Psychische Probleme --> wie lösen?

Hallo miteinander,
ich habe seit einigen Jahren phasenweise immer mal wieder panische Angst vor dem Tod. Es geht soweit, dass ich Herzrasen bekomme und das Gefühl habe, ich werde gleich ohnmächtig. Meist tritt dies nur alle paar Monate oder sogar 1-2 Jahre in dieser extremen Form ein. Allerdings bin ich dann in den darauffolgenden Tagen/Wochen noch ziemlich niedergeschlagen und kann an fast nichts Freude finden.
Vor ein paar Jahren war ich deswegen bei einer Psychologin. Während dieser Zeit und auch noch einige Zeit danach ging es mir besser.
Vor ca. 2 Jahren ist die Psychologin in Rente gegangen und ich wollte erst mal schauen, wie ich alleine zurecht komme. Klappte auch ganz gut. Vor kurzem ging es mir dann aber wieder sehr schlecht. Einen neuen Psychologen hier in der Gegend habe ich hier noch nicht gefunden (ist nicht ganz einfach).
Daher habe ich mir überlegt, vielleicht mal eine Woche in eine psychosomatische Klinik zu gehen.
Mein Problem ist auch, dass meine berufliche Situation mir ziemlich viel Freizeit lässt, mit der ich nicht wirklich was anzufangen weiß. Natürlich versuche ich, sooft es geht, etwas mit Freunden zu unternehmen, aber sobald ich dann wieder alleine zu Hause bin, kommen die dummen Gedanken wieder. Ich dachte mir, dass mir so ein Klinikaufenthalt in meiner momentanen Situation am besten helfen würde. Am liebsten wäre mir eine Art Gruppentherapie, da ich auch das Gefühl habe, dass mein Sozialverhalten nicht so wirklich in Ordnung ist. Vielleicht könnte ich dort a) meine Ängste besiegen und b) ein einigermaßen „normaleres“ Verhältnis zu anderen Menschen aufbauen.
Was meint ihr dazu? War vielleicht jemand von euch schon mal in so einer Klinik? Wie ist da der Tagesablauf? Was kostet der Aufenthalt in etwa (ich würde ihn gerne selbst bezahlen, d.h. die Krankenkasse soll davon nichs mitbekommen).
Vielen Dank für eure Antworten.

Hi!

Deine Angstattacken sind sicherlich behandlungsbedürftig, auch wenn sie nur phasenweise auftreten. Aber sie beeinträchtigen dich ja doch phasenweise über einen längeren Zeitraum, und das ist eben nicht ‚normal‘.

Ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik ist meiner Meinung nach eine gute Idee. Allerdings nicht für eine Woche. Was soll denn deiner Meinung nach innerhalb einer Woche erreicht werden?

Normalerweise fangen solche stationären Behandlungen bei 4 Wochen an, und das halte ich in deinem Fall auch für realistisch. Die Therapie ist auch danach nicht abgeschlossen, sondern wird dann in wöchentlichen Therapiesitzungen weitergeführt.

Mein fünfwöchiger Aufenthalt hat rund 8000 € gekostet. Warum du das selbst zahlen willst ist mir nicht klar, aber es ist deine Entscheidung. Wenn du aber krank bist solltest du das nicht aufschieben: Es wird von allein nicht besser, eher schlimmer.

Aber vielleicht suchst du dir erstmal nur eine neue Psychotherapeutin. Wenn dies keine Besserung einleitet kannst du dich immer noch zu einem Klinikaufenthalt entscheiden.

Wenn du mehr dazu wissen willst, kannst du mir gern eine private Email schicken.

Liebe Grüße
Flaschenpost

Hallo,

Angststörungen sind ziemlich hartnäckig und gerade im hypochondrischen Bereich nicht ganz einfach zu therapieren. Was du aber bereits erkannt hast ist, dass ungenutzte Zeit das Problem verschlimmert. Man hat jede Menge Zeit, in sich reinzuhören und die Gedankenspirale in Gang zu setzen.

