Mal eine Frage: der Begriff „psychologischer Psychotherapeut“ (bzw. „medizinischer Psychotherapeut“) ist ja rechtlich geschützt. Ist der Begriff „Psychoanalytiker“ auch geschützt?
Daraus leitet sich eine Frage zur Ausbildung zum Psychoanalytiker ab: kann man an den anerkannten Instituten nur als Psychologe oder Mediziner zum Psychoanalytiker ausgebildet werden? Oder ist die Ausbildung (und ggf. der Titel) davon unabhängig? Oder gibt es dafür keine einheitliche regelung? Ich gehe davon aus, daß auf jeden Fall nur Psychologen und Mediziner bei der Krankenkasse abrechnen können.
Hallo JOnas
Du hast zwei Fragen aufgeworfen; ich will versuchen, beide zu beantworten.
Ist der Begriff „Psychoanalytiker“ auch geschützt?
Dieser deine erste Frage ist schwerer zu beantworten als die zweite.
Da die Ausbildung zum Psychoanalytiker früher „wilder“ war als heute, ist selbst mir, der ich meine Ausbildung an einem Psychoanalytischen Institut absolviert habe, nicht endgültig klasr, ob der Titel „Psychoanalytiker“ allein wirklich geschützt ist. Ich vermute sogar: nein.
Daraus leitet sich eine Frage zur Ausbildung zum
Psychoanalytiker ab: kann man an den anerkannten Instituten
nur als Psychologe oder Mediziner zum Psychoanalytiker
ausgebildet werden?
Die Frage leitet sich leider ganz und gar nicht aus der ersten ab, denn diese möchte ich mit „Ja“ benatworten. Wenn man sich an den üblichen psychoanalytischen Ausbildungs-Instituten bewirbt, ist die Grundvoraussetzung ein abgeschlossenes Medizinstudium ODER ein abgeschlossenes Psychologie-Studium. Es gibt aber wohl einige Institute, wo man sich auch mit einem anderen abgeschl. geisteswissenschaftlichen Hochschulstudium bewerben kann, z.B. als Theologe oder als Sozialpädagoge.
Ich gehe davon aus, daß auf jeden Fall nur
Psychologen und Mediziner bei der Krankenkasse abrechnen
können.
Diese deine dritte Frage kann ich nun aber wiederum mit einem „Ja“ beantworten. Man muss Arzt oder Dipl.Psychologe sein, um mit den Kankenkassen abrechnen zu können. Die gesetzlichen Krankenkassen stllen sozusagen das engste Nadelöhr in der Berufsperspektive dar.
Gruß,
Branden
Diese deine dritte Frage kann ich nun aber wiederum mit einem
„Ja“ beantworten. Man muss Arzt oder Dipl.Psychologe sein, um
mit den Kankenkassen abrechnen zu können. Die gesetzlichen
Krankenkassen stllen sozusagen das engste Nadelöhr in der
Berufsperspektive dar.
Gruß,
Branden
dazu eine ergänzung:
es fehlt die berufsgruppe der „kinder-und jugendlichenpsychotherapeuten“, die auch die behandlung psychischer störungen (patienten bis 21 j.) mit den krankenkassen abrechnen, aber als zugangsvoraussetzung zur mehrjährigen weiterbildung ausser dem arzt- oder psychologenabschluss auch pädagogen sein können.
Da die Ausbildung zum Psychoanalytiker früher „wilder“ war als heute
Das erklärts für mich wahrscheinlich. Ich bin unter anderem auf die Frage gekommen, da ich verschiedentlich von Psychoanalytikern lese, die „Germanistik und Philosophie“ oder so etwas (also nicht Psychologie oder Medizin) studiert haben.
Ich bin unter anderem
auf die Frage gekommen, da ich verschiedentlich von
Psychoanalytikern lese, die „Germanistik und Philosophie“ oder
so etwas (also nicht Psychologie oder Medizin) studiert haben.
Ja, das war vor etwa 100 Jahren durchaus gang und gäbe. Freud hatte sich ja (siehe „Zur Frage der Laienanalyse“) sogar für die Ausbildung von Nicht-Ärzten in Psychoanalyse ausgesprochen, vermutlich, weil ihm aus Ärzte-Kreisen oft zu wenig Anteilnahme entgegen schlug. Zu seinem engsten Kreis gehörte z.B. Otto Rank, der weder Medizin noch Psychologie studiert hatte. Psychologie war damals übrigens auch noch eine Art Außenseiter-Studium, ähnlich wie Germanistik oder andere philologische Studien. Noch bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (1998 starb meine Lehranalytikerin Frau Prof. Dr. Annemarie Dührssen) gab es hie u7nd da Bestrebungen, die Psychoanalyse und Psychotherapie übehaupt maßgeblich in den Händen von uns Ärzten zu lassen. Das hat sich aber nicht durchgesetzt, da die Dipl.-Psychologen berufspolitisch viel besser organisiert sind als wir Ärzte und eine viel stringentere und klar motiviertere Ausrichtung hatten und haben.
Wir Ärzte sind -sozialpolitisch gesehen- großentels ein heterogener Haufen von allein vor sich hin wurstelnden Individualisten. Das ha sich seit Albert Schweitzer (Lambarene) kaum geändert.
Gruß,
Branden
Gruß,
Branden