Psychatrie

Hallo,guten Morgen,

Ich habe mir vor einiger Zeit einen Vortrag von einer Frau angehört,die mehrmalige Einweisungen hinter sich hat.
Sie hat aber einiges,was mich interessiert ausgelassen und ich konnte meine Fragen nicht alle anbringen.
Ich wollt jetzt mal fragen,wie das eigentlich so in der geschlossenen Abteilung ist,wie man sich das vorstellen kann?
Sind die Leute da in weißen Zimmern ohne Gegenstände eingesperrt
und dürfen sich nur unter Aufsicht bewegen?
Ist da tatsächlich der einzige Ansatz Medikamente,bis sie irgendwann ruhiggestellt sind und rumlaufen wie Zombies?
Wird da aus Personalmangel so gehandelt oder weil es keine besseren Ansätze gibt?
Das ist eben ein Thema,das so ausgeschlossen wird in dieser Gesellschaft,so viele leiden an der Seele,doch das wird einfach so ausgeklammert.
Und wie ist das in Unternehmen,kennt da vielleicht jemand Chefs,Vorgesetzte,die mit psychischen Ausfällen ganz natürlich umgehen können?

Gruß
Matthias

Hallo,

die meisten Stationen von psychiatrischen Kliniken sind offen. Die Türen sind offen. Die Zimmer sehen nett aus. Bilder sind an den Wänden. Es gibt Pflanzen. Sitzecken für die Patienten. Es gibt Grünflächen, Freizeitgelegenheiten. Nur ein kleiner Bereich wird durch die geschlossene Abteilung eingenommen. Die Patienten können sich frei bewegen. Eine Psychiatrie ist kein Gefängnis.

In den geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Kliniken befinden sich Leute, die durch ein Gericht oder vorübergehend durch die Polizei dorthin überstellt worden sind. Das ist für ganz Deutschland in einem Gesetz so festgelegt. Oft handelt es sich bei diesen Patienten um Menschen, die anderen Menschen großes Leid angetan haben, die andere Menschen getötet, vergewaltigt, mißhandelt, mißbraucht oder sonstwas haben. Darunter fallen viele Psychopathen.

Ist da tatsächlich der einzige Ansatz Medikamente,bis sie
irgendwann ruhiggestellt sind und rumlaufen wie Zombies?

Nein, natürlich nicht. Das ist die Vorstellung aus einem Horrorfilm. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, psychiatrischen Patienten zu helfen: z.B. Psychotherapie (Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie), Ergotherapie, Beschäftigungstherapie, Freizeitgestaltung. Ja, und auch Medikamente. Aber nicht alle Medikamente stellen ruhig. Im Gegenteil gibt es viele Medikamente, die Menschen aus ihrer Lethargie holen.

Wird da aus Personalmangel so gehandelt oder weil es keine
besseren Ansätze gibt?

„Da“ wird nicht so gehandelt, wie Du es Dir vorstellst. Wie gesagt: Horrorfilmreife Vorstellung.

Das ist eben ein Thema,das so ausgeschlossen wird in dieser
Gesellschaft,so viele leiden an der Seele,doch das wird
einfach so ausgeklammert.

Es gibt sehr viele Vorurteile. Man kann sich aber informieren, wie es in Psychiatrien wirklich zugeht. Z.B. über die Internet-Seiten psychiatrischer Kliniken. Oder man hört einfach ´mal Leuten ruhig zu, die sich auf dem Gebiet ein wenig oder ein wenig mehr auskennen.

Gruß,

Oliver Walter

Hi!

Ergänzend zu Olivers Posting:

Sind die Leute da in weißen Zimmern ohne Gegenstände
eingesperrt
und dürfen sich nur unter Aufsicht bewegen?

Oliver schrieb schon, daß es völlig normale Zimmer sind. Auf einer offenen Station würdest du nicht erkennen können, daß du auf einer psychiatrischen Station dich befindest.

Auf einer geschlossenen sieht es zwar genauso aus, es gibt aber einige, wenn auch oft nicht gleich zu erkennbare Unterschiede: so wird beispielsweise darauf geachtet, daß die Patienten keine gefährlichen Gegenstände mitbringen (z.b. Taschenmesser, Tabletten o.ä.), nach dem Essen kontrolliert auch eine Schwester die Anzahl der Messer und Gabeln (nicht, daß jemand sowas ins Zimmer mitnimmt).

