"Proteste" Farbiger in USA lediglich Populismus + Gewalt?

Du hast geschrieben, dass Biden nicht mal vom größten Trump-Gegner gewählt werden wird. Und siehe da: es wählen ihn sogar Republikaner.

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Das geht jetzt hoffentlich eh den Weg alles Irdischen.

Nur mal so zur Erinnerung!

Und nur mal so zur Erinnerung:

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Trump hatte drei Mio. Stimmen weniger und hat nur wegen des Wahlmännersystems gewonnen.

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Wann Stiglitz zuletzt etwas dazu veröffentlicht hat darfst Du selbst googeln. Dieser Fakt dürfte jedenfalls den Frust vieler Wähler erklären.

Auf die Stelle hatte ich etwas aus 2011 gefunden. Ich war mir nicht sicher, ob Du das meinst, aber das scheint ja der Fall zu sein und das ist dann natürlich um die Wahl herum nicht mehr aktuell gewesen. Im übrigen stand es ja so furchtbar um die Demokraten nicht. Drei Millionen Stimmen mehr deuten jedenfalls nicht unbedingt darauf hin, daß die Bevölkerung total unzufrieden war.

Einerseits könnte man jetzt darüber diskutieren wie sinnvoll es wäre, wenn Stiglitz jedes Jahr eine Studie mit der gleichen Aussage veröffentlichen würde - aber gehen wir mal davon aus, dass sich seit 2011 alles wieder zum besseren geändert hat: Dann hat die Mittel- bzw. Unterschicht der USA immer noch einen niedrigeren Lebensstandard als deren Elterngeneration weil sich innerhalb von ein paar Jahren nicht der gesamte Rückstand kompensieren läßt. Was vor allem bleibt, ist das Gefühl weniger Chancen als die Generationen davor zu haben - und dann kommt jemand mit dem Slogan „Make America great again“.

Da Menschen auch allgemein dazu neigen die Vergangenheit rosiger zu sehen als sie wirklich war, ist dieser Slogan eines der wenigen Dinge die ich an Trumps Wahlkampfteam professionell fand.

Und der verfängt wie hierzulande bei Leuten, denen man das Gefühl einredet, daß es ihnen schlecht geht: bei ungebildeten Vollhonks und Landeiern, von denen es in den USA weitaus mehr gibt als hier. Und natürlich bei Leuten, die der Ansicht sind, daß es mal wieder einen starken Führer braucht, was hier wahrscheinlich genauso viele meinen wie in den USA. Und da sind wir dann wieder bei den Karikaturen vom weinenden Baby im Bunker des Weißen Hauses. Nicht gut für Trump, aber gut für den Rest der Welt.

Wieso das?

Kurze Antwort: Ein großer Teil der Bevölkerung in den Südstaaten waren Sklaven, die nicht wählen durften. Daher wären diese in einem System, bei dem einfach alle Stimmen im Land zusammengezählt werden, massiv benachteiligt gewesen (Steuern spielten hier auch eine Rolle). Damit die Südstaaten aber der Union beitreten, gab es eben den Kompromiss mit den Wahlmännern und der Drei-Fünftel-Klausel (Sklaven zählen bei der Zählung der Bevölkerung zu 3/5).

Hier gibt’s eine längere Erklärung:

The College’s primary purpose was not to give small states greater representation, as is often claimed by its defenders today. Instead, the Electoral College was created to reflect the political realities associated with accommodating the institution of slavery into our electoral system. Under a direct election system, the southern states would be at a significant disadvantage because their slaves could not vote. Through the Electoral College and the Three-Fifths Compromise, however, partially counting the slaves when determining the number of presidential electors allowed southern states to rival the electoral power of their northern brethren.

Achja: Die Gründerväter waren auch der Meinung, dass der durchschnittliche Bürger zu uninformiert gewesen wäre, um eine so wichtige Entscheidung alleine zu treffen. Das aber nur so am Rande :wink:

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Wobei es bis November noch eine Weile hin ist - und bis dahin hat Trump noch viel Zeit um Wahlkampf z.B. in Form eines Krieges gegen den Iran oder gegen die eigene Bevölkerung zu machen.

Wären heute Wahlen, würde nicht nur Biden deutlich gewinnen, sondern es würde auch starke Zugewinne für die Demokraten im Kongress geben. Biden liegt landesweit im Schnitt 8 Punkte vor Trump, führt in wichtigen Bundesstaaten wie VA, AZ und FL und selbst wenn nur nach Dems vs. GOP gefragt wird, liegen die Dems um 7,8 Punkte vorne.

Im Senat, wo die GOP eine Mehrheit von drei Sitzen haben, schaut es kaum besser aus. Trump wird sicher nicht leise abtreten und ich bin mir nicht sicher, ob es in seinem Umfeld noch genug Leute gibt, die ihn von einer Dummheit abhalten können bzw. wollen. Umfragen sind immer nur Momentaufnahmen, aber sie zeichnen ein deutliches Bild ab, dass der GOP absolut nicht gefallen kann. Und das Schlimmste (für sie) ist, dass Biden die Initiative hat. Spätestens bis zur Democratic National Convention im August muss er seine VP Kandidatin präsentieren. Mein Tipp wäre Stacey Abrams. Sie ist jung, Afroamerikanerin, Yale Absolventin und hat vor zwei Jahren einen unglaublichen Wahlkampf in GA geliefert. Dazu kommt, dass sie wenig Angriffsfläche bietet und wichtige Stimmen im Süden bringen kann.
Wenn es dann auf die Wahl zugeht, wird Biden auf die vielen ehemaligen GOP Unterstützer verweisen, die ihn direkt oder indirekt unterstützen. Das dürfte bei gemäßigten Republikanern Eindruck machen und ihm einen überparteilichen Touch geben.

Wie Trump darauf regieren wird, kann imho niemand sagen. Einen neuen Krieg (Iran) halte ich aber ebenfalls für nicht völlig ausgeschlossen.

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Wie Trump reagieren wird weiß wohl nicht einmal er selbst.

Ich war schon überrascht, dass er bisher noch keinen größeren Krieg angezettelt hat, also gehe ich davon aus, dass er sich nicht einfach abwählen läßt sondern entweder mit einem Krieg von seiner bisherigen Politik ablenken wird oder auf andere Weise mit einem Paukenschlag (der evtl. im Suizid endet) aus dem Amt gehen wird.

Für einen Staatsstreich wird ihm der Rückhalt fehlen - das heißt aber nicht, dass er das nicht probieren wird denn m.E. hält er sich für so großartig, dass es für ihn unverständlich ist, wenn er nicht gewählt wird - also zweifelt er das Wahlergebnis an und wird seine Anhänger mobilisieren.