Psychiatrie Viersen

Hallo zusammen!

Ich möchte mich gern über die Psychiatrie in Viersen informieren, da mein Bruder dort vorgestern wegen Depressionen eingewiesen wurde. Im Internet erfährt man natürlich grob, wie alles funktioniert und abläuft. Aber wie ist es wirklich? Wir erfahren am Telefon nichts über meinen Bruder, da er genau 18 ist und somit erwachsen. Wir glauben aber, dass er viel eher auf die Kinder und Jugendlichen Station gehört. Schlimm finden wir (also meine Familie und ich), dass wir am Telefon rein gar nichts erfahren, nichtmal, ob er überhaupt noch da ist, denn er kann jederzeit freiwillig gehen, er ist auf der offenen Station. Nur wohin ohne Geld, meine Mutter hat ihm nur Münzen zum Telefonieren gegeben. Hat jemand Erfahrungen oder weiß jemand, ob wir meinem Bruder irgendwie helfen können? Fies finde ich auch, dass sie ihn trotz sozialer Phobie in ein Drei Bett Zimmer stecken. Warum tun die Psychiater das???
Gruüße, Anna

Hallo zusammen!

Hallo Anna,

Ich möchte mich gern über die Psychiatrie in Viersen
informieren, da mein Bruder dort vorgestern wegen Depressionen
eingewiesen wurde. Im Internet erfährt man natürlich grob, wie
alles funktioniert und abläuft. Aber wie ist es wirklich?

Das kannst du ganz einfach herausfinden…besuche deinen Bruder und du kannst dir ein Bild von der Klinik machen. Jede Psychiatrische Klinik hat Besucherzeiten.

Wir erfahren am Telefon nichts über meinen Bruder, da er genau 18
ist und somit erwachsen. Wir glauben aber, dass er viel eher
auf die Kinder und Jugendlichen Station gehört.

Bist du sicher, dass du das als Schwester wirklich objektiv beurteilen kannst? Ich glaube eher du musst dich mit dem Gedanken anfreunden, dass er nicht mehr das kleine Brüderchen ist. Das ist nicht böse gemeint… aber selbst wenn du recht hast, gibt es im Laufe der Behandlung immer noch die Möglichkeit auf eine Kinder-und Jugendspychiatrische Station verlegt zu werden.

Schlimm finden
wir (also meine Familie und ich), dass wir am Telefon rein gar
nichts erfahren,

Woher soll denn das Personal wissen, dass du wirklich die Schwester bist und nicht die neugierige Nachbarin, die einfach nur nachhören will ob dein Bruder wirklich in der Psych gelandet ist?

nichtmal, ob er überhaupt noch da ist, denn
er kann jederzeit freiwillig gehen, er ist auf der offenen
Station.

Wie du schon selbst festgestellt hast…er kann jederzeit freiwillig gehen. Er kann auch jederzeit euch anrufen.

Nur wohin ohne Geld, meine Mutter hat ihm nur Münzen
zum Telefonieren gegeben.

Nach Haus? Zu dir?

Hat jemand Erfahrungen oder weiß
jemand, ob wir meinem Bruder irgendwie helfen können?

In den Kliniken in denen ich gearbeitet habe, gab es immer Angehörigensprechstunden. Ruf die Station an und erkundige dich danach. Oder telefoniere mit deinem Bruder und lass dir den Namen des behandelnden Arztes geben (auf der Station kannst du auch die Nummer des Patiententelefons dir geben lassen, sofern es soetwas in Viersen auch gibt).Dann kannst du evtl. einen Termin mit dem Arzt direkt machen.
Frage deinen Bruder, was er möchte/braucht. Das kann aber u.U. auch Abstand von der Familie sein.

Fies
finde ich auch, dass sie ihn trotz sozialer Phobie in ein Drei
Bett Zimmer stecken. Warum tun die Psychiater das???

Sicher nicht um deinen Bruder zu ärgern. Das kann viele Gründe haben. Aber eine Station besteht nun mal kaum aus Ein-Bett-Zimmern…dein Bruder ist erst seit vorgestern da…

Gruüße, Anna

Liebe Grüsse
Simone

Hallo Anna!
Ich kann ja verstehen, dass du Dir Sorgen machst. Aber ich kann nur
bedingt die Bedenken bzw. Vorwürfe teilen. Dein Bruder ist volljährig
und hat offenbar bei einem Arzt um die Einweisung in eine Klinik
gebeten bzw. ist gemeinsam mit einem Arzt zu der Überzeugung
gekommen, dass derzeit eine freiwillige stationäre Behandlung für
seine psychischen Probleme notwendig ist. Hierfür kann es eine Reihe
von Gründen geben, warum eine ambulante oder teilstationäre
Behandlung (oder aber eine länger geplante stationäre
psychosomatische Psychotherapie) nicht gewählt wurden.

