Problemhund?

Hi,

ich versuch erstmal die ganze Geschichte darzustellen:

Also, wir sind im April über eine Anzeige „Hund zu verschenken“ an einen 15 monatigen Mischlingshund (unkastrierter Rüde, Name: Henry) gekommen. Dieser war ein Zwingerhund und zur Bewachung einer Halle gedacht. Dort waren zwar viele Menschen (tagsüber), aber keine richtige Bezugsperson.

In den ersten 2 Monaten war Henry äußerst ängstlich, hat sich vor allem erschrocken, war sehr ruhig, hat eigentlich nie gebellt, ist die Treppen im Haus nicht gegangen. Nur wenn jemand „wiedergekommen“ ist, hat er sich unwahrscheinlich gefreut.
Dann wurde er immer „mutiger“ – jetzt rennt er die Treppen rauf und runter, hat jetzt „Selbstbewusstsein“. Die Rangfolge in der Familie ist aber imho Ok.

Wir sind dann vor 2 Monaten zum ersten mal zum Hundetrainer gegangen. Erst in die so genannte Spielstunde, das hat auch geklappt. Keine Aggression. Mir ist nur aufgefallen, dass er nicht richtig spielen kann. Er beschnüffelt die anderen Hunde, aber so richtig rumtollen mit ihnen macht er nicht.

Wir hatten auch eine Einzelstunde, die war auch ok.

Jetzt waren wir beim Gruppentraining. Das erste Mal hat ganz gut geklappt, Beim zweiten Mal wurde er zum Ende der Stunde aggressiv, und gerade wollte ich in die 3. Stunde. Das mussten wir aber abbrechen, weil Henry schon nach 10 Minuten völlig aggressiv auf die anderen Hunde reagiert hat, auch auf den Trainer, den er sonst eigentlich gut akzeptiert hat.

Jetzt zuhause ist er wieder völlig entspannt. Wird hier auch nie aggressiv, klar - bellt mal oder will etwas überschwänglich spielen – das haben wir aber eigentlich im Griff.

Ich frag mich jetzt, wie es weitergehen soll. Mir macht diese Aggression Angst. Der Hund ist nicht gerade klein (50 cm) und ein starkes Muskelpaket. Wenn der mal richtig loslegt habe ich wenig Chancen.
Nächste Woche geht’s erstmal zum Tierarzt und die Kastration eingeleitet. Aber sonst? Was kann - muss - ich tun, damit sich die Aggressionen nicht ausweiten? Könnten das Angstsymptome sein? Ach ja, jetzt ist er ca. 22 Monate alt.

Sorry, für den jetzt doch lang gewordenen Text. Bin sehr in Sorge, und fühle mich gerade ziemlich hilflos.

thx & gruß
schreiraupe

Guten Tag,

Hallo Schreiraupe,

mach Dir nicht allzu große Sorgen. mit 22 Monaten ist solch ein Hund im „Flegelalter“ und reizt seine Grenzen aus. Du solltest ihm auf jeden Fall sehr bestimmend Einhalt gebieten, indem du ihm zeigst, dass Du der „Chef“ bist. Im übrigen hört es sich so an, als ob dieser Hund früh von seiner Mutter weg genommen wurde und in der weiteren Zeit keinen Kontakt zu seinen Artgenossen hatte. Daher mag er auch nicht gerne mit ihnen spielen und er muss auch das Recht behalten dürfen, dass er den anderen „sagt“, dass er nicht spielen möchte. Es darf nur nicht zu bösen Agressionen ausarten und da bist Du gefragt. Du musst ihm konsequent klar machen, wie weit er gehen darf, indem du ihm streng das ihm bekannte Kommando, wie zum Beispiel „Aus“ gibst.
Ich hoffe, dass ich dir ein wenig helfen konnte und wünsche Dir viel Geschick im Umgang mit Deiner Fellnase.

Tierliebe Grüße

Hi Chatley,

danke für Deine aufmunternden Worte :smile:

Im übrigen hört es sich so an, als ob dieser Hund früh von seiner Mutter weg
genommen wurde und in der weiteren Zeit keinen Kontakt zu
seinen Artgenossen hatte.

