Darf man Personen der Zeitgeschichte ungefragt in einem Roman auftreten lassen?
Wie hier in meinem neuen Roman:
Auf einem der letzten G8-Gipfel erfahren die Staatsmänner von einer Verschwörungs"theorie", die Realität ist. Dabei werden neben (echten und ausgedachten) Details über den Gipfel selbst natürlich auch die Namen der Politiker genannt und sie handeln auch ziemlich realistisch.
Zitat:
Selbst Präsident Obama wirkte nach den letzten Sätzen leichenblass. Noch während so mancher Staatschef seine Gedanken sammelte übernahm José Manuel Durão Barroso, der portugiesische Präsident der europäischen Kommission die Initiative. Offensichtlich hatte er als erster die Sprache wieder gefunden.
»Unter anderen Umständen hätte ich mich bei ihnen für diesen kleinen abendlichen Spaß bedankt und sie gefragt, wo denn nun die versteckte Kamera ist und wie ihr Fernsehsender es geschafft hat hier einzudringen. Allein die Anwesenheit des heiligen Vaters und sein ständiges zustimmendes Nicken während ihrer Ausführungen lässt mich ihren Worten glauben schenken, so unglaublich sie auch erscheinen mögen. Meine Frage an sie ist: was erwarten sie von uns? Sie kennen sich doch durchaus aus in der großen Weltpolitik. Also müssten sie wissen wie schwierig es für uns alle ist die politischen Apparate in Gang zu setzen. Und bei aller Geheimhaltung wird das Ziel unserer Aktivitäten den Bürgern nicht verborgen bleiben – und das darf es auch nicht.«
Nachdem ich nun schon so einiges über dieses Thema gelesen habe (mein Verleger wollte mir die Idee komplett ausreden) habe ich versucht das zu vermeiden. Aber hier - ganz zu Anfang des Buches - wird die Vorgeschichte zur Handlung des Romans ausgebreitet. Und es ist fast unmöglich diese außerhalb des Umfeldes eines G8-Gipfels realistisch darzustellen.
Vielen Dank für diese ausführliche und wohlbegründete Antwort. Der Text kommt so natürlich nicht vor, das ist nur ein Beispiel, das mir gerade so rausgerutscht ist. Hätte besser BEISPIEL statt ZITAT schreiben sollen, aber das ist nicht das Thema
Wozu Namen? In bildlichen Medien werden oft erkennbare Silouetten eingesetzt, deren Gesicht im Schatten liegt (auch wenn es z.B. bei einem dünnen, schwarzen Präsident der Vereinigten Staaten nicht schwer ist zu raten wer das sein soll…)
Wozu musst du die Namen ausführen? Reicht es nicht wenn du schreibst „Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte… doch der Premierminister Großbritanniens wandte ein…“ dann können die Leute es sich selber denken.
Wenn du die Namen real existierender Personen benutzt kannst du die Figuren doch nicht mehr handeln lassen, schon gar nicht bei Politikern. Am Ende verunglimpfst du noch jemanden.
So möchte man sich als Autor doch nicht einengen.
Du kannst aber gerne Real Person Fanfiction schreiben
Wozu Namen? In bildlichen Medien werden oft erkennbare
Silouetten eingesetzt, deren Gesicht im Schatten liegt (auch
wenn es z.B. bei einem dünnen, schwarzen Präsident der
Vereinigten Staaten nicht schwer ist zu raten wer das sein
soll…)
Naja, aber das klingt dann doch ziemlich nach „um den heißen Brei herum“. Vor allem weil der vortragende Hauptakteur (ein fiktiver Professor) die Staatsoberhäupter teilweise direkt anspricht. Und da sagt er ja auch nicht: „Herr italienischer Präsident, …“ sondern er sagt „Herr Berlusconi, …“
Ist dir die Bedeutung des Sprichwortes „Um den heißen Brei herumreden“ wirklich bewusst? Denn genau darum geht es hier: Das IST „heißer Brei“.
