Hallo alle zusammen,
ich mache demnächst mündliche Prüfung in Literaturwissenschaft. Ich habe als Schwerpunktthema „Märchen“, muss aber auch über 30 Werke sowie alle Epochen, Gattungen etc. Bescheid wissen.
Da ich unbedingt eine 2 brauche, weil ich sonst durchgefallen bin (das Schriftliche war nicht so besonders), bräuchte ich dringend ein paar Tipps.
Wie bereite ich mich am besten vor? Welche Transferfragen sind bei den Prüfern besonders beliebt? Wäre schön, wenn mir vielleicht jemand schreiben könnte, der schon erfolgreich eine Literaturprüfung absolviert hat.
Vielen Dank!
Hi,
vielleicht bist Du im Brett Geisteswissenschaften auch gut aufgehoben, sozusagen als Doppelposting.
Ich hatte eine Prüfung seinerzeit in AVL (Germanistik, Anglistik, Amerikanistik als Schwerpunktliteraturen); aus den unsäglich vielen Werken, die ich kennen musste (insbesondere in Germanistik) kam schließlich ein Bruchteil zur Sprache. Der dafür recht haarig (der Prüfer hatte offenbar beschlossen, mich nicht zu mögen, weil ich mich gegen den „Grünen Heinrich“ erfolgreich gewehrt hatte). Allgemeingültig wird man Dir vermutlich nicht viel sagen können. Jeder Dozent hat erfahrungsgemäß sein Steckenpferd…
Grüßle und viel, viel Glück (Du schaffst das!),
Susanne
Hallo du,
außerordentlich beliebt ist immer noch die Eingangsfrage: „Warum haben Sie sich denn gerade für dieses Thema entschieden?“ Da solltest du schon ein paar Sätze parat haben, die das ganz Besondere am Thema „Märchen“ herausstellen, seine Stellung innerhalb der anderen Gattungen und (am Rande) auch deine persönliche Einstellung dazu aufzeigen. Erfahrungsgemäß ergeben sich daraus die ersten Anknüpfungspunkte für das weitere Prüfungsgespräch. Versuche also hier schon die Weichen in deinem Sinne zu stellen, indem du das ansprichst, was dich selbst am Thema fasziniert. Darüber kann man im allgemeinen ja auch am meisten sagen.
Du solltest natürlich die Werke kennen, zu denen du geprüft wirst. Zur Not tut es im Ausnahmefall aber auch ein guter Literaturführer. Wichtig ist nach meiner Erfahrung nicht, die Handlung und das Personal bis in irgendwelche letzten Einzelheiten zu kennen, sondern das, was die Bedeutung eben dieses Textes in Abgrenzung bzw. im Zusammenhang zu anderen des Genres ausmacht. Die Zusammenhänge zu überblicken, das Typische eines Textes, seine Bedeutung innerhalb der Gattung zu kennen, ist wesentlich.
Ich drücke dir schon mal die Daumen!
Viele Grüße
Chris
Hallo alle zusammen,
ich mache demnächst mündliche Prüfung in
Literaturwissenschaft.
Mündliche Prüfungen fand ich auch immer ganz furchtbar, mein Beileid!
Wenn Du an Märchen strukturalistisch rangehen willst, könnte Dir Vladimir Propp helfen, der hat zig Märchen auf gemeinsame Strukturmerkmale untersucht.
Gruß, Annika
Dies ist mein erster Artikel hier bei w-w-w. Also falls es nicht so
recht klappt, bitte ich um Nachsicht!
Stupidentin, du bist ganz gut beraten, wenn du ein Prüfungsthema mit
den berühmten W-Fragen angehst:
Da sind zunächst die Standard-Ws: WER, WAS, WIE, WARUM, WO, WANN,
WIEVIEL - die aber beliebig ergänzt werden können, zum Beispiel durch
FÜR WEN, WOZU usw.
Auch die Fragen kannst du beliebig formulieren. In deinem Fall also:
WER schreibt/schrieb Märchen? WER liest sie? (Frage nach Autoren und
Rezipienten)
WAS ist ein Märchen? (Frage nach Gattungsmerkmalen und
Untergattungen: Kunstmärchen, Volksmärchen, Zaubermärchen usw.)
WIE ist ein Märchen gebaut? (Frage nach Strukturmerkmalen - hier
gehört der bereits empfohlene Propp hin.)
Auch mögliche Frage:
WIE wird ein Märchen vermittelt? (Frage nach der schriftlichen und
der mündlichen Tradition, nach Lese-, Vorlese- und Erzählsituationen)
WO spielen Märchen? (Frage nach - typischen - Handlungsorten)
Auch mögliche Frage: WO werden Märchen gelesen, vorgelesen, erzählt?
Und so weiter - lasse deine Fantasie walten und denke dir alle
möglichen Fragen zu deinem Thema aus, die du dir dann selbst
beantwortest. Und ein ganz heißer Tipp: Such dir jemanden, mit dem du
vorher Prüfung spielen kannst!
Toi toi toi!!
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Hallo an alle,
vielen Dank für euere Mühe und die vielen tollen Tipps. Ich werde sie auf jeden Fall beim Lernen berücksichtigen.
Liebe Grüße
Stupidentin (die sich hoffentlich bald Referendarin nennen darf
)