausend Mal gesagt, wann begreifst du es endlich!“
„Nie sitzt du still!“
„Kannst du nicht endlich mal still sitzen!“
„Nie hörst mir zu!“
„Höre zu, wenn ich dir was sage!“
„Nie machst du deine Hausaufgaben!“
„Nie räumst du dein Zimmer auf!“ usw. usw.
Alles UNTERSTELLUNGNEN und Übertreibungen! - Und alles Unterstellungen, die du nicht WILLST!
Je mehr du deinen Kindern unterstellst, desto mehr ärgerst du dich (vorausgesetzt du willst es nicht so wie du es sagst!).
Wenn du behauptest: „Nie macht ihr eure Hausaufgaben!“, dann willst du ja, dass sie ihre Hausaufgaben machen. Und deine Aussage ist in zweierlei Hinsicht falsch.
- „NIE machst du deine Hausaufgaben!“ Dann dürfte dein Kind nicht ein einziges Mal seine Hausaufgaben gemacht haben. Und das ist sicherlich nicht richtig.
- „Nie MACHST du deine Hausaufgaben!“ Deine Aussage ist in die Zukunft gerichtet. Und das ist der schwerwiegendste Fehler. Du „erwartest“ schon, das dein Kind auch morgen seine Hausaufgaben nicht machen wird. Du prophezeist es! Und je mehr sich diese deine Einstellung/Meinung verfestigt (durch permanentes wiederholen) desto mehr platzt dir der Kragen, wenn es wirklich so kommt, wie du es prophezeit hast.
Selbst wenn dein Kind die letzten Monate nicht ein einziges Mal seine Hausaufgaben gemacht hätte, wäre die Aussage „Nie machst du deine Hausaufgaben!“, falsch. Richtig wäre: „Du hast die LETZTEN Monate deine Hausaufgaben nicht gemacht.“
Wenn du von jemandem sagst: „Er IST durstig!“, dann weißt du ganz genau in deinem „Hinterstübchen“, dass er nicht mehr durstig ist, wenn er etwas getrunken hat. Er ist also nicht dauernd durstig! Das hat dich die Erfahrung gelehrt.
Sagst du aber von jemandem: „Er IST faul!“, dann war er für dich gestern faul, er ist für dich heute faul und er wird auch morgen für dich faul sein. Er wird auch noch in einem Monat für dich faul sein. Du hast es gesagt. Es ist deine Meinung! Deine unumstößliche Einstellung zu diesem Menschen. Logischerweise kannst du nur von dem sprechen was du erlebt hast. Vielleicht hast du diesen Menschen in den vergangenen Jahren als „faul“ erlebt. Das heißt noch lange nicht, dass er auch noch in einem Jahr faul sein wird. Es geht hier nicht um eine vermeintliche Haarspalterei - sondern unser Unterbewusstsein quittiert unsere Unterstellungen mit Ärger, Wut, Jähzorn und Hass! Und das jemand „faul“ ist ebenfalls eine Unterstellung und eine Bewertung! Du kannst nur sagen, dass er etwas NICHT getan hat.
Sagt eine Frau zu dir „du bist faul“, nur weil du den Mülleimer nicht runter gebracht hast? Sie sagt vielleicht: „Schatz, du hast vergessen, den Mülleimer mitzunehmen!“ Oder: „Schatz, du hast wieder vergessen, mein Kleid von der Reinigung abzuholen!“
Es ist bei Gott nicht egal WIE wir WAS sagen! Bei unterschiedlichen Redewendungen bauen wir unterschiedliche Gefühle auf!
Prüfe meine Aussagen an anderen, von dir selbst gewählten Beispielen.
Stelle die Unterschiede fest - und „spüre“ dein Gefühl.
Wenn du auf der Arbeit deine Gefühle „noch“ unter Kontrolle hast, dann prüfe dich selbst. Du wirst deinen Kollegen nicht so viel „unterstellen“ wie deinen Kindern, und wenn doch, dann ist es DIR nicht so wichtig, dass sie SO sind - oder die Angst vor Blamage oder Kündigung halten deine Wut noch in Grenzen.
Das lässt sich NICHT pauschalieren. Jedes „Ereignis“ ist separat zu betrachten.
Bei bestimmten Dingen könntest du auch bei deinen Arbeitskollegen ausrasten. Diese Dinge kommen aber nicht SO OFT vor wie die Dinge, bei denen du bei deinen Kindern wie ein HB-Männchen in die Luft gehst.
Wenn du meine Ratschläge befolgst, brauchst du keine weitere Hilfe. Was du brauchst, ist jemand, der dich immer wieder „in den Hintern tritt“, damit du daran denkst und das umsetzt was ich dir hier geschrieben habe. Wie wäre es mit deiner Frau als Anstupser?
Es ist nicht damit getan, dass du dir das ein, zwei oder dreimal durchliest. Du hast es zu verinnerlichen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute - bis es dir in Fleisch und Blut übergegangen ist. - Jedes Mal, wenn du spürst, dass du dich ärgerst. Finde dann heraus, welche Unterstellung du deinem Gegenüber gemacht hast. Heute, gestern, vor einem Monat oder vor zehn Jahren. Und finde eine plausible „Entschuldigung“ für ihn. - Denn DU willst dich ja nicht mehr ärgern!
Wenn du eine Fremdsprache erlernen willst, dann reicht es auch nicht, dass du einmal in der Woche zum Sprachunterricht gehst, sechs Tage nichts machst und am siebten Tag wieder schön brav in deinem Sprachkurs dem Lehrer lauschst. Du musst üben, Vokabeln pauken, Grammatik lernen, die Aussprache trainieren. Und das am besten täglich.
Liebe Grüße und viel Erfolg beim Umsetzen
Rainer
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