Verehrte Expertinnen und Experten,
mich ärgert es zunehmend, wieviel Product Placement in neueren Bestsellern vorkommt. Da arbeiten natürlich alle Protagonisten mit einem iBook, gehen zu Starnbucks und wohnen in IKEA. Sogar die Firma eines Notizbuchherstellers wird ständig genannt.
Fragen:
Ist Euch das auch schon aufgefallen?
Bin ich zu empfindlich?
Gab es das immer schon in diesem Maße?
Weiß jemand, ob es dafür einen Druckkostenzuschuss gibt?
Viele Grüße
Mira
Verehrte Expertinnen und Experten,
mich ärgert es zunehmend, wieviel Product Placement in neueren
Bestsellern vorkommt.
[…]
Fragen:
Ist Euch das auch schon aufgefallen?
Bin ich zu empfindlich?
Gab es das immer schon in diesem Maße?
Weiß jemand, ob es dafür einen Druckkostenzuschuss gibt?
Ich weiss nicht, welche Bücher Du liest, aber dadurch versuchen
manche Autoren, evtl. den „Wiedererkennungswert“ für den Leser zu
erhöhen, bzw. eine Identifikation des Lesers mit den Protagonisten
zu erreichen oder aber eine bestimmte Charakterisierung (z.b. den Möchtegern-Yuppie mit iPod und Audi TT, aber zum Porsche reichts halt nicht). Das kann je nach Geschmack des Lesers natüerlich auch nach hinten losgehen.
Vielleicht spricht das gegen den Autor, wenn er „Dinge“ zur Charakterisierung eines Protagonisten braucht, allerdings kann man
so auch ein „Lebensgefühl“ darstellen.
„Generation Golf“ (Florian Illies?) war so ein Buch. Ich fand es klasse, ein zusätzlicher Aspekt, daß ich mich eben in dieser Zeit
wiedererkennen konnte, da man vieles mitgemacht hat.
Ich glaube aber nicht, daß die Autoren dafür überhaupt Geld bekommen.
Genauso wie bei Murakami viele Filmzitate und Rockmusik-Titel erwähnt
werden, um zu verdeutlichen wie der Protagonist tickt…
.
gruss,
vordprefect
Hallo,
ich will nicht abstreiten, dass ein Verlag da möglicherweise mal Einfluss nimmt. Es gibt da eine Anekdote über Terry Pratchett, der (ich glaube es war Goldmann) seinem deutschen Verleger den Vertrag gekündigt hat, weil dieser mitten im Buch eine Seite mit Suppenwerbung eingeschoben hat. Da hieß es dann sinngemäß „Und für unsere Helden wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Heiße Tasse“ oder so.
Hauptsächlich ist das aber wohl eine Stilfrage und auch ein Stilmittel. Ganz extrem ist mir das bei Stephen King aufgefallen, bei dem es niemals heißt „er aß einen Schokoriegel/Kartoffelchip“ sondern immer Markennamen genannt werden. Das gleiche gilt für Autos, Einkaufsstätten usw. Für mich hatte das folgenden Effekt: in den Romanen passierte Übersinnliches/Monströses. Durch die Erwähnung von alltäglichen Marken, die jeder kennt, wurde ein Gegensatz geschaffen, der sozusagen als „Erdung“ für die fantastischen Elemente der Handlung diente.
Die Marken sind sicherlich auch mit Bedacht gewählt und haben bestimmte Konnotationen, welche beabsichtigt sind. Vergleiche die 3 Sätze:
„Er schaute nervös auf seine Uhr.“
„Er schaute nervös auf seine Aldi-Digitaluhr.“
„Er schaute nervös auf seine Rolex.“
- neutral
- vermutlich junger Mensch, nicht so viel Geld (wenn der Protagonist ein älterer/reicher Mensch ist, gibt es wiederum einen anderen Effekt)
- vermutlich älter, wohlhabend (wenn der Protagonist ein sehr junger/armer Mensch ist, ergibt das einen anderen Effekt)
Gruß,
Myriam
Hallo,
da fällt mir jetzt spontan das Buch „Vollidiot“ von Tommy Jaud ein. Der arme Kerl hat ja da mächtig mit einer bestimmten schwedischen Möbelhaus-Kette zu kämpfen 
Das hat mich auch ganz und gar nicht gestört. In dem Fall hab ich es sogar klasse gefunden, da man sich ja viel mehr mit dem Hauptcharakter identifizieren kann.
