Psychoanalyse - Charakterentwicklung

Hi!

Beim Lernen für eine Prüfung über Psychoanalyse les ich gerade was über den „anale Charakter“. Dabei wird von der Darmentleerung gesprochen, erst Zurückhalten dann Hergeben, und dass sich das durch Sublimierung und Reaktionsbildung im späteren Charakter niederschlägt.

Aber, wieso soll sich da was vom kindlichen (ca. 2 Jahre) auf den Charakter übertragen. Da liegen doch 10-15 Jahre dazwischen.

Vom analen Charakter abgesehen: Es ist immer wieder die Rede von verschiedenen Fixierungen auf/von/in/aus (?) den Phasen der Entwicklung (orale Phase bis Pubertät) und dass daraus der Charakter (mit-)bestimmt wird. Und dass man bei erwachsenen Menschen anhand ihre Charakters und ihrer Eigenheiten erkennt, wo sie fixiert geblieben sind.

Was hat das zu bedeuten?

Danke
Hansi

Hallo Hansi

Aber, wieso soll sich da was vom kindlichen (ca. 2 Jahre) auf
den Charakter übertragen. Da liegen doch 10-15 Jahre
dazwischen.

Aber wieso das denn? Der Charakter bildet sich doch nicht plötzlich -buff!- 15 Jahre später aus dem Nichts. Jede der entwicklungsgeschichtlich bedeutsamen Phasen wirkt doch direkt auf die weitere Persönlichkeitsbildung ein. Natürlich wird durch die LATENZZEIT einiges nicht so sichtbar und so deutlich wie dann später in der Teenagerzeit.

Vom analen Charakter abgesehen: Es ist immer wieder die Rede
von verschiedenen Fixierungen auf/von/in/aus (?) den Phasen
der Entwicklung (orale Phase bis Pubertät) und dass daraus der
Charakter (mit-)bestimmt wird. Und dass man bei erwachsenen
Menschen anhand ihre Charakters und ihrer Eigenheiten erkennt,
wo sie fixiert geblieben sind.

Na, wenn wir z.B. beim analen Charakter bleiben: Diese Menschen sind später eher zwangfhaft. Die fallen evtl. durch Überordentlichkeit, rigide Rituale, gruppenstörenden Eigensinn, betonte Pünktlichkeit, aber auch direkte Zwangssymptomatik auf. Das ist aber jetzt SEHR verkürzt wiedergegeben, die Realität ist natürlich weitaus komplexer, aber nicht hier in einem Posting abzuhandeln.
Gruß,
Branden

Hallo Branden!

Aber, wieso soll sich da was vom kindlichen (ca. 2 Jahre) auf
den Charakter übertragen. Da liegen doch 10-15 Jahre
dazwischen.

Aber wieso das denn? Der Charakter bildet sich doch nicht
plötzlich -buff!- 15 Jahre später aus dem Nichts. Jede der
entwicklungsgeschichtlich bedeutsamen Phasen wirkt doch direkt
auf die weitere Persönlichkeitsbildung ein. Natürlich wird
durch die LATENZZEIT einiges nicht so sichtbar und so deutlich
wie dann später in der Teenagerzeit.

Aha. Verstehe ich das richtig, dass die Psychoanalyse besagt, dass die Erfahrungen in den jeweiligen Phasen der Entwicklung soweit im Menschen drin bleiben, dass sie später im Charakter „zusammengefasst“ sind?

Vom analen Charakter abgesehen: Es ist immer wieder die Rede
von verschiedenen Fixierungen auf/von/in/aus (?) den Phasen
der Entwicklung (orale Phase bis Pubertät) und dass daraus der
Charakter (mit-)bestimmt wird. Und dass man bei erwachsenen
Menschen anhand ihre Charakters und ihrer Eigenheiten erkennt,
wo sie fixiert geblieben sind.

Na, wenn wir z.B. beim analen Charakter bleiben: Diese
Menschen sind später eher zwangfhaft. Die fallen evtl. durch
Überordentlichkeit, rigide Rituale, gruppenstörenden
Eigensinn, betonte Pünktlichkeit, aber auch direkte
Zwangssymptomatik auf. Das ist aber jetzt SEHR verkürzt
wiedergegeben, die Realität ist natürlich weitaus komplexer,
aber nicht hier in einem Posting abzuhandeln.

Ja, was „analer Charakter“ ist ist ja in meinem Buch beschrieben, da sind genau die Punkte auch aufgezählt.

Was mich aber viel mehr interessiert ist, was bedeutet hier „Fixierung“? Wieso haben nur manche Menschen diese Eigenschaften so stark, obwohl doch jeder durch die anale Phase muss? Wodurch entsteht so eine Überbetonung der zu den Phasen zugeordneten Charaktereigenschaften?

