Psyche als Krankmacher?

Hallo,
ich habe festgestellt, daß Menschen ab einer bestimmten Altersgrenze sehr oft ihr gewohntes Erscheinungsbild verändern. Meist so ab dem 55. Lebensjahr. Dies äußert sich oft in einer nicht mehr so unbeschwerten, fröhlichen und unbedarften Art. Ernsthaftigkeit, fehlende Spontanität und zunehmendes Desinteresse machen sich bemerkbar. Man könnte sagen „eben Altersbedingt“!
Nun habe ich gelesen, daß im Alter Krankheiten aller Art zunehmen, was ja im Grunde durch die langen Lebensjahre auch verständlich ist. Der Körper baut eben ab. Aber es ist auch auffällig, daß sehr viele Menschen ab dieser Altersgrenze - die natürlich variabel ist - diese Reduzierung von positiver Lebensteilnahme in den aufgeführten Punkten aufweisen. Eigentlich noch zu früh und zu schnell.
Meine Frage ist daher, ob der Mensch ab einem bestimmten Alter bereits seine Sicht verbissen, verkrampft und vezweifelt auf die Endlichkeit des Lebens richtet und dadurch bedingt über die Psyche Krankheiten ungewollt auslöst? Krankheiten, welche in entspannter unbedarfter Lebenweise nicht entstehen würden? Ist dann der Verdrängungsprozess auf das Lebensende nicht auch eine Art von neg. Stress für den Körper.
Müßte man nicht dem Geist, der Seele, der Psyche (egal wie man es nennt) in solchen Fällen rechtzeitig fachlichen Beistand leisten, weil eine Überforderung vorliegt? Könnten dadurch wenn rechtzeitig Beistand kommt Krankheiten vorab vermieden werden?
Sollte meine Sichtweise naiv sein und keine allgemeine Situation darstellen, so würde mich das wirklich freuen, denn dann habe ich mich in der Sensibilität der Menschen getäuscht und das Bild war eine Täuschung.

Freundliche Grüsse

fuerte

Auch Hallo,

ich habe festgestellt, daß Menschen ab einer bestimmten
Altersgrenze sehr oft ihr gewohntes Erscheinungsbild
verändern. Meist so ab dem 55. Lebensjahr.

Also, ich habe das nicht festgestellt…

Nun habe ich gelesen, daß im Alter Krankheiten aller Art
zunehmen, was ja im Grunde durch die langen Lebensjahre auch
verständlich ist.

Die Jahre im Alter werden nicht länger (eher kürzer… irgendwie ist schon bald wieder Weihnachten…:frowning: )

Meine Frage ist daher, ob der Mensch ab einem bestimmten Alter
bereits seine Sicht verbissen, verkrampft und vezweifelt auf
die Endlichkeit des Lebens richtet und dadurch bedingt über
die Psyche Krankheiten ungewollt auslöst?

Hüstel… „verbissen, verkrampft und verzweifelt“ besuche ich (und andere Scheintote) täglich Friedhöfe und Bestattungen… oder wie stellst du dir das vor?
Keine Ahnung wie alt du bist - aber auf jeden Fall kennst du merkwürdige 55plusser. Fast mein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis ist in dem Alter und älter und ich sehe weder die Verzweiflung noch die Verbissenheit. Die arbeiten alle noch und genießen ansonsten ihr Leben. In der Regel sind sie auch nicht ‚verkrampft‘, sonder im Gegenteil. Vieles ‚muss‘ nicht mehr sondern ‚kann‘, man kennt sich besser und die meisten sind Selbstsicherer als früher.

… Geist, der Seele, der Psyche (egal wie man es nennt)

ja, völlig egal. Aber vielleicht nicht egal was das denn sein soll? Der ‚Geist‘, die ‚Seele‘, die ‚Psyche‘… sitzt die irgendwo rum und ist von den vielen Bestattungen fürchterlich gestresst? Oder wie muss ich mir das vorstellen?
Und dann für jeden ab 55 den Psychologen? Und was macht der? Bespricht dann die Sterblichkeit?
Nett… lux

Hallo.

Ich denke, es ist eher umgekehrt. Der Körper macht nicht mehr mit. Es stellt sich oftmals eine Minderung der Leistungsfähigkeit ein und Dinge, die früher möglich waren, fallen vielen älteren Leuten immer schwerer bzw. werden irgendwann unmöglich. Daraus resultiert Frust.

