Pseudopsychologen

Liebe Leut…

Ich brauch’ mal Eure Hilfe…

Ich habe eine Kollegin, die seit Jahren in Psychotherapie ist und
meiner Meinung nach ziemlich starke Probleme hat (nicht, weil sie
jetzt in Therapie ist, man merkt das auch so). Gestern war ich bei
ihr zum Nachtessen eingeladen und hab den riesigen Fehler begangen,
an meiner Schulter zu reiben, worauf sie fragte: „Oh, hast Du
Schulterschmerzen?“

Ich (weil ich sie jetzt schon etwas länger, aber offenbar doch nicht
gut genug kenne…): „Ja, weisst Du, ich hab chronische Schmerzen in
der Schulter“

Sie: „Ach, echt?! Hast Du das mal abklären lassen?“

Ich (etwas seufzend): „Ja, ich bin 6 Jahre lang von einem Arzt und
xy-Praktiker zum nächsten gelaufen und mir schlussendlich doch
niemand sagen konnte, was es ist. Dann hab ich mich entschlossen, es
sein zu lassen wie es ist. Jetzt leb ich einfach damit. Aber bitte
sag es niemandem, ich habe eine Zeit lang allen davon erzählt und Du
glaubst nicht, auf was für tolle Ideen die Leute alle kommen um Dich
zu heilen…“

Sie: „Ah, aber Du hast das schon mal psychologisch abklären lassen?“

Ich: „Ja klar, ich wurde zu mehreren Psychologen und Psychiatern
geschickt, auch ans Unispital in Zürich (nicht gerade nebenan) und
die bescheinigten alle, dass mit mir psychisch alles in Ordnung ist.“

Sie:" Ja, aber dann willst Du Dich eben nicht zeigen, Du willst es
eben gut verstecken und Dich nicht heilen lassen."

Ich: „Nein, ich wüsste nicht, woran es liegen könnte und hab das ja
aber trotzdem auch abklären lassen…“

Sie: „Nein,nein, Du versteckst Dich einfach, willst keinen Zugang zu
Dir offen lassen, genau deshalb erzählst Du es ja auch niemandem etc.
etc.“

Wir haben schlussendlich fast gestritten und ich habe dann
schlussendlich aufgehört zu „diskutieren“ (obwohl sie meine Meinung
gar nicht hat gelten lassen und mir ständig unterstellt hat, ich
würde mich verkriechen in mir etc. etc…). Mich hat das ziemlich
genervt (was ich natürlich tunlichst vermieden habe zu erwähnen…),
dass sie offensichtlich besser über mich und meine Schmerzen bescheid
wusste als ich. Auch sämtliche Psychologen & Psychiater waren der
Meinung, dass eine psychische Ursache (Achtung, Zitat) „sehr
unwahrscheinlich“ ist… Das alleine heisst ja noch nichts, aber im
Grunde genommen schliesse ich mich derselben Meinung an. Die
Schmerzen ändern sich auch nicht mit grösserem / vermindertem Stress
etc. Ausserdem ist es auch in den Augen der Ärzte mittlerweile eher
unwahrscheinlich, dass die Ursachen psychisch sind, da das Ganze
schon unverändert so lange dauert. Wie auch immer, diese Argumente
fruchteten ganz und gar nicht, weil sie immer wieder ein Verkriechen
und Nicht-akzeptieren-wollen meiner psychischen Krankheit sehen
wollte und mich auf recht aggressive Weise dann auch gar nicht mehr
antworten liess.

Nun also zu den Fragen:

  1. Wie begegne ich solchen Menschen? (Jaja, ist mir schon klar, am
    liebsten gar nicht, aber manchmal lässt sichs ja nicht vermeiden…)

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem auf
andere übertragen und dann im Grunde genommen „missionieren“…? Ist
es auch so, dass eine Therapie (wie sie sagte) gar nie abgeschlossen
ist? (Sie sei deshalb schon so lange in Therapie…)

Lieber Gruss,

Semiramis

Hallo Semiramis
Habe mich köstlich amüsiert bei dem Dialog.

  1. Wie begegne ich solchen Menschen?

Mit Ironie oder wahlweise beißendem Sarkasmus (war das jetzt eine Tautologie? dann ziehe ich das beißend zurück)

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem
auf
andere übertragen und dann im Grunde genommen
„missionieren“…?

Ja. Kommt häufig vor.

Ist
es auch so, dass eine Therapie (wie sie sagte) gar nie
abgeschlossen
ist?

