Projektion blinder Fleck

Hallo,

im Alltag mit Freunden Bekannten etc. geschieht es wohl immer wieder, das man deren Eigenschaften, Verhaltensweisen einschätzt, bewertet.

Die Frage: Wie kann man für sich selber erkennen, ob es sich bei der getroffenen Einschätzung z. bsp.

  • er/sie manipuliert
  • er/sie ist geizig
  • er/sie verdrängt, dass…
  • er/sie ist geradlinig usw.

um tatsächliche Eigenschaften der Person (des Gegenüber) handelt oder ob es Projektionen sind bzw. Eigenschaften die den eigenen blinden Fleck betreffen.

Vielen Dank
Miss

ist d Frage evtl. so schwierig o unverständlich???
da es keine Antworten gibt - oder haben alle Psychologiestudenten evtl. schon Semesterferien und die Psychologen Urlaub?

(er /) sie ist ungeduldig
Hi,

es gibt keinen „das ist Eigenschaft und das Projektion“-Trick.
Geschlussfolgert wird aus einer Verhaltensbeobachtung-
deren Konstanz dient als subjektives „Maß der Zuverlässigkeit“.

Beruhen tut das Ganze auf „Erfahrungswerten“ , gesellschaftlicher Konvention; Wer sich soundso verhält ist idr dies oder das.
Hier ist die „Konvention“, wer 12 Std später, bei einem „über-Nacht-Posting“ nachfragt, fällt als ungeduldig auf-
Genauso gut könnte man aber andere Eigenschaften hinein interpretieren- je nach Standpunkt.

Ein objektives Maß bedarf andernfalls ein objektives Instrument, mindestens Fundament, zb. ein Testverfahren, um eine zuverlässige Angabe zu erhalten.

Stichwort: statistische, intuitive oder klinische Prognose.

Fro

Hallo,

vielen Dank erst einmal. Eine Anmerkung zur Ungedulig wäre in dem Fall das, was ich gemäß meinem eigenen Empfinden bestätigen kann.
Das wäre auch eine der gemeinten Einschätzungen, d.h. inwieweit kann es tatsächlich richtig erkannt werden und zu wieviel Prozent hängt die Einschätzung mit dem Beurteiler zusammen.

Grüße
Miss

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Moin, Miss,

das scheint mit der Objektivierbarkeit der Kriterien zusammenzuhängen: Wenn ich Dich für ungeduldig ansehe, dann bist Du wohl nicht so geduldig wie ich - Geduld ist nicht messbar, im Gegensatz zB zur Körpergröße. Erschwerend kommt hinzu, dass mein subjektiver Maßstab keineswegs unveränderlich bleibt, der kann je nach Tagesform durchaus schwanken.

Gruß Ralf

hi,

nein, ich bin nicht im urlaub!

also: eine objektive einschätzung der eigenschaften anderer kann von niemandem vorgenommen werden. die attribuierung anderer menschen oder auch die beschreibung des verhaltens erfolgt dadurch, dass ein mensch einen anderen beobachtet, dann in seinem gehirn nach passenden schubladen dafür sucht und dann etwas sagt. diese schubladen müssen ja irgendwoher kommen. dafür gibt es zwei möglichkeiten: 1. es sind schubladen, die man von sich selber kenn oder 2. solche, die man von anderen kennt.

ich muss also nicht zwingend selbst z.b. hinterhältig sein, um andere als solche zu bezeichnen. es wäre aber möglich, dass ich solches verhalten auch von mir selbst kenne. es könnte aber auch von anderen bekannt sein.

an der theorie, nach der man bei beschreibungen anderer eher seinen eigenen blinden bleck ausdrückt, ist also was dran. aber nur zum teil.

man kann besser sagen: wenn man etwas in einem anderen menschen erkennt, sagt das mehr über die eigene geschichte aus, als über die des anderen.