Mit einer Woche in der Klinik wirst du nichts erreichen, außer vielleicht, dass du eine Woche beschäftigt bist. Da du dich dort gleichzeitig unter ärztlicher Aufsicht befindest, wird deine Angst sich in dieser Zeit vermutlich ganz schnell verabschieden, weil du
a) in (medizinischer) Sicherheit und
b) in Gesellschaft bist.

Diese Gefahr besteht ganz grundsätzlich auch bei längeren Klinikaufenthalten und ist bei hypochondrischen Störungen nicht zu unterschätzen, doch gibt es hier die Chance, über intensive therapeutische Arbeit dennoch eine langfristige Besserung zu erreichen.

Ich persönlich würde in deiner Situation eher eine ambulante Therapie in Kombination mit dem Versuch, eine Freizeitgruppe zu finden, der du dich anschließen kannst, erwägen. Vielleicht klapperst du einfach mal die ortsansässigen Vereine ab oder stöberst im Programm der Volkshochschule? Oft findet man über einen Kurs Leute, mit denen man auch außerhalb Dinge unternehmen kann.

Schöne Grüße,
Jule

Nachfrage!
Hi Jule!

Deine Antworten hier finde ich immer sehr kompetent und einfühlsam und ich lese sie gerne.

Diesmal bin ich über eine Sache gestolpert, die ich nicht ganz verstehe:

Angststörungen sind ziemlich hartnäckig und gerade im
hypochondrischen Bereich
nicht ganz einfach zu therapieren.

Wie kommst du denn jetzt darauf, dass die Störungen hypochondrischen Charakter haben?
Werden in der Medizin alle psychischen Störungen als Hypochondrie angesehen???

Über Aufklärung würde ich mich freuen!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo ihr beiden,
vielen lieben Dank für eure netten Antworten! Ich habe mir nun folgendes überlegt:
Meine „alte“ Psychologin arbeitet noch stundenweise auf 400-Euro-Basis (?). Vielleicht ist es möglich, dass ich doch noch ab und zu zu ihr gehe. Und wenn es nur alle 6-8 Wochen wäre, hätte ich doch das Gefühl, dass ich da „aufgehoben“ bin. Immerhin kennt sie meine Vorgeschichte und ich habe auch keine Lust, bei einem neuen Psychologen noch mal ganz von vorne anzufangen.
Was meint ihr dazu?
Und zur Frage, weshalb ich den Klinikaufenthaltung selbst bezahlen hätte wollen: Bei mir steht (hoffentlich) noch eine Verbeamtung an…
von daher möchte ich lieber nichts riskieren.
Liebe Grüße!

Hallo ChrisTine,

Wie kommst du denn jetzt darauf, dass die Störungen hypochondrischen Charakter haben?

Ich bin keine Ärztin und selbstverständlich sind nicht alle psychischen Erkrankungen hypochondrischer Natur. Aber die Angst vor dem Tod bzw. vor schwerer, unheilbarer Krankheit ist eine (wenn nicht sogar die) Kernangst bei Hypochondern. Aus dieser Angst resultieren sehr oft somatische Reaktionen wie Herzrasen und Herzstolpern, die wiederum die Angst vor dem Sterben verstärken. Aus diesem Grund habe ich sofort in diese Richtung gedacht.

Charakteristisch für diese Form der Angststörung ist, dass Beruhigung von außen (am besten durch Fachleute) eine wesentliche Rolle im Umgang mit der Störung spielt.

Aber natürlich hast du Recht damit, dass das nicht der einzige Ansatzpunkt sein kann und sollte.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo,

ich halte die Idee mit deiner Psycholgin nicht für die schlechteste. Du weißt, was du von ihr erwarten kannst und was nicht und du hängst nicht in der Luft. Du kannst mit ihr ja auch weitere Möglichkeiten besprechen, sie hat bestimmt noch die eine oder andere Idee, falls dir die Termine bei ihr nicht reichen.

Bei mir steht (hoffentlich) noch eine Verbeamtung an von daher möchte ich lieber nichts riskieren.

Diese Vorsichtsmaßnahme ist (leider) vermutlich durchaus sinnvoll.

Schöne Grüße,
Jule

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