Hallo…
in wie weit kann ein Psychologe bei Trauerarbeit helfen?
Habe nach ein paar Sitzungen aufgegeben weils mir nichts brachte…
Gibt es sonst noch andere Möglichkeiten? Fühle mich oft alleine und unverstanden…
Danke
Bianca
Hallo…
in wie weit kann ein Psychologe bei Trauerarbeit helfen?
Habe nach ein paar Sitzungen aufgegeben weils mir nichts brachte…
Gibt es sonst noch andere Möglichkeiten? Fühle mich oft alleine und unverstanden…
Danke
Bianca
Hallo
Ich denke mal,dass ein Psychologe bei der Trauerarbeit sehr hilfreich sein kann. Kenne allerdings die Trauerarbeit nur in der Gruppe mit anderen Trauerndenn in der meist ein Psychologe oder Psychologin anwesend war. Wichtig für mich war/ist, dass der Psychologe in der Lage ist bestimmte Gesprächssituationen in die „richtige Bahn“ zu lenken (unterstüzend mit fachlichem Rat beizustehen).Er soll keinesfalls bestimmte Regeln anwenden. Also Vorschriften erstellen wie z. B. alles wegräumen was mit Erinnerungen zusammenhängt usw. Jeder trauert anders.
Einzeltherapie alleine ohne andere Trauernde hätte mir ( kann jetzt nur mal für mich reden) nicht viel gebracht. Die ehrliche Meinung der Psychologen die ich kenne ist die, dass die Trauernden selber die „Experten“ sind und sich auch gegenseitig sehr gut (unter)stützen können. Hilfreich auch manchmal die unterschiedlichen Phasen der Trauer bei anderen zu beobachten.
Selbsthilfegruppen aufsuchen,Kontakte mit anderen Trauernden knüpfen !?
Aber ein guter Psychologe ist auf jeden Fall hilfreich!
Späte Grüße
Roland
Hallo Bianca!
Ein Psychologe, der Dir an soch einer Stelle helfen können soll muss unbedingt einen Punkt erfüllen:
Er oder sie muss selber den Punkt so tiefer, vielleicht tiefster Verlassenheit, und das unendliche Grauen, was sich in einem Trauerprozess auftut an der eigenen Seele durchschritten und gefühlt haben.
Das heisst nicht unbedingt, dass er selber schon jemanden sehr Nahestehenden verlorenen haben muss.
Es gibt andere Prozesse auch, die einen Menschen in seinem Reifungsprozess an die Stelle tiefster Verlassenheit führen können.
Aber ein Helfer, der diesen Punkt noch nicht in sich ausgehalten und integriert hat wird Dir niemals folgen können in Deiner Verlassenheit und Du wirst Dich niemals von ihm wirklich verstanden fühlen können was die Verlassenheit noch größer werden lassen kann.
Es gibt jedoch durchaus und zum großen Glück Menschen, nicht nur Psychologen, die das kennen und andere Menschen, die trauern, sehr hilfreich begleiten können.
Das Mitgehen und Mitfühlenkönnen ist in solchen Zeiten eine unendliche
Hilfe, meiner Erfahrung nach die Einzige mögliche.
Besonders hilfreich kann meiner Erfahrung nach ein Helfer, ein Psychotherapeut sein, der auch Zugang zur spirituellen Ebene hat, und ohne jetzt eine bestimmte Glaubensrichtung zu fixieren mit entspannten Gebeten und Kraft schöpfen von „oben“ helfen kann.
Wenn er selber das lebt, wird es in der Regel dem Trauernden helfen.
So kann ich mir durchaus vorstellen, dass auch ein guter, eingefühlter und menschlich reifer Pfarrer oft besser helfen kann , als ein menschlich weniger reifer Psychologe.
Eine unbefriedigende Erfahrung mit einem nicht passenden Helfer sollte nicht entmutigen, weiter Hilfe zu suchen. Denn Hilfe ist auf alle Fälle möglich.
Ich wünsch Dir oder dem/der um die es geht alles Gute und viel Mut und Kraft.
Anja
Hallo Bianca,
wie meine Vorredner bin ich auch davon überzeugt, das Klientin und Therapeut/in „zueinanderpassen“ müssen, und der Therapeut tatsächlich einiges nicht nur theoretisch erlernt, sondern möglichst auch erfahren haben, oder über große empathische Fähigkeiten verfügen sollte. Jedenfalls wenn es um Trauerarbeit geht.