Danke
Hansi

Hallo Hansi

Aha. Verstehe ich das richtig, dass die Psychoanalyse besagt,
dass die Erfahrungen in den jeweiligen Phasen der Entwicklung
soweit im Menschen drin bleiben, dass sie später im Charakter
„zusammengefasst“ sind?

Grob gesagt: Ja.

Was mich aber viel mehr interessiert ist, was bedeutet hier
„Fixierung“? Wieso haben nur manche Menschen diese
Eigenschaften so stark, obwohl doch jeder durch die anale
Phase muss? Wodurch entsteht so eine Überbetonung der zu den
Phasen zugeordneten Charaktereigenschaften?

Es kommt darauf an, welche (rigiden) Einschränkungen man in den Phasen antraf, wie wohlwollend oder eben nicht wohlwollend die Bezugspersonen (meist Eltern) da mit einem umgesprungen sind. Eine rigide statt liebevolle und geduldige Art, die Sauberkeitserziehung durchzuführen und weiterhin eine strenge, einschränkende Art führen in der Analphase und motorischen Phase (2. bis 4. Lebensjahr) eben je nachdem zu einem rigideren (zwanghafteren) oder trotzigeren Charakter.

Gruß,
Branden

Hi Branden!

Was mich aber viel mehr interessiert ist, was bedeutet hier
„Fixierung“? Wieso haben nur manche Menschen diese
Eigenschaften so stark, obwohl doch jeder durch die anale
Phase muss? Wodurch entsteht so eine Überbetonung der zu den
Phasen zugeordneten Charaktereigenschaften?

Es kommt darauf an, welche (rigiden) Einschränkungen man in
den Phasen antraf, wie wohlwollend oder eben nicht wohlwollend
die Bezugspersonen (meist Eltern) da mit einem umgesprungen
sind. Eine rigide statt liebevolle und geduldige Art, die
Sauberkeitserziehung durchzuführen und weiterhin eine strenge,
einschränkende Art führen in der Analphase und motorischen
Phase (2. bis 4. Lebensjahr) eben je nachdem zu einem
rigideren (zwanghafteren) oder trotzigeren Charakter.

Aaaaha, jetz geht mir das Licht an. Danke!

Kann man also sagen, dass je nachdem in welcher Entwicklungsphase ein Kind sehr streng behandelt wurde, entsprechendes Verhalten mitgenommen wird?

Gibt es von hier aus auch Parallelen zur Entstehung von Neurosen und Psychosen?

Danke
Hansi

Hallo Hansi

Kann man also sagen, dass je nachdem in welcher
Entwicklungsphase ein Kind sehr streng behandelt wurde,
entsprechendes Verhalten mitgenommen wird?

Ja. Natürlich kann -außer im ersten Lebensjahr- auch „Verwöhnung“, keine-Grenzen-ziehen usw., die Persönlichkeitsentwicklung gefährden bzw. beeinflussen.

Gibt es von hier aus auch Parallelen zur Entstehung von
Neurosen und Psychosen?

Ja, man kann sagen, dass eben auf diosem Wege die Neurosen, also sowohl Symptom-Neurosen und Charakter-Neurosen, entstehen.
Bei den Psychosen (Schizophrenie, Wahnentwicklung, Cyclothymie usw.)ist das Anlage-Umwelt-Verhältnis, also das Verhältnis zwischen Erbanlagen und Erziehungseinfluss, eher umstritten bzw. nicht endgültig qantitativ geklärt.

Gruß,
Branden

Hi!

So, hab heute die Prüfung gemacht.

Kann man also sagen, dass je nachdem in welcher
Entwicklungsphase ein Kind sehr streng behandelt wurde,
entsprechendes Verhalten mitgenommen wird?

Ja. Natürlich kann -außer im ersten Lebensjahr- auch
„Verwöhnung“, keine-Grenzen-ziehen usw., die
Persönlichkeitsentwicklung gefährden bzw. beeinflussen.

Gibt es von hier aus auch Parallelen zur Entstehung von
Neurosen und Psychosen?

Ja, man kann sagen, dass eben auf diosem Wege die Neurosen,
also sowohl Symptom-Neurosen und Charakter-Neurosen,
entstehen.
Bei den Psychosen (Schizophrenie, Wahnentwicklung, Cyclothymie
usw.)ist das Anlage-Umwelt-Verhältnis, also das Verhältnis
zwischen Erbanlagen und Erziehungseinfluss, eher umstritten
bzw. nicht endgültig qantitativ geklärt.

Danke für die Erklärungen. Mir ist jetzt einiges klarer.

Bye
Hansi