Liebe Experten,
was kann ich mir genauer unter einer „Entwicklungsstörung mit hohem Anteil an psychischer Deprivation“ vorstellen? Was müsste/könnte bei einer solchen Diagnose an Maßnahmen, Therapieen ect. eingeleitet werden um einem achtjährigem Kind Unterstützung zukommen zu lassen ?
Gruß
Silke
Hi Silke
dabei geht es um eine Störung, genauer um einen Mangel im Bindungsgefüge zwischen dem Kind und seiner Mutter. Die ersten Beobachtungen dazu und zu den Folgeerscheinungen beschrieb René Spitz in den 50ern:
René Spitz: Die Entstehung der ersten Objektbeziehungen. Direkte Beobachtungen an Säuglingen während des ersten Lebensjahres (1956)
ISBN 3129071407 Buch anschauen
Bei Google wirst du sicher eine Unmenge dazu finden.
Was müsste/könnte bei einer solchen Diagnose an Maßnahmen,
Therapieen ect. eingeleitet werden um einem achtjährigem Kind
Unterstützung zukommen zu lassen ?
Das sollte die Mutter am besten mit dem Therapeuten besprechen, der auch diese Diagnose gemacht hat. Denn bei den therapeutischen Möglichkeiten wird vermutlich die Beteiligung der Mutter des Kindes empfohlen werden. Das hängt alles von den sehr verschiedenartigen Erscheinungsformen dieses Bindungsproblems und auch von seiner Geschichte ab.
Gruß
Metapher
Lieber Metapher,
Herrn Spitz werde ich suchen; ich danke dir. Leider lehnt die Mutter eine Beteiligung an therapeutischen Möglichkeiten vollkommen ab! Heißt das, dass ohne eine therapeutischer Einbeziehung der Mutter keine grundlegenden „Unterstützungen“ herbeizuführen sind?
Genau gegen diese Wand renne ich seit über einem Jahr.Die Mutter boykottiert, Gutachten „diagnostizieren“… nichts passiert- und das Kind? Klartext: Die Mutter/Familie macht dicht/Diagnose liegt vor( s.o.)es brennt; kann man irgend etwas tun, was diese Situation für das Kind und seine Umwelt positiver gestaltet?
Gruß
Silke
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Trauriger Fall, Silke,
kann man denn nicht evtl über Großeltern oder andere Verwandt einwirken? Was sagt das Jugendamt zu dem Fall?
Nach Deiner Schilderung wird das Kind ja regelrecht geschädigt.
Gruß
Eckard
Hi Silke
„die Familie macht dicht“ … inwiefern? Wem gegenüber? Wer außer der Mutter denn noch? Wissen sie alle von den Problemen und dann auch von der Diagnose?
Leider weiß ich zu gut, wie schwierig es ist, jemanden zu einer Psychotherapie zu animieren. Bei zu vielen schwirrt immer noch das Vorurteil im Kopf herum, daß Psychotherapie = „einen im Tee haben“ bedeute.
Andererseits könnte das jetztige Verhalten der Mutter darauf hindeuten, woher es zu den Erscheinungen gekommen sein mag, die jetzt zu dieser Einschätzung der psychischen Disposition des Kindes Anlaß gibt. Und es dürfte jetzt von dem Fingerspitzengefühl und der Menschenkenntnis dieses diagnostizierenden Therapeuten abhängen, ob es ihm gelingt, die Mutter in Bewegung zu setzen.
Was Außenstehende, sofern sie keinen Einblick in die bisherige Entwicklungsgeschichte der beiden haben, bestenfalls tun können, ist der Versuch, bei der Mutter zumindest das oben genannte Vorurteil abzubauen, falls das dabei mitspielt.
Darüberhinaus - ich gehe mal davon aus, daß auch die Mutter sich kundig gemacht hat, worum es bei dieser Diagnose geht - könnte es sein, daß sie sich sperrt, weil sie Schuldgefühle entwickelt, das Gefühl hat, als Mutter versagt zu haben. Das Sperren hat dann oft den Grund, daß die Person meint, mit der Einwilligung in eine Therapie ein Schuldeingeständnis zu machen.
Das wäre zwar abwegig, aber dieses Gefühl kann nur der Therapeut mit ihr bearbeiten … Und das wäre dann bereits der Einstieg in die Therapie - zumindest das Vorspiel.
Gruß
Metapher
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Hallo Metapher,
seit über einem Jahr versuche ich mit - ich hoffe- Fingerspitzengefühl die Mutter zu bewegen ihrem Kind und sich selbst Unterstützung zukommen zu lassen. Zumindest hat sie sich bereit erklärt ihr Kind sozialpädiatrisch untersuchen zu lassen. Die Gründe gegen eine weitere Einbeziehung hast du sehr genau dargestellt; ich sehe momentan keine Möglichkeit die Mutter zu bewegen sich auf mehr einzulassen. Deinen Ausführungen entnehme ich, dass dies aber notwendig wäre um überhaupt eine für das Kind /das Mutter-Kind-Verhältnis notwendige positive Entwicklung einzuleiten ? Anders: Kann auch ohne die Mitarbeit und Bereitschaft der Mutter dem Kind mit irgendwelchen therapeutischen Maßnahmen geholfen werden ?
lieben Gruß
Silke
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Hi Silke,
Deinen Ausführungen entnehme ich, dass dies aber notwendig wäre um
überhaupt eine für das Kind /das Mutter-Kind-Verhältnis
notwendige positive Entwicklung einzuleiten ?
da kann ich beim besten Willen nichts zu sagen, denn das kann nur ein Therapeut letztendlich beurteilen, was da getan werden sollte.
Und am besten natürlich einer, der das Kind und seine Lebensumstände bereits kennt. Nur ist es bei einer solchen Diagnose meist so, daß auch die Mutter - wie auch immer - mit einbezogen wird, zumindest in diesem Kindesalter.
Anders: Kann auch ohne die Mitarbeit und Bereitschaft der Mutter dem Kind mit irgendwelchen therapeutischen Maßnahmen geholfen werden ?
Sicher ist da irgendetwas möglich. Aber auch das kann nur mit Zustimmung der Eltern geschehen. Und diese Zustimmung kann ja nur im Rahmen eines Beratungsgesprächs zwischen einem Therapeuten und den Eltern zustande kommen. Wenn die Eltern nichts tun und nicht wollen, dann wird schwierig.
Was ist denn nun mit dem, der das Kind gesehen hat? Diagnose gestellt, und das wars?
Gruß
Metapher
Hallo, Metapher,
hört sich in der Tat etwas banal an, aber ja Diagnose gestellt, das war`s-mit dem Zusatz, dass bei Erwachsen von „Schwierigkeiten“ das Kind gerne wieder gesehen wird.Letztlich drängt sich mir bei diesem ganzen Verfahren der Eindruck auf, dass man die Weiterbehandlung des Kindes schlichtweg rechtzeitig abgelehnt hat, weil die Mutter eindeutig signalisiert hat, dass von ihr und der Familie keine Mitarbeit zu erwarten ist.Ich befürchte nur, dass sich die Entwicklungsstörung ohne adäquate Unterstützung nicht einfach „auswächst“.Es ist also schwierig.
Trotzdem vielen Dank für deine Mühe
Gruß
Silke
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