Dazu gibts ne schöne Abhandlung vom alten Sigi Freud mit dem Titel „Die endliche und die unendliche Analyse“.
Beim ersten Lesen schwand meine Konzentration leicht, beim zweiten Lesen hab ichs dann verstanden… :wink:
Gruß,
Branden

Hallo, Semiramis,

  1. Wie begegne ich solchen Menschen?

Die passende Antwort wäre: „Ah, das ist interessant. Danke, ich werde dem mal nachgehen.“ und dann vergisst Du das Ganze.

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem
auf andere übertragen

Na klar, ist doch eine wunderbare Gelegenheit von den eigenen so schweren Leiden zu erzählen. Und wenn man anderen so etwas „anhängt“ ist man schon nicht mehr so allein und absonderlich.
Das sollte man nicht so ernst nehmen und da es ja eigentlich kein sehr erquickliches Gesprächsthema ist, möglichst bald das Thema wechseln.

Und dann gehst Du wieder mit Deinen Hunden tanzen - die erzählen wenigstens nicht so dummes Zeug.

Grüße
Eckard

Hallo Branden

Habe mich köstlich amüsiert bei dem Dialog.

Gut, wenigstens jemand :smiley:

  1. Wie begegne ich solchen Menschen?

Mit Ironie oder wahlweise beißendem Sarkasmus

-> Problem 1 bei Sarkasmus & Ironie: Ich wills mir mit der Person nicht unbedingt verübeln - das hat jobtechnische Gründe und es ist ja nicht so, dass ihr Ironie nicht auffallen würde, sie ist ziemlich clever, obwohl ich persönlich finde, sie hält sich für etwas zu clever, aber seis drum.

-> Problem 2bei Sarkasmus & Ironie: dann hält sie mir ja nur wieder vor, ich würde mich verstecken hinter meiner geschundenen Psyche, diesmal einfach mit der Waffe der Ironie… (ich durft gestern weder neutral zuhören, noch nicken, noch antworten, noch pipp oder papp sagen oder sonst etwas… *argh*)

-> Fazit: Die Frage steht immer noch: WAS SOLL ICH TUN?

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem
auf
andere übertragen und dann im Grunde genommen
„missionieren“…?

Ja. Kommt häufig vor.

Ja? Darf man fragen wieso? Hört das wieder auf…?

Ist
es auch so, dass eine Therapie (wie sie sagte) gar nie
abgeschlossen
ist?

Dazu gibts ne schöne Abhandlung vom alten Sigi Freud mit dem
Titel „Die endliche und die unendliche Analyse“.
Beim ersten Lesen schwand meine Konzentration leicht, beim
zweiten Lesen hab ichs dann verstanden… :wink:

*lol*

Gruss zurück und neugierig auf Antworten hoffend,

Semiramis

Hallo Eckard

  1. Wie begegne ich solchen Menschen?

Die passende Antwort wäre: „Ah, das ist interessant. Danke,
ich werde dem mal nachgehen.“ und dann vergisst Du das Ganze.

Stimmt, wäre wohl das Richtige gewesen. Nun hab ich den Fehler allerdings schon begangen und traue der Dame leider auch zu, dass sie das jetzt umhererzählt… Grrr… Stört mich ja grundsätzlich nicht, wenn das alle wissen, AAABERRR ich lebe nun schon einige Jahre damit und habe die ungeheuer erbauliche Erfahrung machen dürfen, dass (wie im Dialog angetönt), die Leute auf die absonderlichsten Ideen kommen um mich zu heilen und es dann doch sehr mühsam ist, jedes Mal zu erzählen, was man wann, wie, bei wem, wie lange und was weshalb nicht gemacht hat… Nun ja, ich werd jedenfalls daraus lernen. Danke.

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem
auf andere übertragen

Na klar, ist doch eine wunderbare Gelegenheit von den eigenen
so schweren Leiden zu erzählen. Und wenn man anderen so etwas
„anhängt“ ist man schon nicht mehr so allein und absonderlich.
Das sollte man nicht so ernst nehmen und da es ja eigentlich
kein sehr erquickliches Gesprächsthema ist, möglichst bald das
Thema wechseln.

Ja, auch da hast Du Recht. Sie besteht geradezu darauf, nicht normal zu sein. Sollte ich mal sagen: „Ach komm, aber das hab / mach ich doch auch, das ist doch ganz normal“ kommt sofort Gegenprotest und „… wenn Du wüsstest, was ich alles erlebt / mitgemacht habe…“ Naja. Thema haben wir dann gewechselt. :smiley:

Und dann gehst Du wieder mit Deinen Hunden tanzen - die
erzählen wenigstens nicht so dummes Zeug.