*Gespräch weiterführ*

Geduld ist nicht messbar, im Gegensatz zB zur Körpergröße.

aber, theoriegemäß, normierbar.
(sonst müssten wir ja alle Tests in die Tonne treten)
Der Vergleich findet also mit der eigenen Geduldigkeit sowie dem mutmaßlich am häufigsten vertretenen Maß an Geduldigkeit in der Gesellschaft statt.
(zb. „Du bist genauso ungeduldig wie ich“ )

Erschwerend kommt hinzu, dass mein subjektiver Maßstab keineswegs
unveränderlich bleibt, der kann je nach Tagesform durchaus schwanken.

Ebenso schwankt die gesellschaftlich (akzeptierte) Norm-
man denke nur an die „Snail Mail“…

An Fähigkeiten bedarf es rein technisch zum einen die der Wahrnehmung eben solchen Verhaltens, sowie der Kenntnis gewisser Normen-
darüber hinaus einen gewissen Grad an Empathie, um das beobachtete Verhalten auch interpretativ in den richtigen Kontext zu legen.

fro

Geduld kann doch in Zeiteinheiten gemessen werden, hier z.Bsp. das abwarten auf eine Antwort ohne Nachfrage:

  • 1 stunde, 2 Stunden, 24 Stunden, 3 Tage (wobei dann der Artikel bereits im Archiv ist :smile:) und warten zwecklos

nie Nachfragen = nicht ungeduldig, oder aber es war nicht wichtig genug

jetzt noch zu Norm, welche wäre das in diesem Fall? Das Antwortverhalten insgesamt im Forum oder speziell in diesem Brett?

mfg miiss

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Geduld kann doch in Zeiteinheiten gemessen werden, hier z.Bsp.
das abwarten auf eine Antwort ohne Nachfrage:

  • 1 stunde, 2 Stunden, 24 Stunden, 3 Tage

Jein.
WAS ich WO und WEN frage spielt dabei eine erhebliche Rolle.

Stelle ich eine „leichte“ Frage oder eine aus einem weit verbreiteten Gebiet bekomme ich idr schnell eine Antwort,
da ein hoher Prozentsatz der Befragten die Antwort mutmaßlich kennt, und somit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ich schnell einen Wissenden treffe. (zb. Haustier- Frage zu Katze)
Stelle ich eine „schwere“ Frage oder eine aus einem sehr spezifischen Gebiet, muss ich idr länger warten, da prozentual weniger Menschen die Antwort kennen und somit die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass einer der ersten 20 Leser die Antwort kennt. (zb. Frage zu Pinselohrschweinen)

Damit bekommt Zeit einen relativen Charakter.
Weshalb man nicht pauschal sagen kann, wer 10 Stunden auf eine Antwort wartet ist geduldig oder ungeduldig.

jetzt noch zu Norm, welche wäre das in diesem Fall? Das
Antwortverhalten insgesamt im Forum oder speziell in diesem
Brett?

lach. Jetzt wird’s aber arg theoretisch.
Die Norm müsste man, wenn man es sauber machen will, noch erheben.
Aber es gibt ein paar Faktoren, die einem erlauben eine Einschätzung abzugeben:
Spreche ich eine bestimmte Berufsgruppe an mit einem 9 to 5 Job
(wenn es den noch gibt), poste um 9.30 oder auch abends halb zwölf, werden wenige der Adressaten -berufsbedingt- die Möglichkeit gehabt haben die Frage zu lesen, geschweige denn darauf zu antworten.

Wie spezifisch ist die Frage (bedarf es besonderer Kenntnisse, Zusatzqualifikationen)? Wenn ja, wie häufig wird das Brett rein theoretisch von diesen Personen besucht? (Welche Einschränkungen liegen zb. schon auf der Hand)
Guckt man sich mal durch das Archiv kann man m.E. 24 - 48 Std als realistischen Maßstab für eine handvoll adäquater Antworten -im Brett Psychologie- bei Fragestellungen annehmen, die einen gewissen Grad fachliche Kenntnisse voraussetzen.

Gruß Fro

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