Wenn du schon aus Copyright Gründen diverse fiktive Figuren nicht verwenden darfst, wie stellst du dir das mit real existieren noch _im Amt befindlichen_ Personen vor, die sich verunglimpft fühlen könnten?
Wenn du schon aus Copyright Gründen diverse fiktive Figuren
nicht verwenden darfst, wie stellst du dir das mit real
existieren noch _im Amt befindlichen_ Personen vor, die sich
verunglimpft fühlen könnten?
Äääähhhh …
das hat mit Copyright fiktiver Personen nix zu tun! Es geht einfach darum, dass die Story ganz elementar zu einem definierten Zeitpunkt beginnen muss - in der aktuellen Zeit, nicht zu irgendeiner hypothetischen Zeit. Dazu gibt es im Roman einfach zu viele Anspielungen an unsere Zeit und unser Leben. (P.S.: das ist ja gerade einer der Tricks des Romans, das er im hier und heute anfängt, weit weg in die Zukunft und die Sterne führt und dann wieder zurückkehrt …). Da es nunmal an einem G8-Gipfel beginnt spielen zwangsläufig die Politiker erstmal eine Rolle. Gut, man könnte aus Frau Merkel eine Frau Müller machen und aus Herrn Berlusconi einen Signore Spaghetti, aber wieso ist das nötig? Wenn man das Bild eines Promis verwerten darf, wieso nicht auch seinen Namen? Zumal in meinem Roman niemand durch den Kakao gezogen wird sondern alle im Rahmen des vorstellbaren realistisch handeln.
Das ist es doch: als Promi habe ich nicht mehr unbedingt das Recht am eigenen Bild - aber wie sieht es mit dem Recht am eigenen Namen aus?
Unabhängig vom Promistatus gilt das man für real existierende Personen nicht in deren Namen Texte veröffentlichen kann.Gerade das solltest du als Autor doch wissen.
Das ist es doch: als Promi habe ich nicht mehr unbedingt das
Recht am eigenen Bild - aber wie sieht es mit dem Recht am
eigenen Namen aus?
Das ist kompletter Unsinn. Als Promi hast du keine anderen Rechte am eigenen Bild als jeder Hinz und Kunz. Und „unbedingt“ ist das nie.
Aber der Promi hat eben auch nicht weniger Rechte. Die Leute ungefragt in einer Story auftauchen zu lassengeht weder mit Frau Merkel, noch mit mir.
Aber wenn du alles besser weißt, mach doch—mein Geld isses ja nicht.
Das ist es doch: als Promi habe ich nicht mehr unbedingt das
Recht am eigenen Bild - aber wie sieht es mit dem Recht am
eigenen Namen aus?
Das ist kompletter Unsinn. Als Promi hast du keine anderen
Rechte am eigenen Bild als jeder Hinz und Kunz.
_KunstUrh Gesetz§ 23
(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1.
Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2.
Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
3.
Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
4.
Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.
(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird._
So du Oberschlauberger, weisse bescheid!
Aus §23 KunstUrhGes geht eine ganze klare Einschränkung der Bildrechte hervor, sofern es sich um eine Person der Zeitgeschichte handelt.
Ich frage jetzt einfach nur, ob man dies auch auf den Namen einer Person der Zeitgeschichte anwenden darf - wenn es dazu ein klare, evtl. sogar von einem deutschen Gericht abgesegnete Antwort gäbe wäre ich sehr dankbar wenn mir jemand einen entsprechenden Link nennen könnte. Ansonsten lasst einfach das gelabere bleiben.
Unabhängig vom Promistatus gilt das man für real existierende
Personen nicht in deren Namen Texte veröffentlichen
kann.Gerade das solltest du als Autor doch wissen.
Woher soll ich wissen was ich als Autor darf und was nicht? Autor kann jeder werden, sogar ein KleinerDummer.
Niemand behauptet, das ich einen Text unter dem Namen von Frau Merkel veröffentliche! Ich benutze sie lediglich in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin als handelnde Figur im Rahmen eines Romans.
Lies doch einfach mal meine Eröffnungsfrage richtig durch!!!