Neben den klassischen Therapeuten gibt es aber noch eine Art Alternative. Ich habe Dir zwei Links geschickt über die Arbeit von Claudia Cardinal (nein nicht die Schauspielerin:wink:). Sie bildet schon seit einigen Jahren zur Sterbeamme aus, hat mittlerweile auch zwei Bücher über ihre Arbeit veröffentlicht. Ihre Arbeit umfaßt die Sterbegleitung, wie auch die spätere Trauerarbeit mit den Zurückbleibenden. Ich kenne sie persönlich und habe auch an einer ihrer Ausbildungsgruppen teilgenommen. Zwar ist sie hier in Hamburg, bildet aber auch im süddeutschen Raum aus und bietet hier ihre Ausbildungsgruppen (die über mehr als zwei Jahre laufen), für Leute, die von weiter weg kommen in Wochenendgruppen-Form an. Was ich damit sagen will ist, wenn Du Dir vorstellen könntest, mit der Herangehesweise einer „Sterbeamme“ etwas anzufangen, besteht duchaus eine Chance, eine solche auch zu finden. Du kannst mich gerne auch persönlich anmailen.
Liebe Grüße
Avera
Hallo Anja,
Aber ein Helfer, der diesen Punkt noch nicht in sich
ausgehalten und integriert hat wird Dir niemals folgen können
in Deiner Verlassenheit und Du wirst Dich niemals von ihm
wirklich verstanden fühlen können was die Verlassenheit noch
größer werden lassen kann.
Dann müsste aber ein Psychologe ja auch Depressionen an sich erfahren haben, um einem Depressionskranken zu helfen (als ein Beispiel)…
Unbestritten ist allerdings, dass in der Suchttherapie die Therapeuten die besten ‚Erfolge‘ aufweisen können, die selbst an einer Abhängigkeitserkrankung leiden und diese in den Griff bekommen haben, sprich: clean sind.
Was mich hier irritiert, ist, dass Trauer immer als ein so ‚schreckliches‘ Gefühl beschrieben wird. Trauer ist ein intensives und damit kostbares Gefühl; auch ist Trauer ein ‚aktiver‘ Moment, der im Gegensatz zur Depression als ‚passives‘ Leiden sehr viel Reichtum und Chancen (auch für den von Dir angesprochenen Reifeprozess) in sich birgt.
Mir hat es immer geholfen, in die Trauer ‚hineinzugehen‘ (damit meine ich nicht, sich fallen zu lassen), sie annehmen wie einen guten Weggefährten - für eine kleine Weile…
Gruß,
auch Anja
hallo Anja,
ja, zum Glück wird inzwischen nicht mehr derjenige als besonders geeignet für den Beruf des Therapeuten betrachtet, der ohne Probleme seinen Lebensweg-bis-dahin gemeistert hat, froh und ausgeglichen alles geschafft usw., sondern als besonders geeignet gilt eher der, der Probleme selbst gehabt und gelöst hat. Sozusagen: wenn man sich verirrt hat, ist der der beste Pfadfinder, der sich selbst lernen mußte zurechtzufinden. Das , was Du schreibst, gilt also nicht nur für Suchttherapeuten!
Zugleich begründet diese Wende in der Sicht des Therapeutenwahl auch, warum Selbsthilfegruppen zunehmend die Anerkennung finden, die sie m.A. nach verdienen. Für das Trauern um ein verstorbenes Kind ( jeden Alters!) sind die Selbsthilfegruppen „verwaiste Eltern“ oft die einzige noch mögliche Hilfe. Darum wollte ich an dieser Stelle auf deren Existenz aufmerksam machen. I.
Dann müsste aber ein Psychologe ja auch Depressionen an sich
erfahren haben, um einem Depressionskranken zu helfen (als
ein Beispiel)…
Wäre sicherlich der beste Therapeut in diesem Falle, wenn er sie denn integriert hat.
Mit psychiatrischen Begriffen habe ich es aus Überzeugung nicht so sehr…
Wenn Du aber die tiefe innere Leere und Traurigkeit meinst, Sinnlosigkeitsgefühle etc., was wir so im Allgemeinen mit „Depression“ verbinden, dann wird die auch nur ein Heiler heilen können, der da selber durchgegangen ist.
