Produktidee, aber wie weiter ?

Guten Tag,

ich habe eine Produktidee, die auf vielfältige Art und Weise
verwendet werden kann und bisher so auf diese Art noch nie
dagewesen ist, noch nicht einmal im Ansatz. Zur Idee gehören
technische, sowie gestalterische Aspekte. Da ich keinesfalls
derzeit das passende Geld habe, die Idee weiter fortzuführen,
benötige ich Investor(en), Techniker, Designer und
wirtschaftliche und marketingmäßige Unterstützung, sowie
Patenteinträge.

Kann wir jemand sagen, wie ich das ganze ankurbeln kann,
wie ich an Investoren und vernünftige Mitarbeiter komme,
bzw. die Patente anmelden kann ??

Über jede Mithilfe würde ich mich sehr freuen !!

Mit freundlichen Grüßen,
Matthias Jakisch.

Hallo Matthias,

zunächst muß der Kern der Idee geschützt werden. Dafür bietet sich ein Patent oder Gebrauchsmuster an. Der nächste Gang führt also zum Patentanwalt. Es geht auch ohne Hilfe, dann mußt Du aber selbst über einige Erfahrung mit gewerblichen Schutzrechten verfügen. Bei der Gelegenheit erfährst Du nach einer Recherche auch, ob Deine Idee bereits 1897 vom kaiserlichen Patentamt geschützt wurde.

Sodann brauchst Du einen Prototypen, etwas Funktionierendes zum Anfassen. Erstelle Zeichnungen, baue das Einzelstück. Laß Dir von Fachleuten helfen. Das kostet natürlich Geld. Aber in dieser Phase kannst Du noch auf kein Kapital anderer Leute hoffen. Das Geld für den Prototypen muß irgendwie privat aufgebracht werden. Der Prototyp ist schon deshalb unverzichtbar, weil Du es zukünftig vorwiegend mit Leuten zu tun bekommen wirst, die von dieser Sache nicht den Schatten einer Ahnung haben (und meistens haben diese Leute von ihrer eigenen Ahnungslosigkeit keine Ahnung).

Parallel ist von Dir eine Richtungsentscheidung zu treffen:

  1. Willst Du das Produkt selbst produzieren und vermarkten und dafür etwas Großes aufziehen mit entsprechend großem Kapitalbedarf

oder

  1. läßt Du das geschützte Produkt anderweitig bauen und beschränkst Dich auf die Suche nach geeigneten Handelspartnern
    oder

  2. möchtest Du das Produkt komplett mit allen Rechten verkaufen.

Für Punkt 3 brauchst Du einige Erfahrung, um den Nutzen Deiner Produktidee für den Käufer abschätzen zu können. Du brauchst Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl über den erzielbaren Preis. Aber es ist eine Möglichkeit.

Liegen erzielbarer Umsatz, Gewinnerwartung und Kapitalbedarf nur hoch genug, bietet Punkt 1 eine Chance. Dafür mußt Du Dich aber im Bereich mindestens mehrerer Mio € bewegen, sonst wird die Sache zum kleinkrämerischen Spießrutenlauf durch Inkompetenz und Desinteresse. Einen realistischen Geschäftsplan vorausgesetzt sowie Kapitalbedarf in Mio-Größenordnung, finden sich Geldhäuser und Beteiligungsgesellschaften. Für den hundertausend-Euro-Bedarf kannst Du diesen Weg vergessen - einfach zu klein.

Zu Punkt 2: Du hast das Schutzrecht, Du hast Zeichnungen, Programme oder was auch immer, Du hast einen Prototypen. Du gewinnst einen ersten Handelspartner und läßt eine Mini-Stückzahl produzieren. Du bindest auf keinen Fall Personal. Du brauchst jede müde Mark zur Finanzierung und hast mit Sicherheit kein Geld für Gehälter, die nur deshalb fällig werden, weil der Monat zu Ende ist und nicht deshalb, weil etwas geschafft wurde. In dieser Phase hast Du auch keine Zeit, Dich mit ängstlichen und rein nichts verstehenden Bank-Filialmenschen abzusabbeln, die Berichte und Ertragsvorausschauen von Dir verlangen und auf das Statement eines Steuerberaters Wert legen, der von der Sache auch nichts versteht (der Banker hat aber die gegenteilige Überzeugung und der Steuerberater auch).

Das Weitere könnte leicht ein Buch füllen. Deshalb höre ich erst einmal auf und warte, daß Du erzählst, um welche Größenordnung es sich ungefähr handelt, welches Marktsegment und ob es sich um ein Produkt für 1 € oder für 100 Mio € pro Stück handelt. Wenn Du Dir eine revolutionäre neue Form für Ozeanriesen hast einfallen lassen, geht man eben etwas anders vor, als wenn jemand den unverlierbaren Chip für Einkaufswagen erfunden hat.