*lol*, den mit dem „das ist die mit den tanzenden Hunden“ werde ich wohl nie mehr los, was? :wink: Nun, so lange’s nichts was Schlimmeres ist…

Gruss zurück und danke,

Semiramis

Hallo,

Ich habe eine Kollegin,


Wir haben schlussendlich fast gestritten und ich habe dann
schlussendlich aufgehört zu „diskutieren“ (obwohl sie meine
Meinung gar nicht hat gelten lassen und mir ständig
unterstellt hat, ich würde mich verkriechen in mir …

… und mich auf recht aggressive Weise dann auch gar
nicht mehr antworten liess.

Hehe!

Das ist ja ein richtiges Beziehungs-(Schein-)Gefecht.

  1. Wie begegne ich solchen Menschen? (Jaja, ist mir schon
    klar, am liebsten gar nicht, aber manchmal lässt sichs ja
    nicht vermeiden…)

2)Ist das normal, dass solche Leute, plötzlich alles extrem
auf andere übertragen und dann im Grunde genommen
„missionieren“…? Ist es auch so, dass eine Therapie
(wie sie sagte) gar nie abgeschlossen ist?
(Sie sei deshalb schon so lange in Therapie…)

Es sieht so aus, als hättest Du im direkten
Gefecht Dein Selbstbild, welches Deiner Selbst-
wahrnehmung entspricht, nicht sehr wirkungsvoll
eingesetzt. Es sieht ganz danach aus, als hättest
Du das gemeinsame Abendessen verloren :wink:

Wie macht man das richtig?

Gar nicht kämpfen.

Grüße

CMБ

Hallo Semjon! (Ich darf doch Du sagen?)

Es sieht so aus, als hättest Du im direkten
Gefecht Dein Selbstbild, welches Deiner Selbst-
wahrnehmung entspricht, nicht sehr wirkungsvoll
eingesetzt. Es sieht ganz danach aus, als hättest
Du das gemeinsame Abendessen verloren :wink:

Ok. Obwohl ich eigentlich doch ziemlich stolz darauf war, dass ich gerade im richtigen Moment vor dem Streit noch das Steuer herumreissen konnte und fragte: „Kann ich den Salat hier hinein tun?“ Na? War das etwa nichts? :wink:

Gar nicht kämpfen.

Hm… könntest Du mir da ein konkretes Beispiel geben?

Danke und Grüsse zurück

Semiramis

Hallo,

und habe die ungeheuer erbauliche
Erfahrung machen dürfen, dass (wie im Dialog angetönt), die
Leute auf die absonderlichsten Ideen kommen um mich zu heilen

Sei doch froh, dass es nur deine Schulter ist.
Sag den Leuten, dass du adoptieren willst, und du glaubst nicht, was für Tipps du bekommst, wie man auf „natürliche“ Weise schwanger werden kann.
Das ging bis hin zum Angebot, doch mal Ehemänner zu tauschen.

Gruß
Elke

Hallo Elke!

Juhuuuuu! Eine Leidensgenossin! :wink: Da fühlt man sich glatt so richtig verstanden!

Gruss,

Semiramis

Moin, moin Semiramis,

das ist so „Psychologie aus dem Leitfaden für die Leiterinnen ländlicher Heimvolkshochschulen“. Dagegen kannst Du erst mal gar nichts tun:

-> Fazit: Die Frage steht immer noch: WAS SOLL ICH TUN?

Hör einfach mit mildem Interesse zu. Dann, das wurde Dir ja schon geraten, sag: „Ja, das werde ich erwägen und mögllicherweise probieren.“

Ja? Darf man fragen wieso? Hört das wieder auf…?

Bei dieser Person wird das, schätze ich mal, so schnell nich aufhören.
Es gibt ja inzwischen (Branden wird den Fachausdruck dafür wissen) die Erscheinung der „Therapie als Existenzform“. Ich habe eine Bekannte, die inzwischen vier oder fünf Therapien „gelernt“ hat.
Das ist wie mit den Menschen, die über ihre Krankheiten sprechen und sich dadurch definieren, daß der „Professor sich das selbst angesehen“ und bloß den „Kopf geschüttelt hat“.

Ich weiß, daß das jetzt lieblos klingt, aber die Wahrheit ist manchmal eben so: Sei froh, daß Du nur Schulterschmerzen hast und Deinem Leben nicht dadurch Bedeutung verleihen mußt, daß Du andere Menschen zwangsweise „beglückst“.

Und wenn Du noch weitere Vorschläge, Deine Schulter betreffend, brauchst: Ich habe mehr Lösungen als Du Probleme!

Alsdann! Gruß -Rolf

huhu elke,

Das ging bis hin zum Angebot, doch mal Ehemänner zu tauschen.

und? hast du?

neugierig
ann

huhu ann,

und? hast du?

