Prostatabehandlung und Libidoverlust

Hallo,

ich geh demnächst zum Urologen, um meine Prostata untersuchen zu lassen. Ich bin jetzt in dem Alter, wo man das regelmäßig tun sollte. Und da ich schon eine gewisse Verlangsamung beim Wasserlassen festgestellt habe, könnte mir das passieren, was wohl in meinem Alter (so um die 50) vielen passiert: es wird eine gutartige Vergrößerung der Prostata festgestellt.

Solange die nicht allzu groß ausfällt, wird heute meist medikamentös behandelt, meistens mit Alphablockern. Dort ist als Nebenwirkung beschrieben, dass diese Mittel die Libido senken. Ich nehme an, dass man je nach Wahl des Medikaments oder der Kombination mehr oder weniger Libidoverlust erfahren wird.

Mich persönlich würde das nicht stören. Ich lebe in einer Situation (die ich nicht näher erläutern möchte), die mir auf absehbare Zeit (ich könnte genauso gut schreiben: für den Rest meines Lebens) keinen GV bescheren wird. Masturbieren, und vor allem das damit verbundene Kopfkino empfinde ich als lästig (to say the least). Ich könnte mir vorstellen, dass mein sexueller „Leidensdruck“ nachlässt, wenn die Alphablocker zuschlagen.

Versteht mich nicht falsch: Ich würde nicht ohne Indikation Anaphrodisiaka nehmen wollen, ob mild und pflanzlich (Mönchspfeffer), oder ob die harten Hämmer, die zur chemischen Kastration von Straftätern empfohlen werden. Aber wenn eine medizinisch indizierte Behandlung so eine Nebenwirkung haben würde, dann stünde ich dem nicht ablehnend gegenüber.

Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrungen mit Libidoverlust nach Alphablockern? Ist meine Vorstellung richtig, dass man dann weniger will, und (wenn man eh nicht kann) das evtl. sogar als Erleichterung empfinden könnte? Oder gibt es andere Nebenwirkungen (allgemeine Antriebslosigkeit), die mir diese an und für sich nicht unliebsame Nebenwirkung verleiden könnten?

Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass ich meinem Urologen im Falle des Falles durchaus darlege, dass mir ein Libidoverlust nicht ungelegen käme. Vielleicht ergibt sich dann sogar die Möglichkeit, ein in Bezug auf die Hauptwirkung besseres Medikament auszuwählen, wenn ich diese NW nicht fürchte. Aber wenn Ihr mir natürlich sagt, dass ich mir da Illusionen mache, und dass die NW ein Schuss ist, der nach hinten losgeht, dann würde ich es mir noch einmal überlegen.

Besten Dank im voraus,
lustlos

hallo lustlos,
zur der Behandlung einer gutartigen Prostata-Vergrößerung werden verschiedene Medikamente angesetzt, pflanzliche oder chemische Präparate. Du bist richtig informiert; einige Medikamente können eine Herabsetzung der Libido verursachen. Herabsetzung bedeutet nicht: da geht gar nichts mehr, sondern der sexuelle Reiz muss stärker sein als sonst, bis da etwas läuft.
Aber bedenke: Sexualität findet hauptsächlich im Kopf statt.
Ich denke, Du solltest offen mit Deinem Urologen sprechen, er hat sicher Verständnis für Deine Probleme.
Ein Prostata-Medikament kann Dir also zweifach helfen.
Gruß synapse

Hallo synapse,

vielen Dank für Deine Antwort. Das ermutigt mich, in diese Richtung weiterzudenken.

Herabsetzung bedeutet nicht: da geht gar nichts mehr, sondern
der sexuelle Reiz muss stärker sein als sonst, bis da etwas läuft.
Aber bedenke: Sexualität findet hauptsächlich im Kopf statt.

Das ist mir - nach knapp einem Jahr „Kampf“ - nun auch schon klar. Ich kann nicht erwarten, mit Alphablockern mich an Pornofilmchen zu erfreuen und dabei sauber zu bleiben. Selbstdisziplin muss dazukommen. Und mit Selbstdisziplin habe ich es immerhin geschafft, die Häufigkeit des von mir unerwünschten Masturbierens auf ein Drittel zu senken. Aber wenn Sexualität auch im Kopf stattfindet: der Kopf wiederum steht ganz offensichtlich unter dem Einfluss von Hormonen, die bei längerer Enthaltsamkeit steigen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass alle Vorsätze nichts nützen: nach einer, spätestens zwei Wochen spielt der Kopf verrückt.

Ich denke, Du solltest offen mit Deinem Urologen sprechen, er
hat sicher Verständnis für Deine Probleme.

Das werde ich tun. Ich will ja demnächst zur Vorsorgeuntersuchung.

Ein Prostata-Medikament kann Dir also zweifach helfen.

Das wäre prima. … Mich würden noch „Erfahrungsberichte“ interessieren, wenn ich auch annehme, dass die Herabsetzung der Libido von den meisten Betroffenen eher als lästig empfunden wird. Aber auch, wenn man die Sache unter „umgekehrten Vorzeichen“ sieht, kann man doch berichten, wie sich das „anfühlt“, wenn diese Nebenwirkung zuschlägt.

Beste Grüße,
lustlos