So viel noch: Es gibt für wenige Regionen und wenige Schwerpunkte u. U. Geld aus öffentlichen Töpfen. Auf die Dinge, für die man sich die Hacken schief läuft, um einen sofort verdunstenden Peanuts-Betrag als Beratungszuschuß zu erhalten, gehe ich nicht ein. Laß das Geld, wo es ist. Es ist wirklich so gut wie jeder frühere Topf längst zugemacht. Unabhängig von öffentlichem Geld würde ich nie und nimmer die Einstellung von Personal von solchen ZUschüssen abhängig machen. Eine Idee rechnet sich, dann realisiert man sie mit anfänglichem Knirschen - oder sie rechnet sich nicht. Dann helfen auch staatliche Segnungen wenig. Außerdem sind Subventionen in vielen Fällen ein wirtschaftlich tödliches Gift, weil die dahinter stehende Idee immer ist, Leute in Lohn und Brot zu bringen. Es werden Zuschüsse deshalb gerne an eingestelltes Personal gebunden und als Folge werden nur zu leicht nicht tragfähige Gebilde initiiert. Mit Blick auf das Gemeinwohl mag solches Denken verständlich sein. Der Gründer lebt aber nicht davon, daß er möglichst viele Leute bezahlt, sondern ausschließlich davon, daß eine Idee vermarktet wird. Wenn das Geld erwirtschaftet wurde, um Gehälter zu bezahlen, kann man an Personal denken, wenn es denn sein muß. Geschieht dieser Schritt zu früh, läuft der Gründer in die alles gefährdende Schuldenfalle. Also sind erst die genannten Grundsatzentscheidungen zu treffen. Bei allen Förderungen ist ein wichtiger Punkt, daß die Beantragung vor Projektbeginn zu erfolgen hat. Dabei ist gründliches Nachdenken, die Erlangung von Schutzrechten und der Bau eines Prototypen problemlos dem Vorfeld des Vorhabens zuzuordnen und damit unschädlich. Laß Dich also nicht in Voreiliges drängen und ziehe nur die eigene Linie durch und das so unabhängig wie möglich.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang ,

Dein Beitrag ist sehr umfassend , 100% richtig und absolut auf den Punkt gebracht .

Hut ab - Bravo !!!

Gruß

HC

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Wolfgang,

vielen herzlichen Dank für dieses umfassende Statement zu meiner
Frage, Du hast mir schon einmal sehr weiter geholfen. Das ich es
erst einmal auf eingene Art und Weise probiere, so wie Du es ge-
schildert hast, werde ich auf alle Fälle machen, denn Arbeit-
nehmer kann ich bei besten Willen noch nicht bezahlen, auf staat-
liche Zuschüsse werde ich auch aus diesem Grunde absehen. Von
der Produktionsstätte her habe ich die Möglichkeit, auf eigenem
Grund und Boden zu produzieren (vorerst) - der Platz ist da.

Zu Deiner Frage der Größe und zum Marktsegment:
da die Idee ziemlich breitgefächerte Produkte abdeckt, kann ich
nur schätzungsweise sagen, dass es sich um Produkte von ca. 10
EURO bis ca. 1000 EURO und mehr, je nach Umsetzung handelt. Und
es sich beim Marktsegment um die Mode bzw. Gebrauchsgüter handelt.

Außerdem kann ich dieses Produkt nur mit anderen (speziellen) Firmen
zusammen erstellen, da es sich bei der Idee um Wissen handelt, über
das ich nicht verfüge.

Kleinere Stückzahlen und Prototypen würde ich selbst erstellen
wollen, auch von den Designs und Ausarbeitungen her.

Kennst Du ein kleines übersichtliches Buch, bzw. eine ausführliche
Internetseite, die mich über Patentschutz aufklären, bzw. deren
Wissen, welches ich für eine erfolgreiche Anmeldung eines/mehrerer
Patente benötige?

Über einen Lizenzverkauf, bzw. Lizenzproduktion habe ich aus
kostengründen auch schon nachgedacht, habe aber auch da keinen
Anhaltspunkt über das weitere Fortgehen und die Preise. Eine
Produktmappe wäre für mich kein Problem zu erstellen, da die
Ideen klar in meinem Kopf vorhanden sind.

Ich freue mich auf Deine Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,
Matthias Jakisch.

Kennst Du ein kleines übersichtliches Buch, bzw. eine
ausführliche Internetseite, die mich über Patentschutz :aufklären, bzw. deren Wissen, welches ich für eine erfolgreiche :Anmeldung eines/mehrerer Patente benötige?

