Hallo Oliver,
vielen Dank erstmal für deine Antwort!
ich halte es für wichtig, diese Entscheidung vom Einzelfall
und von der Problematik abhängig zu machen. Prinzipiell ist es
allerdings eher günstiger, wenn man auf einer Schiene bleibt.
Was wäre dann eine sinnvolle Ergänzung oder Vertiefung? Welche Möglichkeiten gibt es ausser VT?
Hose. Ich kann mich irren, weil ich den Patienten nicht kenne.
Wie schätzt Du ihn/sie ein? Ist sein/ihr Störungsbild sehr
stark durch die Analyse beeinflußt? Oder ist er/sie durchaus
bereit, diese Ansichten ein wenig tiefer zu hängen?
Ich kenne sie nur nach der Therapie, wie sie vorher war und inwiefern
diese greift, kann ich nicht wirklich beantworten. Aber aus ihren Erzählungen kann ich entnehmen, daß sie sich schon sehr zum Positiven entwickelt hat. Aber irgendwie stagniert das Ganze jetzt. Und wenn man Fortschritte, in welchem Bereich auch immer, gemacht hat, möchte man eben weitergehen und nicht stehen bleiben.
(Mit dem Ziel der Selbstbewußtseinstärkung)
Da hätte ich eher an die umgekehrte Kombination gedacht:
zuerst die VT und dann die PA (oder eine humanistische
Therapie). Zuerst aus der Waagerechten in die Senkrechte und
anschließend so etwas wie Persönlichkeitsveränderung /
Selbstverwirklichung.
Es war die Entscheidung der Therapeutin. Die Situation ist nicht mehr zu ändern.
Ehrlich gesagt spricht es für mich eher für das Scheitern der
Analyse, wenn der Patient nach 2-3 Jahren immer noch arge
Selbstzweifel hat, obwohl die angeblichen Ursachen „klar
erkannt und identifiziert wurden“.
Die Ursache war/ist ein tyrannischer, ständig nörgelnder und überstrenger Vater, der keinen Raum für individuelle Entfaltung gelassen hat. Und seine Kinder auf Teufel komm raus, zu „braven“
und folgsamen Wesen erzogen hat, indem er jeden Widerstand im Keime erstickt hat!
In einem solchen Fall würde
ich es als ein Drama empfinden, wenn sich der Patient in
seiner Verzweiflung an die analytische Sichtweise klammert,
obwohl sie ihm nicht hilft und stattdessen den Weg zu einer
besseren Zukunft versperrt.
Das würde ich nicht sagen, sie ist durchaus auf einem besseren Weg!
Hat endlich, mit 36(!), das Elternhaus, bzw. die unmittelbare Nähe, wo übrigens noch alle anderen Geschwister leben, verlassen. Ist in eine andere Gegend gezogen, hat eine Beziehung usw.
Vor der Therapie litt sie unter Neurosen, solchen absurden Zwangsgedanken, die eben genau auf ihren Konflikt hinweisen,
Depressionen, Selbstmordgedanken etc. Diese „pathologischen“ Formen haben sich ziemlich aufgelöst, aber wenn sie vor einer Autoritätsperson steht, wie etwa Chef/Chefin, ist es ihr unmöglich frei zu sprechen, sie mutiert dann wieder zum hilflosen Kind, stammelt
unsicher, kann sich nicht durchsetzen und auch keine klaren Gedanken fassen. Dieses Schema sehe ich auch bei jeder Art von Konflikt, sei es im Verkehr oder wo auch immer. Entweder wird sie überzogen aggressiv oder eben total verunsichert.
Und da dachte ich eben noch an eine ergänzende VT. So als aktives Training.
Nochmals vielen Dank für deine Mühe!
Freundliche Grüße
P.