Psycho-Kater?

Habe zwei Kater, einen von knapp 15 Jahren,einen der jetzt 4 Jahre alt wird. Der jüngere ist jetzt seit 2 Jahren bei uns. Am Anfang bestand er nur aus Angst, was sich uns aber erst erklärte, als wir mal ein bißchen in Richtung der Vorbesitzer forschten, er hat als Welpe wohl deftig Prügel bezogen! Nach vielen Anfangsschwierigkeiten ist er jetzt, nach 2 Jahren ein absolut anhängliches Schmusebündel (ein dickes Bündel von gut 5,5 Kilo!). Besucher werden ihn trotzdem nie zu Gesicht bekommen, denn sobald es klingelt, oder ein Nicht-Familienmitglied die Wohnung betritt ist er verschwunden!
Aber das ist nicht das Problem. Er liebt mich wirklich heiß und fettig! Wenn es mir im normalen Alltag allerdings mal rausrutscht, daß ich schimpfe, und zwar nicht laut, aber in einem ganz besonderen Ton, dann kommt er angefegt, egal wo er vorher war, und beißt mich wie ein Hund von hinten in die Beine! Und zwar richtig! Das klingt jetzt vielleicht witzig, ist es aber wirklich nicht. Beim ersten Mal war ich total erschüttert! Ich stand morgens früh noch im Nachthemd an der Spüle, als mir der heiße Kaffee über die Hand lief, worauf ich so für mich zischelte: Mensch…so’n Sch…Kurz drauf kam der erste Biß, ich wußte ja gar nicht was los war! Ich drehte mich um, und da stand Micky hinter mir, mit einem Kampfschrei auf dem Lippen und attakierte mich wieder. Ich hatte wirklich Panik und bin getürmt, er wie ein wütender Hund hinter mir her!
Mir ist schon klar, daß er durch seine Vergangenheit da einen Knacks hat, und einen hohen erzieherischen Wert hat es auch, ich schlucke das „böse“ Wort (Menschhhhh in einem bestimmten Tonfall wie ich inzwischen weiß) möglichst runter. Ab und an passiert es trotzdem mal, und ich weiß nicht, wie ich richtig reagieren soll, wenn er mich anfällt, ich flüchte meistens, weil ich weiß, daß er mich dann wirklich deftig verletzen würde. Wie soll ich damit bloß umgehen?
Gruß
Lisa

Hallo Lisa,
ich glaube nicht, daß Dich Dein Kater angreifen will. Vermutlich will er Dich eher beschützen - wovor, ist mir natürlich nicht klar. Möglich, daß ihn der Zischlaut an irgendeine Gefahrensituation erinnert, die er mal durchlebt hat. Und dann will er, daß Du dieser Gefahr ausweichst. Und wie macht das ein Katzentier, das auf sein „Kind“ aufpaßt? Indem es das Kind in den Fuß zwickt. Es ist ja bekannt, daß Katzen mal selbst das Kind sind, aber auch häufig den geliebten Menschen als ihr Kind begreifen (lebende Mäuse bringen, damit der Mensch endlich lernt, sie zu fangen).
Ich komme auf diese Interpretation, weil mein ebenso lieber und verschmuster Kater, mit dem ich ein inniges Verhältnis hatte, mich auch mal gebissen hat: Er sprang häufig vom Küchenschrank auf den Oberschrank in unsere Küche, um dort oben zu schlafen. Als ich mal auf dem Küchenschrank stand, um die Oberschränke zu reinigen, sprang er hoch und biß mich in die Ferse, um mich zum nächsten Sprung auf den Oberschrank zu ermutigen(ich war allerdings ein ungelehriges Katzenkind und bin NICHT weitergesprungen!).

Dies ist eine mögliche Deutung für das Verhalten Deines Katers. Es gibt bestimmt noch mehrere, nur: einen „Psycho-Kater“ gibt es m.E. nicht.

Verzeih ihm manches nicht auf Anhieb verständliche Verhalten und sei lieb zu ihm! Er gibt Dir diese Liebe und noch viel mehr zurück.
Viele Grüße
Glöckchen

Ostergeschenk :smile:
Hallo,

auch wenn es dir nicht direkt hilft: Ich danke dir für deinen netten Bericht. Ist ein echtes Osergeschenk. Bei der Vorstellung, wie du vor deinem Kater türmst, kann ich mich kugeln vor Lachen. Nein, ich mache mich nicht über das Problem lustig, aber die Situation ist schon sehr witzig.
Ich denke, glöckchens Antwort könnt die Sache schon treffend beschreiben. Und nachdem du weisst, was der Auslöser ist, solltest du das auch vermeiden können.

