Hallo Blaubeerwald.
„Die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt, besonders aber in
den 1990er Jahren , war ungünstig.“
Da muss ein Komma hin, weil es ein Einschub ist. Nun kann man sich in manchen Fällen tatsächlich darüber streiten, was ein Einschub ist („Er wusch sich, nach dem Essen, die Hände“ liest sich anders als: „Er wusch sich nach dem Essen die Hände“), aber hier ist es völlig klar. Zuerst sagst Du etwas über „[d]ie wirtschaftliche Entwicklung insgesamt“, dann fügst Du hinzu, dass Du es doch noch genauer weißt. Einschübe lassen sich auch durch Gedankenstriche kennzeichnen, das fällt mitunter leichter: „Die Wirtschaftliche Entwicklung insgesamt – besonders aber in den 1990er Jahren – war ungünstig.“
Und warum macht man hier, wenn es denn stimmt, kein
schließendes Komma:
„Ich liebe nicht Emil, sondern Bruno über alles.“ Das ‚sondern
Bruno‘ könnte man doch auch als Einschub verstehen, oder?
Nein, das wird nicht nachgeliefert, sondern gehört zur eigentlichen Aussage hinzu. Dieses Beispiel fällt unter den Oberbegriff „Aufzählung“: Es werden mehrere Akkusativobjekte genannt und zueinander in Beziehung gesetzt. Davon kann man noch mehr liefern: „Ich liebe nicht Emil, aber auch nicht Otto oder Jörn und erst recht nicht Phillipp, sondern Bruno über alles.“ Die Regel dabei ist, dass bestimmte Konjunktionen („aber“, „sondern“, „jedoch“, „halb …, halb“, „bald …, bald“ – mehr fallen mir gerade nicht ein) immer ein Komma vorneweg haben wollen, andere („und“, „oder“, „sowie“, „weder … noch“, „entweder … oder“) eben nicht. Das muss man lernen, alt wie neu.
„Wir lieben uns, und doch können wir nicht zusammen leben.“
Warum kommt da ein Komma (wenn es denn stimmt)?
Da kann ein Komma hin, muss aber nicht. Hier sind zwei vollständige Hauptsätze durch „und“ verbunden, darüber hast Du schon mit anderen diskutiert.
„Wir lieben uns und können doch nicht zusammen leben.“
Hier darf kein Komma hin, denn der zweite Hauptsatz ist nicht vollständig: Ihm fehlt das Subjekt. Grammatisch gesehen handelt es sich hier um eine Aufzählung von Prädikatgruppen (d.h. Verb + Objekte u.A.m.), denn was tun wir? 1. wir lieben uns, 2. wir können doch nicht zusammen leben.
Jetzt sind wir wieder bei Aufzählungen, und da setzt man vor „und“ kein Komma. Wenn da „aber“ stünde, dann müsstest Du eines setzen.
Liebe Grüße
Immo