Kennst Du ein kleines übersichtliches Buch, bzw. eine
ausführliche Internetseite, die mich über Patentschutz :aufklären, bzw. deren Wissen, welches ich für eine erfolgreiche :Anmeldung eines/mehrerer Patente benötige?
Hallo Matthias,
hangele Dich durch die Seite des Patentamts http://www.patentamt.de . Eigentlich ist dort alles erschöpfend beschrieben. Dennoch solltest Du nicht am falschen Ende, hier also am Patentanwalt, sparen. Eine aufgrund lückenhafter Kenntnisse mangelhaft formulierte Schutzrechtanmeldung verursacht nicht reparierbare Schäden. Wer nicht selbst Patentanwalt ist oder das Glück hatte, über Jahre viele von Patentanwälten betreute Anmeldungen durchzubringen, macht ohne Hilfe Fehler, die den Erfolg des Vorhabens in Frage stellen können.
Über einen Lizenzverkauf, bzw. Lizenzproduktion habe ich aus
kostengründen auch schon nachgedacht, habe aber auch da keinen
Anhaltspunkt über das weitere Fortgehen und die Preise. Eine
Produktmappe wäre für mich kein Problem zu erstellen, da die
Ideen klar in meinem Kopf vorhanden sind.
Es gibt Produktideen, deren eigene Umsetzung aus vielerlei Gründen vorhersehbar scheitern muß. Dann ist der komplette Verkauf der einzig gangbare Weg. Ob der Weg erfolgversprechend ist, hängt natürlich vom Produkt und den damit verbundenen Gewinnchancen ab. Aber der Erfolg hängt mindestens in gleicher Weise von der Persönlichkeit des Anbieters ab. Für einen allein technikverliebten und im Detail verhafteten Menschen ist das keine Bühne. Kaufmännisches Verständnis, eine nach allen Regeln der Kunst überzeugende Darstellung, Menschenkenntnis und das Gespür für den/die Gesprächspartner gehören unbedingt dazu. Davon hängt nämlich ab, ob man auf nachgeordneter Ebene hängen bleibt, vielleicht eine Zahl mit gerade mal 4 Nullen heraus kommt oder ob man sich über richtiges Geld unterhält. Das kann man nicht aus Büchern lernen und wer dort Fehler macht, erhält die teuersten Lehrstunden seines Lebens, sofern er überhaupt mitbekommt, welche Fehler er machte.
Zunächst muß man „gefressen“ haben, daß noch niemand Interesse an einem Produkt hatte, das Interesse gilt stets dem Nutzen, den man aus dem Produkt ziehen kann. Mit diesem Wissen wird man die erste Garnitur eines großen Unternehmens nicht mit technischen Feinheiten langweilen (sowas hat man für Zwischenfragen in voller Breite stets parat und zwar in einer Tiefe, daß jedem kritischen Gesprächspartner innerlich der Kiefer herunter fällt, ohne daß er vor der Runde brüskiert wird), sondern man wird mit intimer Kenntnis der Marktposition der Gesprächspartner die Gewinnchance verdeutlichen. Es gibt Leute, die mit knackiger fachlicher und kaufmännischer Sachkunde gesegnet sind, ein Produkt und die damit verbundenen Marktmöglichkeiten überzeugend auch in hochkarätig besetzter Runde darstellen können und bei solcher Anforderung zur Hochform auflaufen. Wenn Du so ein Mensch bist, gehe den Weg. Oder tue Dich mit einem Menschen zusammen, der die Dir fehlenden Fähigkeiten mitbringt. Sonst laß die Finger davon.
Man kann von Technik leben, indem man entwickelt, produziert, Schulden macht, unendlich viel arbeitet, mit genialen Ideen weiter entwickelt, lange Zeit von Hoffnung lebt, noch mehr arbeitet - bis man die rote Karte bekommt, entweder von der Gesundheit, von der Partnerin oder von beiden. Man kann deshalb durchaus besser vom Ideenverkauf leben, wenn man wirtschaftlich tragfähige Ideen hat und verkaufen kann. Richtig gute Verkäufer sind aber eine seltene Spezies und nicht zu verwechseln mit den Leuten, die sich beruflich so nennen.
Ein handwerklich sauberer Prototyp, ein anschaulich funktionierendes Modell, gehört immer dazu. Sonst erscheint die vermittelte Gewinnchance wie die Taube auf dem sehr hohen Dach, von dem niemand weiß, ob man es je erreicht. Man hätte sonst nur Papier und Pläne, buchstäblich nichts Greifbares.
Es wurde stellenweise vielleicht etwas philosophisch, aber Handfesteres kann ich Dir nicht bieten. Patentrezepte, Gebrauchsanleitungen und feste Wege gibt es hier nicht und persönliche Erfahrungen werden kaum übertragbar sein. Was aus Deiner Idee wird, hängt eben entscheidend von Dir selbst ab.
Gruß
Wolfgang