Probleme mit schließendem Komma

Liebe Rechtschreibexperten,

leider bin ich immer wieder unsicher, ob man ein schließendes Komma braucht oder nicht, wenn man keine Nebensätze, sondern nur Wortgruppen, Zusätze, Erklärungen usw. einschiebt. Vielleicht hat ja jemand eine Eselsbrücke für mich oder kann mir die Regeln verständlich erklären?

Es geht um Fälle wie diesen:

„Die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt, besonders aber in den 1990er Jahren [,]??? war ungünstig.“ Muss oder kann da ein Komma hin? Und warum?

Und warum macht man hier, wenn es denn stimmt, kein schließendes Komma:
„Ich liebe nicht Emil, sondern Bruno über alles.“ Das ‚sondern Bruno‘ könnte man doch auch als Einschub verstehen, oder?

Und wenn wir gerade dabei sind:
„Wir lieben uns, und doch können wir nicht zusammen leben.“ Warum kommt da ein Komma (wenn es denn stimmt). Und wie ist es hier:
„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“

Vielleicht weiß jemand Rat, vielen Dank!

VG
Blaubeerwald

„Wir lieben uns, und doch können wir nicht zusammen leben.“ Warum kommt da ein Komma (wenn es denn stimmt). Und wie ist es hier:
„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“

Ist es nicht so, dass nach der Rechtschreibereform Kommma(ta) gesetzt weden können,wie man gerade lustig ist? Was ich allerdings nicht
bergreifen würde,weil die Komma Regeln noch einen Sinn ergaben.

Beim ersten Beispiel hast du zwei Hauptsätze, deshalb komma.
Beim zweiten folgt kein Hauptsatz,deshalb kein Komma .

Bei den Einschüben bin ich mirjetztauch nicht so sicher. Ist eventuell
beides möglich,besonders nach der Reform.

Vielen Dank für die schnelle Antwort, aber ich bin nicht ganz überzeugt :wink:

„Wir lieben uns, und doch können wir nicht zusammen leben.“
Warum kommt da ein Komma (wenn es denn stimmt). Und wie ist es
hier:
„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“

Beim ersten Beispiel hast du zwei Hauptsätze, deshalb komma.
Beim zweiten folgt kein Hauptsatz,deshalb kein Komma .

Zwei Hauptsätze, die mit und verbunden werden, werden nach neuer Rechtschreibung nicht mit Komma getrennt. Daran dürte es also nicht liegen…

Ist es nicht so, dass nach der Rechtschreibereform Kommma(ta)
gesetzt weden können,wie man gerade lustig ist?

Oh nein!

VG
Blaubeerwald

1 „Gefällt mir“

Nach der alten rechtschreiberegelung gab es klare Kommaregeln.
Die gibt es nach der Rechtschreibereform nicht mehr. Inosfern
wirdst du auf die obigen Fragen auch keine klaren Antworten
bekommen.
Das istja das unsinnige, in einigen bestimmten Fällen kann man wählen,
ob man ein Komma setzt oder nicht.
In anderen Fällen ist es so,dass man ein Komma setzen kann, um dem
Satz eine eigene Struktierung zu geben; den Sinn verstehe,wer will.

Zitat:
" 1. Verbundene Hauptsätze

„Zwei mit „und“ oder „oder“ verbundene Hauptsätze werden durch Komma getrennt“: So lautete ein Satz im Deutschunterricht, der vielen noch in Erinnerung ist. Hier soll das Komma künftig grundsätzlich entfallen, wohl weil viele Schreiber es hier schon in der Vergangenheit vergessen haben. Will man hingegen die Gliederung deutlich machen, kann (!) man es nach der neuen Regel auch setzen. Aber: Welcher Schüler wird wohl die Last dieser Entscheidung auf sich nehmen?

