Pseudonym von Kobo Abe (Kimifusa)

Hallo Experten,

hat von Euch jemand eine Ahnung warum der japanische Autor Kobo Kimifusa das Pseudonym Kobo Abe gewählt hat; obwohl Abe die chinesische „Übersetzung“ von Kimifusa bedeutet? Warum wählt also ein Japaner einen chinesischen Namen? Nur eine Vermutung: War es vielleicht ein Protest wegen der Okkupierung chinesischer Ländereien durch die japanischen Imperialisten?
Außerdem würde mich interessieren, ob er mit dem Marxismus nur symphatisiert hat oder ob er auch der Kommunistische Partei Japans beigetreten ist.

Vielen Dank schon jetzt

Stefan

Hallo Stefan,

hat von Euch jemand eine Ahnung warum der japanische Autor
Kobo Kimifusa das Pseudonym Kobo Abe gewählt hat; obwohl Abe
die chinesische „Übersetzung“ von Kimifusa bedeutet? Warum
wählt also ein Japaner einen chinesischen Namen? Nur eine
Vermutung: War es vielleicht ein Protest wegen der Okkupierung
chinesischer Ländereien durch die japanischen Imperialisten?

eins vorweg - Japanologin bin ich nicht. Nur eine an Literatur aller Art interessierte Bibliothekarin, die ihre Nase ständig in Bücher zum Thema Schreiben steckt.

Meines Wissens entstand die japanische Schriftsprache aus chinesischen Schriftzeichen, die der völlig anders gearteten japanischen Wortstruktur angepasst wurden. Dazu stellte man ihnen relativ spät die sogenannten Kanji zur Seite, die quasi Beschreibungszeichen sind und die Vielzahl der chinesischen Zeichen auf ein für das Japanische sinnvolles Maß reduzierten.

Es ist also ohne Weiteres möglich, ein japanisches Wort via Zeichen ins Chinesische zu übertragen und umgekehrt. Gerade für Literaten hat das in Japan liebe alte Tradition.

Während der japanischen „Klassik“, also etwa der Heian- und Edo-Zeit war es für Männer üblich, Literatur nur mit Chinesischen Zeichen zu schreiben, zum Zeichen ihrer Bildung.
Kobo Abe stellt sich bewußt in diese Reihe.

Dass Abe mit der Wahl seines Künstlernamens (auch das ein alte Tradition in Japan)halte ich für zu kompliziert gedacht. Er ist während der Okupationszeit in China ausgewachsen, als Sohn eines Mitglieds der japanischen Führungsschicht. Die Besetzung der Manchurei galt in Japan lange als glorreiche Zeit, nicht als Zeit der Schande. Ein Indiz dafür ist zum Beispiel, dass erst in allerjüngster Zeit (Spiegel 2002) Berichte von sogenanten „comfort women“ an die Öffentlichkeit gelangten, die während der Besetzung den japanischen Soldaten als Prostituierte dienen mussten.

mit freundlichen Grüßen
Angelika

Hallo Angelika,

vielen herzlichen Dank für die rasche und ausführliche Info - hat mir wirklich sehr geholfen. Weißt du mehr über Kobo Abe? Ich verfasse nämlich gerade eine kleine Autoren- bzw. Buchvorstellung (Die vierte Zwischeneiszeit) über ihn; in Deutsch gibt es ja nicht viel über ihn zu lesen. Wenn es dich interessiert könnte ich dir meine Rezi auch mailen.

Stefan

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Hallo Stefan,

vielen herzlichen Dank für die rasche und ausführliche Info -
hat mir wirklich sehr geholfen. Weißt du mehr über Kobo Abe?
Ich verfasse nämlich gerade eine kleine Autoren- bzw.
Buchvorstellung (Die vierte Zwischeneiszeit) über ihn; in
Deutsch gibt es ja nicht viel über ihn zu lesen. Wenn es dich
interessiert könnte ich dir meine Rezi auch mailen.

das ist richtig. Es gibt keine Biographie. Aber es wurden immerhin 7 von 9 seiner Bücher ins Deutsche übersetzt, bzw. von Bibliotheken gekauft (auf die Schnelle im Bayerischen Verbund nachgesehen). Was von den Kurzgeschichten in Anthologien existiert, kann ich jetzt nicht sagen.

Dass es von, bzw. über ihn nicht viel zu lesen kann, möchte ich so nicht sagen. Google mit Suchkombination Kobo Abe und „nur deutschsprachige Seiten anzeigen“ bietet immerhin 10 Seiten Einträge.

Darunter auch:

http://autorenverzeichnis.de/content/buch/a/t_abe_ko…

Trotzdem interessiert mich Deine Rezension. Schon aus Neugier, weil ich mich an den Inhalt des Buchs nicht mehr so genau erinnere.

viele Grüße
Angelika

Kleine Korrekturen…
Hallo Angelika,

Meines Wissens entstand die japanische Schriftsprache aus
chinesischen Schriftzeichen, die der völlig anders gearteten
japanischen Wortstruktur angepasst wurden.

Die Japaner haben die Schrift in der Tat von den Chinesen übernommen, aber nicht die Schriftzeichen angepaßt.

Dazu stellte man
ihnen relativ spät die sogenannten Kanji zur Seite, die quasi
Beschreibungszeichen sind und die Vielzahl der chinesischen
Zeichen auf ein für das Japanische sinnvolles Maß reduzierten.

Kanji ist der japanische Begriff für die chinesischen Schriftzeichen. Die von den Japanern selbst entwickelten Zeichen sind zwei Silbenalphabete namens Kana (Hiragana und Katakana). Die offiziell in Japan benutzten Kanji sind ca. 2000 Stück. Man kann theoretisch jedes japanische Wort alleine mit Kana schreiben, das ist aber aufgrund der vielen Homonyme unpraktisch.

Es ist also ohne Weiteres möglich, ein japanisches Wort via
Zeichen ins Chinesische zu übertragen und umgekehrt. Gerade
für Literaten hat das in Japan liebe alte Tradition.

Ein in Kanji geschriebenes Wort hat meist auch eine chinesische Bedeutung, da die Zeichen halt weitgehend noch gleich sind (in China wurden allerdings inzwischen viele vereinfacht).

Abe klingt allerdings auch eher japanisch als chinesisch.

Gruß Kubi