Nein. Ich geb meinen nicht her.

neugierig

aber üüüüüberhaupt nicht

Elke

Hallo, liebe Semiramis,

ich denk mal, du wollt’st lieber dis…
Schad’! Hatt dich gerade lieb.
Ab in die Psycho-Ecke schieb???

Nö! Du bist besser als die andern
Und brauchst nicht durch die Bretter wandern.
Das Problem ist nicht allzu groß
Und paßt für diesen Abend bloß.

Mit dir zu dichten fänd ich nett!
Treffen wir uns im Plauderbrett?
Wer zuerst da ist, der fängt an,
Der andre zeigt, was er draus machen kann?

Okay???
Das Spiel fängt an, wenn ich dich seh!!!

Tätä!

Horst

P.S.:
Nö, Elke, is wirklich ein Spaß.
Lies mit, wenn’s klappt, dann lernst du was.
Wenn nix kommt sitz ik stets noch hier
und warte auf’n Spaß von dir!

Ironie - eine Frage der Dosierung und Darreichung
Hi Semiramis

-> Problem 1 bei Sarkasmus & Ironie: Ich wills mir mit der
Person nicht unbedingt verübeln - das hat jobtechnische Gründe
und es ist ja nicht so, dass ihr Ironie nicht auffallen würde

Nun gut, ein bißchen auffallen soll ja auch die feinste Ironie, sonst wäre sie ja sinnlos (zumindest wenn sonst kein Sterblicher mit im Raume wäre). Aber ich hab ja deshalb schon WAHLWEISE zwischen Ironie und Sarkasmus unterschieden. Wenn Dir also die Person von Berufswegen nicht völlig schnuppe sein kann, dann würde ich die freundlichste und sanfteste Form der Ironie wählen. C’est le ton qui fait la musique, wie meine Mutter selig zu sagen pflegte. Man kann da doch einiges finden auf der Gratwanderung zwischen Dem-Andern-eine-reinsemmeln und scheiß-freundlich-sein-müssen, oder?
Wenn man Ironie ganz sanft rüberbringt, sich vielleicht selbst mit hinein nimmt ins Ziel der Ironie und den Anderen nicht draußen allein stehen lässt im Regen,dann fühlt sich der Andere nicht angeschossen, sondern kann mitlächeln.
Gruß,
Branden

Ist es auch so, dass eine Therapie (wie sie sagte) gar nie
abgeschlossen ist?

Dazu gibts ne schöne Abhandlung vom alten Sigi Freud mit dem
Titel „Die endliche und die unendliche Analyse“.

vielleicht isse gar nicht so schlimm wie ihr es unterstellt, evtl meint sie etwas, was eigentlich jeder wissen sollte…weils auf allem im leben zutrifft und nicht nur auf die therapie:

evtl hat sie einfach nur damit sagen wollen - man lernt ein leben lang - und wenn man einen neuen weg angefangen hat, gibts nunmal kein zertifikat am ende einer therapie das einem bescheinigt: du kannst über dich selbst ab nun nichts mehr erfahren, nichts mehr lernen über dich und andere. (und eben mal nicht über sport oder technik:wink:

ich glaube kaum dass ein thera seinen patienten bei der letzten stunde mitteilt - so mein lieber herr/frau X - mehr geht nicht, sie müssen nichts mehr lernen etc… herzlichen glückpunsch, sie haben ihr
maximales *irgendwas* erreicht.

vielleicht interpretiert ihr da mehr hinein als sie sagen wollte -
kommunikation die nicht klappt liegt ja meist an beiden seiten.

LG
nina

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Hallöle,

eine Diskussion ist doch immer nur eine Diskussion, wenn mindestens zwei sich beteiligen. Also wenn der eine abblockt, kommt der andre auch nicht weiter.

Ich reagiere in solchen Fällen immer damit, dass ich sage dass ich da jetzt nicht weiter drüber reden möchte. Und das dann auch genauso hartnäckig wiederhole wie der andre trotzdem weiter drauf rumreitet.

Leuten mit Sendungsbewusstsein und Missionierungsdrang kommt man mit Argumenten nicht bei.
(Zeugen-Jehovas-Syndrom) :wink:

Lieben Gruß
Carolin

hallo semi,

ziemlich komische situation. ich hätte versucht, daß ins lächerliche zu ziehen, hätte gefragt: „und du? zeigt dein eifer, dein sendungsbewusstsein beim heilen nicht ein sexuelles defizit an? hat du angst, dabei loszulassen…?“
nachteil bei dieser methode ist, daß einen die gegenüber ab sofort nicht mehr leiden können. man wird einsam.

strubbel
y:open_mouth:)