Ich habe ein Riesenproblem.
Ich bin 30 und in der Endphase meines Studiums. Meine Mutter (geschieden, ich bin das einzige Kind) ist psychisch krank (Depressionen, Persönlichkeitsstörung) und auch körperlich krank. Sie ist wegen der psychischen Sache nur beim Neurologen in Behandlung, der ihr immer nur neue Medikamente verschreibt, sonst nichts. Sie ist nicht in psychiatrischer Behandlung, weil sie der Überzeugung ist, dass ihr eh niemand helfen könne. Sie ist knapp über 50 und erwerbsunfähig d.h. bezieht Rente. Sie erpresst mich mit ihren Krankheiten, z.B. wenn ich eine Prüfung habe, ruft sie mich in der Nacht vor der Prüfung an, weil sie z.B. einen Herzanfall hat etc. Oder wenn wir streiten, legt sie den Telefonhörer auf und geht nicht mehr ans Telefon, um mich in meinem schlechten Gewissen schmoren zu lassen, mit der allgegenwärtigen Angst, sie könne sich was antun. Natürlich will sie damit nur Aufmerksamkeit. Sie übernimmt in ihrem Leben keinerlei Eigenverantwortung mehr, weil ich ihr im Laufe der Zeit leider immer mehr abgenommen habe. Ich selbst habe auch kaum eigenes Leben, weil sie von mir erwartet, dass ich immer für sie erreichbar bin. Auch diese Erwartung habe ich ihr immer brav erfüllt. D.h. ich bin zu einem ziemlich hohen Grad fremdbestimmt und komm aus dieser Enge nun nicht mehr raus.
Ich habe schon die örtliche Selbsthilfegruppe kontaktet, aber die meinten, sie hätten eigentlich nur Erfahrung mit Angehörigen von psychisch kranken erwachsenen Kindern.
Ich selbst war gestern beim Psychologen, aber der hatte keine Kapazität und meinte, ich müsse mich bei den Psychologen der Umgebung auf bis zu einem Jahr Wartezeit einstellen.
Das halt ich nicht mehr solange aus, mein Studium geht so kurz vorm Ende den Bach runter…
Habt ihr Erfahrungen mit sowas? Wo könnte ich mich noch hinwenden?
ich weiss zwar keine kurzfristige Lösung oder konkrete Hilfe für Dich, will Dir allerdings sagen, dass ich bewundere, mit welcher Klarheit die Dinge (rational) siehst und Deinen Mut zu erkennen „ich brauche Hilfe“. Allein damit hast Du m. E. schon ein erhebliches Stück auf dem Weg zu Deinem Ziel geschafft.
Vielleicht kann Dein Hausarzt oder der Neurologe Deienr Mutter kurzfristig was für Dich erreichen - die haben ggf. Beziehungen ?!
Hi, im Moment scheint es ja um eine kurzfristige Lösung bis zur Prüfung zu gehen. Deine Mutter kannst Du zumindest direkt nicht ändern. Du könntest Dich sicher in die Richtung entwickeln, dass Du dich nicht mehr beeinflussen lässt, das braucht aber einige Zeit.
Kurzfristig wäre es möglicherweise sinnvoller, sich der Beeinflussung teilweise oder völlig zu entziehen. Dh. z.B. nach vorheriger Ankündigung Kontakt bis auf ein Telefonat zu einer bestimmten Zeit pro Woche abbrechen. Oder geh ins Kloster (diverse christliche, buddistische und andere Organisationen bieten Kurz- und Langzeitaufenthalte an, einige auch konfessions- und religionsunabhängig. Damit wäre ein Kontakt seitens Deiner Mutter sehr erschwert, Du hättest einen strukturierten Tagesablauf und wenig Ablenkung von der Prüfungsvorbereitung und ggf. auch erste Schritte in Richtung Unabhängigkeit.