Das glaub ich auch. Die früheren Besitzer haben ihn aus Polen mitgebracht und dann war er halt bei dieser Halle. Ich hab leider keine Ahnung wie lange. Mit der wahren Geschichte sind die auch erst heraus gerückt, als ich ihn schon 2 Wochen hatte. Hatten wohl Angst, ich nehm’ ihn sonst nicht mit.

Daher mag er auch nicht gerne mit
ihnen spielen und er muss auch das Recht behalten dürfen, dass
er den anderen „sagt“, dass er nicht spielen möchte.

Es ist nicht so, dass er nicht spielen will. Ich glaub er weiß gar nicht, was spielen ist. Wenn die Hunde freilaufen, läuft er irgendwie ziel- und planlos da rum. Zuhause kann er übrigens prima alleine spielen. Er nimmt z.B. einen Kauknochen und schmeißt den von sich weg, um dann hinterher zu rennen. Sieht klasse aus :wink:
Er hat wohl wirklich nie Kontakt zu Artgenossen gehabt.

Es darf nur nicht zu bösen Agressionen ausarten und da bist Du
gefragt. Du musst ihm konsequent klar machen, wie weit er
gehen darf, indem du ihm streng das ihm bekannte Kommando, wie
zum Beispiel „Aus“ gibst.

Ja, das tu ich mich glaub ich auch schwer. Da muss ich noch an mir arbeiten.

Ich hoffe, dass ich dir ein wenig helfen konnte und wünsche
Dir viel Geschick im Umgang mit Deiner Fellnase.

Nochmal Danke & gruß
schreiraupe

Tierliebe Grüße

Hallo,
wenn ich nach Deiner Beschreibung gehe, dann haben wir hier zwei Problemhunde. Auch in einer nicht gerade handlichen Größe.

Der Große: Total verspielt, agil, lieb, kraftvoll, Arbeitstier, Heimkind, vorlaut und „mutig“. Der Versuch einer Hundeschule scheiterte, weil ich mein Vieh nicht mehr aus den Sträuchern bekam, in welche er sich flüchtete. Diese Stunde war also nach zehn Minuten beendet. Er hat danach noch stundenlang gezittert und, obwohl ein total verfressenes Vieh, drei Tage nichts gefressen. Für ihn habe ich dann entschieden: Muss nicht sein. Das kriegen wir auch alleine hin. Haben wir auch…s. u.

Die Kleine: Zickig, verspielt, bisweilen äußerst giftig veranlagt, vorlaut und feige. Heimkind mit drei Vorbesitzern ( und das als zwölfwöchige Welpe)
Die erste Stunde in der Hundeschule hatte ich Probleme zu laufen, da unser Fellknäuel nur durch meine Schienbeine schielte, was wohl die anderen machten. In der zweiten wurde sie mutiger, aber wehe einer der anderen Hunde kam ihr nur zum Hallo sagen zu nahe. So etwas giftiges, aggressives und vor allem: einen solchen Angstbeisser wie dieses Weib hab ich meinen Lebtag noch nicht erlebt.

Was bei beiden gleich war: Kaum waren wir aus der für sie zur „Gefahrenzone“ gewordenen Umgebung mit vielen Hunden heraus, hatte ich meine herzzerreißend guten Viecher wieder.

Wir haben es mit der Kleinen dann noch ein Mal versucht, in einer kleineren Gruppe mit vier anderen Tieren. Und siehe da, es hat funktioniert. Das war für sie überschaubar, sie konnte sich an die anderen gewöhnen, bevor ihr da wieder einer dazwischen pfuschte und sie sich auf etwas Neues konzentrieren musste.

Unser Fazit und das des Trainers: Unsere Hunde waren einfach mit der Menge der anderen Tiere und Menschen überfordert. Sie haben sich in Aggressivität geflüchtet, weil sie sich nicht anders zu helfen wussten. Genau das ist der gefährliche Moment.