Hallo Matthias,

hangele Dich durch die Seite des Patentamts http://www.patentamt.de . Eigentlich ist dort alles erschöpfend beschrieben. Dennoch solltest Du nicht am falschen Ende, hier also am Patentanwalt, sparen. Eine aufgrund lückenhafter Kenntnisse mangelhaft formulierte Schutzrechtanmeldung verursacht nicht reparierbare Schäden. Wer nicht selbst Patentanwalt ist oder das Glück hatte, über Jahre viele von Patentanwälten betreute Anmeldungen durchzubringen, macht ohne Hilfe Fehler, die den Erfolg des Vorhabens in Frage stellen können.

Über einen Lizenzverkauf, bzw. Lizenzproduktion habe ich aus
kostengründen auch schon nachgedacht, habe aber auch da keinen
Anhaltspunkt über das weitere Fortgehen und die Preise. Eine
Produktmappe wäre für mich kein Problem zu erstellen, da die
Ideen klar in meinem Kopf vorhanden sind.

Es gibt Produktideen, deren eigene Umsetzung aus vielerlei Gründen vorhersehbar scheitern muß. Dann ist der komplette Verkauf der einzig gangbare Weg. Ob der Weg erfolgversprechend ist, hängt natürlich vom Produkt und den damit verbundenen Gewinnchancen ab. Aber der Erfolg hängt mindestens in gleicher Weise von der Persönlichkeit des Anbieters ab. Für einen allein technikverliebten und im Detail verhafteten Menschen ist das keine Bühne. Kaufmännisches Verständnis, eine nach allen Regeln der Kunst überzeugende Darstellung, Menschenkenntnis und das Gespür für den/die Gesprächspartner gehören unbedingt dazu. Davon hängt nämlich ab, ob man auf nachgeordneter Ebene hängen bleibt, vielleicht eine Zahl mit gerade mal 4 Nullen heraus kommt oder ob man sich über richtiges Geld unterhält. Das kann man nicht aus Büchern lernen und wer dort Fehler macht, erhält die teuersten Lehrstunden seines Lebens, sofern er überhaupt mitbekommt, welche Fehler er machte.

Zunächst muß man „gefressen“ haben, daß noch niemand Interesse an einem Produkt hatte, das Interesse gilt stets dem Nutzen, den man aus dem Produkt ziehen kann. Mit diesem Wissen wird man die erste Garnitur eines großen Unternehmens nicht mit technischen Feinheiten langweilen (sowas hat man für Zwischenfragen in voller Breite stets parat und zwar in einer Tiefe, daß jedem kritischen Gesprächspartner innerlich der Kiefer herunter fällt, ohne daß er vor der Runde brüskiert wird), sondern man wird mit intimer Kenntnis der Marktposition der Gesprächspartner die Gewinnchance verdeutlichen. Es gibt Leute, die mit knackiger fachlicher und kaufmännischer Sachkunde gesegnet sind, ein Produkt und die damit verbundenen Marktmöglichkeiten überzeugend auch in hochkarätig besetzter Runde darstellen können und bei solcher Anforderung zur Hochform auflaufen. Wenn Du so ein Mensch bist, gehe den Weg. Oder tue Dich mit einem Menschen zusammen, der die Dir fehlenden Fähigkeiten mitbringt. Sonst laß die Finger davon.

Man kann von Technik leben, indem man entwickelt, produziert, Schulden macht, unendlich viel arbeitet, mit genialen Ideen weiter entwickelt, lange Zeit von Hoffnung lebt, noch mehr arbeitet - bis man die rote Karte bekommt, entweder von der Gesundheit, von der Partnerin oder von beiden. Man kann deshalb durchaus besser vom Ideenverkauf leben, wenn man wirtschaftlich tragfähige Ideen hat und verkaufen kann. Richtig gute Verkäufer sind aber eine seltene Spezies und nicht zu verwechseln mit den Leuten, die sich beruflich so nennen.

Ein handwerklich sauberer Prototyp, ein anschaulich funktionierendes Modell, gehört immer dazu. Sonst erscheint die vermittelte Gewinnchance wie die Taube auf dem sehr hohen Dach, von dem niemand weiß, ob man es je erreicht. Man hätte sonst nur Papier und Pläne, buchstäblich nichts Greifbares.

Es wurde stellenweise vielleicht etwas philosophisch, aber Handfesteres kann ich Dir nicht bieten. Patentrezepte, Gebrauchsanleitungen und feste Wege gibt es hier nicht und persönliche Erfahrungen werden kaum übertragbar sein. Was aus Deiner Idee wird, hängt eben entscheidend von Dir selbst ab.

Gruß
Wolfgang

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