Hallo fuerte.

Deine Gedanken sind vollkommen korrekt.
Wir verdrängen den Tod aus unserem Leben und irgendwann wird uns dann erschreckend bewusst, dass es ihn gibt.

Jetzt habe ich die Rente durch und was kommt dann?
Bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft gewinnen wir. Oh Gott, bin ich dann überhaupt noch da?

Solche Gedanken kommen einem und für manchen kommen sie so plötzlich und überraschend, dass es sie seelisch richtig in die Kniekehlen haut.

Ähnliches geschieht schon in der Midlife-Crisis, da raffen sich aber die meisten noch mal auf.

Im Alter ändert sich einfach die Sichtweise und die Interessenlage.
Lohnt es sich eigentlich noch die Welt zu retten, wenn man es eh nicht mehr erleben wird? (Deswegen ist es ja so gefährlich, wenn Politik nur von alten Männern gemacht wird.)

Soll man wegen einer Krankheit zum Arzt gehen, wenn man früher oder später doch eh stirbt?

Usw., man könnte endlos vieles aufzählen.
Bei manchen führte es dazu, dass sie sich das Leben nehmen, obwohl sie noch viele Jahre gesund leben könnten.

Und sicherlich wäre hier bei so manchem therapeutische Hilfe angebracht.

Was dagegen hilft? Ich weiß es nicht?
Einfach nur leben und genießen. Neues anfangen, egal, ob man es noch zu Ende bringen kann oder nicht. So wie man es früher auch gemacht hat.

Ein wesentlicher Teil meiner Lebensfreude ist meine 26 Jahre jüngere Freundin. Der ich eigentlich gar nicht genug danken kann.
Aber die gibt’s halt nicht auf Rezept.

Gruß, Nemo.

Hallo fuerte,

wenn Menschen im fortgeschrittenen Alter schlecht drauf sind, hat das in meinen Augen - wie so vieles im Leben - ganz unterschiedliche Ursachen.

Eine davon ist sicher die Erkenntnis, dass man körperlich keine 30 mehr ist. Das fällt vor allem sportlich aktiven Menschen auf, die plötzlich feststellen, dass sie von Jüngeren mühelos vom Platz gefegt/ überrundet werden, obwohl sie ihr Bestes gegeben haben. Oftmals führt das erst mal zu erhöhter Anstrengung und dann wahlweise zur Akzeptanz des Status Quo oder zum Frust.

Die Regenerationszeiten werden länger - wenn ich heute 'ne Nacht durchmache, brauche ich 2 Tage, bis ich wieder richtig fit bin :smile: - Verletzungen heilen langsamer und körperliche Arbeit ist anstrengender, als sie es noch vor ein paar Jahren war.

Die Problematik der Wechseljahre lasse ich mal außen vor, obwohl die sicher keine unerhebliche Rolle in dem von dir beschriebenen Erscheinungsbild spielen mag.

Langjährige Beziehungen trennen sich, weil einer von beiden noch mal mit aller Gewalt wissen will, ob das Leben nicht noch was anderes zu bieten hat, und diese Erfahrung endet nicht selten bei beiden Partnern in Angst und Frustration.

Die eigenen Eltern werden richtig alt und sterben. Und damit rückt auch das Bewusstsein näher, dass man selbst nun „der Nächste“ sein wird. Auch das will verarbeitet und richtig eingeordnet werden.

Manchen fehlt eine sinngebende Beschäftigung im Leben. Und wenn ihr Job diese nicht bietet, dann werden die restlichen noch zu arbeitenden Jahre immer mehr zur Qual.

Die Liste ließe sich sicherlich noch ein Weilchen fortführen.

Nach meiner Beobachtung liegt aber vieles an den Menschen selbst: Wer zeitlebens ein Miesepeter war, wird im Alter nicht fröhlicher. Und wer dazu neigt, sich zu bemitleiden, findet im Älterwerden ein unerschöpfliches Reservoir an weiteren Gelegenheiten dazu.

Umgekehrt sind Menschen mit der Fähigkeit, positiv zu denken, in aller Regel auch im Alter dazu in der Lage. Oft selbst dann, wenn Krankheiten sie plagen, die über die üblichen Wehs hinausgehen.

Schöne Grüße,
Jule