Auch fällt auf, daß einzelne Zimmer der Station, die z.b. Pflege-/Putzmittel enthalten (also keine Patientenzimmer) oft verschlossen sind. Häufig findet man auch eine Art Überwachungszimmer: hier werden Pat. untergebracht, die ununterbrochen beobachtet werden müssen und dafür gibt es ein kleines Fenster zum Schwesternzimmer hin (z.b.). Meist gibt es aber nur ein solches Zimmer pro Station.

Und auch auf der geschlossenen sind die Patienten nicht immer völlig weggesperrt. Viele erhalten stundenweise freien Ausgang oder dürfen gar für eine Übernachtung nach Hause. Diejenigen, die nicht dürfen, können aber mit einer Schwester oder Pfleger in Begleitung auch oft mal „raus“, z.b. zum Spazierengehen. Und es gehört in einzelnen Fällen auch zur Therapie, daß man bestimmte Alltagssituationen üben muß, dann geht der Therapeut mit dem Patienten auch raus.

Und was Oliver schrieb mit der Zwangseinweisung könnte auch ein falsches Bild hinterlassen. Er hat völlig recht, daß da Patienten auch gegen ihren Willen hinkommen, aber es gibt auch welche, die freiwillig auf eine geschlossene gehen oder es gar wünschen, z.b. Patienten mit gravierenden Angststörungen etc.

Ist da tatsächlich der einzige Ansatz Medikamente,bis sie
irgendwann ruhiggestellt sind und rumlaufen wie Zombies?

Nein. Die Medikamente mindern meist die Symptome, sodaß viele Patienten danach fast völlig normal wirken. Oder halt umgekehrt, wie Oliver zur Lethargie schrieb.

Wird da aus Personalmangel so gehandelt oder weil es keine
besseren Ansätze gibt?

Ich habe zwar bisher nur sehr wenige psychiatr. Stationen gesehen, aber zumindest auf der geschlossenen ist das Personal eigentlich recht gut besetzt.
Beispielsweise „reichen“ (*hüstel*) auf einer internistischen/chirurgischen Station im Frühdienst 3-4 Schwestern, im Spätdienst 2-3 und nachts 1 für ca 35 Patienten. Auf der geschlossenen waren vormittags 6-7, nachmittags weiß ich nicht mehr *g* und nachts 2-3 für ca 20 Patienten.

Außerdem wird bei besonders schwierigen Fällen manchmal einer zur Sitzwache am Patienten abgestellt - naja, nachts jedenfalls :wink:

Gruß,
Sharon

Hallo,

Nur ein kleiner
Bereich wird durch die geschlossene Abteilung eingenommen. Die
Patienten können sich frei bewegen. Eine Psychiatrie ist kein
Gefängnis.

In den geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Kliniken
befinden sich Leute, die durch ein Gericht oder vorübergehend
durch die Polizei dorthin überstellt worden sind. Das ist für
ganz Deutschland in einem Gesetz so festgelegt. Oft handelt es
sich bei diesen Patienten um Menschen, die anderen Menschen
großes Leid angetan haben, die andere Menschen getötet,
vergewaltigt, mißhandelt, mißbraucht oder sonstwas haben.
Darunter fallen viele Psychopathen.

Also in Arnsdorf(bei Dresden) ist die Geschlossene ein Gefängnis, mit Stacheldraht und Wachposten. Aber wie gesagt da sind Verbrecher drin.

Wird da aus Personalmangel so gehandelt oder weil es keine
besseren Ansätze gibt?

„Da“ wird nicht so gehandelt, wie Du es Dir vorstellst. Wie
gesagt: Horrorfilmreife Vorstellung.

Das Personal ist sogar ausgesprochen nett, zumindest die neurologischen Abteilung und die paar vom Rest die ich kennengelernt habe. Wenn du dann in ein normales Krankenhaus kommst fühlst du dich richtig unwohl weil alle so genervt und unfreundlich sind.

Das ist eben ein Thema,das so ausgeschlossen wird in dieser
Gesellschaft,so viele leiden an der Seele,doch das wird
einfach so ausgeklammert.

Ja leider geistern völlig dumme Vorurteile durch die Gegend, die meist noch von der vorherigen Generation von Psychatern und Ärzten stammt und da waren riesen Arschlöcher dabei. Keine Ahnung wie das in Wessiland ist.

Es gibt sehr viele Vorurteile. Man kann sich aber informieren,
wie es in Psychiatrien wirklich zugeht. Z.B. über die
Internet-Seiten psychiatrischer Kliniken. Oder man hört
einfach ´mal Leuten ruhig zu, die sich auf dem Gebiet ein
wenig oder ein wenig mehr auskennen.