Dass die Firmen dabei aber Geld verdienen kann ich mir kaum vorstellen?!
Gruß
Hallo Mira,
mich ärgert es zunehmend, wieviel Product Placement in neueren
Bestsellern vorkommt. Da arbeiten natürlich alle Protagonisten
mit einem iBook, gehen zu Starnbucks und wohnen in IKEA.
Wenn es dich ärgert, hat der Autor wohl irgendwas falsch gemacht. Ansonsten würde es dich wahrscheinlich nicht stören. Wie schon geschrieben, sagt es ja auch etwas über die Person aus, welches Produkt verwendet wird. Es macht z.B. einen Unterschied, ob jemand ein MacBook verwendet oder einen Laptop von Medion oder einen Eee-PC oder einen zehn Jahre alten gebrauchten Laptop oder was auch immer.
Ist Euch das auch schon aufgefallen?
Ja, mal hier und da, aber es war nicht so extrem, dass es mich gestört hätte.
Bin ich zu empfindlich?
Würde ich nicht sagen. Vielleich ist das Buch einfach schlecht?
Mich stört es z.B. sehr, wenn in Büchern vulgäre Sprache vorkommt, und ich bin zwischen da recht radikal geworden. Ein f*** zu viel, und das Buch wandert in mein Verkäuferkonto bei amazon, auch ohne dass ich es zu Ende gelesen habe. Sobald ich es verkauft habe, schicke ich die schlechte Rezension hinterher.
Gab es das immer schon in diesem Maße?
Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass es in letzter Zeit sehr viele schlechte Bücher gibt. Manche Autoren scheinen keinen Respekt vor der Sprache zu haben.
Aber man muss ihre Bücher ja nicht lesen.
Schöne Grüße
Petra
Hi,
da fällt mir jetzt spontan das Buch „Vollidiot“ von Tommy Jaud
ein. Der arme Kerl hat ja da mächtig mit einer bestimmten
schwedischen Möbelhaus-Kette zu kämpfen 
Mir fiel da ein ganz anderes Buch ein, wo diese Elemente auch
als Stilmittel genutzt werden (Stichwort Materialismus).
Bret Easton Ellis: American Psycho.
Dass die Firmen dabei aber Geld verdienen kann ich mir kaum
vorstellen?!
Ich mir auch nicht.
gruss,
vordprefect
Hallo Experten,
Auschlag für mein Posting gaben mir die Bücher Verdammnis und Verblendung vom hochgelobten Stig Larsson.
„Er machte ihr PowerBook mit dem 17-Zoll-Bildschirm, 200 GB Festplatte und 1 GB RAM auf. Es war leer. Sie hatte alles gelöscht. Das verhieß nichts Gutes“.
vorher: „Sie rechnete nicht damit, das PowerBook zu brauchen, das wäre nur unnötiger Ballast. Stattdessen nahm sie ihren Tungsten-Palm-Handheld mit.“
Ratet mal, mit welchen Rechnern die Leute in den Romanen ausschließlich arbeiten…
Und ja, ich glaube schon, dass man mit dieser „subtilen“ Verwendung der Produktnamen Geld verdienen kann. Schließlich gibt es eine ganze Menge alternativer, neutraler Bezeichnungen, die die Riesenhaftigkeit eines Notebooks beschreiben.
Ich hoffte, jemand von Euch wüsste etwas mehr darüber, aber vielleicht poste ich die Anfrage nochmal im PR-Brett.
Viele Grüße!
„Er machte ihr PowerBook mit dem 17-Zoll-Bildschirm, 200 GB
Festplatte und 1 GB RAM auf. Es war leer. Sie hatte alles
gelöscht. Das verhieß nichts Gutes“.
Stimmt, 17 Zoll sind viel zu groß und gehen mächtig auf den Akku. Mit 1GB RAM läuft wohl nur MAC OS. Wer soll denn das kaufen?
Im Ernst: die Dauererwähnung von Apple-Produkten könnte ich mir ja noch als Schleichwerbung vorstellen. Aber mit diesen Spezifikationen erreicht man nichts, denn bis das Buch erschienen/übersetzt ist, ist der ganze Kram schon veraltet.
Stattdessen nahm sie ihren
Tungsten-Palm-Handheld mit."
Welcher Tungsten? Es gibt 2 verschiedene.
Gruß,
Myriam