Pseudoparadoxa?

Hallo zusammen,

seit einigen Jahren „sammle“ ich solche Ausdrücke wie:
sauteures Rindfleisch
das arme Bein
hohe Analysentiefe
langsam schneller werden
herrenlose Damenräder
eingefleischte Vegetarier
aus dem Rhein rausgehen…

nun die Frage für die Forumsexperten: Wie soll man diese Gruppe von Ausdrücken bezeichnen? Es sind ja meiner Meinung nach weder Oxymorons, noch Paradoxa…

Natürlich freue ich mich auf weitere Pseudoparadoxe von Euch!
Solche Wortspielereien kommen in der deutschen Sprache übrigens häufiger vor als man meint.

Angefangen hat das übrigens mit dem „neudeutschen“ Kinderausdruck: „Das hilft für gegen Schnupfen“ und den typisch bayrischen Ausdrücken: „Jetzt geh- bleib da“ und „Komm -geh her!“

bester Gruss
Yps

Hallo, Yps!

Weitere Beispiele fallen mir jetzt ganz spontan nicht ein.

Deinen Ausdruck „Pseudoparadoxa“ finde ich gar nicht schlecht. Von „Oxymora“ (ich denke, das ist die korrekte Pluralform) würde ich nicht sprechen, denn da liegen, wie im Falle von „bittersüß“ etwa, empirische Widersprüche vor, während in den meisten Deiner Beispiele die Widersprüche durch Wortspiele entstehen, wobei ein wörtlich zu verstehender Begriff mit einer Metapher so gekoppelt wird, dass ein humoristischer Effekt entsteht.

Aufforderungen wie „Komm - geh weg!“ sind eher ein Gegenstand der Sprechakt-Psychologie, sofern es sich nicht wie in den obigen Beispielen um bloße Wortspiele handelt, die auch dialektalen Ursprungs sein können. Es handelt sich um paradoxe Handlungsaufforderungen, um Doppelbindungen als fragwürdiges Erziehungsmittel beziehungsweise als dessen Ausdruck im Sinne Freudscher Fehlleistungen.

Gruß, Wolfgang

Natürlich freue ich mich auf weitere Pseudoparadoxe von Euch!

Hallo yps!
Weitere:
richtig falsch
hübsch hässlich

Gruß!
H.

Hallo Yps,

einen Vorschlag zur Terminologie habe ich nicht, aber noch ein Exempel aus dem Mund meiner Kinder:
„Es war voll leer“

Gruß
gargas

Moin Yps,

solche Ausdrücke sind mir auch des öfteren ein- und aufgefallen, ohne daß ich sie freilich in der Art systematisiert hätte wie Du es getan hast.
Der Begriff Pseudoparadoxa gefällt mir gut; fast bin ich neidisch, daß er mir nicht eingefallen ist.

Hier sind jedenfalls noch zwei Exemplare:

das Viernheimer Dreieck
ein Tief, das seinen Höhepunkt erreicht

Gruß - Rolf

1 „Gefällt mir“

Hallo!

„Komm -geh her!“

Schöner klingt: Komm, gang weg!

Gruß Fritz

Pseudoparadoxa ist auf jeden Fall ein gelungene Bezeichnung.

Angefangen hat das übrigens mit dem „neudeutschen“
Kinderausdruck: „Das hilft für gegen Schnupfen“ :Yps

Das wiederum erinnert mich an den kindlichen Ausdruck „mit ohne“. „Ich will den Kuchen mit ohne Rosinen.“ Obwohl das kein Pseudoparadoxon ist. Ich vermute eine Verwandtschaft des kinddeutschen „mit ohne“ mit dem englischen „without“ [„with out“ etwa: „mit außer“]. Sowohl bei „für gegen“ als auch bei „mit ohne“ fungiert der zweite Bestandteil „gegen“ und „ohne“ als reiner Negationspartikel (wie „nicht“), welche die vorstehende Präposition „für“ bzw. „mit“ ins Gegenteil verkehrt.

Weitere Beispiele
Hallo!

Mir fällt noch ein:

  • Ostwestfalen

Aus dem Schwäbischen:

  • Mach mal g’schwind langsam.
  • Ja-noi! (Als Bekräftigung von „Noi!“ = „Nein!“)

Michael

Hallo,

kindische Erwachsene

schlaflose Träumer

ehrlicher Dieb (Ganovenehre)

nichtssagende Rede

fleißig dem Müßiggang frönen

moderner Konservativer

geregeltes Chaos

schwarzsehender Fernsehzuschauer

hellsehender Blinder

soweit erstmal, vielleicht fällt mir noch mehr ein

Grüße
Renate

Hallo Fritz,

das „komm- geh weg“ hatte ich schon gemeint…
war wohl zu aufgeregt, hier meinen Beitrag korrekt zu positionieren;
schliesslich habe ich als Franke ja schon mit dem hardn und weichn „t“ zu kämpfen:wink:

