Hallo,
Naja, also von d-e-n Religionsgemeinschaften zu sprechen ist
ja nun fast so wie Bibelzitate aus dem Kontext gerissen von
sich zu geben…
Ich meine nicht nur d-i-e, sondern alle, die es darauf
angelegt haben, ihre Schäfchen als kritiklose und lammfromme
Herde zu halten. Verwalten?
Andererseits würden sich die alten Männer (so ist
es auch in der ev. Kirche weitgehend…) da oben sicherlich
schwer wundern, wenn ihre Schäfchen mal Luther ernst nehmen
und ihre „Rechte“ wahrnehmen.
…und deshalb reflexartig in die Ecke gestellt würden.
Aber solange das Höllenfeuer nicht aus den Köpfen verschwunden
ist, wird dieses Disziplinierungmittel beim Kirchenvolk
weiterhin fröhliche Urständ feiern und den Zweck nicht
verfehlen.
Also, zumindest ein Pfarrer innerhalb der ev. Landeskirchen dürfte nicht mit „Höllenfeuerängsten“ arbeiten. Das würde allem zuwider laufen, auf was er sich verpflichtet hat und ihm auch gehörigen Ärger seitens der betreffenden Stellen einbringen - nur, die müßten auch davon erfahren…
Arg zu denken gibt mir auch immer wieder der Enzug der
kirchlichen Lehrerlaubnis.
Mir auch. Jedoch ist dies, darauf möchte ich schon Wert legen, ein rk Phänomen. Der Fall „Lüdemann“ (hatte ich hier schon mal drüber referiert) ist der einzig mir bekannte Fall aus dem evangelischen Bereich. Ihm wurde nicht die Lehr- sondern die Prüfungserlaubnis bei den Landeskirchen entzogen. Dies auch nicht, weil er nun etwas gesagt hätte, was nicht andere - große - Theologen 100 Jahre vor ihm nicht auch schon gesagt hätten. Dies deswegen, weil man einem Juraprofessor auch das Prüfen untersagen würde, würde er plötzlich auf die Idee kommen, Juristerei nach einer anderen Systematik auszulegen als derjenigen, die allgemein wissenschaftlich anerkannt ist. Hier war der Knackpunkt bei Lüdemann: nicht, was er gesagt hat (Hauptthese: Das Grab war voll. Das wissen die Exegeten nun wirklich schon seit 100 Jahren), sondern daß er sich dabei einer nicht mehr wissenschaftlich nachvollziehbaren Methode bedient hat. Dazu kam sein privates - und öffentlich gemachtes -Glaubensbekenntnis, was nun wirklich nicht mehr mit dem der Kirche übereinstimmen konnte (einen „verfassungsfeindlichen“ Juristen läßt man auch nicht prüfen…). Er hat zwar im Zuge dessen einen anders betitelten Lehrstuhl erhalten, seine Scheine werde aber von den Landeskirchen anerkannt.
Aber eben, mundtot machen war schon immer ein porbates Mittel.
Auch der Umgang mit den Apokryphen spricht für sich.
Welche Apokryphen? Warum wird immer so viel geheimnist, wo nichts zu geheimnissen ist. Die Kenntnis der Apokryphen ist Prüfungsinhalt und auch besonders für die (kirchen-)historische Forschung höchst relevant. Mal abgesehen davon, daß für den Protestanten manches „apokryph“ ist, was für den Katholiken zum Kanon gehört.
Herodot hatte sicherlich nicht unser heutiges
Wissenschaftsverständnis und hat seine historia auch unter
ganz anderen Gesichtspunkten geschrieben!
Da gehe ich mit dir völlig einig, er hat zeitgemäss
geschrieben und allzuviele Spektren abzudecken versucht. Aber
in tristen Stunden immer amüsant zu lesen.
Wie schön, daß wir uns wenigstens hier einig sind!
es nur viel zu viel heute, die unter dem Posatulat, was
Wissenscháft ist, ist auch richtig, eine höchst eigenartig
selektive Art der Forschung betreiben…
Die Wissenschaft hat, im Gegensatz zu andern (wer wohl?), erst
dann recht, wenn der Beweis erbracht ist. Das gilt auch für
Historiker. Deshalb schreiben die amtlichen Kirchenhistorker
meistens zwei Fassungen…
??? ICh gebe ja nun gerne zu, daß ich mit manchen Kirchenhistoriker so meine Schwierigkeiten habe. Wie Du gemerkt haben wirst, bin ich selbst - evangelische - Kirchenhistorikerin (Alte Kirche). Ich rätsele: Ich kenne keine „amtlichen“ Kirchenhistoriker, jedenfalls niemanden, der in Bezug auf die Landeskirchen nun amtlicher ist als ich. Ich brauche auch keine Erlaubnis, bei der Veröffentlichung meiner wissenschaftlichen Ergebnisse (was ein rk Priester m.W. immer noch braucht). Ich werde auch sicherlich keine zwei Fassungen schreiben und die Methoden der Kirchengeschichte sind die philologische und die historische. Was uns von den anderen Historikern unterscheidet, ist lediglich die Fokussierung auf die Geschichte der Kirche (die nun über weite Strecken schwer zu trennen ist von der „allgemeinen Geschichte“) und der geistesgeschichtliche Schwerpunkt…
Wenn Du Dich aber weder intensiver mit (Spät-)antikem Latein noch Alter
intensiver mit (Spät-)antikem Latein noch Alter
Kirchengeschichte beschäftigst, wüßte ich nicht, warum man ihn
kennen müßte.
Mein Beruf bringt eine recht intensive Beschäftigung mit
Kirchengeschichte mit sich, zwangsläufig Latein inklusive.
Na dann empfehle ich Dir Gnilka, vielleicht willst Du mir eine genauer Themenstellung nennen, ich könnte dann eventuell auch auf ein konkretes WErk hinweisen… Immerhin: So, wie ich Dich hier einschätze, wird es Dir bei Gnilka nicht langweilig, denn Du wirst Dich ständig aufregen:wink:
Nur soviel: Könnte nicht mal wenigstens einer hier im Forum akzeptieren, daß es d-i-e Christen nicht gibt? Es gibt doch auch nicht d-i-e Buddhisten, Mohammendaner, Juden… Es wäre wirklich nett…
Grüße,
Taju