Da solche Gefühle nun aber ein Zeichen unserer Zeit sind, und den wenigsten Menschen fremd, wird sich da schon ein Therapeut finden…
Also, ich rede von Gefühlen und nicht von Begriffen.
Was mich hier irritiert, ist, dass Trauer immer als ein so
‚schreckliches‘ Gefühl beschrieben wird. Trauer ist ein
intensives und damit kostbares Gefühl;
Das ist eine Einstellung, die man aber nur im Laufe eines langen harten Prozesses erreicht.Und sicherlich nicht, wenn man am Anfang einer Trauer steht.
Durch das Schwarze muss man nun mal eben durch, will man ins Licht. Das wird Dir vermutlich jeder ehemals Trauernde bestätigen.
Ohne sich dessen bewusst zu sein, kann so ein Denken schnell zur Verflachung des Prozesses führen.Und damit zur Abwehr.
auch ist Trauer ein
‚aktiver‘ Moment, der im Gegensatz zur Depression als
‚passives‘ Leiden sehr viel Reichtum und Chancen (auch für den
von Dir angesprochenen Reifeprozess) in sich birgt.
Ich würde Trauer niemals an dieser Stelle in Beziehung zu „Depressionen“ setzen.
Mir hat es immer geholfen, in die Trauer ‚hineinzugehen‘
(damit meine ich nicht, sich fallen zu lassen), sie annehmen
wie einen guten Weggefährten - für eine kleine Weile…
Ja, das ist es, was man unter anderem auf dem Weg lernen kann.
Meine persönliche Erfahrung ist es, dass es keinen Unterschied macht, ob ich aktiv hinein gehe oder passieren lasse, was eh passiert- weil es eben sowieso geschieht.
Alles, was machbar ist, ist sich dem Leben in solchen Zeiten hinzugeben.
Damit kann man dann eventuell sogar lernen, sich dem Leben fortan überhaupt mehr hinzugeben- der große Schatz, den es in der Hölle der Trauer, als die sie zunächst einmal erscheint, zu finden gibt.
Anja
Hallo Bianca,
um dir vielleicht deine Frage beantworten zu können, stellen sich mir vorab zwei Fragen:
Hallo Tina
- Um wen oder was trauerst du?
- Seit wann trauerst du?
Also Ende Juni starb mein Papa (bin ein Papa-Kind) an Krebs, nachdem wir 2 Monate in Angst lebten ob er es schafft usw.
Und Anfang November hatte meine beste Freundin einen Herzinfakt und liegt seitdem im Koma und wird auch nicht mehr erwachen.
Ich habe noch meine Mutter, aber die 2 liebsten Menschen waren mein Papa und meine beste Freundin. Fühle mich nun ziemlich alleine…
Liebe Grüße
Bianca
Liebe Bianca,
vorab möchte ich dir sagen, dass auch ich in meinem Leben eine sehr große Trauer erfahren habe. Aus dieser Erfahrung weiß ich, dass es gut und richtig ist, sich in der Trauer Hilfe zu suchen. Gerade in ihr braucht man liebe Menschen, die einem nahe stehen, und meistens hat man genau diese verloren. Welch ein Loch, in das man da fällt! Oftmals werden mit der Verlusterfahrung und der Begegnung mit dem Tod komplexe Gefühle und Fragen losgetreten, wie Verlassen-sein, Schuld, Einsamkeit, Nie-wieder und und und … und es geht manchmal richtig ans Eingemachte, wie man umgangssprachlich sagt.
Dass du in deiner Trauer losgegangen bist und dir Hilfe suchen wolltest, finde ich sehr gut. Wenn du beim ersten Versuch nicht das gefunden hast, was du brauchst, rate ich dir, weiter suchen!
Drei Dinge sind aus meiner Sicht hilfreich:
Um dir deine Ausgangsfrage noch einmal deutlich zu beantworten:
Ja, Psychologen, die sich in dem Gebiet der Trauer(be- und)verarbeitung auskennen, können weiter helfen. Sie sind eine Möglichkeit, sich Hilfe zu suchen. Trauer ist ein Prozess. Lass dir Zeit. Gerade wenn dein Vater ein sehr wichtiger Mensch für dich in deinem Leben war, kann es sein, dass sich im Laufe der Zeit noch ganz andere Fragen über dich selbst entwickeln, wo dir möglicherweise ein Psychotherapeut (auch ohne Erfahrungen in Trauerbegleitung) helfen kann.
Liebe Grüße Tina