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Hallo Michael,

merci für Deinen schwäbischen Beitrag: beide Pseudoparadoxa hatte ich noch nicht!

aber Ostwestfalen ist noch zu toppen:
Südostnordrheinwestfalen; soweit ich weiss das einzige deutsche Wort, das alle vier Himmelsrichtungen beinhaltet:wink:

Yps

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Renate,

ja, is denn heut schon Weihnachten!?!
Du bist ja wirklich sehr pseudoparoxistisch kreativ!
Unglaublich: einfach so neun (und davon acht mir nicht bekannte…) Pseudoparadoxa locker aus dem Ärmel geschüttelt.
super und bitte weiter so!!!

ein´n hab ich noch:
„Der Schuster soll seinen Sohn nicht vermöbeln sondern zum Schreiner schicken, denn der kann ihn besser versohlen.“

kann ich hier in diesem Forum irgendwo meine vollständige Liste reinstellen?

grüezi
Yps

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Servus yps,
zur Vervollkommnung der Vollständigkeit:

„Jetzt wart’ mal schnell!“

Kai

Hallo,

die Sammlungen gefallen mir gut, kann spontan ergänzen:

Sach - hör ens (kommt wohl aus dem Kölner Raum?)welches steht für: Sag, hör mal…
(für die Schreibweise lege ich nicht die Hand ins Feuer)

Anja

Hallo zusammen,

seit einigen Jahren „sammle“ ich solche Ausdrücke wie:
sauteures Rindfleisch
das arme Bein
hohe Analysentiefe
langsam schneller werden
herrenlose Damenräder
eingefleischte Vegetarier
aus dem Rhein rausgehen…

nun die Frage für die Forumsexperten: Wie soll man diese
Gruppe von Ausdrücken bezeichnen? Es sind ja meiner Meinung
nach weder Oxymorons, noch Paradoxa…

Natürlich freue ich mich auf weitere Pseudoparadoxe von Euch!
Solche Wortspielereien kommen in der deutschen Sprache
übrigens häufiger vor als man meint.

Angefangen hat das übrigens mit dem „neudeutschen“
Kinderausdruck: „Das hilft für gegen Schnupfen“ und den
typisch bayrischen Ausdrücken: „Jetzt geh- bleib da“ und „Komm
-geh her!“

bester Gruss
Yps

Hi!

Wenn ein Kind, von dem ich was brauch, permanent wreiterquatscht, dann kommt gelkegentlich ein „Jetzt halt endlich einmal den Mund und sag…“ von mir.

Und natürlich beim Zahnarzt: „Mund weit aufmachen und Zähne zusammenbeißen!“

alien

bei uns sehr häufig: «Warte rasch!» owT
.

Nochmal Hallo,

diesmal nicht mehr ganz so viele:

„Ich bin halt ein hoffnungsloser Optimist“,
(hab ich wirklich Leute schon sagen hören)
wahlweise auch „hoffnungsloser Romantiker“
(ist natürlich nicht ganz so deutlich, wie der Optimist. Aber ich denke, dass ein Romantiker zumindest kein Pessimist sein kann, also kann man es, glaube ich, gelten lassen.

mit brennender Geduld

eilte stehenden Fußes

schreiendes Schweigen, beredte Stille

tiefsinniger Smalltalk

wichtige Kleinigkeit

seriöse Kaschemme

zeitlose Mode

bodenständiger Phantast

hektischer Phlegmatiker

„sei doch endlich mal spontan“
(so gehört Anno 1970, am Küchentisch einer WG)

kontaktfreudiger Eremit

karger Luxus

harmonische Dissonanzen

So, erstmal gut

Grüße aus der verschlafenen Hauptstadt
Renate

Hallo Yps,

danke für deine netten Worte.

In „meiner Straße“ existierte bis vor kurzem ein Sanitärfachgeschäft über dem in riesengroßen Lettern der Name stand: SCHREINER Ist wirklich wahr, und nicht ausgedacht!

Neulich sah ich einen Minibus, auf dem stand, dass sie alles mögliche saubermachen würden. Das Unternehmen nannte sich „Die Cleaner“. Es ist ein Zweckbetrieb, Trägerschaft: Synanon (für Nichtwisser: Berliner Therapieeinrichtung für Suchtmittel-Abhängige, mit einer beachtlichen Erfolgsquote.)

Herzlichen Gruß
Renate

Hallo yps,

dazu fällt mir noch das weitverbreitete „nicht doch“ ein.

LG,
MrsSippi

1 „Gefällt mir“

gleich jetzt
„Ich mach es gleich jetzt!“