Übrigens verschwindet unser Kater auch immer unterm Regal, wenn es klingelt. Oder er haut ab, wenn wir plötzlich den Raum betreten. Alles, was unvorhergesehen passiert, lässt ihn in Panik geraten. Ansonsten ist er aber auch ein toller Schmuser. Kommt morgens ins Bett und legt sich einem auf die Brust.

Also, nochmal Danke und frohe Ostern,
Niels

Hallo,

ich muss zugeben, dass ich von Katzen wenig Ahnung habe. Vielleicht hilft es trotzdem:
Angenommen, der Kater verbindet genau dieses Wort mit den damals erlebten Prügeln, weil die Besitzer vielleicht genau dabei so geschimpft haben. Egal, was dein Kater mit dem Biss „bezwecken“ will, eigentlich kann wohl nur helfen, die von ihm gelernte Verbindung zwischen dem Wort und einer sehr unangenehmen Situation wieder zu verlernen. Vielleicht könntest du bei angenehmen, entspannten Situationen wie streicheln, füttern etc. das „böse Wort“ sagen. Anfangs vielleicht nicht in dem Tonfall, auf den er besonders reagiert oder nur leise. Vielleicht gewöhnt er sich nach und nach daran, dass bei diesem Wort nicht immer gleich Alarm angesagt ist. Dafür braucht man sicher viel Gedult und darf in der Situation auch selbst nicht aufgeregt sein. Das könnte der Kater merken und dann würde es wohl nicht klappen. Ich wünsche dir viel Erfolg!

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Hallo Lisa,

ich höre das jetzt schon zum wiederholten Male: eine Katze, die im, früheren Zuhause mit Gewalt konfrontiert war, reagiert auf lauten Streit mit Agression. Es ist zu vermuten, dass in dem vorherigen Zuhause auch oft herumgebrüllt wurde.

Dem Kater das abzugewöhnen wird schwierig bis unmöglich, er hat das Geschrei mit für ihn gefährlichen Situationen verknüpft, auf die er auf eine für ihn vermutlich völlig logische, für uns total unverständliche Weise reagieren muss. So etwas ist schwer zu korrigieren.

Man könnte jetzt spekulieren und versuchen, dem ganzen menschlich verständliche Namen zu geben, z.B. er will Dich verteidigen, er fühlt sich bedroht, usw. Das hilft aber nicht wirklich weiter. Die Katze hat verknüpft: auf ein lautes „Menschhhh“ muss ich mit Angriff reagieren.

Was tun? Ignoriere das Verhalten so weit wie möglich (wenn es geht stillhalten, dann lässt er schneller los und die Kratzer werden nicht so schlimm). Versuche, das auslösende Verhalten zu vermeiden.

Die Tatsache, dass er von Besuchern nie gesehen wird (so eine Katze habe ich auch), spricht dafür, dass er sehr auf Euch fixiert ist und mit Veränderungen nicht fertig wird. Da hilft nur Zeit und Geduld. Nach 3 Jahren haut meine Psychokatze jetzt erst 5 Sekunden nach SIchtung des Besuches ab. Vorher war sie schon weg, wenn der Besuch noch im Hausflur war. In 5 Jahren bleibt sie vielleicht im selben Zimmer - vielleicht auch nicht, wir haben wenig Besuch.

Wenn ihr nette, katzenerprobte Bekannte habt, könnt Ihr die vielleicht häufiger mal einladen. Wenn Ihr dann ruhig im Wohnzimmer sitzt und euch leise unterhaltet, kommt der scheue Kater vielleicht mal aus dem Versteck. Dann ignoriert Ihr ihn und tut, als wäre er nicht da. Das gibt ihm Sicherheit und er macht vielleicht weitere Fortschritte. Sein Misstrauen wird er aber wohl nie ganz verlieren.

Gruß,

Myriam

ERst mal vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten. Den Effekt, daß die Leute teilweise Tränen lachen bei dem Bild, wie ich im Nachthemd vor meinem Kater türme, der kampfschreiend hinter mir herrennt, bin ich schon gewöhnt , kann ich auch verstehen, vor allem wenn die Leute mein Snoopy-Nachthemd und meine Gorilla-Puschen kennen!
Daß er mit dem „menschhhh“ etwas Schlimmes verbindet ist mir auch klar, es ist auch nicht so, daß ich das brülle, ein leises Zischeln genügt! Als Erziehungsbiß kann ich das absolut nicht einordnen, denn er hat schon derart zugelangt, daß ich deftig blaue Flecke hatte, einmal hat es richtig heftig geblutet, die Narbe hab ich jetzt noch! Natürlich liebe ich meinen „Dicken“ deshalb nicht weniger, ganz im Gegenteil, was muß der arme Kerl erlitten haben…
Ich werde also weiterhin versuchen nicht rumzuschimpfen, und zeige meinen Besuchern einfach Bilder von meinem Süßen, damit sie mir glauben, das es ihn gibt!
Schöne Ostern!
Lisa