Du sagst: Eurer hätte vorher zwar Menschenkontakt gehabt, aber keine Bezugsperson. Jetzt hat er sich endlich eine Person suchen können und da fordert ihr ihn gleich wieder heraus, indem ihr ihm eine Stresssituation gönnt, die er nicht verarbeiten kann. ER weiß nicht, wie er reagieren soll: Euch schützen? Sich schützen? Der Hund ist in einer Zwickmühle und beißt.

Fangt klein an. Nicht immer ist das Rudel der Hundeschule, dass keines ist, die Lösung. Such Dir in der Nachbarschaft Leute mit Hunden und frage sie, ob ihr euch zum gemeinsamen Gassigehen treffen könnt. In dieser kleinen Gruppe kann dein Hund gar nicht in Stress geraten und lernt trotzdem, sich mit anderen zu vertragen.

Mit dieser Version habe ich meine beiden zu sozialverträglichen Tieren gemacht, die a) wissen, wie sie sich zu verhalten haben und b) keinerlei Aggressivität aufweisen.

Wenn ihr das geschafft habt, könnt ihr immer noch in eine Hundeschule gehen.

lg
das K

Huhu,

kann da nur zustimmen. Mein Hund war aufgrund schlechter Erfahrungen, mangelnder Erziehung und mangelnder Führung sehr aggressiv gegenüber anderen Rüden. In der Hundschule steigerte sich das ganze ins
Unermessliche. Mein sonst zahmer Hund wurde zur Furie.
Ich habe dann allein mit ihm gerarbeitet und in fremden Gegenden (außerhalb seiner Stammstrecke :wink:) geübt und den Kontakt mit anderen Hunden gesucht. Am Anfang war es anstrengend. Man musste aufpassen, ihn auch mal maßregeln, aber es wurde immer besser und wir beide gemeinsam entspannter.
Heute ist es kein Problem mehr. Viele Hunde auf einmal, die er nicht kennt tue ich ihm nicht an, weil er es nicht mag und auch kläffenden Hunden gehe ich aus dem Weg. Aber sonst, keine Probleme mehr.
Man muss Geduld haben und mit etwas Verstand und Konsequenz an die Sache ran gehen, aber dann klappt das auch. Solange er nicht immer und permanent Aggressionen zeigt, hat ihn die Situation einfach überlastet.

LG Frieda

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auch euch beiden Danke. Ich denke, ich werde mit Henry erstmal hier vor Ort, beim täglichen gassi gehen, üben. Vielleicht nochmal ne Einzelstunde beim Trainer. Aber die ist dann eher für mich, ich bin halt noch etwas ungebübt, was Hundeerziehung angeht.

gruß
schreiraupe

Hallo,

vielleicht findest Du einen Hund in Deiner Umgebund (Nachbarn, Freunde) mit dem er sich langfristig anfreunden kann und „lernen“ kann, zu spielen. Vielleicht ist ein ganzes Rudel auf einmal etwas viel, weil er das nicht kennt. Dann könntest Du seine Reaktion auch besser kontrollieren - bei zweien hat man mehr Überblick, als wenn zehn Hunde um einen herumhüpfen und man nicht selbst die Kontrolle hat, sondern der Hundetrainer die Anweisungen gibt.

Wenn Du konsequent bist, gibst Du ihm auf jeden Fall Sicherheit. Er sucht gerade seine Grenzen, scheint ja charakterlich ein netter Kerl zu sein, wenn er zunächst ruhig auf andere Hunde zugeht und gut mit euch klar kommt. Mangels sozialer Beziehungen zu anderen Hunden in den letzten 22 Monaten mag es sein, dass er gar nicht weiß, wie weit er bei den anderen gehen kann, soll und darf.

Vielleicht findet sich ein einzelner „Hundepartner“, der ihm das in Ruhe beibringen kann, ohne dass er sich überfordert fühlt.

LG
Jana

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Hi Jana,

hab ich auch schon dran gedacht. Wir treffen schon mal jemanden beim Spazierengehen. Mit deren Hündin kann Henry ganz gut, ich versuch das mal auszubauen,

thx & gruß
schreiraupe