Hi,
grundsätzlich ist die akademische „Nebenbeschäftigung“ ein
Problem, ich gehe aber davon aus, dass jemand, der sich zu
einer Promotion aufschwingt, intelligent genug ist, das für
sich selber zu beurteilen, oder?
Das schon. Ich erlaube mir nur, Klartext zu schreiben und auf die negativen Seiten hinzuweisen.
Ich weiß nicht, auf welcher Grundlage Deine 4 Jahre zustande
kommen.
In den Naturwissenschaften (Tendenz zu 3 Jahren) und Ingenieurswissenschaften (Tendenz zu 5 Jahren) ist das absolut normal. Genauso war das bei den Historikern und Nationalökonomen in meinem Bekanntenkreis. Eine Ausnahme sind Mediziner, aber um einen Dr. med. geht es hier nicht. Wie es im Bereich BWL aussieht, weiss ich nicht.
Nahezu alle Promovierten, die ich kenne, haben
bestenfalls 2-3 Jahre nebenberuflich an ihrer Diss.
gearbeitet, da sie entweder hauptberuflich als Assistent an
einem Lehrstuhl tätig waren
Hier passt die Berufstätigkeit und die Promotion zusammen, man kann Synergieeffekte nutzen.
oder eben parallel zu ihrem
eigentlichen Beruf promoviert wurden. In den seltesten Fällen
(hauptäschlich wohl bei empirischen Untersuchungen) wirst Du
bei einer Promotion Vollzeit an Deinem Dissertationsthema
arbeiten.
In den Naturwissenschaften üblicherweise schon. In den Geisteswissenschaften hängt es von Deiner Finanzierung ab (Stipendium oder nicht etc.).
Generell gebe ich Dir recht, dass eine Promotion nicht
besonders karrierewirksam ist. Im speziellen sind aber
durchaus Konstellationen vorstellbar, wo das tatsächlich der
Fall ist. Dementsprechend würde ich das der persönlichen
Beurteilung des Fragers überlassen (wie auch die Beurteilung
der persönlichen Situation). :
Nebenbei: Es soll auch Menschen
geben, die aus Freude am wissenschaftlichen Arbeiten eine
Dissertation verfassen wollen und nicht an die Karriere dabei
denken. Und würdest Du jemandem genauso vehement abraten, sich
einen Oldtimer zum aufarbeiten zu kaufen? Denn das ist ähnlich
zeitintensiv…
Nein. Aber ich rate jemandem ab, der „seinen“ Doktor machen will, dabei beruflich nicht zurückstecken will und dabei möglichst wenig mit Wissenschaftlern sprechen will. Das klingt nicht nach Liebe zur Wissenschaft sondern nach einem Karrierewunsch - was in meinen Augen durchaus legitim ist. Deshalb ist hier die Überlegung wichtig, ob die Promotion die Karriere fördert oder eher schadet. Dem Fragesteller sollte z.B. klar sein, dass man „Karriere“ zwischen 30 und 40 macht. Fährt man in dieser Zeit „mit angezogener Handbremse“ durch das Berufsleben weil man nebenberuflich engagiert ist, nützt eine spätere Promotion u.U. der Karriere wenig. Man wird auf einer zu niedrigen Hierarchiestufe mit zuwenig Verantwortung zu alt. Das mag in nichttechnischen Berufen anders sein - was ich aber nicht wirklich glauben kann - , im technischen Bereich sind die Regeln ziemlich hart.
Und ich kenne mehrere, die der Arbeitgeber bei dem Unterfangen
sogar unterstützt hat.
Das kommt auf das Thema an. Bei einer „Industriepromotion“ ist das klar, hier dient die Promotion auch den Firmeninteressen. Sobald die Promotion nicht den Firmeninteressen dient, wird es sehr schwierig und die Geduld der AG ist begrenzt. Im besten Falle wird dann zwar kein Druck ausgeübt, aber es werden die Kollegen befördert.
Fazit: Es ist eine Herausforderung, man sollte sich im
vorhinein klarmachen, worums geht, aber im grunde ist es auch
ein Hobby, was durchaus Spass machen kann…
Klar, da sind wir uns einig. Man verzichtet auf vieles, hat aber auch eine Menge Spass an selbstbestimmter Arbeit. Das ist der grosse Pluspunkt.
Ciao Rossi