Es ist jedoch eine Selbstverständlichkeit, dass keine Informationen
über einen Patienten am Telefon gegeben werden dürfen. Dies schliesst
auch die Frage ein, ob er denn überhaupt da ist. Sonst könnte jeder
Arbeitgeber oder sonstwer mal locker in der Psychiatrie nachfragen,
wer denn da so gerade ist.

Wenn Dein Bruder den Kontakt möchte, so wird er mit Euch Kontakt
aufnehmen. Sicher wird dies auch in aller Regel von der Klinik
unterstützt bzw. zumindest die Eltern zu einem Angehörigengespräch
eingeladen. Viele Kliniken bieten zusätzlich Angehörigengruppen oder
zumindest Informationsabende an.

Die Zuweisung in eine psychiatrische Klinik erfolgt in aller Regel
nach dem Sektorenprinzip. D.h. ein Patient wird in die Klinik
eingewisen, die für den Landkreis bzw. Bezirk zuständig ist. Ab dem
18. Lebensjahr erfolgt in aller Regel die Zuweisung in die
Erwachsenenpsychiatrie (das hat auch etwas damit zu tun, dass die
Kapazitäten der Kinderpsychiatrien extrem gering sind und der
Alterschnitt dort einfach ziemlich niedrig sein kann. Da ist man dann
mit 18 schlicht falsch am Platz.)

Das Procedere einer Aufnahme ist recht klar geregelt. Die Einweisung
erfolgt durch einen niedergelassenenen Arzt (es sei denn, dein Bruder
wäre notfallmässig direkt in die Klinik gegangen). Wird von der
Klinik auch die Notwendigkeit zur stationären Aufnahme gesehen, so
erfolgt die Aufnahme. Zunächst wird ein Aufnahmegespräch geführt und
dabei insbesondere geklärt, ob eine akute Gefährdung (sprich
Selbstmordgefahr) besteht bzw. eine ausreichende Absprachefähigkeit
besteht. Bei deinem Bruder scheinen die beteiligten Experten zu dem
Schluss gekommen sein, dass eben eine Behandlung auf einer offenen
Station möglich und sinnvoll ist. Je nach Belegung der einzelnen
Stationen (und ggf. bestimmten Schwerpunkten innerhalb der Klinik)
kann die Zuweisung auf bestimmte Stationen in den ersten Tagen ggf.
noch wechseln. Die Frage, welche Zimmergrösse gewählt wird ist
schlicht von der Belegung der Station bzw. der Belegung der Klinik
abhängig. Kein Therapeut wird bewusst einen Patienten „ärgern“
wollen. Aber ganz klar : Einzelzimmer werden eher für „Problemfälle“
reserviert (oder aber für die Privatpatienten).
Je nach Festlegung der Therapieziele und Möglichkeiten der Klinik
wird dann die Dauer der Behandlung festgelegt. Diese kann stationär
sehr kurz sein (z.B. 1-3 Tage zur Krisenintervention), 1-2 Wochen für
eine etwaige medikamentöse Behandlungseinstellung oder aber länger,
wenn es eine psychotherapeutische Behandlung in der Klinik für die
Problematik gibt. Eventuell wird diese dann aber eher teilstationär
(in einer Tagesklinik) oder eine anderen Einrichtung (z.b.
psychotheapeutisch orientierte Fachklinik) erfolgen.

Ich habe von Viersen eigentlich nur gute Dinge gehört, so dass ich
zwar die Sorge verstehe, aber nicht teilen mag.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!

Ja, mein Bruder hat jetzt aus der Psychiatrie angerufen. Ihr habt recht, es gibt ein Patiententelefon und er hat von dort um Rückruf gebeten. Meine Mutter hat er angefleht ihn abzuholen und sie dann wüst beschimpft, als sie es ablehnte. Er wurde von einer Psychiaterin die er schon von einem Termin vor zwei Jahren kennt, eingewiesen und ist von meiner Mutter noch am selben Tag hingefahren worden. Allerdings hat er freiwillig das Aufnahmeformular unterschrieben.
Zu meinem Vater, der ihn auch nicht abholt, hat er am Telefon gesagt, er möchte zu Hause eine ambulante Therapie machen, die Psychiaterin meinte aber, das habe keinen Zweck.
Am Wochenende ist so eine Angehörigenrunde und meine Mutter wird dort hingehen und auch meinen Bruder besuchen.(Ich kann leider nicht hin, da ich im AUsland bin zur Zeit) Natürlich hat sie Angst, dass mein Bruder sie so sehr anfleht, welche Mutter kann da schon stark bleiben. Sicher wird er versuchen, sie zu erpressen. Habt ihr nicht einen Tipp, wie sie sich vor meinem Bruder ein bisschen schützen kann? Sie nimmt das alles sehr mit…
Anna

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]