Hallo,
die ganzen Nebelkerzen, die beim Thema Benzinpreis dauernd gezündet werden, um die eigenen egoistischen Interessen zu verschleiern, gehen mir nur noch auf den Keks.
Der Benzinpreis ist kaufkraftbereinigt beileibe nicht auf einem Höchststand. In Bezug auf den Durchschnittslohn abhängig beschäftigter Menschen gehört 2026 zu den eher „billigen“ Jahren seit Beginn der Massenmobilisierung:
Infografik: So lange müssen wir für einen Liter Benzin arbeiten | Statista
Je höher der individuelle Verbrauch, desto mehr Verbrauch könnte eingespart werden durch vorausschauendes, spritsparendes Fahren. Dazu gäbe es in vielen neueren Modellen auch viele technische „Helferlein“. Von einem Run auf immer noch angebotene Sparseminare ist mir aber nichts bekannt. Auch wer von vorneherein statt „Eco-“ den "Sport-"Modus einstellt und deswegen oft schon 1,0-1,5l/100km mehr verbraucht, soll bitte nicht die Allgemeinheit in die Pflicht nehmen, wenn die Preise steigen. Wer unbedingt auf der Autobahn mit Tempo 150-200 Km/h rasen will, sollte gefälligst den dadurch drastisch erhöhten Verbrauch auch in vollem Umfang selber tragen.
Ich kenne kaum jemanden, der explizit den Verbrauch zum kaufentscheidenden Kriterium macht beim Neukauf. Stattdessen wird ein „Schweinegeld“ für Statuszubehör ausgegeben, das dann auch zT den Benzinverbrauch erhöht.
Mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen, wenn über einen jährlichen Bruttoanstieg der Benzinkosten um einige 100/€ gejammert wird und gleichzeitig das 10fache für Felgen ausgegeben wird.
Und all das subventionieren all die Menschen wie ich seit Jahrzehnten, die ihre Mobilität ohne Privat-PKW organisieren. Aber auch Menschen werden bestraft, die bereits jetzt einen PKW mit auch in der Praxis geringen Verbrauch nutzen.
Wir zahlen für die Raser und die Tuner mit und für die, die ihren Hobel morgens minutenlang im Stand warmlaufen lassen müssen oder aber jeden Gang bis zu oberen Drehzahlgrenze ausreizen.
Denn natürlich gilt bei diesem Benzinpreisrabatt „Wer hat, dem wird gegeben“, denn wer viel verbraucht, kriegt in Summe die meiste Entlastung. Und E-Auto-Besitzer gehen natürlich auch leer aus und subventionieren die Verbrenner mit.
Und da spielt auch keine Rolle, daß dieser Tankrabatt sich schon bei der ersten Einführung als völlig untaugliches Gießkanneninstrument erwiesen hat und selbst ziemlich konservative Ökonomen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Aber nein, es braucht ein Symbol, die Lobby des Beharrens und des Kopf-in-den-Sand-Steckens muß bedient sowie das krasse Managementversagen großer Teile der Chefetagen der Autoindustrie übertüncht werden. Die Zeche zahlen dann wie üblich die Beschäftigten.
Mit Zukunftsfähigkeit hat das alles gar nichts zu tun.
Ja, Mobilität insgesamt muß bezahlbar bleiben bzw. werden. Aber die nicht nur umwelt- sondern auch sozial- und wirtschaftsschädliche Technologie des Verbrenners gehört so schnell wie möglich auf den Abfallhaufen der Technologiegeschichte.
Und Benzinpreise dürfen ruhig noch weiter steigen, um den absolut notwendigen Wandel zu beschleunigen.
Ach ja, auch „billiges Gas“ ist ein Technologiehemmnis in Bezug zB auf moderne Wohnungsheizungen.
In beiden Fällen, Öl und Gas, bedeutet ein Festhalten an den Technologien auch eine Abhängigkeit von nicht bzw. kaum zu beeinflussenden Preisentwicklungen aufgrund von Krisen und Konflikten in den Erzeugerregionen bzw. auch entlang der Transportwege.
Und wer ernsthaft der Atomenergie hinterhertrauert, dem ist sowieso in Sachen Realitätsverweigerung nicht mehr zu helfen.
Atomenergie ist heute schon mit deutlichem Abstand ggü. den regenerativen Energien viel zu teuer, wenn der gesamte Prozess der Rohstoffgewinnung, des Transports, der Erzeugung sowie der nach wie vor weitgehend ungelösten Endlagerung subventionsbereinigt berechnet wird.
Dann ist Atomenergie nach Wasserstoff die zweitteuerste Energiequelle.
Dem widerspricht auch nicht, daß zeitweilig auf Strombörsen extrem billiger Atomstrom verkauft wird. Denn dieser Strom muß zeitweilig verramscht werden, weil AKWs munter weiter produzieren müssen und bei sinkender Nachfrage eben nicht mal eben runtergefahren werden können. Außerdem kommt dieser Strom idR aus alten, längst abgeschriebenen Meilern, die nicht mehr zwingend die immensen kalkulatorischen Kosten für den Bau eines Meilers einfahren müssen.
Nein, der konsequente Ausbau der regenerativen Energien Wind und Solar - auch mit kleinteiliger Erzeugung - sowie die notwendige Verteil- und Speicherinfrastruktur ist der einzige zukunftsfähige, praxiserprobte Weg der Energierzeugung.
Hier ist Deutschland schon lange kein „Vorreiter“ mehr, sondern auch in der EU Nachzügler.
Wie es anders, auch zum Nutzen der Verbraucher*innen geht, kann man zB in Spanien beobachten:
Spanische Energiewende zahlt sich aus: Stromrechnungen sinken trotz Energiekrise | Euronews
mit den Vorreitern in einer der wohlhabensten spanischen Regionen, nämlich Navarra, die seit ca. 2016 weitgehend energieautonom ist.
&tschüß
Wolfgang