Prognose bei wiederholter Krebserkrankung

Liebe Experten!

Vielleicht ist es gar nicht möglich, sinnvoll zu antworten, und trotzdem möchte ich hier fragen:

Meine Kollegin hat vor 6 Jahren (kurz nach ihrem 30. Geburtstag) das erste Mal Brustkrebs gehabt. Es folgte eine Chemo, eine OP, alles okay.
Nach kurzer Zeit hatte sie wieder einen Tumor, diesmal eine andere Art, diesmal Bestrahlung etc.
Nachdem dies überstanden war und sie kurze Zeit Ruhe hatte ein drittes Mal Brustkrebs, wieder Chemo, wieder erfolgreich.

Sie hat nun 4 Jahre lang Ruhe gehabt, bekam alle 3 Wochen Herceptin.

Nun hat sie Knochenmetastasen.

Ich finde, das hört sich sehr niederschmetternd an. Die Menschen, die ich kenne, die mehrfach Krebs hatten, sind nicht mehr gesund geworden, sondern haben ein paar Jahre gekämpft und sind dann doch gestorben.

Wie können die Aussichten für meine Kollegin eingeschätzt werden?

Danke für eure Anworten!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo ChrisTine,

Ich finde, das hört sich sehr niederschmetternd an. Die
Menschen, die ich kenne, die mehrfach Krebs hatten, sind nicht
mehr gesund geworden, sondern haben ein paar Jahre gekämpft
und sind dann doch gestorben.

Wie können die Aussichten für meine Kollegin eingeschätzt
werden?

Wahrscheinlich nicht besser, als die der Menschen, die Du geschildert hast. Krebs ist eben immer noch so gut wie nicht heilbar. Dazu kommt, daß jede herkömmliche Behandlung den Organismus weiter schwächt und im Grunde damit wieder die Voraussetzungen verbessert, erneut (neu oder metastasierend) zu erkranken.

Wenn ich mich recht erinnere, hat man früher einen Krebs als geheilt betrachtet, wenn jemand nach der Entdeckung (oder Behandlung?) noch 5 Jahre gelebt hat. Dementsprechend würde Deine Kollegin als geheilt in die Statistik wandern, wenn Sie in einem Jahr sterben würde. Allerdings weiß ich nicht, ob heute auch immer noch auf diese Weise gezählt wird.

Liebe Grüße

Avera

Hi,

Wenn ich mich recht erinnere, hat man früher einen Krebs als geheilt betrachtet, wenn jemand nach der Entdeckung (oder Behandlung?) noch 5 Jahre gelebt hat.

das ist fast richtig. Nennt sich 5-Jahres-Überlebensrate und wird in Prozent angegeben. Ist für einige Krebsarten höher, für andere erschütternd niedrig.

Soweit ich weiß, geht es aber auch darum, ob in der Zeit wieder der gleiche Krebs auftritt. Wenn ja, würde sie nicht als geheilt gelten.

Tritt eine andere Form von Krebs auf, wäre sie für den ersten geheilt, aber hätte dann eben einen anderen, der seine ganz eigenen Überlebensraten und -chancen hat.

In diesem Fall frage ich mich, wie sie vier Jahre Ruhe und jetzt Metastasen haben kann - Metastasen sind Absiedelungen von Krebs, sprich, der kann nicht weg gewesen sein. Wurde möglicherweise nur nicht diagnostiziert.

Gruß
Cess

@Avera und Cess
Hallo Avera, hallo Cess!
Danke schonmal für eure Ausführungen!

Soweit ich weiß, geht es aber auch darum, ob in der Zeit
wieder der gleiche Krebs auftritt. Wenn ja, würde sie nicht
als geheilt gelten.

Galt sie wohl auch nicht, weil sie medikamentös weiterbehandelt wurde, damit die Tumoren nicht wieder auftauchen.

Tritt eine andere Form von Krebs auf, wäre sie für den ersten
geheilt, aber hätte dann eben einen anderen, der seine ganz
eigenen Überlebensraten und -chancen hat.
In diesem Fall frage ich mich, wie sie vier Jahre Ruhe und
jetzt Metastasen haben kann - Metastasen sind Absiedelungen
von Krebs, sprich, der kann nicht weg gewesen sein. Wurde
möglicherweise nur nicht diagnostiziert.

Sie hatte Innerhalb von drei Jahren dreimal Brustkrebs, bei der Erstdiagnose hatte sie bereits Metastasen in der Lunge und in der Leber.
Beim zweiten und dritten Mal waren es jedesmal andere Tumorarten. Diese Tumoren haben sich von bestimmten Hormonen ‚ernährt‘, deshalb hat sie ‚Gegenhormone‘ bekommen (Herceptin), damit dieser Krebs nicht wieder auftreten kann. Dieses Medikament, das sie alle 3 Wochen per Infusion verabreicht bekommt, greift das Herz an. So wurde vor einigen Monaten gewechselt zu einem Medikament, dass nun aber das Blutbild verschlechtert.

Insofern ist ihre Ausgangslage für den neuerlichen Kampf sicherlich nicht optimal.

Die Aussicht, dass sie jetzt lange kämpfen muss und wahrscheinlich doch verlieren wird, macht mich so unendlich traurig und verzweifelt. Ich wollte mal hören, ob es doch noch Hoffnung gibt - obwohl mir innerlich klar war, dass dem wohl nicht so sein wird.

Es ist so schwer, das zu akzeptieren. Ich weiß gar nicht wie sie das überhaupt schafft.

Danke euch!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo,

eine Beurteilung aus der Ferne ist in jedem Falle unseriös, egal, ob sie positiv oder negativ ausfällt. Krebs gehört zu den Erkrankungen, die sich am stärksten von Patient zu Patient unterscheiden können. Bei der prognostischen Beurteilung muss selbst der behandelnde Arzt Vorsicht walten lassen, eben weil es so viele Faktoren dafür gibt. Früher hätte man dem Patienten auch noch gesagt, wie lange er zu leben hätte, wovon man aber glücklicherweise aus ethischen und fachlichen Gründen immer weiter abrückt.

Wenn du deine Kollegin behutsam fragst, kannst du sicherlich mehr erfahren, als von irgendjemandem, der den Fall nicht oder nur kaum kennt.

Mit freundlichen Grüßen
jaZoo