nach großer Überwindung war ich im Dezember bei einer Psychotherapeutin. Sie bescheinigte mir nach dem ersten Beratungsgespräch Anzeichen einer Depression und riet mir, mir zu überlegen, ob ich eine Psychoanalyse oder Psychotherapie machen wolle. Dabei unterstellte sie, dass die Analyse eher auf mich anwendbar wäre, allerdings sehr viel Zeit und Disziplin erfordere und deshalb womöglich nicht machbar wäre (habe eine Fernbeziehung und zwei Kinder, davon eines erst 8 Monate alt).
Nun überlege ich hin und her. Denn folgendes:
Ich fühle mich den Großteil der Zeit ruhig und ausgeglichen. Ich habe ein gewisses Temperament. Freunde und Verwandte, auch mein Mann, waren aber allesamt entsetzt darüber, dass ich eine Depression haben solle. Nun redet man ja nicht mit Jedem über alles, was einen beschäftigt. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, worauf mich mein Mann brachte, dass es einen Zusammenhang mit meinem Zyklus und den wenigen, dafür aber sehr-sehr tiefen Löchern geben könnte. An den Tagen um meinen Eisprung herum bin ich faktisch regelmäßig kurz davor, aus dem Fenster zu hüpfen (
Bevor ich nun anfange, mich in die Analysemühlen zu begeben, frage ich doch besser an, ob es da Erkenntnisse eines Zusammenhangs gibt? Denn ich habe eigentlich keine wirklichen Probleme und fühle mich glücklich, mache auch auf andere einen adäquaten Eindruck.
Können Hormone derart destruktiv wirken? Und gibt es „Gegenmittel“?
Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, will dich aber auf einige Dinge
hinweisen, sodass du selbst deine Schluesse ziehen kannst.
Anzeichen einer Depression sind keine Depression. Bedenke, dass
auch gesunde Menschen analysiert werden koennen und dass dies der
Broterwerb der Therapeutin ist.
Du beschreibst dich selbst als grundsaetzlich nicht depressiv,
sondern nur phasenweise. Auch dein Umfeld kennt dich als nicht
depressiv. (Es soll allerdings auch versteckte Depressionen geben,
die sich paradoxerweise in Heiterkeit aeussern.)
Du hast festgestellt, dass deine depressiven Phasen in Verbindung
mit Ereignissen deines Regelzyklusses stehen. Es ist bekannt, dass
Hormone Einfluss auf die Psyche haben.
Aus diesen 3 Feststellungen ziehe ich vorsichtig die
Schlussfolgerung, dass du keine Therapie brauchst, sondern einen
Endokrinologen (Hormonarzt), der dir vielleicht ein Medikament
verschreiben kann, dass die psychischen Wirkungen deines Zyklusses
abfangen kann. Wende dich zunaechst an deinen Hausarzt.
Angesichts der Informationen, die du gibst und meines laienhaftes
Wissens ueber Medizin, erscheint mir meine Schlussfolgerung
vernuenftig.
ich verstehe nicht ganz, warum du überhaupt zu einer Therapeutin gegangen bist, wenn du dich doch grundsätzlich glücklich und ausgeglichen fühlst - ohne Probleme…??
Ich fühle mich den Großteil der Zeit ruhig und ausgeglichen.
… An den Tagen um meinen
Eisprung herum bin ich faktisch regelmäßig kurz davor, aus dem
Fenster zu hüpfen (
Bevor ich nun anfange, mich in die Analysemühlen zu begeben,
frage ich doch besser an, ob es da Erkenntnisse eines
Zusammenhangs gibt? Denn ich habe eigentlich keine wirklichen
Probleme und fühle mich glücklich, mache auch auf andere einen
adäquaten Eindruck.
Erstmal ist deine Angst vor der „Analysemühle“ völlig unbegründet, weil es die so gar nicht gibt. Du führst einfach nur relativ lockere Gespräche mit dem Therapeuten.
Zweitens denke ich das der Besuch eines Facharztes für Psychiatrie/Neurologie die bessere Idee gewesen wäre, weil der kann dir eher sagen ob du eine Therapie und/oder doch besser weiter Untersuchungen, z.b. beim Endokrinologen(Hormonspezi) brauchst - oder ob vielleicht beides sinnvoll sein könnte.
Können Hormone derart destruktiv wirken?