Wer einmal etwas über Lesegewohnheiten und -techniken gelernt hat, weiß, daß dabei nicht Buchstaben zu Wörtern und diese zu Sätzen, also Sinngebilden zusammengefügt werden; vielmehr orientiert sich der geübte Leser an vertrauten Buchstabengruppen und Worterscheinungen, um eine möglichst große Lesegeschwindigkeit zu erzielen, und stutzt nur bei Unbekanntem. Fehlt das Komma, so werden die ersten Wörter nach der Konjunktion meist zunächst als Teil des ersten Satzes fehlinterpretiert: der Leser ist gezwungen, den Faden ein paar Wörter früher wieder aufzunehmen. Vergleichen Sie einmal:

* „Wir essen nur morgens und abends trinken wir ein Glas Bier.“
* „Wir besuchen heute Onkel Georg und meine Eltern kommen später.“

Merken Sie etwas? Sie stocken vermutlich an oder ab der sichtbaren Lücke im Satz. Man ordnet nämlich im ersten Beispiel das Zeitadverb („abends“) zunächst dem ersten Hauptsatz zu, und im zweiten Fall wird das Subjekt des zweiten Hauptsatzes („meine Eltern“) zunächst für das Objekt des ersten gehalten. Erst beim zweiten oder dritten Lesen der jeweiligen Zeile versteht man solche Sätze richtig. Daß manche Schreiber das Komma hier schon in der Vergangenheit vergessen haben, liegt nur daran, daß sie selbst (!) die Bedeutung der beiden verbundenen Sätze ja kennen, diese also auch beim Durchlesen auf Anhieb richtig verstehen. Wichtig ist aber weniger, daß der Schreiber seine eigenen Sätze versteht, sondern vielmehr, daß der Leser sie versteht! Warum man in solchen Fällen nun doch wieder ein Komma setzen darf und sollte, das ist einem Schüler eher schwieriger zu erklären als die alte Regel!

Schlimm wird’s, wenn durch fehlende Kommasetzung eine Bedeutungsänderung staatlich verordnet wird. Im folgenden Satz ist völlig unklar, ob der Rock nun gekauft wurde oder nicht (s. Rätselecke):

* Sie kaufte nur den Pulli und den Rock und das Halstuch ließ sie liegen."
Ende Zitat

Nach der alten rechtschreiberegelung gab es klare Kommaregeln.
Die gibt es nach der Rechtschreibereform nicht mehr. Inosfern
wirdst du auf die obigen Fragen auch keine klaren Antworten
bekommen.
Das istja das unsinnige, in einigen bestimmten Fällen kann man
wählen,
ob man ein Komma setzt oder nicht.
In anderen Fällen ist es so,dass man ein Komma setzen kann, um
dem
Satz eine eigene Struktierung zu geben; den Sinn verstehe,wer
will.

Naja, ich finde es ist eine klare Regel, wenn man sagt: In diesem Fall kann ein Komma gesetzt werden, muss aber nicht.

Der Satz „Wir essen morgens Müsli und abends essen wir dann etwas Warmes.“ kommt doch wunderbar ohne Kommas aus, warum sollte man da also eines setzen, den Lesefluss stören, nur weil hier „Wir essen nur morgens und abends trinken wir ein Glas Bier.“ eines erforderlich ist, um die Gliederung deutlich zu machen. Da finde ich eine Kann-Bestimmung äußerst sinnvoll. Wo soll das Problem sein?

Außerdem gab es auch in der alten Rechtschreibung Ermessensspielräume, z. B. ob man ein Semikolon setzt oder ein Komma. Da hat sich auch keiner drüber aufgeregt. Man sollte die Sprache m. M. n. nicht in ein zu enges Korsett zwingen.

VG
Blaubeerwald

1 „Gefällt mir“

Das kommt natütlich allen denen zu gute,die die Regeln nicht lernen oder lernen wollen,bzw. beherrschen oder beherrschen wollen.
Und alle diejenigen,die die Regeln nicht beherrschen oder lernen wollen,
sollen jetzt auch noch durch eigenes Stukturieren mit Komma dem Satz
einen eigenen Sinn geben können?
Wie heißt es so schön:Über Geschmack läßt sich nicht streiten.

