Das geht runter auf philosophische Grundlagen
Hi
beim Lesen der Diskussion um den „kleinen Mann“ habe ich mir
eine provokante Frage gestellt, die ich aber nicht beantworten
konnte. vielleicht helft ihr mir mal:
Ich versuch’s, kann aber für nichts garantieren -
Wo steht geschrieben, dass es jedem gut gehen muss?
Steht das tatsächlich sinngemäß irgendwo? Bezweifle ich, eher denke ich, dass die Idee des Sozialstaates die ist, dass jeder Mensch der Hilfe braucht, diese von der Gemeinschaft erhält.
Dass es diesem Menschen dann gut gehen muss, ist utopisch.
Natürlich hat jeder das Recht, das erreichen zu können was er
anstrebt, aber warum müssen andere dafür sorge tragen, dass er
dieses auch schafft?
Auch hier kenne ich keine Zwänge. Eine Gesellschaft, die sich darum bemüht, das Beste aus dem jeweils einzelnen zu holen, hat einfach einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Gesellschaften, in denen nur das Potential der Menschen mit den besten Startbedingungen genutzt wird.
Ich stelle mal die Behauptung auf, dass
es in keinem Land dieser Erde eine solche staatlich
garantierte Chancengleichheit gibt wie in Deutschland.
Ich dachte eigentlich, die Skandinaven wären da ziemlich fit, aber da weißt du oder jemand anders bestimmt mehr.
Okay,
soweit so gut. Aber: Die Erbaristokratie ist in Deutschland
genauso Geschichte wie das viel beschworene Erbvermögen. Jeder
„kleine Mann“ (wenn ich diesen Passus verwenden darf) schimpft
auf die „Reichen“, die eh alles nur geerbt haben.
Ich schätze, dass das ein Teil der Wesensart dieses abstrakten kleinen Mannes ist. Schade finde ich es auch, vermutlich genau wie du, wenn zu viele Menschen sich selbst zu dieser Rolle degradieren.
Ich kenne
viele Vermögene Menschen, aber keinen, der alles nur geerbt
hat. Wer viel leistet verdient viel.
Leistung fehlt auch nicht in Deutschland.
Was fehlt ist eine international konkurrenzfähige Wertschöpfung.
Verdienst fehlt auch nicht, dieser wird allerdings zur Zeit, um es milde auszudrücken, etwas „ungeschickt“ verteilt.
Also warum auf ihn
schimpfen? Weil er mehr leistet als andere? Weil er
risikobereiter ist als andere? Jeder Unternehmer (egal ob von
einem Familienbetrieb oder einer großen Kapitalgesellschaft)
schuftet garantiert mehr als 13 Stunden am Tag. Genauso tut
dies jeder Selbstständige oder gutverdienende in
Führungspositionen.
Dann rechne die 13 Stunden ab, und du wirst beim besten Willen nicht auf die Summen kommen, die manche Unternehmer verdienen.
Also müsstest du die Differenz mit der Vergütung des Risikos rechtfertigen. Gut, dann versuche das Risiko eines Angestellten, der Überstunden macht, um seinen Arbeitgeber zu retten, auszuzahlen.
Und dann vergleiche die Situationen von Entlassenen Aufsichtsräten mit der von Kleinunternehmern, die gescheitert sind, um dir ein Bild von diesem Risiko zu machen.
Siehe z.B. Westerwelle. Er war dieses
jahr, das erste Mal seid 20 Jahren wieder mal 3, in Worten
drei, Wochen im Urlaub. Jeder „kleine Mann“ macht das jedes
Jahr.
Der Logik deiner Argumentation zufolge dürfte dein kleiner Mann also über alle Politiker außer Westerwelle schimpfen. Ist wohl nicht der Zweck dessen, was du ausdrücken wolltest.
Aber klar, schmipfen und Neid ist ja viel einfacher als
anpacken, schuften und sich weiterbilden. Wir leben in einer
Gesellschaft der Schwachen in der es „out“ ist was zu leisten.
…oder sich Gedanken zu Verbesserung der Effizienz zu machen, bevor man loslegt in die Taschen anderer zu scheffeln.
Ich war lange genug Mechaniker, um mitzuerleben wie sich Menschen Höchstleistungen abpressen lassen, auch noch zunehmend die Risiken ihrer Tätigkeit auf die eigene Kappe nehmen, und es verpassen, von dem dicker werdenden Kuchen auch abzuschneiden.
Ich gebe dir also Recht, jammern hilft nicht, nur fordern.
klar geht Deutschland den Bach runter, wenn alle nur fordern
und keiner bereit ist zu geben.
Was fordern denn diese „alle“? Geld umsonst? Oder eine gleichmässigere Verteilung der konjunkturellen Misere?
Erstere „alle“ kommen als ‚Hawaii Micha‘ oder so in die Medien, und manch einer versucht uns weißzumachen, dass das die „vielen“ sind, und letztere fordern ratlos Lösungen, die in einem Dschungel aus Bürokratie und über 20.000 Steuerparagraphen vesteckt sind.
Ich bin Student, arbeite neben
meinem Studium jede Woche 9 Stunden, das ist hart klar, aber
dafür erhalte ich ja auch was.
Warte mal ab, was deine Arbeit wert sein wird, wenn du fertig bist, und alle Vergünstigungen wegfallen. Oder steigst du gleich ganz oben ein?
Also, warum sollte jeder, egal
wieviel er leistet, immer alles kriegen müssen? Mir ist die
Putzfrau, die eine Ich-AG gründet, Nachts Büros putzt und sich
reinknied, lieber als jeder Beamte der ab 15 Uhr auf die Uhr
schaut und sich fragt wann er heim darf.
Wem nicht?
Aber überschätze die Chancen deiner Gebäudereinigungsunternehmerin nicht.
Ganz konkret, als Antwort auf deine Frage: Forste die artikel auf w-w-w mal durch, und du wirst entdecken, dass nicht ausschließlich destruktiv gemosert wird.
Und wenn du selber Ideen hast, dann trau dich auch, sie hier anzupreisen.
Wie du selbst gesagt hast, schimpfen ist einfacher.
Beste Grüße,
Peter