In der Webseite von Arnsdorf wird die geschlossene nicht mal auf der Karte erwähnt :wink:

Da kann man einfach mal so hingehen und durchlaufen sich alles anschauen. Das geht in Haar bei München auch, zumindest soweit ich das sehen konnte als ich eine Bekannte die da arbeitet und wohnt besucht habe.

Gruss Jan

Hallo,

Also in Arnsdorf(bei Dresden) ist die Geschlossene ein
Gefängnis, mit Stacheldraht und Wachposten. Aber wie gesagt da
sind Verbrecher drin.

ja, klar. In der forensischen Psychiatrie befinden sich Leute, die Menschen Schlimmes angetan haben, z.B. durch Tötung, Körperverletzung oder sexuellen Mißbrauch. Diese Leute möchte man in der Regel nicht draußen frei herumlaufen lassen. Die ganze Diskussion um das positiv „Besondere“ im psychisch Kranken ändert sich schlagartig, wenn einer ´mal rauskommt und nur das Nachbarsmädchen scheel anschaut. Dann heißt es ganz schnell:

„Schwanz ab, Kopf ab. Hängt die Ärzte und Psychologen gleich mit, denn die können ja nicht heilen und haben den doch rausgelassen.“

Das Personal ist sogar ausgesprochen nett, zumindest die
neurologischen Abteilung und die paar vom Rest die ich
kennengelernt habe.

Auch diejenigen, die ich kennengelernt habe, sind nett.

Wenn du dann in ein normales Krankenhaus
kommst fühlst du dich richtig unwohl weil alle so genervt und
unfreundlich sind.

Stimmt.

Ja leider geistern völlig dumme Vorurteile durch die Gegend,
die meist noch von der vorherigen Generation von Psychatern
und Ärzten stammt und da waren riesen Arschlöcher dabei. Keine
Ahnung wie das in Wessiland ist.

Früher gab es viel mehr große Landeskrankenhäuser, die überfüllt mit psychiatrischen Patienten waren. Langzeitunterbringung unter Medikation war viel häufiger die Regel als heute. Zu noch früheren Zeiten gab es keine wirkungsvollen Medikamente. Damals wurden viele wirkungslose und ziemlich barbarisch anmutende „Therapien“ eingesetzt.

Da kann man einfach mal so hingehen und durchlaufen sich alles
anschauen. Das geht in Haar bei München auch, zumindest soweit
ich das sehen konnte als ich eine Bekannte die da arbeitet und
wohnt besucht habe.

In Kiel kann man auch einfach durch die Uninervenklinik laufen. Ich glaube, daß niemand merken würde, wenn ein w-w-wler zu Besuch käme. Dann könnte man auch mit Patienten sprechen, wenn man wollte. Einige sitzen in den erwähnten Sitzecken und rauchen. Könnten auch Besucher sein. Schließlich tragen sie keine „Anstaltskleidung“.

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo,
über Psychologie- und Medizin Seminargruppen an der Uni bietet sich teilweise die Möglichkeit einer Besichtung von geschlossenen Abteilungen. Ich habe mir vor ca. zwei Jahren Arnsdorf bei Dresden angeschaut. Inwieweit das Bild das einem bei einer solchen Kurzvisite geboten wird der Realität entspricht, kann ich nicht beurteilen. Aber mir schien, daß dem Besucher die „kommunikativeren Fälle“ (alles Patienten mit höheren Lockerungsstufen) präsentiert wurden. Die Stationen waren durchweg „offen“, d.h. der Einschluß erfolgte wenn überhaupt nur nachts. Die Einzel und Mehrbettzimmer individuell gestaltbar (mit sicherheitstechnischen Einschränkungen). Ansonsten glich die Forensische Abteilung äußerlich einer JVA (Gitter vor den Fenstern, gut 4m hohe Mauern mit Bewegungsmeldern und Kameras, eine zentrale „Schleuse“, Innenhof mit Sportplatz, Räumlichkeiten zur Gemeinschaftstherapie). Die Möglichkeiten der Besucherkontrolle schienen sich auf Metalldetektoren zu beschränken (vergleichsweise verfügt die JVA Hammerweg über Durchleuchtungsgeräte) - generell schien hier ein Tick weniger die Ausbruchssicherheit im Vordergrund zu stehen.

Gruss
Enno