Keine Anführungszeichen mehr?
Hallo blaubeerwald,

Zwei Hauptsätze, die mit und verbunden werden, werden nach
neuer Rechtschreibung nicht mit Komma getrennt.

werden nach den neuen Rechtschreibregeln keine Anführungszeichen mehr gesetzt? Dein obiger Satz liest sich nämlich SO:

Zwei Hauptsätze, die mit „und“ verbunden werden, werden nach
neuer Rechtschreibung nicht mit Komma getrennt.

WESENTLICH leichter verständlich. Wäre doch schade um die Anführungszeichen! Ohne diese bleibt einem Dein Satz erstmal quer im „metaphorischen Halse“ stecken.

Bitte um Antwort.

Gruß,
Uwe

Hallo Uwe,

im Eifer des Gefechts habe ich nicht der (neuen wie alten) „leserorientierten“ Rechtschreibung entsprechend geschrieben :smiley:

Ich meinte in der Tat:

Zwei Hauptsätze, die mit „und“ verbunden werden, werden nach
neuer Rechtschreibung nicht mit Komma getrennt.

Doch auch wenn meine eigene Rechtschreibung nicht ohne Fehl und Tadel ist, halte ich die neue Rechtschreibung doch nicht für so schlecht.
Aber hast Du auch eine Antwort für mein Ursprungsproblem?

VG
Blaubeerwald

Hallo Blaubeerwald.

„Die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt, besonders aber in
den 1990er Jahren , war ungünstig.“

Da muss ein Komma hin, weil es ein Einschub ist. Nun kann man sich in manchen Fällen tatsächlich darüber streiten, was ein Einschub ist („Er wusch sich, nach dem Essen, die Hände“ liest sich anders als: „Er wusch sich nach dem Essen die Hände“), aber hier ist es völlig klar. Zuerst sagst Du etwas über „[d]ie wirtschaftliche Entwicklung insgesamt“, dann fügst Du hinzu, dass Du es doch noch genauer weißt. Einschübe lassen sich auch durch Gedankenstriche kennzeichnen, das fällt mitunter leichter: „Die Wirtschaftliche Entwicklung insgesamt – besonders aber in den 1990er Jahren – war ungünstig.“

Und warum macht man hier, wenn es denn stimmt, kein
schließendes Komma:
„Ich liebe nicht Emil, sondern Bruno über alles.“ Das ‚sondern
Bruno‘ könnte man doch auch als Einschub verstehen, oder?

Nein, das wird nicht nachgeliefert, sondern gehört zur eigentlichen Aussage hinzu. Dieses Beispiel fällt unter den Oberbegriff „Aufzählung“: Es werden mehrere Akkusativobjekte genannt und zueinander in Beziehung gesetzt. Davon kann man noch mehr liefern: „Ich liebe nicht Emil, aber auch nicht Otto oder Jörn und erst recht nicht Phillipp, sondern Bruno über alles.“ Die Regel dabei ist, dass bestimmte Konjunktionen („aber“, „sondern“, „jedoch“, „halb …, halb“, „bald …, bald“ – mehr fallen mir gerade nicht ein) immer ein Komma vorneweg haben wollen, andere („und“, „oder“, „sowie“, „weder … noch“, „entweder … oder“) eben nicht. Das muss man lernen, alt wie neu.

„Wir lieben uns, und doch können wir nicht zusammen leben.“
Warum kommt da ein Komma (wenn es denn stimmt)?

Da kann ein Komma hin, muss aber nicht. Hier sind zwei vollständige Hauptsätze durch „und“ verbunden, darüber hast Du schon mit anderen diskutiert.