Ja das können sie, da ist aber der Facharzt der richtige Ansprechpartner. Im Fall von psych./neurologischen/Hormonproblemen habe ich selbst die Erfahrung gemacht, das da der Hausarzt und auch Internisten nicht die richtige Anlaufstelle sind. Hast du schon mal mit deinem Frauenarzt darüber gesprochen?
Und gibt es „Gegenmittel“?
Ja, überwinde deine Angst/Vorurteile gegenüber psych. Krankheiten und den entsprechenden Ärzten. Depression ist eine Krankheit die man behandeln und heilen kann. Viele schleppen sie aber so lange mit sich rum bis sie chronisch geworden ist. Die Welt ist leider nunmal nicht so simpel, das jede Krankheit nur eine klare Ursache hat - die man mit Tabletten weg bekommt. Die Therapie könnte dir zumindest helfen besser mit deinen schlechten Tagen umzugehen.
ich verstehe nicht ganz, warum du überhaupt zu einer
Therapeutin gegangen bist, wenn du dich doch grundsätzlich
glücklich und ausgeglichen fühlst - ohne Probleme…??
Ich schrieb doch, dass ich um den Eisprung herum total am Boden bin. Das ist wirklich ein sehr angsteinjagendes Gefühlschaos, was ich da durchlaufe - bis hin zu Selbstmordgedanken! Auch die inzwischen zur Gewissheit gewordene Tatsache, dass es nach wenigen Stunden schon vorbei sein wird, hilft mir in diesem Augenblick nicht heraus. Ich weine faktisch ununterbrochen und bis zur totalen Erschöpfung. Alles ist nur noch schwarz…
Aber schwups - plötzlich ist alles vorbei, geht es schnell und kontinuierlich wieder aufs normale Plateau-Level hinauf.
auf den Endokrinologen wäre ich nie gekommen. Frauenarzt wäre jetzt mein nächster Gedanke gewesen. Bin mir auch ziemlich sicher, dass der Zyklus eine sehr große Rolle spielt. Bis vor kurzem habe ich ja noch gestillt und erst in den letzten Wochen wieder regelmäßig meine Tage. Schon ist wieder alles wie vor meiner Schwangerschaft.
Eine postnatale Depression schloss ich immer aus, weil ich eine sehr glückliche und vollkommen non-ambivalente Schwangerschaft genießen durfte. Mein Besuch im Dezember war ein Cocktail aus Angst vor der wieder zu erwartenden Schwarzen Phase und Gerade-mal-Zeit-Haben.
Erstmal ist deine Angst vor der „Analysemühle“ völlig
unbegründet, weil es die so gar nicht gibt. Du führst einfach
nur relativ lockere Gespräche mit dem Therapeuten.
Diese Ärztin machte so Andeutungen, dass das sehr kräftezehrend und intellektuell anspruchsvoll und deshalb nicht mit jedem durchführbar wäre. Auch die sehr lange Dauer jagte mir Respekt ein. Nach lockeren Gesprächen hörte sich eher die Therapie an.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass mich schon dieses eine Gespräch extrem aufgewühlt hatte und ich Stunden brauchte, um mich zu beruhigen.
Zweitens denke ich das der Besuch eines Facharztes für
Psychiatrie/Neurologie die bessere Idee gewesen wäre, weil der
kann dir eher sagen ob du eine Therapie und/oder doch besser
weiter Untersuchungen, z.b. beim Endokrinologen(Hormonspezi)
brauchst - oder ob vielleicht beides sinnvoll sein könnte.
Die kleinen feinen Unterschiede sind mir erst jetzt bewusst geworden.
Können Hormone derart destruktiv wirken?
Ja das können sie, da ist aber der Facharzt der richtige
Ansprechpartner. Im Fall von
psych./neurologischen/Hormonproblemen habe ich selbst die
Erfahrung gemacht, das da der Hausarzt und auch Internisten
nicht die richtige Anlaufstelle sind. Hast du schon mal mit
deinem Frauenarzt darüber gesprochen?
Das werde ich jetzt tun. Einen Termin habe ich schon vereinbart.
Und gibt es „Gegenmittel“?
Ja, überwinde deine Angst/Vorurteile gegenüber psych.
Krankheiten und den entsprechenden Ärzten. Depression ist eine
Krankheit die man behandeln und heilen kann. Viele schleppen
sie aber so lange mit sich rum bis sie chronisch geworden ist.