Gruss
A.
ich ahne, wie schwer das für dich ist. Heute erst stand ein Artikel bei uns in der Zeitung, wie manche Frauen mit der Pflege ihrer alten Mütter völlig überfordert werden/sind und wie sie dies bewerkstelligen können, ohne selbst in Depressionen, Selbstzweifel und Schuldgefühle zu geraten.
Dort wird empfohlen, sich unbedingt selbst prof. Hilfe zu holen.
Das geht z.B. über die CARITAS, DIAKONISCHES WERK, dort gibt es Beratungen kostenlos.
Sie empfehlen aber auch, selbst eine Kurzzeittherapie zu machen.
Das was dein Psychologe sagt, ist nur bedingt richtig. Wartezeiten gibts freilich überall und auch manchmal sehr lange.
Ich hab im Sept. eine Therapie angefangen und hab 2 Monate lang einen Therapeuten gesucht, 5 Probegespräche bei verschiedenen gemacht, bis ich einen hatte, der mir zusagte UND der mich gleich nehmen würde, zumindest mit kurzer Wartezeit. Und siehe da, ich hatte dann einen, bei dem ich unmittelbar nach dem Probetermin die Therapie beginnen konnte. 5 Testsitzungen gehen auf Krankenkassenkarte, danach muss ein Antrag gestellt werden, der ist aber nicht das Problem.
Hier in Nürnberg gibt es eine „Koordinationsstelle für Psychotherapie“, die Tel.Nr. kann man über seine Krankenkasse erfragen. Bei dieser Stelle werden einem FREIE Therapieplätze genannt, d.h. man muss nicht selbst zig Therapeuten durchrufen.
Vielleicht gibts sowas auch bei dir in der Nähe; einfach mal bei deiner Krankenkasse anrufen.
andere Beratungsstellen (Caritas, Diakonie, Parität. Wohlfahrtsverband)
Telefonseelsorge
Ziel sollte sein : Du bist nicht allein mit der Problematik und kannst Dich austauschen.
Du kennst Deine Mutter und ihre Manipulationen. Das macht es zwar für Dich nicht leichter, aber du kannst die Gefahren realistischer einschätzen. Ideal wäre, wenn Du regelmässige Kontakte mit ihr vereinbarst, also selber 1 oder 2 mal wöchentlich dich meldest. Auf Anrufe von Ihr aber nach Möglichkeit nicht reagierst. Verweise sie an Beratungs- und Hilfstellen, grenze dich ab (ich weiss, leicht gesagt).
Sollte dies nicht reichen, wäre es konsequent den Sozialpsychiatrischen Dienst vor Ort einzuschalten und notfalls auch eine stationäre Behandlung deiner Mutter zu Krisenintervention vorzunehmen. Schon allein, um dich zu schützen und dein „normales“ Leben wieder aufnehmen zu können.
Hilfreich für viele Angehörige von psychisch Kranken Patienten ist es, eine Art „Notfallkoffer“ zu machen. Also sich vorzustellen, wie das Leben ohne diesen Menschen verlaufen würde. An wen man sich wenden kann zur Unterstützung, wie man sich Ablenken kann. Welche Aktivitäten man noch hat, um auf andere positivere Gedanken zu kommen. Wieder Sport zu treiben und unter Freunde gehen. Sozialkontakte eben und sich nicht isolieren lassen von deiner Mutter. Das ist schwer zu machen, ist aber möglich.
Hallo Nicky
Ohne spitzfindig sein zu wollen (denn as hülfe Dir ja nicht)- aber ich denke, zunächst muss die Arztwahl mal geklärt werden.
Weder der Neurologe, noch der Psychiater, nich der Psychologe (Du erwähnst die drei) sind da die optimale Anlaufstelle, sondern es sollte ein Psychotherapeut avisiert werden, z.B. ein Facharzt für Psychotherapie. Wenn diese „Delegation“ geschafft ist, solltest Du Dich mal „zurücklehnen“ und die ganze Verantwortung dort lassen.
Gruß, Branden