„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“

Hier darf kein Komma hin, denn der zweite Hauptsatz ist nicht vollständig: Ihm fehlt das Subjekt. Grammatisch gesehen handelt es sich hier um eine Aufzählung von Prädikatgruppen (d.h. Verb + Objekte u.A.m.), denn was tun wir? 1. wir lieben uns, 2. wir können doch nicht zusammen leben.
Jetzt sind wir wieder bei Aufzählungen, und da setzt man vor „und“ kein Komma. Wenn da „aber“ stünde, dann müsstest Du eines setzen.

Liebe Grüße
Immo

hast Du auch eine Antwort für mein Ursprungsproblem?

Nein. Ich wollte das ernsthaft wissen, was ich fragte. Ich meine, es hätte ja sein können, schließlich sieht man allgemein ein sehr starkes Abnehmen der Verwendung von Anführungszeichen, als auch des Bindestrichs. Letzterer wird ja neuerdings zudem auch noch häufig als „Minus“ bezeichet (z. B. bei phonetischer Übermittelung von eMail-Adressen), was seinen eigentlichen Sinn leider völlig untergräbt und ihn eventuell auf Dauer völlig zu vernichten imstande ist.

Hallo,

vielen herzlichen Dank für diese guten Erklärungen!

Man prüft also, ob es ein Einschub ist, ok.
(Die Beispiele mit dem Händewaschen sind übrigens sehr schön.)

Aber es gibt da ja noch diese besondere Regel, dass ein „integrierter Einschub“ auf ein schließendes Komma verzichtet. Im Duden steht: Wird die Erläuterung in die substantivische oder verbale Fügung einbezogen, so grenzt man sie mit einfachem Komma ab.
„Auf der Ausstellung waren viele ausländische Firmen, insbesondere holländische, vertreten.“ Aber:
„Auf der Ausstellung waren viele ausländische, insbesondere holländische Firmen vertreten.“

Wenn man darauf aber auch noch achtet, dann dürfte eigentlich keine Probleme mehr damit geben, hoffe ich.

„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“

Hier darf kein Komma hin, denn der zweite Hauptsatz ist nicht
vollständig: Ihm fehlt das Subjekt. Grammatisch gesehen
handelt es sich hier um eine Aufzählung von Prädikatgruppen
(d.h. Verb + Objekte u.A.m.), denn was tun wir? 1. wir lieben
uns, 2. wir können doch nicht zusammen leben.
Jetzt sind wir wieder bei Aufzählungen, und da setzt man vor
„und“ kein Komma. Wenn da „aber“ stünde, dann müsstest Du
eines setzen.

Auch das verstehe ich jetzt soweit.
Ich sage also: „Wir lieben uns und zwar wie verrückt.“ Der zweite Teil ist kein Hauptsatz, ist aber mit ‚und‘ angeschlossen, also kein Komma.

Nein, das war jetzt ein Scherz von mir, ‚und zwar‘ ist kein ‚und‘, sondern eben so ein nachgestellter Erklärungszusatz, also heißt es: „Wir lieben uns, und zwar wie verrückt.“

Dank Deiner Antwort und dank Duden bin ich jetzt kommaregelmäßig wieder einigermaßen geordnet, noch einmal vielen Dank!

VG
Blaubeerwald

Die Regel des möglichen Kommas bei Hauptsätzen mit „und“ dient der größeren Systematik, erleichtert also das Lernen der Kommasetzung.

a) Ich mag Pizza, Pommes und Döner.
-> Aufzählung von Wörtern, eine nebenordnende Konjunktion ersetzt das Komma

b) Ich mag, dass du lachst, dass du dich freust und dass du mich besuchst.
-> Aufzählung von Nebensätzen, eine nebenordnende Konjunktion ersetzt das Komma

c) Ich mag dein Lachen, ich mag deine Augen und ich freue mich auf deinen Besuch.
-> Aufzählung von Hauptsätzen - wieso sollte ausgerechnet hier die nebenordnende Konjunktion das Komma NICHT ersetzen dürfen?

Hier hat die RS-Reform also tatsächlich für mehr Klarheit gesorgt.