Die Welt ist leider nunmal nicht so simpel, das jede Krankheit
nur eine klare Ursache hat - die man mit Tabletten weg
bekommt. Die Therapie könnte dir zumindest helfen besser mit
deinen schlechten Tagen umzugehen.
Ich habe vom Prinzip her gar nichts gegen eine Therapie einzuwenden, wenn sie notwendig sein sollte. Aber wenn die Hormone „schuld“ sind, dann wäre eine Therapie für mich aus obengenannten Gründen trotz allem ein Gewaltakt. Ich empfinde es nämlich als gar nicht locker, mein Seelenleben auf den Tisch zu packen und durchstochern zu lassen.
Diese Ärztin machte so Andeutungen, dass das sehr
kräftezehrend und intellektuell anspruchsvoll und deshalb
nicht mit jedem durchführbar wäre.
Das ist ein / der wesentliche Punkt. Nur ein relativ kleiner Anteil der Gesamtbevölkerung ist für Psychoanalyse geeignet. Intelligenz, Einsichtsfähigkeit und eine gewisse Disziplin sind gleichsam Grundvoraussetzungen.
Wenn Dich diese Ärztin aber so einschätzt, spricht ja viel dafür, diese -zugegeben- priviligierte Behandlungsform zu wählen.
Du beschreibst dich selbst als grundsaetzlich nicht
depressiv, sondern nur phasenweise.
Depression tritt ja nun üblicherweise in Phasen auf. Außerdem gibt es bei vielen Depressiven Stimmungsschwankungen im Laufe des Tages (sogenannte Tagesschwankungen).
Du hast festgestellt, dass deine depressiven Phasen in
Verbindung mit Ereignissen deines Regelzyklusses stehen. Es ist bekannt,
dass Hormone Einfluss auf die Psyche haben.
Das ist richtig, spricht aber auch nicht gegen Depression bzw. depressive Verstimmungen. So gibt es z.B. das prämenstruelle Syndrom, das sich u.a. durch depressive Verstimmungen in der zweiten Hälfte des Zyklus auszeichnet.
nach großer Überwindung war ich im Dezember bei einer
Psychotherapeutin.
ich finde es gut, daß Du zu einer Therapeutin gegangen bist.
Dabei unterstellte sie, dass die Analyse […] sehr viel Zeit
[…] erfordere
Das ist richtig: 3 bis 5 Termine in der Woche, 300 bis 600 Termine von 50 Minuten Dauer innerhalb von 1 bis 3 Jahren.
Dabei klingen 70-80% der depressiven Phasen innerhalb eines Jahres, ca. 50% innerhalb von 6 Monaten von selbst ab.
Ob die Analyse in dieser Hinsicht also die optimale Therapieform ist?
An den Tagen um meinen
Eisprung herum bin ich faktisch regelmäßig kurz davor, aus dem
Fenster zu hüpfen (
Das ist eine wichtige Beobachtung, die Du beschreibst: Stimmungsschwankungen in Verbindung mit dem Zyklus sind nicht ungewöhnlich, müssen aber kein Zeichen von Depression oder depressiver Verstimmung sein. Sie können es allerdings.
Bevor ich nun anfange, mich in die Analysemühlen zu begeben,
frage ich doch besser an, ob es da Erkenntnisse eines
Zusammenhangs gibt? Denn ich habe eigentlich keine wirklichen
Probleme und fühle mich glücklich, mache auch auf andere einen
adäquaten Eindruck.
Ob Du eine Therapie machen möchtest oder nicht, ist Deine Entscheidung. Wenn Du keinen Anlaß dafür siehst, weil Du Dich glücklich fühlst und andere Dich ebenso einschätzen, aus welchen anderen Gründen würde dann eine Therapie sinnvoll sein?
Ich habe Branden so verstanden, dass es keinen Grund für den Therapeuten gibt, eine umfangreichere Therapie nur wegen dem Umfang zu verschreiben, da es egal ist, ob er 1 Patienten 50 Stunden therapiert oder 50 Patienten 1 Stunde. Unterm Strich bekommt er dasselbe raus.
Anders ist es, wenn er Privat- und Kassenpatienten gemischt hat. Für den Privatpatienten bekommt er mehr Geld die Stunde, also könnte hier gegebenenfalls in Versuchung geraten, den Patienten lange zu halten.
Psychoanalyse und Verhaltenstherapie wird aber von beiden Kassen - privat als auch gesetzlich - übernommen.